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2020 | Book

Städtische Verkehrspolitik auf Abwegen

Raumproduktionen durch ÖPNV-Infrastrukturmaßnahmen in Frankfurt am Main

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About this book

Jakob Hebsaker hinterfragt bestehende Auffassungen über den öffentlichen Personennahverkehr als Alternative zum Automobil durch eine Kontextualisierung mit gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen. Anhand verkehrspolitischer Entscheidungen zum Schnellbahnbau in Frankfurt am Main wird herausgearbeitet, dass Schnellbahnnetze insbesondere der städtischen Raumproduktion dienen sollen und dabei nicht als Alternative, sondern im Sinne eines Überdruckventils als korrespondierender Bestandteil eines automobildominierten Beschleunigungssystems betrachtet werden müssen. Zudem wird anhand des Begriffes der heimlichen Verkehrspolitik aufgezeigt, dass sich hinter vermeintlich verkehrspolitischen Infrastrukturentscheidungen auf kommunaler Ebene häufig Zwecke verbergen, deren hauptsächliche Motivation außerhalb des Verkehrsbereichs verortet sind.

Table of Contents

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Verkehr ist ein zentraler Bestandteil moderner Gesellschaften und Mobilität – verstanden als Potenzial zur Bewegung – eine notwendige Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe. Verkehr und Mobilität sind zudem wichtige, wenn auch schwer zu fassende Themen, weil sie in besonderem Maße quer zu vielen anderen gesellschaftlichen Teilsystemen liegen, von ihnen beeinflusst werden und zum Teil auch selbst deren Grundlage darstellen – so etwa im Gesundheits-, Bildungs-, Rechts- oder Wirtschaftssystem, aber genauso auch in der Siedlungs-, Stadt- oder Bevölkerungsentwicklung (vgl. Schwedes 2017: 15). Gleichzeitig hat der Verkehrssektor heute ein besonders dringliches Problem: den Klimawandel.
Jakob Hebsaker
Kapitel 2. Öffentlicher Verkehr und Raumproduktion
Zusammenfassung
Grundlage des folgenden Kapitels ist eine soziologisch und historisch fundierte Aufarbeitung der Entwicklungsgeschichte der Personenmobilität seit Beginn der Industrialisierung unter spezieller Berücksichtigung des öffentlichen Nahverkehrs. Dabei geht es zunächst um eine Identifikation und Kritik bestehender deutsch- und englischsprachiger Arbeiten, die als erste Ansatzpunkte einer gesellschaftskritischen Verkehrs- und Mobilitätsforschung betrachtet werden können. Darauf aufbauend wird in einem zweiten Schritt eine Weiterentwicklung der bisher nur in ersten zögerlichen Ansätzen vorhandenen kritischen Perspektiven innerhalb der deutschsprachigen geographischen Verkehrs- und Mobilitätsforschung angestoßen.
Jakob Hebsaker
Kapitel 3. Untersuchungsraum und Methodik
Zusammenfassung
Aufbauend auf das im ersten Teil der Arbeit skizzierten Grundgerüst aus (1) unterschiedlichen Determinanten der Verkehrsgenese, (2) bestehenden Anknüpfungs- und Ansatzpunkten zur Entwicklung einer politischen Stadtgeographie des öffentlichen Nahverkehrs und (3) Operationalisierungsaspekten zur Frage städtischer Raumproduktion wird nun im zweiten und dritten Teil der Arbeit das zentrale Fallbeispiel der vorliegenden Studie, die Nahverkehrspolitik der Stadt Frankfurt, im Zentrum stehen. Frankfurt ist an dieser Stelle besonders geeignet, da die Stadt schon früh umfangreich in den Ausbau eines öffentlichen Nahverkehrsnetzes investiert hat, zudem in den 1960er Jahren auf den Zug des Schnellbahnbaus aufgesprungen ist und zuletzt auch in den jüngeren Jahren einen regen Infrastrukturausbau betrieben hat. An dieser Stelle muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass sich die Analyse im Kern zwar auf die Politik der Stadt Frankfurt bezieht, die Maßnahmen städtischer Verkehrspolitik tatsächlich aber an vielen Stellen die Grenzen ins Umland überschreiten.
Jakob Hebsaker
Kapitel 4. Städtischer öffentlicher Nahverkehr – vom Krisenbezwinger zum Überdruckventil
Zusammenfassung
Städtische Massenverkehrsmittel wie Straßenbahnen, Busse oder U-Bahnen erscheinen gerade im direkten Vergleich mit dem Individualverkehrsmittel Automobil zunächst als besonders inklusive Technologien. Schließlich sind hier die Verpflichtung zur Beförderung, eine einheitliche Tarifierung, ein allgemeingültiger Fahrplan und eine (zumeist) eindeutige Linienführung allesamt rechtlich fest verankert (Ambrosius 2016: 449ff.; Gather et al. 2008: 28; van Laak 2017: 147). Die Leistungen des städtischen Massenverkehrs stehen somit jeder Person zu den gleichen Preisen zur Verfügung.
Jakob Hebsaker
Kapitel 5. Heimliche Verkehrspolitik – veränderte Rationalitäten und neue Orte der Investition
Zusammenfassung
Nachdem zunächst nur aus historischer Perspektive ausführlich auf originäre Zwecke öffentlicher Massenverkehrsinfrastrukturen eingegangen wurde, soll dieser Blick nun um jüngere Entwicklungen der Frankfurter Nahverkehrspolitik erweitert werden. Dem eingehenden Zitat der Stadtverordneten Jutta Dittfurth (Partei: ÖkoLinx) zufolge scheinen hier auch in den letzten Jahren keine weitreichenden Veränderungen in Bezug auf die groben Ergebnisse der letzten Kapitel stattgefunden zu haben: Der öffentliche Nahverkehr konzentriert sich vor allem auf diese Bestandteile des Verkehrs, die eher dem produktiven Bereich zuzuordnen sind, während reproduktive Bereiche zumindest für das ÖPNV-Angebot nur eine untergeordnete Rolle spielen. Tatsächlich gestaltet sich die Situation der letzten Jahre bis hinein in die Gegenwart etwas differenzierter.
Jakob Hebsaker
Kapitel 6. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zusammenfassung
Ziel der Arbeit war es, den öffentlichen Schienennahverkehr am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main unter Rückgriff auf theoretische Ansätze der kritischen Stadtforschung aus einer bisher wenig eingenommenen Perspektive zu beleuchten, die vor allem strukturelle und räumliche Aspekte ins Zentrum rückt. Vor dem Hintergrund einer langjährigen Hegemonie des automobilen Beschleunigungssystems ging es dabei im Kern um die Frage, zu welchen Zwecken politische Institutionen und Akteure in Schienennahverkehrsinfrastrukturen investieren und inwieweit daraus eine spezifische Ausprägung dessen räumlicher Form resultiert. Die zentralen Erkenntnisse und Folgerungen der Arbeit werden abschließend in acht Thesen zusammengefasst.
Jakob Hebsaker
Backmatter
Metadata
Title
Städtische Verkehrspolitik auf Abwegen
Author
Jakob Hebsaker
Copyright Year
2020
Electronic ISBN
978-3-658-31831-4
Print ISBN
978-3-658-31830-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-31831-4