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About this book

Ziel dieses Bandes ist es, an konkretem Verhalten, nämlich der Planung, Entscheidung und Ausführung von Handlungen, zu demonstrieren, welche aktuellen Kenntnisse bereits auf den verschiedenen Untersuchungsebenen vorliegen und welche Auswirkungen diese Kenntnisse auf verschiedene Bereiche der menschlichen Gesellschaft haben. Das Konzept der Handlungsselektion (Action Selection) ist traditionell Thema einer Reihe verschiedener Forschungsansätze in der Psychologie und der Verhaltensforschung. In jüngerer Zeit haben sich auch die Neurobiologie, die Computer-Neurowissenschaften, die KI-Forschung und Robotik zunehmend dieser Problematik angenommen. Handlungsplanung, -ausführung und Monitoring eignen sich als Thema für eine Standortbestimmung in besonderer Weise, da experimentelle Daten aus der Psychologie, der Neurobiologie und der Modellierung zur Verfügung stehen.

Table of Contents

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Die Neurowissenschaften haben in den vergangenen Jahren eine so große mediale Aufmerksamkeit erfahren wie kaum eine andere naturwissenschaftliche oder medizinische Disziplin. Dies hängt einerseits mit den enormen Fortschritten dieser Fachrichtung zusammen und andererseits mit den großen Erwartungen und Hoffnungen, welche Neurowissenschaftler selber in die Öffentlichkeit getragen haben. Im Jahr 2004 veröffentlichten elf deutsche Neurowissenschaftler und ‐wissenschaftlerinnen ein Manifest über die Gegenwart und die Zukunft der Hirnforschung (Gehirn und Geist 2004).
Wolfgang Walkowiak

Bau und Funktion der Basalganglien bei „niederen“ Vertebraten

Zusammenfassung
Höher entwickelte Organismen verfügen über die Fähigkeit, Reize aus der Umgebung aufzunehmen, zu verarbeiten, abzuspeichern und gegebenenfalls biologisch sinnvolle Reaktionen – seien es biochemische, vegetative oder motorische – zu generieren. Ein Satz an motorischen Programmen erlaubt z.B. uns Menschen, stillzustehen, zu atmen, zu schlucken, die Augen zu bewegen, vor Gefahren zu fliehen und uns fortzupflanzen (Grillner 2003). Permanent muss vom Gehirn die Entscheidung getroffen werden, welches von vielen konkurrierenden motorischen Programmen zu einer gegebenen Zeit aktiv ist und welche Programme unterdrückt werden (Prescott 2008). Die Evolution hat die Entwicklung von Tieren begünstigt, die Handlungen so auswählen, dass sie ihre Überlebens‐ und Fortpflanzungschancen maximieren.
Arndt von Twickel, Wolfgang Walkowiak

Die Rolle der Basalganglien beim Unterdrücken von Handlungsimpulsen

Zusammenfassung
Ein vierjähriges Kind sitzt vor einem verlockenden Marshmallow und muss sich entscheiden: Entweder verschlingt es ihn sofort oder es wartet damit noch einige Minuten und erhält dann zwei Marshmallows. Das ist die Situation im berühmten Marshmallow‐Test, der zuerst von Walter Mischel in den 60er und 70er Jahren durchgeführt wurde (Mischel et al. 1972; Mischel 2015). Wie wird sich das Kind verhalten? Wie steuern überhaupt Menschen ihr Verhalten, wie funktioniert die Unterdrückung von ursprünglichen Handlungsimpulsen? Dies ist ein spannendes, aber auch komplexes und schwieriges Themenfeld, das Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen, von Biologen, Physikern, Psychologen, Ökonomen, Philosophen bis hin zu Robotikern, beschäftigt.
Robert Schmidt

Heuristiken als Grundlage menschlicher Entscheidungsprozesse

Zusammenfassung
Im Rahmen der Erforschung menschlicher Entscheidungsprozesse dominieren die Erklärungsansätze klassischer Rationalitätsmodelle, die auf der formallogischen Integration aller in einer Situation zur Verfügung stehenden Informationen beruhen (Laux et al. 2012). Auch wenn dabei nicht davon ausgegangen wird, dass Menschen diese Informationsverarbeitung bewusst vollziehen müssen, so wird doch mitunter angenommen, dass zumindest auf unbewusster Ebene neuronale Prozesse ablaufen, die dem rationalen Entscheidungsmodell äquivalent sind (Dawkins 1989).
Malte Petersen

Handlung zwischen Automatismus, Bauchgefühl und Erinnerung

Zusammenfassung
Im deutschen Sprachgebrauch ist Handeln im Normalfall zielgerichtetes Agieren, während in anderen, auf dem Lateinischen basierenden Sprachen, die Differenzierung zwischen zielgerichtetem und nicht zielgerichtetem Agieren entfällt (agere, to act). Ursachen und Motive von Handlungen zu erforschen ist Ziel mehrerer Wissenschaftsdisziplinen. Die Neurowissenschaften haben den Rahmen der Handlungsuntersuchungen noch erweitert, indem sie von exekutiven Funktionen sprechen und damit auch die theoretische Planung von Handlungen und das dazu notwendige vorausschauende Denken einbeziehen.
Hans J. Markowitsch, Angelica Staniloiu

Handlungen im sozialen Kontext

Zusammenfassung
Scheinbar mühelos verschaffen wir uns in einem „Augenblick“ einen ersten Eindruck von der inneren Verfassung anderer Personen. Die Fähigkeit, uns derart aufwandsarm mit anderen Personen zu beschäftigen, beruht darauf, dass unsere kognitive Ausstattung eine fundamentale Differenz vornimmt, nämlich die zwischen Menschen oder Personen einerseits und Dingen oder physikalischen Objekten andererseits. Im Gegensatz zu Dingen sind Menschen in ihrem Verhalten nicht ohne weiteres vorhersagbar.
Kai Vogeley

Neurobiologische Aspekte des Psychotherapieverlaufs

Zusammenfassung
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Psychotherapie wirksam und zumindest längerfristig Pharmakotherapie überlegen ist (Margraf 2009). Zugleich gibt es bisher keine gesicherten Beweise dafür, dass eine der gängigen Psychotherapieformen wie Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) oder psychodynamisch‐psychoanalytische Verfahren generell wirksamer ist als die jeweils anderen Verfahren (Benecke 2014).
Gerhard Roth

Störungen der Handlungsplanung bei Schlaganfallpatienten mit Apraxie

Zusammenfassung
Bis zur Hälfte aller Patienten mit einem linkshemisphärischen Schlaganfall leiden an motorischen Symptomen der oberen Gliedmaße, die über das Ausmaß der eigentlichen Lähmungen hinausgehen. Diese Störungen der motorischen Kognition, die nicht (alleine) auf elementare Defizite des senso‐motorischen Systems (das heißt Parese oder sensorische Deafferentierung) oder auf eine Störung der Kommunikation (Aphasie) zurückgeführt werden können, nennt man Apraxien (Dovern et al. 2011b). In der neurologischen Untersuchung äußern sich Apraxien als Beeinträchtigungen der Imitation von (abstrakten und symbolischen) Gesten.
Peter H. Weiss‐Blankenhorn

Künstliche Mini‐Gehirne für Roboter

Zusammenfassung
Auch Tiere mit relativ kleinen Gehirnen zeigen erstaunlich komplexe und robuste Wahrnehmungs‐ und Verhaltensleistungen. Dies gilt insbesondere für Insekten. Deren Mini‐Gehirne sind anpassungs‐ und lernfähig, sie ermöglichen ihnen, langfristige Gedächtnisse herauszubilden und sich kurzfristig an neue Gegebenheiten anzupassen.
Tim Landgraf, Martin Nawrot

Die Bedeutung der Neurowissenschaften für das Konzept verantwortlicher Urheberschaft

Zusammenfassung
Die mit dem neuen Millennium begonnene Auseinandersetzung über die Bedeutung der Neurowissenschaften für das Recht wird meist mit der (Un‐)Freiheitsdebatte im Strafrecht hundert Jahre zuvor verglichen und zum Teil als schon damals abschließend diskutiert betrachtet (Stuckenberg 2009, S. 12, 16). Seither hat es in der Rechtslehre jedoch diverse Diskussionen gegeben, Handlung, Vorsatz und Schuld als zentrale Elemente der Zurechnung anders zu verstehen als noch um das Jahr 1900.
Grischa Merkel

Methodologie und Leitidee der „modernen Hirnforschung“ und deren wissenschaftstheoretische, anwendungsbezogene sowie philosophische Konsequenzen

Zusammenfassung
Unter dem Schlagwort „moderne Hirnforschung“ werden in der medialen Öffentlichkeit neben den klinischen Neurowissenschaften, die es mit Hirnerkrankungen zu tun haben, vor allem die sogenannten kognitiven Neurowissenschaften thematisiert, die die neurophysiologischen Grundlagen psychischer Phänomene wie Denken, Fühlen, Erinnern usw. erforschen; Hirnforschung im engeren Sinne etwa als Neuroanatomie, Neurophysiologie oder Neurogenetik wird weitaus seltener medienwirksam inszeniert.
Christian Hoppe

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