Philosophisches Handbuch Künstliche Intelligenz
- 2024
- Book
- Editor
- Klaus Mainzer
- Publisher
- Springer Fachmedien Wiesbaden
About this book
Das Handbuch schlägt die Brücke von der Grundlagenforschung zum Orientierungswissen. Es greift damit die Bildungs- und Ausbildungsziele der bundesweiten MINT-Initiative auf, die Mathematik (M), Informatik (I), Naturwissenschaft (N) und Technik (T) als fachübergreifendes Schlüsselwissen für technisch-wissenschaftlich gestützte Gesellschaften versteht. Additives Wissen und Ausbildung in getrennten Disziplinen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik reichen aber nicht aus. In der Künstlichen Intelligenz wachsen diese Disziplinen mit den Human- und Sozialwissenschaften zusammen.
Zunächst sollen die Grundlagen der KI-Forschung methodisch und begrifflich geklärt werden. Philosophie wird als Grundlagenforschung verstanden, die logisch und methodisch die Prinzipien von Wissenschaft und Technik untersucht. Daher handelt es sich um ein „Philosophisches Handbuch“ (in diesem Fall der KI) und nicht um eine Bindestrich-Philosophie, also ein Handbuch der Philosophie einer Einzelwissenschaft. Denken und Wissen selber und das Selbstverständnis der Menschen verändern sich durch KI grundlegend.
Table of Contents
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Von der Technikphilosophie zur Technikgestaltung
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Frontmatter
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Positionen der Technikphilosophie
Klaus KornwachsZusammenfassungEs werden in diesem Beitrag mögliche Positionen der Technikphilosophie zur KI dargestellt, die von unterschiedlichen Deutungen von Technik ausgehen. Dabei wird besonders von der Wissenschaftstheorie der Technikwissenschaften ausgegangen, da KI als der Versuch einer general purpose technology angesehen werden kann. Technikphilosophie als Teildisziplin der Philosophie stellt folgerichtig die leitenden Grundfragen der Philosophie nach Wissen, Hoffnungen, Handlungen und nach dem Menschen auch an die Künstliche Intelligenz als einer sowohl bereits bestehenden als auch prospektiven Technologie. Hier geht es letztlich um die anthropologische Differenz zwischen Mensch und Maschine, an der sich auch künftig philosophisches Nachdenken abarbeiten muss. -
Zum Unterschied zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz und den ethischen Implikationen der Verwechselung
Sarah SpiekermannZusammenfassungDieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, worin sich die menschliche Intelligenz von der künstlichen Intelligenz unterscheidet und ob es zulässig sein sollte, die KI als „menschenähnlich“ zu bezeichnen. Anhand von fünf Thesen wird gezeigt, dass ein in der Sprache weit verbreiteter Vergleich von menschlicher und künstlicher Intelligenz problematisch ist. KI-Systeme verfügen nämlich über wenig menschenähnliche Informationen; dafür aber über maschinenspezifische Information, die wir Menschen nicht haben. KI-Systeme können nicht menschenähnlich denken, da sie keinen Zugang zu Noemata haben. KI-Systeme können keine menschenähnlichen Motivationsstrukturen aufbauen, da sie nicht wahrnehmen können, was von Wert ist. Und schließlich wird ihre Autonomie nie sozial eingebettet sein, was diese fundamental von der menschlichen Autonomie und deren natürlichen Grenzen unterscheidet. Das Fazit dieses Artikels ist, dass KI-Systeme zwar vernünftig sein können, aber nicht intelligent. Und der Grund dafür ist letztlich, dass sie nicht die Fähigkeit haben, sich mit der Welt auf intelligente Weise im menschlichen Sinne zu verbinden; sie können mit der Welt „nichts anfangen“. -
Künstliche Intelligenz und Wissenschaftskommunikation
Marc-Denis WeitzeZusammenfassungWie lassen sich der Einsatz von KI und ihre Entwicklung in einem umfassenden Prozess der Abstimmung von Wissensansprüchen, Interessen, Werten und Präferenzen unter Einbeziehung aller interessierten gesellschaftlichen Gruppen nach Maßgabe der wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten gestalten? Die Wissenschaftskommunikation bietet hier multidisziplinäre Grundlagen, vielfältige Formate und benennt Bedingungen der Akzeptanz. -
Technikgestaltung: KI als Dienstleistung
Armin GrunwaldZusammenfassungTechnik wird üblicherweise auf menschlich gesetzte Ziele und Zwecke hin entwickelt. Entsprechend geht es in der weiteren Entwicklung der KI darum, sie als Dienstleistung für Zwecksetzungen auszugestalten, etwa in den Bereichen Gesundheit, Mobilität oder industrielle Produktion. Freilich zeigen Erfahrungen aus der Technikgeschichte, insbesondere der jüngeren Vergangenheit, dass Technikgestaltung unter Bedingungen und Begrenzungen steht, dass sie voraussetzungsreich ist und dass auch eine gelingende Technikgestaltung nicht unbedingt vor dem Eintreten nicht intendierter Folgen bewahrt. In der KI stellen sich diese bekannten Herausforderungen in einer besonderen Akzentuierung, da Komplexität, Selbstorganisationsfähigkeit und Lernfähigkeit von KI-Systemen einerseits die Prognostizierbarkeit des Erreichens von gesetzten Zwecken und des Vermeidens von nicht intendierten Folgen weiter reduzieren, andererseits sogar einen digitalen Determinismus bis hin zur Singularität als zumindest denkmöglich erscheinen lassen. Hierauf müssen gestaltungsorientierte Ansätze wie Technikfolgenabschätzung (TA) und Value Sensitive Design (VSD) gezielt reagieren. In diesem Kapitel werden zunächst einige Beispiele für Gestaltungsaufgaben im Rahmen der KI diskutiert, um sodann Technikgestaltung als normatives Programm einzuführen und von verbreiteten technikdeterministischen Annahmen abzugrenzen. Der doppelte Zukunftsbezug von Technik dient als konzeptioneller Rahmen, um die Herausforderungen der Umsetzung von Technikgestaltung in der KI zu präzisieren. Auf dieser Basis werden schließlich konkrete Ansätze der Technikgestaltung eingeführt und auf KI bezogen.
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Backmatter
- Title
- Philosophisches Handbuch Künstliche Intelligenz
- Editor
-
Klaus Mainzer
- Copyright Year
- 2024
- Publisher
- Springer Fachmedien Wiesbaden
- Electronic ISBN
- 978-3-658-19606-6
- Print ISBN
- 978-3-658-19605-9
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-19606-6
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