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About this book

Sprache spielt im Hinblick auf politisches Handeln eine sehr bedeutsame Rolle. Die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Politik und Sprache erscheint umso notwendiger, als dieses Verhältnis in der gegenwärtigen politischen Bildung ein Schattendasein fristet. Der schulischen politischen Bildung kommt die Aufgabe zu, Schülerinnen und Schüler zu einem Umgang mit der politischen Sprache zu befähigen, der ihnen eine reflektierte Auseinandersetzung mit den in der Debatte stehenden politischen Gegenständen ermöglicht – auch und gerade vor dem Hintergrund der Zunahme populistischer Darstellungen, „alternativer Fakten“ und Lügen in der Politik. Mit der vorliegenden Publikation liegt ein erster Aufschlag vor, der das Spektrum des Verhältnisses von Politik und Sprache im Kontext der Handlungsfelder politischer Bildung umreißt.

Table of Contents

Frontmatter

Einführung

Zusammenfassung
Politisches Handeln steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Sprache. Sprache ist sowohl Werkzeug als auch Gegenstand von Politik. Bereits die antiken Klassiker waren sich der besonderen Rolle von Sprache in der Politik bewusst und haben sich mit der politischen Rhetorik, mit politischen Reden, auseinandergesetzt.
Ingo Juchler

Wandel politischer Kommunikation und politischer Kultur in der digitalen Gesellschaft. Strategien der Politikdidaktik

Zusammenfassung
In der digitalen Gesellschaft, in der die Interaktionen zwischen Alltagskultur, Medien und Politik (politischer Kultur) eine fundamentale Änderung erfahren, muss die politische Bildung als pädagogisches Prinzip gestaltet werden. Die Digitalisierung schafft Chancen der demokratischen Mitbestimmung, aber auch Gefahren in einer „entpersonalisierten Kommunikation“. Der dadurch veränderten Form der politischen Bewusstseinsbildung wird das Konzept der politischen Bildung als Unterrichts-, Kommunikations- und Interaktionsprinzip gerecht, die an den Dimensionen der politischen Realität ansetzt, welche als Strukturbedingungen der Bewusstseinsbildung gelten. Deshalb besteht die politikdidaktische Strategie erstens in der Ausdifferenzierung des Methodenlernens als Reaktion auf vereinfachende, ideologische und populistische erkenntnistheoretische Ansätze in der Kommunikation, zweitens einer politischen Kommunikation im Schulleben und in den Schulfächern, durch welche die Komplexität politischer Realität sichtbar wird sowie drittens der Behandlung der politischen Dimensionen der jeweiligen Inhalte im Fachunterricht, welche analysiert, kontrovers diskutiert und beurteilt werden. Diese politikdidaktische Strategie, welche die neuen Partizipationsmöglichkeiten in der digitalisierten Welt in den pädagogischen Prozess aufnimmt, stellt neue Herausforderungen für die Professionalisierung der Lehrer(innen) dar.
Carl Deichmann

Politik und Sprache – Anmerkungen zum Verständnis von Handeln und Sprechen bei Hannah Arendt

Zusammenfassung
In Anlehnung an Charles Taylors Unterscheidung zweier Theorietraditionen zur Bedeutung von Sprache wird Hannah Arendts Verständnis von Handeln und Sprechen der Theorietradition zugeordnet, die Sprache als konstitutiv für die Hervorbringung von Realität begreift.
Waltraud Meints-Stender

Drohender Untergang? Rechtspopulismus, Krisenrhetorik und (Film-)Sprache im Dokumentarfilm „Montags in Dresden“

Zusammenfassung
Die repräsentative Demokratie wird gegenwärtig durch den Rechtspopulismus herausgefordert. Rechtspopulisten kommunizieren (ungeachtet der gesellschaftlichen und politischen Realität) in einem Dauerkrisenmodus und stellen über diese Strategie ein Klima der Angst und Bedrohung her, das verstärkt in Gewalt gegen Minoritäten, politische Gegner und politische Repräsentanten eskaliert. Der Dokumentarfilm „Montags in Dresden“ porträtiert Akteure der Pegida-Bewegung und nähert sich den Protagonisten über ihren Alltag. Im Artikel werden anhand des Films Themen und Strategien rechtspopulistischer (Ideologie-)Sprache analysiert. Dabei wird auch der Beitrag des Dokumentarfilms bei der Darstellung des Rechtspopulismus zwischen Dokumentierung und Normalisierung diskutiert. Die Filmanalyse sowie die Analyse der politischen Sprache können als Grundlage für einen Einsatz des Mediums in der politischen Bildung herangezogen werden.
Tanja Seider

Sprache als Experiment oder: „Hört endlich auf, über Demokratie zu sprechen!“

Zusammenfassung
Im Zusammenhang mit Politik wird Sprache in der Regel auf der Grundlage ihrer Funktion als Kommunikationsmedium untersucht. Ein anderer Zugang zum Verhältnis von Politik und Sprache ergibt sich, wenn die wirklichkeitserzeugenden Effekte von Sprache betrachtet werden. Das politische Moment des Sprachgebrauchs besteht nun weniger darin, jemanden von etwas überzeugen zu wollen, sondern politische Selbst- und Weltverhältnisse durch sprachliche Figuration und Artikulation überhaupt erst zu generieren. In einer solchen Konstellation kann die politische Bildung nicht mehr bei den eingespielten Thematisierungen von Sprache bleiben. Statt um ihre Eigenschaften als politisches Kommunikationsmittel geht es dann um die Materialität von Sprache. Die Leitfragen lauten demnach: Wie können die produktiven Effekte von Sprache für politische Bildung(en) entfaltet werden? Wie kann eine nicht-propositionale Ebene des sprachlichen Gebrauchs für politische Bildung(en) zugänglich gemacht werden? In den Überlegungen, die an die Diskussion der Praxistheorie und an den Spekulativen Materialismus anschließen, wird der Übergang von einem auf-Politik-zeigenden zu einem demokratisch-bildenden Gebrauch von Sprache skizziert.
Werner Friedrichs

Ansatz zur Rekonstruktion textlich gebundener Emotionalität (ARtE)

Zusammenfassung
Emotionen erfüllen innerhalb politischer Sprechakte eine ganze Fülle von bedeutenden Funktionen. So dienen sie etwa als Motivatoren und Initiatoren aber auch als Bewertungs-, Strukturierungs- und Überzeugungsmittel. Dennoch führen sie neben der Rationalität meist ein Schattendasein innerhalb politischer Diskurse, wenn es um die Analyse und Beurteilung politischer Sprache geht. Ein Grund hierfür könnte das Fehlen einer soliden Untersuchungsmethode sein, mit deren Hilfe sich Formen der Emotionalität zielgerichtet analysieren ließen. Der vorliegende Beitrag hofft dem entgegenzuwirken, indem er einen empirisch erprobten Verfahrensansatz zur Rekonstruktion und Interpretation textlich gebundener Emotionalität zur Diskussion stellt.
Hendrik Schröder

Mehrsprachige politischen Bildung: Der bilinguale Unterricht als didaktischer Ansatz zur Legitimation emotionaler Argumente

Zusammenfassung
Dieser Aufsatz beschäftigt sich einerseits mit der Frage, ob in Anbetracht der der historischen Zielsetzung auf das kritisch-rationale Urteil in der deutschen Politikdidaktik der Nachkriegszeit auch emotionale Urteile nichtsdestotrotz als legitim angesehen werden können. Dazu werden vier verschiedene Kategorien von Urteilen in einem Modell zusammengefasst: 1) emotionales Eigeninteresse; 2) emotionaler Altruismus; 3) rationales Eigeninteresse; 4) rationaler Altruismus. Ein angemessenes Urteil, so wird suggeriert, liegt im perfekten Gleichgewicht dieser vier Kategorien. Im Anschluss wird die Rolle der Fremdsprache im bilingualen Politikunterricht hinsichtlich der Urteilsbildung thematisiert. Es liegt Evidenz aus der Psychologie vor, dass Urteile in einer Fremdsprache grundsätzlich rationaler ausfallen als in der eigenen Erstsprache. Insofern bleibt die Frage offen, ob sich bi- bzw. mehrsprachiger Unterricht für die Genese eines angemessenen Urteils eignet. Angesichts heutiger globaler Chancen und Herausforderungen und dem Ideal der globalen Gerechtigkeit, Solidarität und Empathie erscheint es als zeitgemäß, auf mehrsprachige bzw. kosmopolitischere Ansätze in der politisch-ökonomischen Erziehung zu setzen, auch hinsichtlich der gewünschten Multiperspektivität innerhalb einer demokratischen und transnationalen Zivilgesellschaft. Das Leitmotiv dieses Artikels ist der Klimawandel. Exemplarisch werden Beispiele aus der aktuellen Debatte präsentiert, denn hier lassen sich die vier Urteilskategorien besonders treffend beobachten. Um die theoretischen Erkenntnisse anwendbar zu gestalten, endet der Artikel mit dem Vorschlag für ein didaktisches Instrument für den mehrsprachigen politischen Unterricht, welches Emotionen sichtbar machen und zugleich produktiv gestalten soll.
Subin Nijhawan

„Appell an die Vernunft“ – die „Unmacht“ des Intellektuellen unter den Bedingungen gesellschaftlicher Spaltung

Zusammenfassung
Berlin ist nicht Weimar, aber „Weimarer Verhältnisse“ scheinen sich gegenwärtig zumindest in der politischen Kommunikation in den sozialen Medien zu etablieren, in denen Echokammern und Dialogblockaden den Diskurs überformen. Sollten sich diese Trends des Denkens in Freund-Feind-Konstellationen fortsetzen und verstetigen, wären die Kommunikations- und die Kompromissfähigkeit als zentrale Strukturelemente pluralistischer Demokratien ernsthaft gefährdet und damit auch der gesellschaftliche Zusammenhalt. Ein „Appell an die Vernunft“ scheint also nötig, wie ihn 1930 Thomas Mann angesichts einer bedrohlichen politisch-gesellschaftlichen Entwicklung ausgesprochen hat. Der Beitrag untersucht, inwiefern es ein Gebot der Vernunft und ein Auftrag an die politische Bildung ist, das Denken in Freund-Feind-Kategorien ernst zu nehmen, ihm aber konsequent ein anderes Politikverständnis entgegenzusetzen. Als historisches Beispiel dient die Endphase der Weimarer Republik, die in Bezug zur Gegenwart gesetzt wird. Thomas Manns Engagement für die erste deutsche Demokratie wird dabei zum Gegenstand einer historisch-politischen Analyse. Die daraus erwachsenden Folgerungen für die Gegenwart werden einer politikdidaktischen Reflexion unterzogen, um die Relevanz der Überlegungen für die politische Bildung zu begründen.
Thomas Goll

Sprachbildung im Fach Politische Bildung – Ein unbespieltes Feld?

Zusammenfassung
Der Diskurs über Sprachbildung beziehungsweise sprachsensiblen Fachunterricht im Bereich der Politischen Bildung ist bislang noch verhalten. Beiträge zu diesem Thema orientieren sich zumeist an der praktischen Umsetzung herangetragener bildungspolitischer Forderungen und übernehmen in der Regel Konzepte für den Fachunterricht im Allgemeinen mit dem Versuch diese für die Politische Bildung zu adaptieren. Eine Theorieentwicklung aus politikdidaktischer Perspektive findet derzeit kaum statt. Der vorliegende Beitrag stellt den bisherigen Diskurs mit Blick auf die Politikdidaktik vor, um im Anschluss Impulse für eine Konzeptionalisierung sprachsensiblen Unterrichts aus Perspektive der Politischen Bildung zu geben.
Julia Neuhof, Luisa Girnus

Henrik Ibsens Volksfeind – Politisches Theater in postfaktischen Zeiten

Zusammenfassung
Henrik Ibsen behandelt in seinem Schauspiel Ein Volksfeind (1882) einen Umweltskandal, was das Stück zeitlos aktuell macht. Heutige Inszenierungen können umstandslos an die hier vorgestellten Umweltprobleme und den Umgang damit in der nach dem Mehrheitsprinzip verfahrenden Demokratie anknüpfen. In dem Beitrag wird zunächst der Begriffsgeschichte von „Volksfeind“ nachgegangen, vom Römischen Reich über die Französische Revolution, die totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen Bundesrepublik und den USA. Im Weiteren werden die im Stück thematisierten Verhältnisse von Mehrheit und Minderheit sowie Macht und Recht im politisch-gesellschaftlichen Gefüge vor dem Hintergrund demokratietheoretischer Überlegungen von Alexis die Tocqueville, John Stuart Mill und Emma Goldman untersucht. Schließlich werden die im Volksfeind aufgeworfenen Fragen nach der Möglichkeit von Bildung und politischer Mündigkeit vor dem Hintergrund heutiger postfaktischer Tendenzen, von Politik mit „alternativen Fakten“, Bullshit und Lügen diskutiert.
Ingo Juchler

Empirische Analysen zur politischen Fachsprache in Schulbüchern – ein Trendbericht

Zusammenfassung
Schulbücher für den Politikunterricht sind ein Gegenstand empirischer politikdidaktischer Forschung. Sie könnten eine Vermittlungsinstanz für eine evidenzbasierte, die theoretischen und empirischen Ergebnisse reflektierende Praxis sein. Der Beitrag stellt zunächst den theoretischen Hintergrund für die produktorientierten Inhaltsanalysen dar. Betrachtet wird die Strukturierung schulbezogenen politischen Wissens mit Hilfe von Fachkonzepten nach dem Modell der Politikkompetenz. Die Trendanalysen zeigen die Ergebnisse einer Begriffsanalyse zur politischen Fachsprache in zwei aktuellen und vier älteren Schulbüchern für die Sekundarstufe I. Als Trend zeigt sich, dass sich die Zufälligkeit der jeweiligen Fachsprache der Schulbücher gegenüber 2013 trotz eines kompetenzorientierten Curriculums nicht signifikant verbessert hat. Der für den Kompetenzaufbau notwendige nachhaltige Fachsprachenerwerb ist in den Schulbüchern weiterhin nicht überzeugend angelegt.
Georg Weißeno, Anke Götzmann

political framing – Alter Wein in neuen Schläuchen oder echtes Novum?

Zusammenfassung
Nicht zuletzt angesichts der derzeitigen Popularität des Themas political framing geht der Beitrag der Frage nach, ob es sich dabei wirklich um ein neues Konzept handelt oder nicht doch eher um ein wiederentdecktes Phänomen. Besprochen werden in diesem Zusammenhang auch die Fragen, a) was frames überhaupt sind, b) worum es sich beim framing recht eigentlich handelt, c) warum überhaupt geframed wird und d) ob und – falls ja – welche Konsequenzen sich daraus für Politikwissenschaft, Politikdidaktik und Politische Bildung ergeben. Im Rahmen dieser Besprechung wird sich des Themas auch und insbesondere aus einer kognitionswissenschaftlichen bzw. -linguistischen Perspektive angenähert.
Marc Partetzke

Politisches Framing — sprachbezogene Kompetenzentwicklung im Politikunterricht

Zusammenfassung
Eine relevante und höchst aktuelle Überschneidung fachübergreifender und fachspezifischer sprachlicher Phänomene hat Elisabeth Wehling mit ihrem 2016 erschienenen Buch „Politisches Framing“ einer breiten Öffentlichkeit, die weit über fachwissenschaftliche Kreise hinaus geht, dargelegt. Wehling erläutert darin an zahlreichen Beispielen, dass in politischen Debatten und für ihre Wirkung nicht zuerst die vorgetragenen Fakten entscheidend sind, sondern gedankliche Deutungsrahmen — in den Kognitionswissenschaften Frames genannt — die den Fakten eine Bedeutung verleihen. Informationen werden demnach in Relation zu Erfahrungen und Vorwissen als relevant oder irrelevant eingeordnet sowie durch Frames bewertet und interpretiert. Dadurch beeinflussen Frames — häufig unbewusst — Denken und Handeln. (Wehling, S. 17 ff.) Eine Auseinandersetzung mit den von Wehling dargelegten Erkenntnissen im Rahmen des Politikunterrichts ermöglicht die Entwicklung und Förderung von sprachlicher und fachlicher Kompetenz. Dieser Beitrag fasst die von Wehling dargelegten Erkenntnisse zusammen und erläutert das didaktische Potenzial des Themas Politisches Framing anhand kompetenzbezogener Aufgaben für den Politikunterricht.
Max Droll

Die Arbeit an Grundrechten im Politikunterricht. Grundrechtstheoretische und politikdidaktische Überlegungen mit Fallbezug

Zusammenfassung
Grundrechte sind ein wichtiger Lerngegenstand der politischen Bildung. Für Jugendliche kann es allerdings schwierig sein, die Bedeutung der einzelnen Grundrechte zu verstehen. Die Schwierigkeit für sie besteht darin, die abstrakten sprachlichen Formulierungen der Grundrechte im Grundgesetz in ein Verhältnis zu ihrer Lebenswelt zu setzen. Die Aufgabe des Politikunterrichts besteht deshalb darin, wechselseitige In-Bezug-Setzungen zwischen den Grundrechten und der Lebenswelt der Jugendlichen zu ermöglichen; oder anders ausgedrückt: es geht um das Anbahnen von Übersetzungsleistungen. Aber wie kann diese Aufgabe im Unterricht realisiert werden? Im vorliegenden Beitrag werden grundrechtstheoretische und politikdidaktische Überlegungen zur Arbeit an Grundrechten im Politikunterricht entwickelt. Auf der Basis dieser Überlegungen wird dann eine erprobte Idee aus der Unterrichtspraxis vorgestellt, die versucht, eine wechselseitige In-Bezug-Setzung von Grundrechten und Lebenswelt zu ermöglichen. Diese Idee wird schließlich anhand der Arbeitsergebnisse einer Schülerin fallbezogen ausgewertet und didaktisch reflektiert.
Christian Fischer

Worüber sprechen wir eigentlich? Zur Explizität von Legitimationsargumenten in politischen Lehr-Lernarrangements

Zusammenfassung
Die tagespolitische Auseinandersetzung stellt sich als eine Für- und Gegenrede zu politischen Problemen, Herausforderungen oder Handlungsinitiativen dar: Verschiedene Akteure äußern sich kritisch oder befürwortend zu vollzogenen oder geplanten politischen Maßnahmen wie auch – ebenso kritisch oder befürwortend – zu getätigten Äußerungen anderer politischer und medialer Akteure. Insgesamt werden dabei eine Vielzahl von Argumenten mit unterschiedlicher Reichweite und Intensität ausgetauscht, aufgegriffen und verworfen. Der Beitrag argumentiert, dass solche sprachlich verfassten Auseinandersetzungen Legitimationsdiskurse sind, in denen Legitimität anhand normativer Werte verhandelt wird. Dort genutzte Wertkategorien bleiben jedoch deutungsoffen und oft implizit. Um politisches Lernen zu fördern, erweist sich eine gemeinsame Bearbeitung solcher Legitimationsdiskurse als gewinnbringend. Zentral dafür ist, dass Legitimationsargumente in Lehr-Lernarrangements explizit und verhandelbar werden.
Luisa Girnus

Konfliktlösende Räume in Schulbüchern

Zusammenfassung
Metaphern spielen in der Sprache eine wesentliche Rolle. Einzelmetaphern lassen sich zu konzeptuellen Metaphern systematisch verknüpfen. Konzeptuelle Metaphern verdeutlichen, wie Menschen einen Ausschnitt der Realität verstehen. Metaphern tauchen auch in Schulbüchern auf. Schulbücher stellen Politik metaphorisch als konfliktlösendes Handeln in einem sozialen und komplexen Raum dar. Die Handlungen sind eine wiederkehrende Abfolge von Ereignissen, also ein Kreislauf. Beide Räume stehen sich trennscharf gegenüber, weil der soziale Raum wie die Schule keinen politischen, aber der komplexe Raum wie das Parlament einen politischen Zweck erfüllt. Politik als Kreislauf unterstützt Menschen darin, den komplexen Raum besser zu verstehen. Die trennscharfe Gegenüberstellung beider Räume erschwert das Politik-Lernen. Schulbücher vermitteln, dass der Alltag und die institutionalisierte Politik sich nicht gegenseitig beeinflussen. Dadurch motivieren Schulbücher nicht, politische Zusammenhänge zu verstehen; vielmehr sollten sie den Begriff ‚Politik‘ alltagsbedeutend darstellen, indem sie zwischen beiden Räumen eine metaphorische Verbindung schaffen. Forschungsrelevant wäre eine didaktische Rekonstruktion von themengleichen Schülermetaphern und Metaphern in Schulbüchern.
Andreas Kegel

Empörend, verstörend, verwerflich – Zur Genese und Anatomie des politischen Skandals in der repräsentativen Demokratie und seine Relevanz für die (schulische) politische Bildung

Zusammenfassung
Grundsätzlich kann man in historischer Betrachtung konstatieren, dass (politische) Skandale so alt sind, wie die öffentliche Kommunikation selbst. Politische Skandale fungieren nach Dörner (2001) vorwiegend als Ausprägungen der medialen Erlebnisgesellschaft und werden zudem als Phänomen des sogenannten „Politainment“-Effekts bezeichnet. Demnach wird ein Skandal dann politisch, wenn vorwiegend Akteure des politischen Systems aktiv und passiv (medienwirksam) in ihn verwickelt sind und das normative politische Kategoriensystem tangiert wird. Die sogenannte „Skandal-Triade“ (Neckel 1989) bestehend aus Skandalierten, Skandalierern und Dritten stellt ein weiteres Merkmal für einen politischen Eklat dar. Typische Kennzeichen einer skandalspezifischen Kommunikation basieren auf asymmetrischen Interaktions- und Machtstrukturen, Mismatching-Strategien sowie „superioren“ und „inferioren“ Kommunikationsverhältnissen. Der Scheu mancher Lehrkräfte zum Trotz lassen sich Skandalereignisse im Politikunterricht didaktisch konstruktiv und kreativ realisieren, indem Unterrichtsprinzipien wie heuristisches, exemplarisches, problem- und handlungsorientiertes Lernen sowie Kontroversität gezielt kompetenzorientiert Anwendung finden. Zudem können Makromethoden wie Fall-, Problemstudien und Podiumsdiskussionen thematisch gewinnbringend eingesetzt werden, wodurch verstärkt in tiefgründige Lern- und Erfahrungsprozesse vorgedrungen werden kann.
Sabine Kehr, Frank Schiefer
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