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About this book

Das Buch zeigt auf, wie sehr Europa in den letzten Jahrzehnten auf dem Weg zu einer immer engeren Union der Bürgerinnen und Bürger vorangekommen ist. Fast unbemerkt von Öffentlichkeit und Wissenschaft hat sich Europa „von unten“, durch grenzüberschreitende Aktivitäten der Menschen, sozial integriert. Mit anderen Worten: Es gibt unzählige Prozesse der europäischen Vergesellschaftung, die sich zum Netzwerk Europa verdichtet haben – keine supranationale Gesellschaft im klassischen Sinne, sondern ein Verdichtungsraum personeller Mobilität und Kommunikation. Das Buch widmet sich dieser europäischen Vergesellschaftung anhand von Migration, Auslandsstudium, Tourismus und Telefonie – und diskutiert, welche Chancen und Konflikte sich daraus für das Zusammenleben der Europäerinnen und Europäer ergeben.

Table of Contents

Frontmatter

Kapitel 1. Europa als Netzwerk: eine neue Perspektive auf einen alten Kontinent

Zusammenfassung
Wie kann man Prozesse der Vergesellschaftung Europas soziologisch fassen? Basierend auf dem Ansatz der horizontalen Europäisierung plädieren wir dafür, Europa makrosoziologisch als Netzwerk zwischengesellschaftlicher Austauschprozesse zu definieren und mit den Methoden der sozialen Netzwerkanalyse zu untersuchen. Auf grenzüberschreitende Mobilität und Kommunikation konzentriert, entwickeln wir einen konzeptionellen Rahmen, aus dem sich Erwartungen darüber ableiten lassen, wie sich das Netzwerk Europas seit ca. 1960 im Hinblick auf Dichte, Ungleichheitsstruktur und Sichtbarkeit im globalen Austauschgeschehen entwickelt hat.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Kapitel 2. Netzwerkdaten und Untersuchungsmethoden

Zusammenfassung
Wir verstehen Europa als Netzwerk grenzüberschreitender Vergesellschaftung, die wir über Ströme transnationaler Aktivität messbar machen. Unsere Europadefinition umfasst 37 Länder, die wir für sich und im Kontext der globalen Verflechtung untersuchen. Unsere Daten für Migration, internationale Studierende, Reisen und Telefonie reichen dabei bis maximal 1960 zurück. Die einzelnen Untersuchungsschritte, die wir nacheinander vorstellen, nutzen verschiedene Methoden und Maßzahlen der Netzwerkanalyse und beziehen in unterschiedlichem Maße die europäischen beziehungsweise weltweiten Verflechtungen ein.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Kapitel 3. Europa als Migrationsnetzwerk

Zusammenfassung
In Sachen Migration hat sich das Netzwerk Europa seit 1960 stark verdichtet, vor allem nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und die EU-Osterweiterungen. Herausgebildet hat sich dabei eine tiefe Spaltung in West (das Zentrum mit Zuzug) und Ost (die Peripherie mit massivem Wegzug), und immer stärker richten sich die intra-europäischen Migrationsströme am Wohlstandsgefälle aus. Die Zuwanderung im Zuge des Ukrainekonflikts und der Flüchtlingskrise hat den langfristigen Trend hin zu einem großen und in sich relativ geschlossenem europäischen Migrationsnetzwerk vorerst gestoppt, ja sogar umgekehrt.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Kapitel 4. Europa als Studierendennetzwerk

Zusammenfassung
Was bis ca. 1990 nur wenige junge Leute machten, machen heute viele: in einem anderen europäischen Land studieren. Starke Wachstumsraten gab es dabei sowohl unmittelbar vor als auch nach dem Beginn des Bologna-Prozesses. Die Ströme der Studierenden verteilen sich heute um einiges gleichmäßiger als früher, wobei die jungen Leute dort weggehen, wo die Universitäten schlechter sind, um dort zu studieren, wo die Wirtschaft floriert. Im weltweiten Austauschgeschehen bildet Europa heute eine weitgehend integrierte Komponente, die sich vor allem nach der Jahrtausendwende stabilisiert hat.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Kapitel 5. Europa als Tourismusnetzwerk

Zusammenfassung
Der Schengenraum und die Billigflieger erleichtern heute das Reisen in Europa wie nie zuvor. Von 1995 bis 2015 hat sich der intra-kontinentale Tourismus fast verdoppelt. Allerdings verteilt sich dieser regional immer noch ungleich und ist nach wie vor eng an die wirtschaftliche Zentrum-Peripherie-Struktur gekoppelt. In den weltweiten Reiseströmen ist der Kontinent weitgehend integriert, bis auf zwei Ausnahmen sind alle europäischen Länder in einer einzigen Komponente zusammengefasst. Diese Regionalisierung Europas war schon 1995 stark ausgeprägt, hat sich aber nochmals verstärkt.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Kapitel 6. Europa als Telefonienetzwerk

Zusammenfassung
Dank der Mobilfunkrevolution und von Tarifsenkungen hat sich das Volumen der grenzüberschreitenden Telefonie in Europa von 1983 bis 2015 verneunfacht. Die prosperierenden Länder der „EU-Banane“ sind dabei nach wie vor die Knotenpunkte der Kommunikation. Obgleich die Europäer heute anteilig mehr mit der außereuropäischen Welt kommunizieren als früher, ist Europa im weltweiten Telefonverkehr fast vollständig in einer einzigen Komponente integriert und damit leichter denn je als eigenständiges Netzwerk identifizierbar; es gibt zwar das vielzitierte „global village“, aber Europa bildet ein Dorf für sich.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Kapitel 7. Europäische Vergesellschaftung: Bilanz und Bewertung

Zusammenfassung
In diesem Abschlusskapitel bilanzieren wir, wie Europa über Ströme der Mobilität und Kommunikation über die letzten Jahrzehnte zum Netzwerk Europa zusammengewachsen ist. Mit Blick auf die verursachenden Kräfte sehen wir eine vergesellschaftende Wirkung des politische Projekts Europa, die die Forschung bislang unterschätzt hat. Allerdings hat dieses Netzwerk eine eindeutige Zentrum-Peripherie-Struktur; das Zusammenwachsen Europas ist deshalb ein ambivalenter Prozess, der gleichermaßen neue Problemlagen und Konflikte aufgeworfen hat wie er transnationale Verbundenheit und Solidarität stiftet.
Jan Delhey, Emanuel Deutschmann, Monika Verbalyte, Auke Aplowski

Backmatter

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