In diesem Lehr- und Grundlagenbuch erhalten angehende Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner Hilfestellung bei der Bearbeitung von städtebaulichen Projekten und Entwürfen. Die dargestellten Inhalte und deren Aufbereitung orientieren sich an dem Entwurfsprozess in der Praxis und betten diesen in ein theoretisches Gerüst aus notwendigem Hintergrundwissen ein. Als Einstieg wird ein Überblick über das Verständnis von Stadt, von städtischen Strukturen und den hierin herrschenden Gesetzmäßigkeiten gegeben. Um das vielschichtige Gebilde der Stadt verständlicher zu machen, wird dieses in unterschiedliche Layer und Bausteine zerlegt. Die Vorgehensweise beim Städtebaulichen Entwerfen wird anhand der „Schichten-Methode“ in Form von aufeinander folgenden Phasen beschrieben. Beispiele von städtebaulichen Projekten und Wettbewerben illustrieren die einzelnen Entwurfsschritte.
Städte und städtebauliches Entwerfen stehen heute, im ersten „urbanen Jahrhundert“ der Geschichte, vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen. Dies bedeutet nicht, dass die Grundsätze und Prinzipien des Städtebaus nun ganz andere sein werden als noch im 19. oder 20. Jahrhundert. Die Dynamik und Komplexität städtischer Entwicklung jedoch, wie sie zum Beispiel im räumlichen und zeitlichen Nebeneinander von Wachstum, Schrumpfung und Stagnation sichtbar wird, erfordert ein noch stärker prozessuales Verständnis von Städtebau als dies in den Phasen der Stadt im Industriezeitalter notwendig erschien. Städte, Stadtquartiere und Stadtregionen entwickeln sich nicht in nur eine Richtung; zeitgemäße städtebauliche Konzepte müssen daher auch mehr als nur eine mögliche Realität berücksichtigen, die es zu entwerfen und zu gestalten gilt.
Städtebauliches Entwerfen setzt Wissen um die historischen Entstehungsprozesse von Stadt voraus: Städte und Stadtgrundrisse sind Lesebücher der Geschichte und beinhalten wichtiges Erfahrungswissen um Merkmale und Gesetzmäßigkeiten von Stadt. Dieses Wissen ist unverzichtbar, denn viele aktuelle städtebaulichen Aufgaben lassen sich nur in Kenntnis der Historie einer Stadt und der Ideengeschichte des Städtebaus adäquat bearbeiten.
Ein Ort kann nur verstanden werden, wenn nicht nur die gegenwärtigen Rahmenbedingungen analysiert, sondern auch die historischen Veränderungen nachvollzogen werden. Am Beispiel des Museumsquartiers in Wien lässt sich der Transformationsprozess eines Ortes bis zur heutigen Situation systematisch darstellen. Das wechselseitige Zusammenspiel von Planung und Realisierung, von Gebäuden und Freiraum, von gebauten Strukturen und Nutzungen, von Architektur und Raumaneignung hat den Ort über Jahrhunderte hinweg verändert und letztendlich seinen „Code“ geprägt.
Viele Städte sind mittlerweile zu einer ausgedehnten Stadtlandschaft angewachsen. Die Auflösung der Grenzen zwischen Stadt und Land hat zu einem patchworkartigen Bild von Gebautem einerseits und Landschaft andererseits geführt. Dabei ist Landschaft nicht zu verwechseln mit Natur. Sie ist vielmehr ein Teil der vielfältigen Kulturlandschaft, in der die alten Stadtzentren nur Akzente darstellen. Vor diesem Hintergrund sind Stadt und Landschaft nicht mehr die traditionellen Gegenspieler, sondern lediglich verschiedene Ausdrucksformen der kulturellen Prägung unserer Umwelt. Der Gedankengang, mit Landschaft Stadt zu machen, ist keineswegs abwegig. Im Gegenteil: Er ist nahe liegend.
Das Wahrnehmen von Gesetzmäßigkeiten und Eigenarten eines Ortes sind die Grundbedingung für die einzelnen Schritte im Entwurfsprozess. Die Äußerung von Wolfgang Goethe „Man sieht nur, was man weiß.“ hat auch ihre Relevanz für die Wahrnehmung der gebauten Stadt.
An dem von Jane Jacobs beschriebenen komplexen Verständnis städtischen Lebens knüpft die Schichten-Methode als systematische Vorgehensweise für das städtebauliche Entwerfen an. Die städtische Struktur wird als vielschichtiges Gewebe verstanden, das sich aus identifizierbaren Bestandteilen, Elementen und Schichten zusammensetzt. Dieses Gebilde ist in einzelne Schichten sezierbar.
Die Stadtgestalt ist ein wesentliches Thema des Städtebaus. Sie umschließt sowohl die materielle, physische Gestalt als auch immaterielle Faktoren wie Atmosphäre oder Vielfalt.
Städtebauliches Entwerfen bedeutet in Zeiten von immer komplexer werdenden Transformationsprozessen von Stadt und Quartier, dass neben der Auseinandersetzung mit dem Raum als Produkt auch der Raum als Prozess eine zunehmend große Rolle spielt.
Experten sagen für die nächsten 100 Jahre eine weitere Erwärmung um 1,4–5,8 Grad Celsius voraus, in Abhängigkeit von Bevölkerungswachstum und Energieverbrauch. Selbst bei einem angenommenen mäßigen Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius in den nächsten Jahrzehnten muss in Europa aufgrund der zu erwartenden steigenden Temperaturen mit zunehmenden Hitzewellen, längeren Trockenperioden sowie extremen Niederschlägen, saisonalen Stürmen und Hochwasser gerechnet werden. Diese bedrohlichen klimatischen Extreme erfordern Antworten und neue Lösungen im Städtebau: Eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und die Anpassung städtischer Strukturen an die veränderten Rahmenbedingungen, d. h. Ressourceneffizienz: Das bedeutet auch die Vermeidung von negativen Umweltbelastungen und die Aktivierung aller vorhandenen natürlichen Ressourcen mit gravierenden Konsequenzen.