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2021 | Book

RedakBot

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About this book

Der Journalismus ist im Wandel – nicht nur aufgrund des Medienstrukturwandels durch Digitalisierung und Internet, sondern auch aufgrund neuer Technologien, die erstmals sogar ein Stück weit die Existenzberechtigung des Berufsbilds infrage stellen. Werden Journalisten also durch künstliche Intelligenz ersetzt? Nein! Denn KI im Journalismus ist ein „Frenemy“: Freund und Feind zugleich. Freund, wenn man sich auf den KI-Journalismus vorbereitet, Feind für diejenigen, die ihr Mindset nicht ändern können und die neuen Technologien ausschließlich als Bedrohung sehen. Mit der Lektüre dieses Buches sollen Journalisten und Redakteure sowie Volontäre und Studenten im Bereich der Kommunikationswissenschaften konkrete Ideen im Kopf haben, wie sie sich auf die Zeit des KI-Journalismus erfolgreich vorbereiten. Es regt an, innovativ zu sein, und von den neuen Möglichkeiten, die redaktionelle Bots bieten, zu partizipieren – und schließlich zu profitieren. Die Frage ist nicht, ob „RedakBots“ unsere Arbeitswelt verändern, sondern wann dies passiert. Das Buch bereitet darauf vor.

Table of Contents

Frontmatter
1. Einführung – „Enemy“ oder „Frenemy“?
Zusammenfassung
„Künstliche Intelligenz ist für den Journalismus ein ‚Frenemy‘, das heißt Freund und Feind zugleich“, schrieb Oliver Nermerich, Social Media- und Digitalstratege bei der PR-Agentur Oliver Schrott Kommunikation im April 2017 in der Horizont, einer der führenden Fachzeitschriften für Marketing, Werbung und Medien [1]. Anlass war die Vorstellung des „Heliograf“ – des neuen, intelligenten Storytelling-Agents der Washington Post. War das System bei den olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro noch unausgereift, sahen Experten in der neuen Technologie spätestens ab den US-Präsidentschaftswahlen ein paar Monate später eine potenzielle Gefahr für den Journalismus, wie wir ihn heute kennen. Der Grund ist die Arbeitsweise des redaktionellen Chatbots: Das Programm verbindet laut Nermerich Textbausteine mit Datenbanken, extrahiert die relevanten Inhalte und erstellt daraus journalistische Beiträge. Werden die Datenbanken aktualisiert, aktualisiert die Künstliche Intelligenz (KI) auch automatisch die Texte – und zwar schneller, als es ein Mensch je tun könnte.
Ramón Kadel

Teil I

Frontmatter
2. Warum redaktionelle Bots die Zukunft sind
Zusammenfassung
„Als Henry Ford damit begann, günstige und zuverlässige Autos herzustellen, sagten die meisten Menschen: ‚Nein – was ist denn verkehrt an einem Pferd?‘ Das war die große Wette, die er einging. Und es funktionierte.“ Viele kennen diese Aussage [1] von Tesla-Gründer Elon Musk in Bezug auf Chancen und Glauben an neue Technologie. Im Zusammenhang mit Chatbots sollten wir uns fragen: „Wie ist unsere Wette auf die Zukunft?“ Bereiten wir uns auf KI im Journalismus vor und lernen damit umzugehen oder glauben wir weiter an das Pferd (traditionelle Redaktionsarbeit). Skepsis ist berechtigt – und hilft, die Augen offen zu halten für so manche Gefahren, die KI mit sich bringt (siehe „Exkurs: Gefahr durch ‚Social Bots‘“, Seite 21) – und doch sollten wir Redakteure und Journalisten alleine schon aus Selbstschutz damit rechnen, dass diese neue Technologie auf breiter Front kommen wird.
Ramón Kadel
3. Hier setzen Redaktionen erfolgreich auf redaktionelle Bots
Zusammenfassung
Am 18. März 2020 verwunderte die „Welt“ mit einem Vorbericht zum Berliner Lokalderby Hertha BSC gegen den 1.FC Union Berlin. Obwohl die Saison bereits am 13. März 2020 aufgrund der Coronavirus-Pandemie unterbrochen wurde [1], berichtete die Sportredaktion auch fünf Tage später noch über die anstehende Partie. Haben die Sportjournalisten der Springer-Zeitung die Entwicklungen komplett verschlafen? Nein! Wie Digitaljournalist Olaf Deininger in seinem Beitrag „Das macht sich von selbst“ im Medien-Fachmagazin „Meedia“ berichtete [2], war der Grund für die Panne der Einsatz eines Bots. Wie Sie in Kap. 2 lesen können, ist ein Bot vereinfacht zusammengefasst immer nur so intelligent, wie der Storyplot, der ihm von der Redaktion zur Verfügung gestellt wird und die Datenbank, aus der er seine Daten bezieht. Ein unvorhersehbares Ereignis wie eine Saisonunterbrechung der Fußball-Bundesliga durch eine Virus-Krise ist da nicht vorgesehen – also machte der Algorithmus einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Die Sportredakteure bemerkten laut Deininger einen Tag später ihren Fehler und deaktivierten die automatisierte Textgenerierung. Diese Kuriosität zeigt, wo wir in Deutschland in etwa stehen in Sachen KI-Journalismus: Es ist technisch so einiges möglich – ganz ohne menschliche Kontrolle sollte man den „RedakBot“ aber nicht arbeiten lassen. Welche vielfältigen Einsatzgebiete möglich sind, was technisch alles denkbar ist – und wo noch die Grenzen des KI-Journalismus liegen, lesen Sie in diesem Kapitel anhand der drei internationalen Best-Practice-Beispiele „Quakebot“ der Los Angeles Times, „Cyborg“ von Bloomberg und „Dreamwriter“ von Tencent.
Ramón Kadel

Teil II

Frontmatter
4. Der traditionelle Journalist in der Bredouille: Für wen Bots und KI eine Gefahr sind
Zusammenfassung
„Die Definition von Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.“ Dieses Zitat [1] aus dem Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ [2] von Stephen Hawking aus dem Jahr 1988 lässt sich natürlich auf so gut wie alle Lebensbereiche anwenden. Und doch beschreibt es die aktuelle Herausforderung von Journalisten und Redakteuren im Umgang mit redaktionellen Bots auf den Punkt: Genau so wenig, wie die Digitalisierung plötzlich da war und über Nacht alles veränderte, verändern Bots sofort alle Arbeitsabläufe in Redaktionen – es ist vielmehr ein Prozess des Wandels, der sich über mehrere Jahre hinzieht. Darauf müssen sich Redakteure einstellen und – ich darf Sie beruhigen – können sich Redakteure auch einstellen. In die Bredouille kommen aber Kollegen, die an traditionellen Arbeitsabläufen, Arbeitsweisen und Arbeitsteilungen festhalten, wie bereits erwähnt, nicht aus Verständnisgründen, sondern aus Prinzip. Ich zeige Ihnen zur Veranschaulichung dieser These sieben einfache Beispiele von typischen Redakteurscharakteren, die meiner Erfahrung nach in vielen Redaktionen zu Hause sind. Vielleicht erkennen Sie sich ja wieder? (Diese Beispiele sind exemplarisch zu verstehen und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ähnlichkeiten zu realen Personen sind rein zufällig. Hinweise zur Altersstruktur finden Sie im Anschluss an die Aufzählung):
Ramón Kadel
5. Bots als „Kleine Helfer“: So kann KI Redakteuren die Arbeit erleichtern
Zusammenfassung
Für dieses Kapitel drehen wir den Blickwinkel: War im letzten Kapitel der Fokus darauf gerichtet, wer durch KI möglicherweise um seinen Job fürchten muss, wollen wir uns jetzt mit den positiven Seiten von „RedakBots“ beschäftigen. Immer wieder taucht nämlich im Zusammenhang mit der Diskussion um KI im Journalismus ein zentrales Hauptargument der Befürworter auf: Künstliche Intelligenz verschaffe durch Übernahme von Routineaufgaben mehr Zeit für anspruchsvolle journalistische Arbeit. So schreibt beispielsweise Vijayanta Gupta, Senior Director Experience Cloud bei Adobe, dass das Aufkommen von KI eine gute Nachricht für kreative Journalisten sei: „Durch Automatisierung der Routineelemente gewinnen [Journalisten] Zeit, um an originellen Konzepten zu arbeiten. Richtig eingesetzt bietet KI wertvolle Unterstützung und ist weit davon entfernt, kreative Arbeit zu ersetzen oder zu standardisieren. Für Kreativ-Profis bedeutet das vor allem eines: mehr Freiraum für die Ideenfindung. Sie können sich wieder darauf konzentrieren, was ihnen wirklich wichtig ist – ihre Zielgruppen mit kreativen Ideen auf emotionaler Ebene zu begeistern!“ [1] Ähnlich sieht es Marcus Fetzer von Gruner+Jahr, der an der Universität Leipzig seine Masterarbeit zum Thema KI in der Unternehmenskommunikation geschrieben hat. Er betont, dass es für Kommunikatoren entscheidend sei, ihre kreativen und empathischen Fähigkeiten einzusetzen, die vor allem bei strategischen Aufgaben zum Tragen kämen [2]. „KI stößt vor allem bei Aufgabenfeldern an Grenzen, in denen persönliche Begegnungen und der interpersonale Austausch gefragt sind“ [3], sagt er. Auch KI-Experte Reinhard Karger geht bei seiner Argumentation in diese Richtung und nannte Bedrohungsszenarien in der Berichterstattung über redaktonelle Bots bloße „Untergangsschlagzeilen“ [4]. Journalisten einfach ersetzen könnten Computer nicht – noch nicht, sehr wahrscheinlich nie. Künstliche Intelligenz könne keine Ideen haben, nicht einordnen, nicht zu einer Erkenntnis kommen, sagte er im Juni 2019 im Münchner Presseclub des bayerischen Journalisten-Verbandes (BJV). „Aber sie ist vielleicht das, was uns zu einer Erkenntnis bringt.“ [5]
Ramón Kadel
6. Smart Devices – wie werden Wearables und Co. KI im Journalismus beeinflussen?
Zusammenfassung
In den vorangegangenen Kapiteln haben Sie über einige schon bekannte und (teilweise) auch vollends erprobte Möglichkeiten gelesen, KI in Redaktionen sinnvoll einzusetzen. KI ist hier immer das disruptive Element, das die Arbeit von Journalisten entweder ergänzt oder – im negativen Fall – ersetzt. Was aber, wenn nicht ausschließlich KI disruptiv auf den Journalismus einwirkt, sondern vor allem auch die Kanäle, in denen Journalismus stattfindet? Bislang gehen wir kurz gesagt bei geschriebenem Journalismus immer von folgendem Modell aus: Der Journalist oder die KI schreibt den Text und dieser wird vom Rezipienten über den jeweiligen Kanal (Website, Blog, Social Media etc.) auf den Endgeräten Desktop-PC, Laptop, Tablet oder Smartphone konsumiert. Aber ist das in Stein gemeißelt? Natürlicht nicht! Alleine die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, wie sensibel ein solches System ist, wenn auf einmal in einem recht kurzen Zeitraum völlig neue Devices auf den Markt kommen. Das Aufkommen des Smartphones und die damit verbundenen Responsiveness-Anforderungen für Websites, die Notwendigkeit von Apps und neue Herausforderungen sowie Möglichkeiten der Smartphone-Berichterstattung (Stichwort „Mobiles Reporting“ [1]) zeigen, welche Auswirkungen technische Entwicklungen im Bereich der Ausspielung von Content haben. Medien- und Digitaljournalist Bernd Oswald fasst die Vorteile des Smartphone-Journalismus auf „Fachjournalist.de“ so zusammen [2]: „In wenigen Jahren hat sich die Aufnahmequalität von Smartphones so stark verbessert, dass sie absolut vollwertige Werkzeuge für Journalisten geworden sind. Praktische Werkzeuge noch dazu, weil sie so klein und leicht sind – und überall und immer benutzt werden können. […] Durch gute inhaltliche Vorbereitung und Konzeption kann richtig guter Journalismus daraus werden, der sich direkt in sozialen Netzwerken veröffentlichen lässt.“ Dass dies aber das Ende der Fahnenstange der Weiterentwicklung von Devices ist, darf bezweifelt werden – und ebenso in Zweifel liegt damit auch der Fortbestand der Arbeitsweise, die Oswald aus heutiger Sicht völlig richtig beschrieben hat. Jedes neu entwickelte Gerät könnte derart disruptive Auswirkungen auf die User und damit auf die Arbeit von Redaktionen haben, dass zwangsweise auch die Entwicklung von KI im Journalismus beeinflusst wird. Aktuell erscheinen Smartphones noch omnipräsent – die Frage ist für viele Experten allerdings nicht, ob diese durch neue Devices ersetzt bzw. ergänzt werden, sondern wann. Erste Kandidaten für die Ablösung stehen schließlich schon bereit: Smart-Devices wie beispielsweise Wearables. „Lasst uns mehr auf Smart Devices anstatt auf Smartphones konzentrieren“ [3], sagte passenderweise Samsung-CEO und Mobile-Chef Dong Jin Koh im Juli 2019 bei einem Besuch von „Chip.de“-Autoren auf die Frage, wie die Zukunft der Smartphones aussieht. Noch einen Schritt weiter ging im März 2020 Kang Yun-Je, Chef des Design-Teams von Samsung, der das Ende des Smartphone, wie wir es kennen, in nur fünf Jahren voraussagt [4]. „Die neue hergestellte Zukunft wird tragbarer und interaktiver als je zuvor, geprägt von kleineren Apparaturen wie der Smartwatch, die sich wie eine zweite, vermessene Haut über den Körper legt“, zitiert die „Neue Zürcher Zeitung“ den Design-Chef [5]. Wie können Wearables aber den Journalismus und vor allem auch den KI-Journalismus verändern? Hier meine fünf Prognosen:
Ramón Kadel
7. Wege aus der Krise – den Medienstrukturwandel meistern mit KI
Zusammenfassung
Zu Beginn dieses Kapitels zunächst einmal ein kleiner Blick auf die Entwicklung der Massenmedien und des Medienstrukturwandels in Deutschland, wie sie heute jeder Student der Kommunikationswissenschaften bzw. des Journalismus oder der PR in den ersten Semestern seines Studiums und teilweise auch schon Schüler in der Schule lernen. Anschaulich zusammengefasst hat die „gute alte Welt“ des Journalismus und der Massenmedien in Deutschland vor Beginn des großen Strukturwandels Dr. Uwe Krüger, Journalist und Mitarbeiter am Institut für Journalistik der Universität Leipzig sowie Mitglied im MDR-Rundfunkrat, entsandt vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), Landesverband Sachsen [1]: „Am Anfang [des Medienstrukturwandels] stand die klassische massenmediale Welt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: ein über Jahrzehnte relativ stabiles Mediensystem mit den Gattungen Zeitung, Zeitschrift, Radio und Fernsehen in einem fast ausschließlich nationalen Rahmen, in dem eine überschaubare Zahl privater Print-Verlage und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten innerhalb professioneller Strukturen Inhalte für große, weitgehend passive Publika produzierte.“ In den 1980er und vor allem 1990er-Jahren setzte allerdings aufgrund von „technologischen Fortschritten (Satellitentechnik, Digitaltechnik und Word Wide Web) sowie medienpolitischen wie medienökonomischen Veränderungen (Liberalisierung und Deregulierung des Rundfunks) eine Dynamik ein“ [2], die eine immer weiter fortschreitende Segmentierung des Medienmarkts nach sich zog. „Die Vielfalt bzw. Vielzahl steigt zum Preis sinkender Reichweiten. Ökonomisch bedeutet das: Mit dem einzelnen Medienprodukt ist tendenziell weniger Geld zu verdienen“, erklärt Krüger [3]. Und hier sind wir schon mitten im Kernproblem des beschriebenen Medienstrukturwandels angekommen: Sinkende Reichweiten bedeuten weniger Werbeerlöse, weniger Werbeerlöse bedeuten weniger Geld, weniger Geld bedeuten Sparzwänge in den Redaktionen – und Sparzwänge in den Redaktionen bedeuten teilweise schlechtere Qualität und damit auch wieder in den meisten Fällen sinkende Reichweiten. Hinzu kommt erschwerend der Faktor, dass der Journalismus durch die seit spätestens Anfang der 2010er-Jahre aufkommende, breite Nutzung der sozialen Medien seine „Gatekeeper-Funktion“ verloren hat – Medienkonsum also auch „aktiv“ an Journalisten und Redakteuren vorbei möglich ist. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, haben Verlage und Medienhäuser diverse Möglichkeiten durchprobiert – manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. Über die Monetarisierung von Content im Netz, auf Social Media und neuen Medienformen wie Blogs, Vlogs, YouTube-Channels und Podcasts sind natürlich schon zahlreiche Bücher geschrieben worden – und werden wohl noch zahlreiche geschrieben werden. Daher verkneifen wir uns an dieser Stelle eine ausführliche Betrachtung dieser mannigfaltigen Möglichkeiten und konzentrieren uns auf den „Ist-Zustand“. Kurz zusammengefasst ist die Situation nämlich immer noch für viele Verlage so, wie sie Verleger Hubert Burda schon 2009 auf seiner „Digital, Life, Design“-Konferenz auf den Punkt gebracht hat: „You get lousy pennies on the web.“ („Im Internet verdient man lausige Pennies.“) [4]. Ob sich das durch Einsatz von KI und Bots ändern kann? Ja und Nein. Das Mediennutzungsverhalten der Deutschen und die allgemeine Entwicklung des Medienstrukturwandels werden Künstliche Intelligenz und der Einsatz von regelbasierten sowie auch intelligenten Bots wohl kaum ändern können, wohl aber deren Auswirkungen. Ansatzpunkte sind dabei vor allem der Megatrend „Cost Cutting“ (hier nicht automatisch falsch als Personalabbau in den Redaktionen zu verstehen) und erhebliche Effizienzsteigerungen. Welche innovativen Tools, Verfahren und Konzepte dabei helfen können, mit KI den Medienstrukturwandel zu meistern, möchte ich in diesem Kapitel anhand der folgenden fünf Ideen zeigen:
Ramón Kadel
8. Epilog und Ausblick – Gewinnbringende Koexistenz
Zusammenfassung
Kennen Sie das erste von drei „Robotergesetzen“ des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov? „Kein Roboter darf einem Menschen Schaden zufügen, noch darf er zulassen, dass ein Mensch Schaden erleidet“, schrieb der russisch-amerikanische Biochemiker, Sachbuchautor und Schriftsteller bereits im Jahr 1942 [1]. Ich lese viel Literatur über Künstliche Intelligenz, insbesondere natürlich mit Einsatzgebiet Journalismus und Redaktionen. Und oft bin ich dabei nicht zu 100 Prozent mit dem Geschriebenen einverstanden. Exemplarisch dafür möchte ich einen Beitrag [2] von KI-Journalismus-Koryphäe Andrian Kreye am 15. Februar 2021 in der Süddeutschen Zeitung nennen. Der verdiente Journalist war nicht nur von 2007 bis 2020 Leiter des Feuilletons der SZ, er wurde auch 2019 mit dem Theodor-Wolff-Preis für einen Artikel über künstliche Intelligenz ausgezeichnet [3]. Auch er zitiert in seinem Beitrag das Robotergesetz von Isaac Asimov und nennt zahlreiche Beispiele von erfolgreichen KI-Einsatzgebieten im Journalismus, die unterstreichen, wie sehr Künstliche Intelligenz dem Journalismus gut tun kann – und dem Menschen eben keinen Schaden zufügt. Allen voran den „Quakebot“ der Los Angeles Times und den „Cyborg“ von Bloomberg News, von denen Sie in diesem Buch in Kap. 3 auch schon gelesen haben. Dazu stellt er im Teaser klar: „Im Journalismus kann Künstliche Intelligenz einiges verbessern, ohne, dass Ethik und Vernunft auf der Strecke bleiben – wenn sie richtig benutzt wird.“ [4] Genauso würde ich das, ohne mein Fazit jetzt schon vorschnell abschließen zu wollen, auch sehen. Und dennoch habe ich über einen zentralen Aspekt an diesem Beitrag immer wieder nachgedacht – es geht um eine Geisteshaltung, die ich in vielen Fachbeiträgen zum Thema KI im Journalismus wiederfinde: Kreye schließt mit den Worten „Für Unternehmen ist Künstliche Intelligenz der Schlüssel zum Personalabbau. Warum sollte das bei den Medien anders sein.“ [5] Dazu bezeichnet er trotz seines Zugeständnisses, dass KI durchaus eine Ergänzung der menschlichen Fähigkeiten sein kann, wenn sie ihn von Routine- und Schwerstarbeiten befreie, Künstliche Intelligenz als potenziellen „Jobkiller“ [6]. Seine Begründung: „Die Geschäftsmodelle sämtlicher traditioneller Medien sind durch die digitalen Technologien angeschlagen. Deswegen versuchen auch Medienunternehmen an dem zu sparen, was eigentlich ihr Kapital ist, dem Personal.“ [7] Und genau hier ist meiner Meinung nach das grundlegende Missverständnis, das ich in meinem Epilog und Ausblick ausräumen möchte: Die Geschäftsmodelle sämtlicher traditioneller Medien sind nicht durch die digitalen Technologien angeschlagen, sondern durch die schlechte Nutzung digitaler Technologien. Menschliche und künstliche Intelligenz schließen sich nicht gegenseitig aus – sie ergänzen einander. Noch viel mehr: Sie bedingen einander. Ziel muss es sein, eine gewinnbringende Koexistenz zu erreichen. Und damit meine ich sowohl „gewinnbringend“ für den Redakteur aus Fleisch und Blut als auch „gewinnbringend“ im wortwörtlichen Sinne, also finanziell. So wird ein Bot auch nicht zum „Jobkiller“, sondern zum „kleinen Helferlein“ für Journalisten. Sicher, Andrian Kreye zielt mit seinem Artikel in die gleiche Richtung, aber die grundlegende Stimmung des Textes – und vieler ähnlicher Beiträge, die ich zum Thema KI in Redaktionen gelesen habe – ist mir dann doch zu negativ, zu pessimistisch, zu perspektivlos.
Ramón Kadel
Backmatter
Metadata
Title
RedakBot
Author
Ramón Kadel
Copyright Year
2021
Electronic ISBN
978-3-658-35757-3
Print ISBN
978-3-658-35756-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-35757-3

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