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22-04-2022 | PoS-Forschung | Gastbeitrag | Article

Digitale Innovationen am POS verändern Handel und Industrie

Authors: Thomas Täuber, H. Mathias Gehrckens

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Die Digitalisierung macht auch vor dem POS (Point of Sale) nicht Halt. Schon vor Corona gab es Bestrebungen des Handels, Touchpoints und Store-Prozesse mittels digitaler Innovationen zu optimieren. Wohin die Reise jetzt geht.

Amazon Go als nahtloses Check-out-Ladenformat ist für viele sicher eines der auffälligsten Konzepte der vergangenen Jahre, das mittlerweile auch unter deutschen Handelsunternehmen einige Nachahmer gefunden hat, unter anderem bei Rewe "Pick & Go" oder Aldi "Shop & Go". Aber auch neue personallose Nachbarschaftsladenkonzepte mit Self-Check-out, wie "Teo" von Tegut oder "Voi Cube" von Migros) gehen in eine ähnliche Richtung. Weitere neue Ansätze sind bei Sortiment, Kundenservice oder den Arbeitsabläufen im und um Ladengeschäfte denkbar. Dazu zählen die Warenpräsentation über digitale Displays, teilweise mit Bestellungsoption über App oder Online-Store im Sinne von "Endless-Aisle-Konzepten", (digitale Regalverlängerung am Point-of-Sale für Produkte, die gerade nicht am Lager sind, Anm. d. Red.) aber auch digitale Assistenten für die Individualisierung von Produkten mittels App oder Display, wie man sie bei Swatch und Douglas findet oder die Verbesserung der Produktinformation am Regal mittels Digital Signage.

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Im intelligenten Einzelhandel geht es insgesamt um fünf zentrale Themen, die den Handel der Zukunft prägen. Zuallererst sind die Basisvoraussetzungen zu schaffen, die ein datenbasiertes Arbeiten ermöglichen.

Displays oder intelligente Spiegel fungieren als digitaler Kundenservice in der Umkleidekabine (unter anderem BonPrix oder H&M), interaktive Spiele sowie VR-Erlebnisse unterstützen bei der Aktivierung des Kunden. Diese Konzepte findet man zum Beispiel bei L’Oréal, Globetrotter, Audi und Mitarbeiter-Apps helfen bei der Optimierung der Nachbestellung der Ware und besseren Beratung des Kunden (u.a. Dm). 

Trotz der Vielzahl der Initiativen zeigen die Beispiele nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was aktuell am POS schon möglich ist. Eines ist vielen dieser Innovationsbestrebungen gemeinsam: Sie werden die Zusammenarbeit zwischen Handel und Hersteller verändern. 

Implikationen für Hersteller und Zulieferunternehmen

Neue Ladenkonzepte mit Self-Check-out oder Grab & Go-Ansatz für Kunden fordern nicht nur erhebliche technische Investitionen in die Store-Ausstattung, sondern auch die Einbindung der Hersteller und Zulieferer. Eine stärkere Individualisierung der Store-Sortimente am POS, aber auch die neuen Erfordernisse für eine effizientere und effektivere Warenvereinnahmung machen perspektivisch neue Anlieferungskonzepte unter Einbeziehung der Hersteller erforderlich.

Die neuen Check-out-Varianten brauchen unter anderem optimierte Verpackungslösungen, die Waren durch Sensor- und Kamerasysteme sowie Scanner besser erkennbar machen. In diesem Zusammenhang wird oft über Smart Packaging gesprochen. Smart-Packaging-Lösungen haben auch Einfluss auf die Warensicherheit und -qualität oder die Warenidentifikation und -verfügbarkeit, um Store-Prozesse und die Omni-Channel-Einbindung zu verbessern. Aber sie werden auch im Rahmen der Kundeninformation und -aktivierung durch Produktinformationen und Augmented-Reality-Elemente eingesetzt.

Digitaler Hersteller-Content spielt zentrale Rolle

Darüber hinaus ist hochwertiger und aktueller digitaler Content ein wichtiges Mitwirkungsfeld der Hersteller. Sollen Kunden oder Mitarbeiter am POS über Digital Signage oder App-Lösungen besser informiert oder aktiviert werden, so ist es dafür wichtig, dass die Hersteller den dafür erforderlichen digitalen Content im Sinne ihrer Markenpositionierung und Zielgruppen produzieren und diesen dem Handel für die jeweiligen Kanäle und Ausspielungsformen zur Verfügung stellen.

Im Rahmen von Endless-Aisle-Konzepten am POS gibt es auch so genannte Dropshipment-Lösungen, bei denen die Hersteller selbst die Warenbelieferung an den Endkunden durchführen oder sogar das gesamte Management auf der Fläche übernehmen und der Händler lediglich seine Kundenfrequenz zur Verfügung stellt. 

Gemeinsam stärker

Die Digitalisierung der Industrie hat in den vergangenen Jahren den traditionellen Zielkonflikt zwischen Handel und Industrie in vielen Produktkategorien tendenziell verstärkt, da Hersteller direkten Kundenkontakt und B2C-Vertriebsmodelle etablieren. Technologische Innovationen am POS werden diesen Zielkonflikt zwar nicht grundsätzlichen auflösen, aber sie eröffnen neue Möglichkeiten der besseren partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Dadurch erschließen sich Herstellern und Lieferanten zum Beispiel

  • neue Absatzmöglichkeiten, 
  • mehr Kundenkenntnis und 
  • bessere Kontrolle über die Vermarktung und ihren Auftritt am POS. 

Händler können hingegen durch die Mitwirkung der Industrie ihr Optimierungspotenzial am POS erst voll ausschöpfen, um mittels einzigartiger Customer Experience, erweiterter Sortimente und optimierter Prozesse neues Wachstum und höhere Margen zu schaffen. 

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