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About this book

Das Politische spiegelt sich seit jeher in der Literatur. Erkenntnisleitendes Interesse des Bandes ist es, die in Narrationen enthaltenen politischen Auseinandersetzungen und Reflektionen zu erschließen und daraufhin zu untersuchen, was sie uns heute für ein vertiefendes Verständnis des Politischen zu sagen vermögen. Dazu werden Sophokles´ Tragödie "Antigone", der "Melier-Dialog" des Thukydides, Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas" sowie Christoph Heins Roman "In seiner frühen Kindheit ein Garten" politisch gelesen, wobei interdisziplinäre Aspekte der Narrationen gleichfalls angesprochen werden.

Table of Contents

Frontmatter

1. Zum narrativen Ansatz in der politischen Bildung

Zusammenfassung
Das Erzählen und damit Narrationen gibt es von alters her. Sie machen ein Spezifikum des Menschseins aus. Ausgehend von der Literaturtheorie geriet das Narrative zu Beginn der 1970er Jahre in das Blickfeld der Sozialwissenschaften. In der Folge wurde Literatur im Kontext philosophischer, religiöser, ethischer, rechtlicher, soziologischer, wirtschaftlicher, pädagogischer, geschichtlicher und politikwissenschaftlicher Diskurse thematisiert. Narrationen können das politische Verständnis ganzheitlich und nachhaltig fördern. Literatur stellt das Leben in seiner Gänze vor, wovon das Politische einen Teil ausmacht. Der hier vorgestellte narrative Ansatz in der politischen Bildung berücksichtigt die Ergebnisse des politikdidaktischen Diskurses zur Kompetenzorientierung, ermöglicht eine fächerübergreifende Perspektive, vermittelt Erfahrungen von Mehrdeutigkeit, Ambiguität und Kontingenz, fördert die politische Urteilsbildung und sucht als zentralem Anliegen dem Verstehen des Politischen nachzukommen.
Ingo Juchler

2. Sophokles: Antigone

Zusammenfassung
Seit der Entstehung des Theaters als attische Tragödie aus dem Kult um Dionysos ist es mit öffentlichen Angelegenheiten, mit dem Politischen, verknüpft. Die Beziehung von Politik und Theater wurde während der historisch neuen Staatsform Demokratie umso bedeutsamer, als die Aufführungen Herausforderungen des politischen Zusammenlebens, eingebettet in übergreifende, existentielle Fragen des menschlichen Daseins, behandeln. Die Zuschauer können sich vermittels der Bühnenwerke über Zumutungen des Politischen austauschen und eine reflektierte Auseinandersetzung führen. Die in der Antigone des Sophokles (ca. 442 v. Chr.) behandelten Themen sind als zeitlos-klassisch zu charakterisieren und betreffen elementare Konzepte des Politischen: Erkenntnisskepsis und Urteilskraft, Staatsgewalt und Widerstand sowie Staatsräson und erweiterte Denkungsart. Weiterhin werden politische Antigone-Adaptionen von Alfred Döblin, Jean Anouilh und Rolf Hochhuth untersucht.
Ingo Juchler

3. Thukydides: Der Melier-Dialog

Zusammenfassung
Thukydides’ Beschreibung des Krieges zwischen Athen und Sparta (431-404 v. Chr.) stellt einen klassischen Text der Geschichtswissenschaft wie der Politikwissenschaft dar. Die Rezeption des Peloponnesischen Krieges von Thukydides setzte bereits in der Antike ein und reicht über die Neuzeit – mit direktem Einfluss auf das politische Denken von Thomas Hobbes – bis in die Gegenwart. Basierend auf der im Melier-Dialog enthaltenen Lehre des Thukydides im Hinblick auf das Recht des Stärkeren werden die politischen Konzepte von Macht, Interessen und Recht in den internationalen Beziehungen untersucht. Darüber hinaus erfolgt eine Diskussion des stets prekären Verhältnisses von Macht und Recht in den gegenwärtigen internationalen Beziehungen anhand des Irak-Krieges von 2003, der Einrichtung sowie der Aktivitäten des Internationalen Strafgerichtshofs sowie dem Verständnis von Macht und Recht in der deutschen Außenpolitik.
Ingo Juchler

4. Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas

Zusammenfassung
Heinrich von Kleist übertrug in seiner Erzählung Michael Kohlhaas (1810) grundsätzliche gesellschaftspolitische und rechtliche Debatten seiner eigenen Zeit, die maßgeblich durch die Aufklärung und die Französische Revolution geprägt waren, auf die frühneuzeitlichen Auseinandersetzungen des historischen Hans Kohlhase. In Michael Kohlhaas werden die modernen Theorien des Gesellschaftsvertrags ebenso angesprochen wie Fragen des Naturrechts und des Rechts auf Widerstand, das Rechtsgefühl und das staatliche Gewaltmonopol. Was den Text über die rechtlichen und politischen Inhalte hinaus so interessant macht, ist der ambivalente Grundton, welcher die Erzählung durchzieht. Die vorliegende Abhandlung thematisiert die Zusammenhänge von Rechtsunsicherheit und Erkenntniskrise, Rechtsgefühl und quasi-religiöser Mission, Vertragstheorien und staatlichem Gewaltmonopol sowie die politische Rezeptionsgeschichte und das Recht auf Widerstand.
Ingo Juchler

5. Christoph Hein: In seiner frühen Kindheit ein Garten

Zusammenfassung
Mit seinem Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten (2005) nimmt sich Christoph Hein einer Thematik an, die einen realen Handlungshintergrund hat, der zu Beginn der 1990er Jahre die politische Öffentlichkeit in der Bundesrepublik umtrieb und polarisierte – die Ereignisse um die versuchte Festnahme von Mitgliedern der Kommandoebene der Roten Armee Fraktion (RAF) im Bahnhof des mecklenburgischen Ortes Bad Kleinen. Die Narration eignet sich zur Thematisierung der politischen Konzepte von Ordnung, Demokratie, Recht, Rechtsstaatlichkeit, Massenmedien, staatlichem Gewaltmonopol und Gerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund ermöglicht der Roman hier eine politische Auseinandersetzung mit dem zeithistorischen Kontext der Entstehung und der Aktivitäten der RAF, der Zusammenhänge des Rechtsstaats und der „gebrechlichen Einrichtung der Welt“ sowie des Rechtsstaats und der Massenmedien. Weiterhin werden interdisziplinäre Bezüge zu Heinrich Bölls Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Franz Kafkas Der Prozess, Andres Veiels Black Box BRD sowie den Korintherbriefen des Paulus vorgenommen.
Ingo Juchler

Backmatter

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