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22-05-2019 | Online Banking | Nachricht | Article

15 Millionen Deutsche brauchen keine Bankfiliale

Author:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 min reading time

Die Digitalisierung hat das Verhalten der Bankkunden geändert. Neben den Kosten interessieren sie vor allem digitale Services. Auf den Gang in die Filiale verzichtet bereits jeder dritte Online-Banking-Nutzer, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Die Deutschen schauen bei der Wahl ihrer Bank zwar noch immer als erstes auf die Kosten sowie auf die gebührenfreie Nutzung von Geldautomaten (jeweils 95 Prozent). Doch laut der jüngsten repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter mehr als 1.000 Deutschen steht der Wunsch nach digitalen Services gleichauf mit der persönlichen Beratung vor Ort (jeweils 67 Prozent). Auf schnell erreichbare Filialen legen 58 Prozent der Befragten wert und auf die Marke 56 Prozent. Mobile Bezahlangebote wie etwa Google oder Apple Pay sind dagegen nur für 36 Prozent der Teilnehmer wichtig.

Interessant: 31 Prozent der Online-Banking-Nutzer, das sind 15 Millionen Bundesbürger ab 16 Jahren, besuchen nie eine Bankfiliale. Sie bevorzugen es, Bankgeschäfte ausschließlich per Notebook, PC oder Smartphone durchzuführen. Dabei ist Online Banking nicht nur bei den jungen Deutschen von 16 bis 29 Jahren beliebt (85 Prozent), sondern auch bei den 30- bis 49-Jährigen (93 Prozent) und der Generation zwischen 50 und 64 Jahren (83 Prozent). Nur bei den Senioren ab 65 Jahren fällt der Anteil auf 21 Prozent ab.

Persönliche Beratung per Video 

"Praktisch alle Banking-Anwendungen und Finanzberatungen lassen sich schon heute genauso gut, wenn nicht sogar besser online durchführen", erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg die Ergebnisse der Umfrage. Dabei müsse der Kunde nicht auf persönliche Beratung verzichten. Diese könne online, telefonisch oder per Video zu Hause oder auch unterwegs stattfinden.

Im Zuge dieses Trends nimmt laut Umfrage auch die Treue der Kunden zu ihrem Institut ab. Während vor einem Jahr 34 Prozent der Bundesbürger schon einmal ihr Haupt-Girokonto gewechselt haben, ist dieser Anteil inzwischen auf 41 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte von ihnen (57 Prozent) hat das Konto sogar dreimal oder öfter gewechselt (2018: 45 Prozent). In den Fokus rutschen dabei immer öfter reine Online-Banken. Waren es 2018 noch neun Prozent, die hier ihr hauptsächlich genutztes Girokonto hatten, sind es aktuell 14 Prozent. Weitere 19 Prozent können sich einen Wechsel laut Befragung zumindest vorstellen. Für knapp ein Drittel (29 Prozent) kommt sogar ein Konto bei einem Tech-Konzern wie Amazon, Google oder Apple infrage, würde dies angeboten. 47 Prozent der Befragungsteilnehmer stört, dass deutsche Banken im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern bei digitalen Services zurück liegen.  

PSD2 verschafft Kunden eine neue Position

Was den Kunden zusätzlich Optionen biete, ist die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2, erläutert Berg. Sie habe dafür gesorgt, dass der Kunde und nicht mehr die Bank über Kontodaten und Kontobewegungen verfügt. Das spiele auch Start-ups in die Hände. "Wir erleben gravierende Verschiebungen im Verhältnis der Kunden zu ihrer Bank", so der Bitkom-Präsident. Institute, die diese Veränderungen erkennen und ihr Angebot entsprechend anpassen, könnten sich allerdings einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. 

 

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