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14-03-2019 | Nachhaltigkeit | Im Fokus | Article

Versicherer sollten auf nachhaltige Kapitalanlagen setzen

Author:
Meris Neininger

Beim nachhaltigen Kapitalanlagemanagement stehen die Versicherer vor einem Paradigmenwechsel. Warum, erklärte Claus Stickler, Managing Director & Global Co-Lead bei Allianz Investment Management, auf dem 19. Vorlesungstag der Universität Leipzig.

Branchenexperte Claus Stickler betrachtet nachhaltige Kapitalanlagen nicht als Modeerscheinung. Er sieht die Branche vielmehr "am Beginn eines Paradigmenwandels". Auch für sein Haus werde diese Anlageform immer relevanter. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Allianz-Gruppe den Ausstieg aus Kohleinvestments klar umrissen und den Rückzug aus der Ölindustrie angekündigt. Man müsse heutzutage grundsätzlich weg von ökonomischen Betrachtungen und sich sozialen und nachhaltigen Betrachtungen öffnen, erläuterte Stickler auf der Veranstaltung der Universität Leipzig. So würde die Allianz Investment Management auch mit ihren Mitarbeitern immer häufiger über gesellschaftliche Verantwortung sprechen und welche Rolle nachhaltige Anlagen dabei spielen könnten.

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Das Thema Nachhaltigkeit eröffnet Risiken und Chancen

Obwohl nachhaltiges Investment neben Chancen auch Risiken berge, werde es zu einem zentralen Thema der Branche, die eine enorme gesellschaftliche Verantwortung trage, meinte der Volkswirt. Bei der Allianz sei der Nachhaltigkeitsansatz ganzheitlich. Die Gruppe nimmt alle Portfolien unter die Lupe und bezieht so auch alle Länder ins Nachhaltigkeitsmanagement ein. Die Betrachtung umfasst zudem alle  Asset-Klassen wie Bonds oder Equity and Alternatives. Nach Ansicht von Stickler ist es außerdem essentiell, ein breites ESG-Verständnis (Enviroment, Social, Governance = Umwelt, soziale Verantwortung, gute Unternehmesführung) zu leben, wobei es absolut notwendig sei, messen zu können, ob und was der veränderte Managementansatz bewirke.

Er gab dabei eine klare Linie, was die Versicherungsgruppe unter ESG versteht: Dabei handele es sich um nicht-finanzielle Faktoren, die die Geschäftsaktivitäten des Versicherers beeinflussen und von diesen beeinflusst werden können. Würden diese nicht angemessen berücksichtigt, könnten sie zu erheblichen Risiken werden. Konkrete Risiken seien zum Beispiel

  • Menschenrechtsverletzungen, 
  • illegale Abholzungsaktivitäten oder 
  • schwere Korruptionsvorwürfe. 

Positive Effekte nachhaltiger Geschäftsmodelle

Nach Auffassung der Allianz können sich die genannten Faktoren positiv auf zum Beispiel die Nachfrage nach Investitionen in erneuerbare Energien oder Lösungen für Schwellenmärkte auswirken. Der Grund liege in der Transparenz und dem nötigen Dialog. "Dieser Weg ist für die nächsten Jahre und Jahrzehnte für uns und die Branche essentiell", so Stickler.

Dabei lassen sich nachhaltige Faktoren in der Unternehmensstrategie auch in einen Marketingprozess einbinden. Nötig ist hierzu die richtige Kommunikation.  Wie leicht und über welche Kanäle externe Stakeholder auf relevante CSR- und Nachhaltigkeitsinformationen eines Versicherers zugreifen können sollten, erklären Désirée Schubert und Elsa Pieper im Buchkapitel "Agenda für eine wirksame externe Nachhaltigkeitskommunikation" (Seite 43, 44). Die Springer-Autorinnen geben sieben Tipps für Versicherungsunternehmen: 

  1. Bieten Sie klar identifizierbare CSR-Informationen zu Ihrem Unternehmen möglichst auf der ersten Ergebnisseite, auf die ein Nutzer nach seiner Sucheingabe (zum Beispiel über Google) gelangt. 
  2. Steuern Sie auffindbare Ergebnisse so, dass ein Nutzer idealerweise mehrere Meldungen zu klar identifizierbaren CSR-Themen Ihres Unternehmens möglichst auf der ersten Ergebnisseite findet. 
  3. Stellen Sie sicher, dass die Verlinkung auf einen klar benannten CSR-Bereich auf Ihrer Unternehmens-Website reibungslos funktioniert. 
  4. Spielen Sie Ihre (relevanten) CSR-Themen auch in Social-Media-Kanälen und stellen Sie eine einwandfreie Verlinkung sicher.
  5. Sofern vorhanden, teasern Sie Ihren aktueller CSR-Bericht oder Ihre DNK-Entsprechenserklärung an. 
  6. Platzieren Sie systematisch Pressemeldungen zu CSR-Themen und steuern sie gezielt aus. 
  7. Sorgen Sie dafür, dass auch andere, objektive Quellen auf Ihr CSR-Engagement referenzieren.

Allianz will bis 2050 klimaneutral sein

Was seine langfristigen Ziele betrifft, hat der Allianz-Konzern klare Vorstellungen: Bis 2050 sollen Investments und Versicherungen klimaneutral sein. Die Herausforderung bestehe darin, eine globale Abdeckung zu erreichen, für die der Konzern die Einhaltung von Mindeststandards in den Ziel-Unternehmen im Blick haben müsste. Das verlange einen intensiven Dialog mit den Partnern vor Ort und auch Einzelfallprüfungen. Dabei müsse sich die Gruppe immer wieder mit dem sogenannten Greenwashing vieler Firmen auseinander setzen. Auch fehle es noch an einer klaren Definition für Green Bonds.  

Für sein Nachhaltigkeitsmanagement bei Kapitalanlagen der Allianz Leben greift der Versicherer auf ein Scoringverfahren zurück, das Kapitalanlagen im Hinblick auf deren Nachhaltigkeit checkt. "Wir wollen in zukunftsträchtige Assets investieren. Und wir wollen wissen, mit welchen Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen wir bei einzelnen Anlagen rechnen müssen. Deshalb messen wir mit dem Scoring erstmals, inwieweit sogenannte ESG-Kriterien bei unseren Kapitalanlagen eingehalten werden", erläuterte Chefanleger Andreas Lindner das Verfahren. Das Scoring sei gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen (NGO) entwickelt worden, betonte Lindner.

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