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2022 | Book

Risiken, Krisen, Konflikte

Herausforderungen und Perspektiven medialer Vermittlungen

Editors: Prof. Dr. Michael Beuthner, Prof. Dr. Udo Bomnüter, Prof. John A. Kantara

Publisher: Springer Fachmedien Wiesbaden

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About this book

Corona-Pandemie, Klimawandel, Terrorismus, Flüchtlings- und Wirtschaftskrise, Militäreinsätze in Afghanistan und Mali, Abgasskandal etc. Die Liste der Risiken, Krisen und Konflikte ist lang, und die „Fälle“ sind zunehmend komplex. Wie steht es um die professionelle Kommunikation darüber? Ist sie hinreichend transparent und achtsam-kritisch, oder vielmehr interessengeleitet und oberflächlich? Interne Strukturen und Vorgaben sowie dynamische externe Rahmenbedingungen erschweren die Kommunikation. Es mangelt mitunter an Formaten, Möglichkeiten, Ressourcen, Mut oder auch Expertise und Können. Diejenigen, die bei Risiken und Krisen professionell Öffentlichkeit herstellen (müssen), kommunizieren möglicherweise nicht ausreichend (gut) miteinander und haben dabei die Optionen sozialer Medien und deren Akteure (noch) nicht regelmäßig im Blickfeld. Das vielschichtige Beziehungsgeflecht der Kommunikatoren bietet scheinbar mehr Irritations- als Synergiepotentiale.

Der Sammelband bündelt erstmalig in dieser Form interdisziplinäre Erfahrungswerte und Erkenntnisse von Akteuren aus Journalismus, Politik, Wissenschaft, Umwelt und Gesundheit. Dadurch werden Herausforderungen und Chancen medialer Vermittlung von Risiken und Krisen identifiziert und zugleich die Notwendigkeit und Ansatzpunkte für eine explizit auf dieses Thema ausgerichtete Ausbildung verdeutlicht.

Table of Contents

Frontmatter
Risiko- und Krisenkommunikation auf dem Prüfstand: Herausforderungen für eine überfällige Qualitätsinitiative
Zusammenfassung
Als Einführung in den Themenkomplex der Risiko- und Krisenkommunikation werden die Herausforderungen skizziert, die für mediale Akteure bestehen. Als Ausgangspunkt dient dabei zunächst ein Blick auf die aktuelle Corona-Pandemie in den Jahren 2020–2021, um von dort aus den Bogen weiter zu schlagen auf grundlegende Aspekte. Diese betreffen u. a. die Optionen und Hürden in der Zusammenarbeit von klassischen Medien, Organisationen, Behörden, Unternehmen, sowie die Bedeutung von Akteuren in den sozialen Medien.
Michael Beuthner, Udo Bomnüter, John A. Kantara

Kommunikationswissenschaftliche Implikationen

Frontmatter
Von Tschernobyl zur Corona-Infodemie: Entwicklung, Ergebnisse und Herausforderungen der Risiko- und Krisenkommunikationsforschung
Zusammenfassung
Martin Löffelholz liefert einen Überblick über die Entwicklung, Ergebnisse und Herausforderungen der Risiko- und Krisenkommunikationsforschung. Nach einer Analyse der Entstehung, Internationalisierung und Institutionalisierung der Forschung erläutert er zentrale Forschungsergebnisse im Hinblick auf die Krisenprävention, die Vorbereitung auf sowie die Bewältigung und Evaluation von Kommunikations-)Krisen. Das Krisenkommunikationsmanagement wird dabei insbesondere von der rasant fortschreitenden Datafizierung, Algorithmisierung und Automatisierung von Kommunikationsprozessen (u. a. mit Hilfe Künstlicher Intelligenz) herausgefordert.
Martin Löffelholz
Kommunikation – der Stoff, aus dem Krisen sind. Eine konstruktivistische Betrachtung der kommunikativen Modellierbarkeit und (De-) Konstruktion von Krisen
Zusammenfassung
Kathrin Westhölter und Andreas Bock liefern in ihrem Beitrag eine konstruktivistische Betrachtung der medialen Modellierbarkeit von Krisen. Sie beschreiben Krisen als konstruierte kommunikative Szenarien und verdeutlichen durch drei Fallanalysen, wie selbst Kommunikationsprofis in Krisenfallen tappen können. Ihre brisante These lautet: Die Qualität einer Krise zeichnet sich weniger durch den Auslöser aus, als vielmehr durch den kommunikativen Umgang mit diesem Stimulus. Pragmatisch formuliert: Die Kommunikation über ein Ereignis – und eben nicht das Ereignis selbst – entscheide letztlich über das krisenhafte Ausmaß eines Ereignisses.
Kathrin Westhölter, Andreas Bock

Kulturwissenschaftliche Implikationen

Frontmatter
Mediale Bild-Macht. Vom Paranoiathriller zum paranoiden Thriller in Hollywood nach 9/11
Zusammenfassung
Die 9/11-Terroranschläge betrachtet Marcus Stiglegger als intendiertes Counter-Narrativ gegen die Dominanz eines als feindlich empfundenen westlichen Master-Narratives. Die amerikanische Berichterstattung und Filmbranche würden sich als Reaktion darauf um die Aufrechterhaltung der Master-Erzählung bemühen. Selbst die verschärfte US-Sicherheitspolitik (Patriot Act) sei diesem Bemühen zuzuordnen und zahlreiche Drehbücher des amerikanischen Kinos geprägt. Stiglegger analysiert daraufhin Thriller, bei denen es um Verschwörungstheorien, Macht, Gewaltmonopole und Kontrollverlustängste geht. Kino bilde nicht das Paranoide nur ab, sondern sei selbst paranoid geworden.
Marcus Stiglegger
Dystopie ist feige. Der Klimawandel als Filmstoff zwischen Katastrophenszenario, Beziehungsgeflecht und visionären Utopien
Zusammenfassung
Rolf Teigler nimmt die Klimakrise als Filmstoff ins Visier. Viel zu einfach sei es, diese als düstere Katastrophenszenarien zu inszenieren. Teigler fragt, welche Herausforderungen sich für den künstlerisch anspruchsvollen Spielfilm stellen, wenn er sich einem existenziellen Konflikt der Zukunft stellt. Kann statt der Dystopie nicht auch eine utopische Vision gezeigt werden? Mit einer Analyse des Kinofilms „Nanouk“ (2018), der im sibirischen Permafrostgebiet Jakutien spielt, verdeutlicht der Beitrag konstruktive Inszenierungen, die eine bewusst hintergründige und umgestaltende Phantasie zu formulieren vermögen, um sich dem Chaos der Dystopie entgegenzusetzen.
Rolf Teigler

Arbeitsfeld Politik

Frontmatter
Narrative Management in Krisen – am Beispiel der afrikanischen Sahelzone
Zusammenfassung
John A. Kantara betrachtet das Narrativ-Management in der afrikanischen Krisenregion Sahel, geht auf strategische Narrative ein, verdeutlicht, dass sie für politische Akteure Wege sind, um Gemeinschaft, Identität und Gefolgschaft zu kreieren. Der Beitrag schlägt den Bogen vom Populismus zu den konkreten Herausforderungen in der Sahelzone. Dort mangelt es NGOs oder staatliche Stellen an Kenntnis, wie sich die Menschen informieren und durch wen sie (falsch) informiert werden, welche Qualität die Narrative haben. Abschließend skizziert Kantara ein Forschungsprojekt zur Verbesserung kommunikativer Resilienz gegen Gerüchte, Fakenews, Hatespeech und Desinformation in der Sahelzone.
John A. Kantara
Außenpolitik (ver)mittel(n). Krisenarbeit zwischen komplexer Realität und medialer Betrachtung
Zusammenfassung
Anna Fritzsche betrachtet auf Basis mehrjähriger Arbeit im Auswärtigen Amt und in den Vereinten Nationen die Rolle von Medien und öffentlicher Kommunikation in internationalen Krisen, gewaltsamen Konflikte und humanitären Notlagen und diagnostiziert Herausforderungen und Defizite. Die Krise als Medienspektakel nötigt Politik, Hilfsorganisationen und Fachcommunity mediengerecht zu agieren. Ohne Medieninteresse wiederum würden Betroffene oft vergeblich um notwendige Aufmerksamkeit kämpfen. Diese Dynamiken beeinflussen Verlauf und Intensität von Krisen. Dabei liefert Fritzsche Impulse für Ämter und Institutionen, um Krisenarbeit glaubwürdiger und effektiver zu kommunizieren.
Anna Fritzsche
Sicherheitspolitik, Kommunikation und was wissenschaftliche Politikberatung durch Think Tanks beitragen kann. Ein Erfahrungsbericht
Zusammenfassung
Christian Mölling betrachtet kritische Aspekte deutscher Sicherheitspolitik. Sicherheitsthemen seien kein routinierter Teil politischer Debatten und fehlten in öffentlicher Kommunikation. Sicherheitspolitik werde im Kontext von Staatskrisen, Rüstungsskandalen oder Bürgerkriegen skandalisiert statt konstruktiv debattiert, oder würde in Grundsatzdebatten abdriften. Mölling nennt Trends bei der politischen Meinungsbildung und geht auf die Bedeutung von Think Tanks ein, um Stakeholder wie Bundestag, Expert:innen und Zivilgesellschaft zusammenzubringen. Dazu skizziert er ein Medienprojekt, mit dem das Thema innovativ im politischen System und in der Öffentlichkeit verankert werden könnte.
Christian Mölling

Arbeitsfeld Journalismus und PR

Frontmatter
Zwischen Welten – Die Arbeit als Korrespondent für Sicherheitspolitik und Konfliktbeherrschung bei den Vereinten Nationen
Zusammenfassung
Thomas Schmidt nimmt die Historie und die Funktionalität der UN kritisch unter die Lupe und skizziert anhand der in Libyen und Syrien infolge des sogenannten Arabischen Frühlings entstandenen Krisenfälle ein Bild der UN, das eher von Blockadestrategien und Versagen statt von Erfolgen und Lösungen geprägt ist. Abschließend formuliert er Rahmenbedingungen für einen Auslandseinsatz als Korrespondent, insbesondere in Krisenregionen. Dabei geht es u. a. um die Bedeutung von globalen Nachrichten-Netzwerken, um die Abstimmung mit Heimatredaktionen und um Gefahrenpotentiale durch Zensur, Überwachung und Repressalien.
Thomas Schmidt
Traumatisierung im Journalismus: Über eine fatale Tabuisierung
Zusammenfassung
Andrea C. Hoffmann befasst sich in ihren Beitrag mit dem Umgang bzw. die Betroffenheit in Bezug mit traumatischen Erlebnissen. Journalisten beschäftigen sich mit Extremsituationen, was psychische Spuren wie Depression, Angst, posttraumatische Belastungsstörungen zur Folge haben kann. Journalist:innen sollten wissen, dass Schutz- und Risikofaktoren zum Tragen kommen, wenn sie mit extremen Belastungssituationen konfrontiert sind. In den Redaktionen und in der Ausbildung wird das allerdings weitestgehend ignoriert. Hoffmann zeigt, dass die Gefahr für psychische Folgeschäden besonders bei Krisen- und Kriegsjournalisten sehr hoch ist und skizziert Optionen, wie man dem begegnen kann.
Andrea C. Hoffmann
Gene, Gift und Glyphosat: Die Rutschbahn der Risiken. Neun Fehler beim Umgang mit Gesundheitsgefahren
Zusammenfassung
Hartmut Wewetzer fragt nach Gründen für die Diskrepanz zwischen gefühltem und gesichertem Wissen über Risiken und Gefahren. Im „Risiko-Spiel“ würden neben Medien, Nichtregierungsorganisationen, Politik, Industrie und Öffentlichkeit mitspielen, um ihre Interessen durchzusetzen. Kombiniert mit unzulänglichem Fach- und Statistikkenntnissen entstehe eine Reihe von Fehlern, Missverständnissen und Manipulationen, denen Öffentlichkeit und Medien beim Umgang mit gesundheitlichen Gefahren immer wieder erliegen. Es sind neun typische Irrtümer, die Wewetzer dabei besonders aufs Korn nimmt.
Hartmut Wewetzer
Überzeugungstäter im Dilemma. Über die Grenzen journalistischer Unabhängigkeit von Mitgliederzeitschriften und Publikationen von Nichtregierungsorganisationen
Zusammenfassung
Markus Bickel erläutert in seinem Beitrag die Frage nach den Grenzen journalistischer Unabhängigkeit von Mitgliederzeitschriften und Publikationen von Nichtregierungs-organisationen. Darf man bei Themen wie Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschutz der professionellen Berichterstattung eine Portion aktivistisches Engagement beimengen? Bickel zeigt auf, dass Eingriffe in die redaktionelle Autonomie von Verbandzeitschriften kein Einzelfall sind und die Grauzone zwischen klar abgegrenzter freier Berichterstattung und feinsinnigem Werben für die eigene Marke insbesondere bei der Berichterstattung über Risiken und Krisen größer wird.
Markus Bickel

Arbeitsfeld Umwelt und Gesundheit

Frontmatter
Knowledge Brokerage – Wissenschafts- und Risikokommunikation am Beispiel des gesundheitlichen Verbraucherschutzes
Zusammenfassung
Annett Schulze und Thorsten Herold liefern einen Problemaufriss darüber, vor welchen kommunikativen Herausforderungen eine wissenschaftliche Einrichtung wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in der alltäglichen Arbeit steht, wie gesetzliche Aufgaben und Wissenschaftskommunikation über Risiken übereinkommen. Eine zentrale Frage dabei ist, inwiefern der Ansatz des Knowledge Brokerage für eine Wissenschaftsorganisation relevant ist. Exemplarisch werden Herausforderungen skizziert, die in der Wissensdiffusion, der Vernetzung und des Auf- und Ausbaus von Kapazitäten liegen. Abschließend formulieren sie Vorschläge für eine Weiterbildung in der Risiko- und Krisenkommunikation.
Annett Schulze, Torsten Herold
Herausforderung Klimawandel – Kommunikation und Wissenstransfer zwischen Fakten und gesellschaftlicher Handlungsnotwendigkeit
Zusammenfassung
Renate Treffeisen und Klaus Grosfeld zeigen in ihren Beitrag, vor welchen Herausforderungen es beim Thema „Kimawandel“ aus dem Blickwinkel der Wissenschaftskommunikation geht. Sie appellieren zunächst dafür, statt von „Klimawandel" von „Klimakrise“ zu sprechen, damit der Blick auf Ursache, Dringlichkeit und den politischen Charakter des Problems in den Vordergrund tritt. Die Fridays4Future- und Scientists4Future-Bewegungen stünden dabei für ein Bottom-Up-Agenda-Setting, das Akteure zu Interaktion und Dialogbereitschaft auffordere. Treffeisen und Grosfeld erläutern daraufhin zwei Medienprojekte für erfolgreichen Wissenstransfer aus dem Forschungsverbund REKLIM.
Renate Treffeisen, Klaus Grosfeld
Human Factors im Krankenhaus und in der Luftfahrt als Schlüssel zu mehr Sicherheit. Der Mensch als „Limiting Factor“ im Hochsicherheitsumfeld?
Zusammenfassung
Andreas E. Gebhardt fragt in seinem Beitrag nach den „Human Factors“ im Krankenhaus und in der Luftfahrt als Schlüssel zu mehr Sicherheit. Ist der Mensch der „Limiting Factor“ in durchtechnisierten Hochsicherheitsumfeldern? Und wie vergleichbar sind die Sicherheitsbedingungen in Luftfahrt und Krankenhaus? Gebhardts These: Im Krankenhaus sollte man sich viel mehr vom Sicherheitssystem der Luftfahrt abgucken bzw. davon lernen. Schließlich wird deutlich, dass es dabei nicht nur um Aspekte der Ausbildung, Fähigkeiten, Einstellung zum Beruf etc., sondern primär um Betrachtungen zur Kommunikation geht, die vor allem in Stresssituationen mit einem Situationsbewusstsein im Team einhergeht.
Andreas E. Gebhardt
Metadata
Title
Risiken, Krisen, Konflikte
Editors
Prof. Dr. Michael Beuthner
Prof. Dr. Udo Bomnüter
Prof. John A. Kantara
Copyright Year
2022
Electronic ISBN
978-3-658-36195-2
Print ISBN
978-3-658-36194-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36195-2