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07-11-2022 | Rentenversicherung | Nachricht | Article

Digitale Rentenübersicht entlarvt Finanzlücken leichter

Author: Angelika Breinich-Schilly

2:30 min reading time

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Dass die staatliche Rente im Alter nicht reicht, ist den meisten Deutschen klar. Ob die private Absicherung und eine betriebliche Altersversorgung diese Lücke schließen, ist für viele Menschen aber oft nur schwer zu beurteilen. Eine digitale Rentenübersicht kann ihnen helfen, besser vorzusorgen, so eine aktuelle Studie.

Vielen Menschen fällt es schwer, eine mögliche finanzielle Lücke im Rentenalter richtig einzuschätzen. Um ihnen einen besseren Überblick über staatliche und Leistungen aus privaten Altersvorsorgeverträgen sowie Betriebsrenten zu geben, haben Länder wie Schweden oder die Niederlande digitale Plattformen entwickelt, die alle drei Säulen der Altersvorsorge berücksichtigen. Welche Auswirkungen diese auf die Rentenplanung und das Sparverhalten haben, zeigt eine gemeinsame, Mitte Oktober 2022 veröffentlichte Studie des Leibniz-Instituts für Finanzmarkforschung SAFE und das ZEW Mannheim. Das Fazit: Eine einfache digitale Übersicht hilft vor allem Verbrauchern mit geringerer Finanzbildung.

Für das langfristig angelegte Experiment waren im Frühjahr 2017 gut 14.200 Kunden zweier großer deutscher Banken eingeladen worden. 747 Probanden nahmen bis zum Schluss an der Untersuchung teil. 420 Personen nutzten die hierfür entwickelte Digitalplattform und beantworteten insgesamt drei Umfragen. Die 327 Teilnehmer der Kontrollgruppe hatten hingegen kein zugang zu diesem Digital-Tool und wurden zweimal befragt. Für die digitale Rentenübersicht nutzte das Forscherteam ausschließlich die von den Kunden bereitgestellten Informationen und berechnete so die mögliche Rentenhöhe.

Rentenübersicht für besseres Sparverhalten

"Die Ergebnisse aus unserer Felduntersuchung zeigen, dass es sich lohnt nationale, digitale Rentenübersichtsplattformen einzuführen", so Andreas Hackethal, Projektleiter des Pension Finance Lab am SAFE. Bei der Befragung gaben drei Viertel der Teilnehmer an, dass die für die Studie modellierte Digitalplattform sehr bei der Planung der Altersvorsorge half. Außerdem zeigte die Studie, dass die Nutzer des digitalen Renten-Tools ihr Sparverhalten anpassten. 

Besonders deutlich sei dieser Effekt bei Personen mit wenig Finanzbildung. "Diese hatten nach dem Experiment durchschnittlich 3.354 Euro mehr auf den Sparkonten als die Kontrollgruppe", so Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des Forschungsbereichs Alterssicherung und nachhaltige Finanzmärkte am ZEW. 

Tool einfach und nutzerfreundlich gestalten

Die Untersuchung hat zudem offenbart, dass ein Großteil der Befragten männlich ist, eine gute Finanzbildung besitzt und eine hohe Rente zu erwarten hat. "Die Zusammensetzung der Teilnehmenden zeigt, dass es herausfordernd sein wird, insbesondere die Haushalte mit begrenzten finanziellen Kenntnissen und geringem Interesse an der Altersvorsorge zu erreichen", betont Christine Laudenbach, Leiterin der Forschungsabteilung Household Finance bei SAFE. 

Diesen Menschen könne eine einfache und niederschwellige Rentenübersicht helfen, fehlende Finanzbildung auszugleichen und potenzielle Rentenlücken zu schließen. Um ein entsprechendes digitales Tool nutzerfreundlich zu gestalten, müsse der Datenupload weitgehend automatisiert erfolgen und die Nutzerführung sich an den Standards moderner mobiler Apps orientieren. 

Digitales Rentencockpit ab Herbst 2023

Für Herbst 2023 ist der Start eines digitalen Rentencockpits geplant, für das bereits die Testphase läuft. Das Portal soll im Rahmen des Rentenübersichtsgesetz den Menschen einen umfassenden Überblick über ihre aktuelle und prognostizierte Rentensituation geben. Mögliche Rentenlücken können so bereits im Vorfeld erkannt und gezielt Maßnahmen ergriffen werden. 

Allerdings kalkuliert das künftige Tool bestimmte Anlagen, die keinen rein vorsorgespezifischen Charakter haben, nicht mit ein. Dazu zählen unter anderem Fondssparpläne, deren Laufzeit vor Vollendung des 60. Lebensjahres endet, Aktiendepots oder vermietete Immobilien. Auch Anwartschaften von Freiberuflern wie Ärzten, Anwälten oder Architekten werden nicht berücksichtigt.

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