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01-07-2022 | Risikomanagement | Gastbeitrag | Article

Wenn Energiekosten die Firmenexistenz gefährden

Author: Frank-Rüdiger Scheffler

3:30 min reading time
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Die Energieversorgung ist zu einem großem Problem für die Wirtschaft geworden. Experten warnen gar vor einer Insolvenzwelle. Doch ein insolvenzliches Sanierungsverfahren ist nicht vorrangig eine Bedrohung. Vielmehr kann es in der jetzigen Lage Chancen bieten.

In der letzten Konjunkturumfrage des DIHK hatten zwei Drittel der Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise als großes Geschäftsrisiko bezeichnet – so viele, wie in keiner der Befragungen davor. Dabei war dies noch vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs. In einer kurz danach erhobenen Blitzumfrage unter 3.700 Unternehmen gaben 87 Prozent der Befragten an, den Ausbruch des Krieges durch höhere Energiekosten zu spüren. In besonders energieintensiven Branchen wie der Papierherstellung oder dem Backgewerbe bangen manche Unternehmen mittlerweile um ihre Existenz. 

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Eine Insolvenzwelle, die einige Beobachter bereits befürchten, ist nicht mehr gänzlich auszuschließen. Politische Lösungen sind auf den Weg gebracht worden. Doch ob sie für manches angeschlagene mittelständische Unternehmen (KMU) noch rechtzeitig greifen und wie viel der Krisenlast sie den Unternehmen abnehmen, ist unklar. Deshalb ist es für viele Betriebe unerlässlich, nach eigenen Lösungen zu schauen.

Die gerichtliche Sanierung als Weg aus der Krise

Ein aussichtsreicher Ansatz für KMU ist es, Prozesse und Strukturen anzugehen und beispielsweise in alternative Energiequellen wie Photovoltaik, Windkraft oder Erdwärme zu investieren. Auch effizientere Prozesse und ein geringerer Energieverbrauch können die Kosten senken. Derartige Veränderungen sind allerdings höchstens mittelfristig zu realisieren. Muss sich ein Unternehmen umgehend finanz- oder leistungswirtschaftlich neu aufstellen, kann ein gerichtliches Sanierungsverfahren ein Weg aus der Krisensituation sein. Hier gibt es neben der Regelinsolvenz auch die Möglichkeit der sogenannten Eigenverwaltung.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Im Rahmen der Eigenverwaltung können in Schieflage geratene Betriebe mithilfe eines Insolvenzplans ihre Strukturen, Partnerschaften und Prozesse mittel- und langfristig neu aufstellen. Zudem wird möglich, sich zeitnah aus unrentablen Verträgen zu befreien oder diese anzupassen. Die Besonderheit: Die bisherige Geschäftsführung führt das operative Geschäft auch während des Verfahrens weiter. Ihr wird lediglich ein Sachwalter zur Seite gestellt, der eine Kontrollfunktion ausführt und die Interessen der Gläubiger vertritt. Zudem verlangen Insolvenzgerichte in der Regel eine sanierungs- und insolvenzerfahrene Beratung, die der eigenverwaltenden Geschäftsführung zur Hand geht.

Zeit gewinnen, strukturell neu aufstellen

Ein gerichtliches Sanierungsverfahren verschafft Unternehmen Handlungsspielraum: Durch das sogenannte Insolvenzausfallgeld werden die Löhne und Gehälter der Belegschaft für bis zu drei Monate von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Darüber hinaus sind auch Steuerzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge vorübergehend aussetzbar. Die gewonnene Zeit kann von den Unternehmen genutzt werden, um ein nachhaltiges Konzept für die veränderten Energiesituation zu entwickeln: Einkauf, operatives Geschäft, Leistungskatalog, Anzahl und Aufgaben der Standorte – vieles kann an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.

Rechtzeitig in die Wege leiten

Die Insolvenz in Eigenverwaltung kann als Alternative zum Regelinsolvenzverfahren beantragt werden. Bei Zahlungsunfähigkeit muss der Antrag hierzu in jedem Fall innerhalb von drei Wochen beim zuständigen Amtsgericht erfolgen. Bei einer Überschuldung bleiben der Geschäftsführung sechs Wochen. Allerdings ist eine Eigenverwaltung an bestimmte Zugangsvoraussetzungen wie ein Finanzplan für das angestrebte Verfahren oder Erklärungen zu den Krisenursachen und den geplanten Gegenmaßnahmen gebunden. Deshalb ist es entscheidend, dass sich die Geschäftsleitung eines Unternehmens bei den ersten Krisenanzeichen auch mit dem Thema einer möglichen Insolvenz befasst.

Im Zuge einer Eigenverwaltung kann ein sogenannter Schutzschirm Betrieben zusätzlich Zeit verschaffen. Dies ist möglich, wenn Zahlungsunfähigkeit droht oder das Unternehmen überschuldet ist und realistische Sanierungsaussichten hat. Das Schutzschirmverfahren bietet die Gelegenheit, Maßnahmen zu entwickeln, die dann im eröffneten Eigenverwaltungsverfahren umgesetzt werden. Unter dem Schutzschirm ist eine Firma weitestgehend vor Vollstreckungsmaßnahmen ihrer Gläubiger geschützt und kann mitunter bereits Instrumente wie das Insolvenzausfallgeld nutzen.

Die Möglichkeiten in der gerichtlichen Sanierung im Überblick:

  • Verbindlichkeiten durch Insolvenzplan kürzen
  • Verträge kurzfristig anpassen oder kündigen
  • Löhne und Gehälter durch Insolvenzausfallgeld absichern
  • Struktur durch vereinfachten Kündigungsschutz anpassen
  • Steuerzahlungen und Sozialabgaben zeitweise aussetzen
  • Mithilfe eines Investors neu aufstellen


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