Viel Raum und schnelles Laden im Kia EV3
- 30-09-2025
- Sport Utility Vehicle
- Fahrbericht + Test
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Mit dem EV3 ist Kia ist das Segment der kompakten SUV gestartet. Das Elektroauto mit 400-V-System kann in vielen Punkten überzeugen.
Kia EV3
Patrick Schäfer | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Der kantig und auffällig gestylte Kia EV3 basiert auf der Plattform E-GMP (Electric Global Modular Platform) und misst 4.310 mm in der Länge, 1.850 mm in der Breite und 1.570 mm in der Höhe. Das etwas gedrungene Design kommt durch die vom Kia EV9 entlehnte Formensprache "Opposites United" zustande. Der EV3 wirkt eher wie ein Crossover. Das "Tigergesicht" zeigt die "Star Map"-Beleuchtung und die Pixel-LED-Scheinwerfer, das vertikale Design wird bei den Rückleuchten am Heck aufgenommen. Bei einem Radstand von 2.680 mm bietet das Kompakt-SUV genug Platz für fünf Passagiere.
Das graue Interieur mit textilen Einlagen wirkt aufgeräumt, aber auch trist. Das Hartplastik an der Armaturentafel reflektiert zudem in der Sonne. Eine sehr dezente Ambiente-Beleuchtung, die je nach Fahrmodus die Farbe verändert, und ein kleiner Schiebetisch vorne an der Mittelkonsole sind an Bord. Zudem bietet das Kompakt-SUV viele große Ablagen. Die metallischen, vertikalen Spangen in den Türverkleidungen integrieren vorne die Tasten für die Sitzheizung. Hinten sitzt man sehr aufrecht, aber die Sitzbank ist zu kurz und die Sitze etwas zu niedrig. Da der Boden durch die Batterie höher baut, müssen die Beine aufgestellt werden. Aber immerhin kann man die Füße unter die Vordersitze schieben. Knieraum ist jedenfalls genug vorhanden. Zu zweit im Fond kann man noch eine Mittelarmlehne mit Flaschenhaltern herausklappen. Stellt man sich bei abgesperrtem Fahrzeug (mit dem Schlüssel) vor das Heck, öffnet die elektrische Klappe automatisch. Der leicht zugängliche Gepäckraum bietet ein Volumen von 460 bis 1.251 l bei umgeklappten Fondsitzen. Zudem stehen zusätzlich 25 l unter der Fronthaube zur Verfügung. Dort kann das Ladekabel gerade so, allerdings nur ohne die mitgelieferte Hardcover-Tasche, untergebracht werden.
Bedienung + Konnektivität
Der Zugang zum Interieur gelingt dank Keyless-entry sowie über einen digitalen Autoschlüssel auf einfache Art und Weise. Bei Annäherung klappen die Türgriffe aus. Aber: Beim Weggehen schließt das Fahrzeug nicht selbsttätig ab. Dafür muss der Taster am Türgriff berührt oder der Knopf am Schlüssel bemüht werden. Im Cockpit sind die jeweils 12,3" großen Displays für den Fahrer und für das Infotainmentsystem sowie ein Bedienfeld für die Klimatisierung in einem geraden Panoramadisplay verbunden. Das sitzt angenehm tief. Das optionale Head-up-Display war nicht an Bord. Das Fahrerdisplay bietet viele kleinteilige Informationen und könnte teilweise etwas aufgeräumter gestaltet sein. Immerhin sind die ADAS-Symbole übersichtlich in einer Reihe gruppiert. Zudem sind die Grafiken gut ablesbar.
Das gilt auch für den etwas übersichtlicher gestalteten Touchscreen: Das macht die Bedienung einfacher, die Sensitivität des Touchfeldes könnte allerdings etwas besser sein. Auch erfordern einige Einstellungen das Aufsuchen von Unterseiten. Dafür gibt es unterhalb eine physische Tasterleiste mit den wichtigsten Menüpunkten zur schnellen Orientierung. Vorne in der Mittelkonsole befindet sich ein ausziehbares "Tablett", das für den schnellen Zugriff unter anderem die Tasten für die Parksensoren und die 360°-Kamera beherbergt. Bei der Lenkradbedienung sind die metallisierten Walzen zu rutschig und drehen sich oft nicht. Für die vier Fahrmodi gibt es extra einen Taster am Zwei-Speichenlenkrad. Vor allem nachts relevant: Der rechte Bereich für das Infotainmentsystem lässt sich bei Nichtbenutzung komplett dunkel schalten.
Die Klimatisierung kann auch über einfache Wippen gesteuert werden, die Anzeige rechts vom Fahrerdisplay wird jedoch leicht vom Lenkrad verdeckt. Dort können über das Touchfeld auch weitere Einstellungen vorgenommen werden. Die Sprachassistenz arbeitet mit KI-Einsatz (ChatGPT), sie erleichtert die Eingabe von Navigationszielen und kann auch die Klimatisierung regeln ("Mir ist kalt"). Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind ebenso Serie wie OTA-Updates. Mit der eigenen Connect-App bietet Kia zudem viele weitere Funktionen im und außerhalb des Fahrzeugs. Das Soundsystem von Harman/Kardon sorgt für einen ordentlichen Klang im EV3.
Antrieb + Fahrwerk
Das Einschalten und Einlegen der Fahrstufe gelingt über einen Lenkstockhebel an der rechten Seite. Angetrieben wird das SUV von einem 150 kW (204 PS) starken Elektromotor, der sein maximales Drehmoment von 283 Nm über ein Reduktionsgetriebe an die Vorderräder leitet. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dauert rund 7,6 s, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei (abgeregelten) 170 km/h. Im Test war die kleinere, 58,3-kWh-Batterie verbaut (81,4 kWh optional). Damit wirkt der EV3 recht spritzig. Bei Abrufen der vollen Leistung spürt man allerdings ein starkes Rupfen in den Händen und sollte das Lenkrad gut festhalten. Die Rekuperationsleistung kann per i-Pedal 3.0 individuell in vier Stufen von 0 bis 3 über die Wippen hinter dem Lenkrad eingestellt werden. Mit etwas Übung lässt sich das BEV dann nur mit dem Fahrpedal durch den Verkehr bewegen.
Das Fahrwerk des mindestens 1,8 t schweren Kia EV3 arbeitet mit MacPherson-Federbeinen vorne und einer 4-Lenker-Mehrlenkerachse hinten und ist eher straff. Mitunter spürt man auf schlechten Straßen auch das hohe Gewicht. Für ein Sicherheits-Plus in Kurven ist die elektrische dynamische Drehmomentverteilung eDTVC (Electric Dynamic Torque Vectoring Control) an Bord.
Laden + Verbrauch
Im Kia EV3 ist "nur" ein 400-V-System verbaut, in anderen Elektroautos der Marke sind es üblicherweise 800 V. Die maximale Reichweite gibt Kia mit 414 km an, nach dem Vollladen bekamen wir allerdings nur maximal 367 km angezeigt. Der Verbrauch für den "kleinen" EV3 liegt laut Datenblatt kombiniert bei 15,8 kWh/100 km. In unserem Test waren es nur knapp über 16 kWh pro 100 km. Beim AC-Laden ist die große Ladeanzeige neben dem Stecker sehr hilfreich, wenn die Ladestelle beispielsweise kein brauchbares Display aufweist. Ebenfalls gut gelöst: Nach dem Öffnen der Türen und dem zeitweiligen Abbruch der Ladung nimmt der EV3 das Laden der Batterie nach dem Verriegeln der Türen automatisch wieder auf. Und fährt man mit geöffneter Ladeklappe los, gibt es eine optische und akustische Warnung im Cockpit. Mit 11 kW dauert einmal Vollladen fast fünfeinhalb Stunden. Das Schnellladen funktioniert bei der kleinen Batterie zwar nur mit bis zu 101 kW, aber das sehr gut: Die DC-Leistung wird lange gehalten, auch bei knapp 80 % Ladestand wurden an einer 150-kW-Säule noch über 96 kWh angezeigt, die in die Batterie flossen. Das Laden dauert also nur etwa eine halbe Stunde von 10 auf 80 % beim kleinen Akku.
Fahrerassistenzsysteme
Die ADAS-Palette der Ausstattung "Earth" beinhaltet neben einem Frontkollisionswarner und einem aktiven Spurhalteassistent auch den Autobahnassistenten HDA. Die Sicherheit wird zusätzlich durch den Toter-Winkel-Assistent erhöht, der zuverlässig bei aktiviertem Blinker das seitliche Kamerabild auf dem Fahrerdisplay einspielt. Die Funktionsweise des automatischen Spurwechsels ist allerdings umständlich, da dieser oft mit einem Tastendruck bestätigt werden muss, was nicht immer funktioniert. Zudem bricht das System den Vorgang bei der kleinsten Lenkbewegung ab.
Den Tempoassistent haben wir nur auf längeren Autobahnabschnitten genutzt, ansonsten blieb er ausgeschaltet. Direkt bei Start wurde auch immer der Aufmerksamkeitswarner deaktiviert, der schon bei einem etwas zu langen Blick auf das Fahrerdisplay mit eindringlichem Gepiepse warnte. Immerhin kann man mit etwas Mühe und Hilfe durch Schwarmintelligenz alle Warntöne ausschalten, wenn auch nicht immer dauerhaft. Drückt man etwa die Stummschalttaste am Lenkrad etwas länger, kann der Warnton für die Geschwindigkeitsüberschreitung für die aktuelle Fahrt deaktiviert werden. Ein Problem gab es mit dem RDKS-Sensor, der schon bei einer Abweichung von 0,1 bar Alarm schlug. Auch nach dem Auffüllen des Reifens ließ das System nicht mehr von der Fehlermeldung ab.
Pro und Contra: Kia EV3
Ende 2024 kam der Kia EV3 in Europa auf den Markt. Der batterie-elektrische Crossover ist ein flottes BEV für den Alltag und bietet für seine kompakten Ausmaße erstaunlich viel Platz im Interieur. Die Bedienung ist größtenteils durchdacht und einfach. Auch die Ausstattung in den Bereichen Multimedia, Navigation und Fahrerassistenz ist gut. Zudem zeigt sich der Antrieb Autobahn-tauglich, auch was die Reichweite angeht. Das 400-V-System überrascht zudem an der Schnellladesäule mit einer guten Ladeleistung. Der graue Innenraum ist allerdings Geschmackssache, der hohe Kunststoffanteil wirkt nicht besonders wohnlich. In der mittleren Ausstattungsversion "Earth" kostet der Crossover mindestens 38.290 Euro. Der Testwagen kam mit diversen Extras aber auf 43.250 Euro.