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Shopping in China

Dispositive konsumistischer Subjektivation im Alltagsleben chinesischer Studierender

  • 2018
  • Book

About this book

Dieses Buch befasst sich mit alltäglichen Shoppingpraktiken chinesischer Studierender und ihrer Bedeutung für die Entwicklung konsumistischer Subjektivitäten. Ausgehend von ethnographischen und videographischen Untersuchungen werden Praktiken des Aus- und Anprobierens und des Wählens von Konsumobjekten sowie verschiedene Diskurse analysiert, die diese Shoppingpraktiken als 'modern' oder 'rückständig' etikettieren. Es zeigt sich, dass Studierende in Shoppingmall-Geschäften und an Marktständen jeweils unterschiedliche Verhältnisse zu Objekten und zu sich selbst einüben – und damit auch unterschiedliche situationsspezifische Subjektivitäten entwickeln. Diese multiplen Subjektivitäten werden allerdings von Modernisierungsdiskursen begleitet, die ihre Unterschiedlichkeit als Ungleichzeitigkeit interpretieren und in den Rahmen einer 'kolonialen Zeitlichkeit' stellen.

Table of Contents

  1. Frontmatter

  2. Chapter 1. Einleitung: Verfügbare Dinge, moderne Subjekte

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    Kaum jemand bestreitet heute mehr Chinas zentrale Rolle als wirtschaftliche und politische Macht in der Welt. Diese Rolle entstand in einem bis heute andauernden Prozess des radikalen Wandels seit dem 19. Jahrhundert, bestimmt durch Kolonialismus, durch Bürgerkriege und durch sozialistische Revolution und ab den 1980er-Jahren durch eine lange Reihe wirtschaftlicher und sozialer Reformen, für die sich bis heute keine einheitliche Überschrift finden lässt: In den 1980er-Jahren begann China unter Deng Xiaoping, ein duales System aus Plan- und Marktwirtschaft einzuführen, das sich in den 1990ern unter der offiziellen Bezeichnung „sozialistische Marktwirtschaft“ (社会主义市场经济) allmählich in eine staatlich kontrollierte und mit der Herrschaft der Kommunistischen Partei vereinbare, dennoch aber nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktionierende Wirtschaft entwickeln sollte.
  3. Chapter 2. Theoretische und methodologische Überlegungen

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    Es ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit, Theorie auf Grundlage chinesischer Konsumpraktiken weiterzuentwickeln, statt einfach nur die Plausibilität von bereits entwickelter Theorie in Bezug auf China auszuloten. Dieses Anliegen führte im Forschungsprozess zur Wahl eines ethnomethodologischen Ansatzes: Aufgrund seiner Nähe zu konkreten Praktiken, seines Misstrauens gegenüber schnellen Klassifizierungen und theoretischen Deutungen sowie seiner Frage nach situativer Hervorbringung der Wirklichkeit ist dieser Ansatz besonders gut geeignet, um Forschungen anzuleiten, in denen Relevanzkriterien und Beobachtungsdimensionen nicht ohne Weiteres aus der (möglicherweise eurozentrischen) Theorie abgeleitet werden können. Aus diesem Anliegen folgte konsequenterweise auch eine Einbettung des ethnomethodologischen Ansatzes in eine langfristige ethnographische teilnehmende Beobachtung.
  4. Chapter 3. Der Konsum der institutionellen Diskurse

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    DiskurseBisher wurde Subjektivation lediglich auf Grundlage soziologischer Theorie thematisiert, also als ein analytisches Konzept, das aus theoretischen Überlegungen heraus auf die Analyse von Praktiken angewandt wird. Die Idee einer Transformation der Subjekte durch Konsum ist aber nicht nur eine theoretische Perspektive der Soziologie, sondern auch ein explizites Anliegen im Feld, das in institutionellen Diskursen thematisiert wird. An diesen institutionellen Diskursen sind insbesondere auch die Sozialwissenschaften, vor allem Soziologie und Ökonomie, beteiligt, die hier untrennbar mit der Staatsverwaltung verflochten sind: Mit Hu Jinta Konzept der wissenschaftlichen Entwicklungsperspektive (科学发展观) ist die Bedeutung sozialwissenschaftlicher Expertise für die staatliche Verwaltung sowie auch als Instanz politischer Beratung gestiegen, und Beamte nehmen zunehmend selbst am sozialwissenschaftlichen Diskurs teil.
  5. Chapter 4. Shoppingmall-Geschäfte

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    Im letzten Kapitel wurden die institutionellen Diskurse über Konsum überblicksartig dargestellt. Es wurde gezeigt, wie diese Diskurse Konsum in ein übergeordnetes Projekt der nationalen Modernisierung einbinden, das in China deutlich älter als die gegenwärtigen Formen des Massenkonsums ist: Konsum ist ein neues Instrument in einer ganzen Reihe an Instrumenten der „Modernisierung“ des Landes und der „Entwicklung“ der Individuen in moderne Subjekte. Im folgenden Kapitel wird die Frage gestellt werden, inwieweit diese Erwartungen an eine konsumistische Subjektivation sich in realen Einkaufspraktiken in Shoppingmall-Geschäften erfüllen.
  6. Chapter 5. Marktstände

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    Bis hierhin scheint eine in sich kohärente Erzählung vorzuliegen: Ein institutioneller Diskurs, der Konsum als Instrument der Modernisierung konzipiert, und ein Dispositiv des Shoppingmall-Geschäftes, das diesen Diskurs aus der Ferne in die jeweiligen Situationen übersetzt und dabei in der Lage ist, so heterogene Entitäten wie Waren, Architektur, Preise, Verkaufspersonal und Kunden in ein Gefüge einzubinden, das durchaus als ein Dispositiv des Shoppings verstanden werden kann. Diese stimmige Erzählung zerbricht aber, sobald man ein vollständigeres Bild der Einkaufspraktiken chinesischer Studierender gewinnt. Denn Studierende gehen nicht nur in Shoppingmalls, Hypermärkte und große Markenoutlets, die in etwa der gleichen Logik wie die Mall folgen.
  7. Chapter 6. Praktische und diskursive Verflechtungen

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    In den vorhergehenden Kapiteln wurden einerseits institutionelle Diskurse vorgestellt, die eine konsumistische Subjektivation im Namen einer nationalen Modernisierung erhoffen und planen. Andererseits wurden zwei Mikrodispositive des Shoppings, Shoppingmall-Geschäfte und Marktstände, daraufhin untersucht, ob dort subjektivierende Praktiken hervorgebracht werden, und wenn ja, welche. Wie sich dabei herausstellte, lässt sich zwar durchaus eine Linie von den modernistischen institutionellen Diskursen zur Shoppingmall ziehen.
  8. Chapter 7. Synopsis

    Marius Meinhof
    Zusammenfassung
    Im Folgenden soll nun ein zusammenfassender Überblick über die konsumistische Subjektivation, wie sie sich aus der Perspektive studentischer Shoppingpraktiken in China ergibt, geboten werden. Statt die einzelnen Elemente, die in den vergangenen empirischen Kapiteln nacheinander beschrieben wurden, noch einmal in voneinander getrennter Form zu beschreiben, soll dabei eine kondensierte, abstrakte Analyse des Zusammenspiels dieser „Puzzlestücke“ geboten werden. Zugleich soll auf diese Weise noch einmal deutlicher herausgearbeitet werden, welche neuen Begriffe diese Ergebnisse für die Analyse konsumistischer Subjektivation und damit auch für die in Kapitel 2.1 dargestellten Subjektivationstheorien nahelegen.
  9. Backmatter

Title
Shopping in China
Author
Marius Meinhof
Copyright Year
2018
Electronic ISBN
978-3-658-19975-3
Print ISBN
978-3-658-19974-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-19975-3

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