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"Anforderungen an unternehmerische Verantwortung erweitern sich"

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Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit verändern die Spielregeln für Unternehmen. Sie erweitern unternehmerische Verantwortung um ökologische und ethische Aspekte. Führungskräfte müssen technologische Innovation mit einer wertebasierten Unternehmenskultur verbinden, so Experte Karl Strempel im Gespräch.

Karl Strempel ist Partner bei Bain & Company in Düsseldorf und verantwortlich für den Bereich Sustainability & Responsibility in der DACH-Region.


springerprofessional.de: Wie verändert die Kombination aus KI und Nachhaltigkeit das Verständnis von unternehmerischer Verantwortung im 21. Jahrhundert?

Karl Strempel: Künstliche Intelligenz (KI) und Nachhaltigkeit prägen zunehmend die Geschäftsmodelle und Prozesse vieler Unternehmen. Damit erweitern sich auch die Anforderungen an unternehmerische Verantwortung, sowohl im Innenverhältnis, etwa in Bezug auf die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Befähigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Arbeitssicherheit, als auch im Außenverhältnis.

Nachhaltigkeit hat den ökologischen und gesellschaftlichen Einfluss von Unternehmen deutlich stärker sichtbar gemacht. Themen wie CO₂-Emissionen, Landnutzung und -verschmutzung, Recyclingquoten oder Auswirkungen auf die Biodiversität sind längst Teil des gesellschaftlichen Diskurses. Zudem fordern regulatorische Vorgaben verstärkt Transparenz. Unternehmen und ihre Führungskräfte müssen hierzu eine klare Haltung einnehmen. Damit hat sich der Umfang unternehmerischer Verantwortung zweifellos erweitert, wenngleich ökologische Aspekte für viele Unternehmen schon seit Jahren ein fester Bestandteil der Unternehmensführung sind.

Ähnlich verhält es sich mit KI: Hier stehen insbesondere Fragen nach Datensicherheit, ethischen Einsatzgrenzen und dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine im Fokus. Unternehmerische Verantwortung war schon immer multidimensional. Durch KI und Nachhaltigkeit wird dieses Spektrum nun wesentlich um ökologische und ethische Dimensionen erweitert.

Welche neuen Führungsqualitäten braucht es, um in einer Welt zu bestehen, in der technologische Disruption und ökologische Grenzen auf Unternehmen einwirken?

Technologische Disruptionen prägen das Kerngeschäft vieler Unternehmen, etwa der Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektrofahrzeug oder die Produktion von sogenanntem grünem Stahl. Auch über Branchengrenzen hinweg, wie durch den Einsatz von KI, sind erhebliche Investitionen erforderlich und das in einer Zeit zunehmender makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheiten.

Führungskräfte müssen daher mehr denn je komplexe wirtschaftliche, ökologische, ethische und regulatorische Zusammenhänge verstehen und kontinuierlich neu bewerten. Szenario-basierte Analysen und systemisches Denken gewinnen an Bedeutung. Oberste Führungsmaxime ist dabei die Schaffung und der Erhalt von Handlungsspielräumen bei gleichzeitiger Nutzung marktorientierter Chancen.

Erforderlich sind dafür ganzheitliches Denken, Resilienz, Anpassungsfähigkeit, authentische Kommunikation sowie die Fähigkeit, Partnerschaften aufzubauen und zu steuern, um Investitionslasten und Risiken zu teilen. Entscheidend sind zudem ein starker Wertekompass und eine klare Vision und Ambition für das Unternehmen. Führung erhält damit wieder eine stärker langfristige Perspektive.

Inwiefern sind Unternehmen Teil eines größeren ökologischen und gesellschaftlichen Systems und wie beeinflusst die Managemententscheidungen?

Unternehmen und die Entscheidungen ihres Managements spielen eine zentrale Rolle bei der Erreichung ökologischer und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Sie steuern einen erheblichen Teil der Investitionen, beeinflussen das Konsumverhalten und bestimmen als Arbeitgeber maßgeblich die ethischen Rahmenbedingungen. Damit sind Unternehmen ein integraler Bestandteil sowohl des ökologischen als auch des gesellschaftlichen Systems. Vor allem große Unternehmen üben einen überproportionalen Einfluss aus - im Positiven wie im Negativen. Im Idealfall spiegeln Managemententscheidungen diese Verantwortung wider.

Wie gelingt es Unternehmen, technologische Innovation mit einer wertebasierten Unternehmenskultur zu verbinden, ohne dass eines das andere dominiert?

Das ist ein fortlaufender Lernprozess, der kontinuierliche Anpassungen erfordert. Im Kern geht es darum, Innovation zu fördern und zugleich die ethische wie moralische Integrität von Unternehmen und Führungskräften zu bewahren. Entscheidend ist, technologischen Fortschritt und Unternehmenswerte gemeinsam zu denken und weiterzuentwickeln - etwa mit dem Ziel, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu befähigen, statt sie zu ersetzen.

Wie navigieren Unternehmen durch eine Zukunft, in der Planbarkeit zunehmend durch Szenariodenken und Resilienz ersetzt wird?

Es braucht eine starke und klare Vision für die Zukunft des Unternehmens und zugleich die taktische Fähigkeit, Flexibilität und Handlungsspielräume zu schaffen, um auf Markt-, geopolitische, regulatorische oder andere Veränderungen dynamisch reagieren zu können. Profitmaximierung ist dabei längst nicht mehr die alleinige Maxime unternehmerischen Handelns. Vielmehr rücken Aspekte wie Resilienz, Nachhaltigkeit und langfristige Stabilität zunehmend in den Vordergrund - etwa durch den gezielten Aufbau redundanter Lieferketten.

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