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22-10-2015 | Nutzfahrzeuge | Im Fokus | Article

Ganzheitlich zu weniger Emissionen

Author:
Stefan Schlott

Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen moderner Lastwagen-Kombinationen lassen sich mit am Markt verfügbaren Instrumenten um einen zweistelligen Prozentsatz senken, wenn dabei nicht nur die Zugmaschine in dieser Hinsicht optimiert wird. Das ergab ein Praxisversuch, dessen Ergebnis Daimler Trucks vorstellt.

Nutzfahrzeuge unterliegen immer komplexer werdenden Anforderungen: Aus Sicht der Flottenbetreiber - ob im Güterverkehr oder in der Personenbeförderung - sollen sie vorrangig wirtschaftlich und zuverlässig sein. Um den global steigenden Transportbedarf nachhaltig bewältigen zu können, müssen Nutzfahrzeuge außerdem möglichst sparsam mit Ressourcen haushalten und weltweit immer strengere Abgasnormen erfüllen. Hinzu kommen der weiterhin hohe Kostendruck sowie die Anforderung, mit jeder neuen Fahrzeuggeneration mehr Komfort und Sicherheit zu bieten.

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Diese sich eigentlich widersprechenden Trends eröffnen enorme Chancen. Sie stellen die Nutzfahrzeugindustrie aber auch vor immense Herausforderungen und erfordern Innovationen als Antworten auf Fragen, die Markt und Marktumfeld aufwerfen. Der globale Wettbewerb verlangt zudem immer kürzere Innovationszyklen und die Vielfalt der Modell- und Ausstattungsvarianten nimmt stetig zu. Immer höhere Produktkomplexität und die Verschiebungen in der Wertschöpfungskette fordern die Industrie insgesamt heraus.

Umfangreiche Testreihen unter realistischen Bedingungen

Um zu evaluieren, welche Resultate sich erreichen lassen, wenn anstatt punktueller Verbesserungen an Einzeltechniken ein Fernverkehrs-Lkw ganzheitlich optimiert wird, führte Daimler Trucks zusammen mit den Logistik-Unternehmen DB Schenker Logistics, Große-Vehne und Elflein umfangreiche Testreihen durch. Im Zuge dieses Efficiency Run fuhren normale Fernfahrer unter realistischen Bedingungen auf typischen Routen typische Transporte mit typischen Beladungen. Die Dekra begleitete die Versuche im Detail. Sie definierte die Versuchsbedingungen, nahm die Messungen vor und wertete die Ergebnisse aus.

Diese nun von Daimler präsentierten Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Eines der Kernresultate: Die beiden für den Efficiency Run optimierten Mercedes-Benz Actros Standard-Sattelzüge verbrauchten jeweils rund 12 bis 14 Prozent weniger Kraftstoff als ein Standard-Sattelzug der Spedition auf Basis des Fuhrpark-Bestands 2014.

Gesamtsystem Lkw-Transport optimieren

Der integrierte Ansatz hat zum Ziel, das Gesamtsystem Lkw-Transport zu optimieren. Neben der Zugmaschine betrachtet man dabei auch den Auflieger (Maße und Gewichte, Luftwiderstand, Leichtbau), die Reifen (Rollwiderstand, Luftdruck, Einzelbereifung) oder den Kraftstoff (Biokraftstoff, Erdgas). Aber auch der Fahrbetrieb (Fahrertraining, Ladungsbündelung), die Infrastruktur oder das Thema Flottenerneuerung spielen als Stellhebel im integrierten Ansatz eine Rolle. Dass der integrierte Ansatz in der Praxis funktioniert, hat der Efficiency Run nun unter Beweis gestellt.

Für Daimler-Vorstand Dr. Wolfgang Bernhard ist das Ergebnis eindeutig: "Damit ist bewiesen: Wenn wir den Verbrauch und die CO2-Emissionen im Straßengüterverkehr weiterhin deutlich senken wollen, dürfen wir nicht nur beim Motor ansetzen. Dann müssen wir die Kräfte bündeln und auch Reifen, Auflieger und andere wichtige Komponenten einbeziehen."

Damit unterstreicht der Efficiency Run, was in der Theorie schon länger als Handlungsoption identifiziert wurde. Im Kapitel "Grundsätzliche Ansätze zur Emissionsreduktion im Güterverkehr" aus dem Buch "Green Logistics" beschreibt Paul Wittenbrink vier grundsätzliche Ansätze zur Emissionsreduzierung im Nutzfahrzeugbereich. Diese lauten Vermeiden, Verlagern, Vermindern und Vergüten (Kompensieren) und stehen in engen Abhängigkeiten zueinander.

Potenzial des Gigaliners

Der Efficiency Run untersuchte auch das Potenzial des Lang-Lkw - ebenfalls mit eindeutigem Ergebnis. Der Standard-Lang-Lkw erzielte im Test einen Verbrauchsvorteil von rund 17 Prozent gegenüber dem eingesetzten Standard-Sattelzug im volumenbasierten Transport. Dies dürfte die Gigaliner-Debatte weiter anheizen. Immerhin: Die Zwischenergebnisse zum Feldversuch der Experten der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) sind überwiegend positiv .

Die Experten der Bast informieren in dem 113 Seiten umfassenden Bericht über die vorliegenden Erkenntnisse zum Einsatz des Lang-Lkws. Insgesamt seien keine gravierenden Probleme im Feldversuch unter den gegebenen Randbedingungen festgestellt worden. Gemessen an der Vielzahl der betrachteten Fragestellungen sei die Zahl der identifizierten Risiken gering. Zudem seien die identifizierten Risiken bei der derzeitigen Anzahl von Lang-Lkws, aber auch unter der Annahme von deutlich höheren Anteilen am Güterverkehrsaufkommen, als hinnehmbar oder zumindest beherrschbar einzustufen.

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