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20-07-2015 | Pflanzliche Baustoffe | Im Fokus | Article

Magnesitgebundener Baustoff auf Basis des Rohrkolben

Author: Christoph Berger

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Auf Basis der natürlichen Eigenschaften des Rohrkolbens entwickelte der Architekt Werner Theuerkorn in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP einen Baustoff. Auf der Expo 2015 in Mailand wird er vorgestellt.

Aufgrund der strukturellen Beschaffenheit des Rohrkolbens lassen sich Baumaterialien erzeugen, die ein Alleinstellungsmerkmal in der Kombination von Dämm- und Tragwirkung aufweisen.

Auf dieser Basis entwickelten Theuerkorn und das IBP einen magnesitgebundenen Baustoff, der alle positiven Qualitäten des Rohrkolbens vereint: Er ist statisch belastbar, schimmelresistent, gut dämmend und energiearm in der Herstellung.

Der Rohrkolben selbst ist eine unempfindliche Sumpfpflanze. Der Baustoff besteht nur aus dem Pflanzenmaterial und einem mineralischen Kleber. Vorgestellt wird er auf der derzeit in Mailand stattfindenden Expo 2015 – im Deutschen Pavillon und im Typhahouse.

Der Rohrkolben auf der Expo 2015

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Im Deutschen Pavillon wird der Baustoff „nur“ im Modell zu sehen sein. Angereichert wird diesen mit ersten Basisinformationen zu Standort und Eigenschaften der Pflanze sowie deren Nutzung als zukunftsweisender Baustoff.

Das Typhahaus – Typha ist übrigens die lateinische Bezeichnung für den Rohrkolben – ist hingegen nicht nur aus dem nachwachsenden Rohstoff konstruiert, sondern dieser trägt durch seinen Regenerationsbeitrag von Acker- und Nutzflächen sowie der Grundwasserreinigung zudem indirekt zur Nahrungssicherung bei. Immerhin ist Thema der Weltausstellung „Feeding the Planet, Energy for Life“.

Das Haus, eine wärmedämmende Baukonstruktion, besteht hauptsächlich aus selbsttragenden Wand-, Decken- und Bodenelementen. Letztere sind begehbar.

Der Rohrkolbenanbau ist auch ein Umweltschutzbeitrag

Die Innenraumschale ist diffusionsoffen und mit einer dekorativen Lehmschlämme versehen. Die Außenhaut wurde aus Gründen des Wetterschutzes mit Kalkschlämme verputzt. Im Inneren des Typhahouses können die Besucher anhand einer Videodokumentation den vollständigen Lebenszyklus – beginnend mit dem Anbau des Rohrkolbens, über die Ernte, die natürliche Beschaffenheit, die Weiterverarbeitung zum Baustoff sowie dessen Einbindung in die Konstruktion, bis hin zu dessen Rückführung in den Naturkreislauf, verfolgen. Vor dem Haus befindet sich ein Vegetationsteich mit Typhabepflanzung.

Der Anbau der Rohrkolbenpflanze leistet darüber hinaus einen bedeutenden Beitrag zum Umweltschutz: Er hat eine reinigende Wirkung auf nährstoffbelastete Oberflächengewässer. Zudem ist die Winterernte für Tierbestände störungsfrei und sie steht nicht in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsproduktion.

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