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09-03-2022 | Risikoanalyse | Infografik | Article

Wo ein Zinsanstieg deutsche Banken trifft

Author: Angelika Breinich-Schilly

4:30 min reading time
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Wie steht es um die Bankenbranche, wenn steigende Zinsen Immobilienpreise treiben und der Wirtschaft einen zusätzlichen Dämpfer verpassen? Welchen Risiken die Institute ausgesetzt sind, belegt eine umfassende Analyse von CRR-Reports deutscher Geldhäuser.

Während die großen Banken den höchsten Anteil an operationellen und auch Marktrisiken des Handelsbuchs aufweisen, dominieren bei den Sparkassen und VR-Banken fast ausschließlich Kreditrisiken. Sparkassen haben das größte Exposure, also offene Risikopostionen, gegenüber Unternehmen. Institute der genossenschaftlichen Bankengruppe wären von einem Verfall der Immobilienpreise am stärksten betroffen. 

Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Analyse von Zielke Research Consult, für die das Beratungshaus 110 CRR-Reports (Capital Requirements Regulation) von Geldhäusern aller drei Banksäulen ausgewertet hat. Aus diesen nach Basel III vorgeschriebenen Offenlegungsberichten haben die Studienautoren abgeleitet, wie stark die Kreditinstitute aktuell im Falle einer Welle von Unternehmensinsolvenzen sowie einem Verfall der Immobilienpreise betroffen wären. Zudem untersuchten sie, wie anfällig die Institute auf Zinsschwankungen reagieren. Im Detail fokussierte sich die Analyse auf die Eigenkapitalausstattung, Aufteilung in Marktrisiken des Handelsbuchs, Zins- und operationelle Risiken, Zins-Exposures, Ausfallquoten, Zinssensitivität und Verschuldungsgrade.

Mit einer Kernkapitalquote von im Durchschnitt 16,36 Prozent liegen die untersuchten Sparkassen auf dem Niveau der Volks- und Raiffeisen- (15,99 Prozent) sowie der großen Banken (17,39 Prozent). Zu den letztgenannten gehören unter anderem die Landesbanken, die KfW, die Commerzbank, verschiedene Bausparkassen sowie ausländische Institute wie JP Morgan, Banco Santander oder die ING Gruppe.

Große Banken haben die meisten operationellen Risiken

Große Banken sind der Analyse zufolge vor allem durch ihren hohen Durchschnitt an operationellen Risiken mit 35,93 Prozent betroffen. Den höchsten Wert weist die Deutsche Bank mit 77,50 Prozent auf, gefolgt von der Hamburg Commercial Bank mit 77,30 Prozent oder der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (74,68 Prozent). Die operationellen Risiken machen hingegen bei den Sparkassen 7,02 Prozent und bei den VR-Banken 8,41 Prozent aus. 

Allerdings herrscht innerhalb der großen Banken ein deutlicher Unterschied. Der Grund liegt unter anderem in unterschiedlichen Standards beim Ausweisen der operationellen Risiken. "Die Verwendung verschiedener Messansätze kann zu einer unterschiedlichen Bewertung der Risiken führen", heißt es in der Studie. 

Mittelstandsfinanzierung ist größtes Risiko der Sparkassen

Laut Analyse wären die Sparkassen von einer wirtschaftlichen Rezession und einer damit möglicherweise einhergehenden Pleitewelle am härtesten betroffen. Die Institute gehören zu den größten Mittelstandsfinanzierern in der Bundesrepublik. Ihr Kredit-Exposure ist mit einem Anteil von durchschnittlich 23,93 Prozent bei einer Laufzeit von über fünf Jahren besonders hoch. 

Mit 17,92 Prozent sind die genossenschaftlichen VR-Banken zwar etwas geringer wirtschaftlichen Schwankungen ausgesetzt. Dennoch gibt es auch hier Institute mit einem Anteil an Firmenkrediten von mehr als 25 Prozent. Am geringsten ist das Kreditengagement im Bereich von über fünf Jahren bei den großen Bankhäusern mit insgesamt 15,50 Prozent. 

Beim Immobilien-Exposure sind VR-Banken Spitzenreiter

Bei den Immobilienrisiken, also Baufinanzierungen von mehr als fünf Jahren, liegen die Sparkassen mit einem Anteil von durchschnittlich 33,03 Prozent unter dem der VR-Banken, die 44,35 Prozent aufweisen, aber immer noch über dem der großen Banken mit im Schnitt 8,66 Prozent. Die höchsten Immobilienengagements haben drei Sparda Banken: Baden-Württemberg (76,34 Prozent), West (70,30 Prozent) sowie Südwest (65,41 Prozent). Im Falle eines Zinsanstiegs mit einem möglichen Rückgang der Immobilienpreise wäre diese Institute besonders stark betroffen. 

Unter den Sparkassen überspringen die Sparkasse Neuss (56,77 Prozent) sowie die Haspa (54,22 Prozent) die 50-Prozent-Grenze. Bei den großen Häusern überschreitet keine Bank diesen Wert. Hier führt das Feld die Banco Santander mit 43,1 Prozent an.

Große Banken besonders zinssensitiv

Bei höheren Zinsen sollte die Zinsmarge der Banken generell steigen, da sich die Institute in der Regel kürzer refinanzieren als sie Darlehen vergeben. Bei einem Anstieg der Zinsstrukturkurve um 200 Basispunkte verringern sich die risikogewichteten Aktiva bei den Sparkassen um durchschnittlich 2,08 Prozent. Die größten Rückgänge verbuchen die Kasseler Sparkasse mit minus 5,82 Prozent, die Sparkasse Bochum (minus 5,16 Prozent) sowie die Sparkasse Bielefeld (minus 5,08 Prozent). Negativ bewertet die Analyse, dass bei den Sparkassen Karlsruhe, Osnabrück und Ingolstadt Eichstätt sowie der Taunus Sparkasse wesentliche Angaben zum Zinsrisiko fehlen oder diese nicht dem standardisierten Template entsprechen. 

Bei den VR-Banken verringern sich die risikogewichteten Aktiva im Vergleich um durchschnittlich 3,23 Prozent. Hier haben die Sparda Bank München (minus 7,39 Prozent), die GLS Gemeinschaftsbank (minus 6,80 Prozent) und die Sparda Bank Baden-Württemberg (minus 6,30 Prozent) die stärksten Differenzen. 

Bei den großen Häusern erhöhen sich die risikogewichteten Aktiva hingegen im Schnitt um 0,01 Prozent - etwa bei der Wüstenrot Bausparkasse um 7,90 Prozent erhöht. Die IKB Deutsche Industriebank weist hingegen ein Minus von 2,14 Prozent und die Deutschen Pfandbriefbank ein Minus von 1,92 Prozent aus. Allerdings hatten in diesem Segment die Crédit Mutuel Alliance Fédérale sowie ING Group keine Angaben gemacht. Bei drei weiteren Banken waren Angaben nicht korrekt. 

Sparkassen mit den höchsten Schuldenquoten

Insgesamt wiesen die Sparkassen die höchsten Schuldenquoten aller untersuchten Häuser auf. Spitzenreiter ist die Sparkasse Bochum mit 13,38 Prozent, gefolgt von der KSK Biberach (12,29 Prozent) und der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt (12,11 Prozent). Bei den VR-Banken führt die Wiesbadener Volksbank die Liste an (11,30 Prozent). Auf den Plätzen folgen die Frankfurter Volksbank (10,29 Prozent) und die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz (8,71 Prozent). Unter den großen Banken führt die Hamburg Commercial Bank mit 12,20 Prozent). JP Morgan (10,20 Prozent) liegt auf dem zweiten, KfW Ipex auf dem dritten Rang (9,86 Prozent). 

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