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14-02-2014 | Pflanzliche Baustoffe | Im Fokus | Article

Dämmplatte aus Rohrkolben ausgezeichnet

Author: Annette Galinski

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Diffusionsoffen, besonders druckfest und biegesteif - Rohrkolben verfügt über viele positive Eigenschaften. Eine magnesitgebundene Dämmplatte, die alle Qualitäten der Wasser- und Sumpfpflanze vereint, wurde jetzt ausgezeichnet.

Als Wasserpflanze sind Rohrkolben (lat. Typha), unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Gerbstoffe schützen sie vor Schimmel und die besondere Struktur des Blattgewebes macht sie leicht und stabil. Die dicken Blätter werden maximal bis zu fünf Meter lang und eignen sich hervorragend als Dämmmaterial. In enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP entwickelte die Firma typha technik Naturbaustoffe eine magnesitgebundene Dämmplatte aus Rohrkolben. "Sie ist belastbar, schimmelresistent, hochdämmend, energiearm in der Herstellung, rein biologisch und nachhaltig", heißt es in der Pressemitteilung des Fraunhofer Institutes. Gewürdigt wurde der Baustoff von der Standortinitiative "Deutschland – Land der Ideen" und der Deutschen Bank mit dem Preis "Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen".

Vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten

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Die hohe Biegesteifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht ermöglicht den Einsatz der Platte für Dachkonstruktionen oder als Leichtbausandwichelement für Fußböden und Zwischendecken. Laut Fraunhofer Institut ist auch die Gestaltung von Türblättern, Fenster- und Türstürzen sowie der Ersatz von Holzbalken möglich. Sie verfügt über eine Wärmeleitfähigkeit von 0,055 W/m²K aus. Zudem ist sie relativ diffusionsoffen und dennoch ausreichend dicht, sodass auf eine Dampfbremse in vielen Fällen verzichtet werden kann. In Richtung der Plattenebene ist das Material mit hohem Druck belastbar. Auch bezüglich des Brand-, Schall- und Wärmeschutzes schneidet die Dämmplatte aus Rohrkolben gut ab. Neben den positiven technischen Eigenschaften, ist der Baustoff vollständig in den Stoffkreislauf rückführbar. "Im Bereich der Fachwerksanierung ist es bereits eine der preisgünstigsten Lösungen", erläutert Diplom-Ingenieur Theo Großkinsky vom Fraunhofer IBP die Vorteile des regenerativen Dämmstoffes. Über den Einsatz als Dämmung hinaus, experimentierten die Forscher auch mit anderen Pflanzenteilen. Sie vermischten die Samenschirmchen der Rohrkolben mit Lehm und konnten so Rissbildungen im Putz vermeiden.

Nachhaltiges Nutzungskonzept

Die schnellwüchsige Wasser- und Sumpfpflanze gedeiht in großem Umfang vorwiegend in Osteuropa (Rumänien und Ungarn). In Deutschland ist er vor allem im Donaudelta zu finden. Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes von Werner Theuerkorn vom Büro für Denkmalpflege und Baustoffentwicklung kultiviert die Technische Universität München seit 1996 auf einer Vernassungsfläche im bayerischen Donaumoos Rohrkolbenpflanzen. Sie sind in der Lage, die durch langjährige Landwirtschaft entwässerten Niedermoorflächen zu regenerieren. So kann Rohstoffgewinnung, Wasserreinigung und Moorschutz zu einem nachhaltigen Nutzungskonzept verknüpft werden. In einer aktuellen Pressemitteilung erläutert DBU-Referent Dr. Reinhard Stock, die Rohrkolben funktionierten wie eine natürlich Kläranlage. Sie kämen sehr gut mit teils aus der Landwirtschaft stammendem nährstoffbelastetem Wasser zurecht und reinigten es. „Zudem binden die Pflanzen Kohlendioxid, die vernässten Anbauflächen verhindern die Freisetzung von Treibhausgasen und sind gleichzeitig Lebensraum für daran angepasste Tier- und Pflanzenarten“, so Stock.

Dämmstoff mit Durchsetzungskraft

Zur Reinigung von Abwässern in Kläranlagen, zum Entgiften von Böden oder als Heilpflanze in der traditionellen Medizin wird Rohrkolben schon seit langem eingesetzt. Nur auf dem von mineralischen und chemischen Dämmmaterialien beherrschten Markt muss er sich beispielsweise in Form von Dämmplatten noch durchsetzen. "Besonders die energiearme Produktion des Baustoffes und die Tatsache, dass das Produkt wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden könne, sprechen für die neuartigen Platten", heißt es in der Pressemitteilung des DBU.