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09-11-2015 | Steuerrecht | Interview | Article

„Steuerliche Aspekte liegen Unternehmen bei der Nachfolge am Herzen“

Author:
Sylvia Meier
2:30 min reading time

Im Interview erläutert Springer-Autor Andreas Wiesehahn, dass steuerliche Aspekte vielen Unternehmen bei der Nachfolgeplanung wichtig sind. Dennoch betont er: Es handelt sich nur um eine Nebenbedingung.

Springer für Professionals: Studien zufolge steht in vielen Familienunternehmen aktuell die Nachfolgeplanung an. Welche Rolle spielen hier steuerliche Gesichtspunkte?

Andreas Wiesehahn: Folgt man den aktuellsten Prognosen, so ist bis 2018 rechnerisch durchschnittlich etwa alle zwanzig Minuten von einer Unternehmensnachfolge in Deutschland auszugehen. Insgesamt pro Jahr also etwa 27.000 Nachfolgen. Aus unseren Interviews mit Unternehmensübergebern und den Ergebnissen unserer Befragung von rund 1.500 Unternehmern wird deutlich, dass den Beteiligten die steuerlichen Aspekte der Nachfolge am Herzen liegen. Auf einer Skala von 1 für „sehr unwichtig“ bis 5 für „sehr wichtig“ beurteilen die beteiligten Unternehmer die Minimierung der steuerlichen Belastung mit 4,2, also als einen wichtigen bis sehr wichtigen Einflussfaktor für den Erfolg der Unternehmensübergabe.

Das Bundesverfassungsgericht hat die Verschonungsregelung im Erbschaftsteuergesetz gekippt. Der Gesetzgeber ist jetzt gefordert, eine verfassungsgemäße Erbschaftsteuerreform zu verabschieden. Haben diese Entwicklungen Einfluss auf die Nachfolgeplanung von Familienunternehmen?

Je nachdem ob die Nachfolge entgeltlich oder unentgeltlich abgewickelt wird, sind unter Umständen auch erbschaft- und schenkungsteuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Damit gehen steuerliche Überlegungen natürlich auch in die Nachfolgeplanung ein. Der Unternehmer ist aber gut beraten, wenn er versucht, die beste Nachfolgelösung für seine individuelle Situation von der unternehmerischen Seite aus zu entwickeln. Die wesentliche Frage in diesem Zusammenhang muss also lauten: „Was ist für das Unternehmen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die beste Nachfolgelösung?“, und nicht etwa „Mit welcher Nachfolgelösung kann ich die meisten Steuern sparen?“

Noch ist die Erbschaftsteuerreform nicht „durch“. Der Gesetzesentwurf wurde heftig kritisiert und es ist noch nicht abzusehen, welche Änderungen durchgesetzt werden. Doch wie schätzen Sie die Situation ein? Wird die Nachfolge künftig steuerlich erheblich teurer werden?

Zurzeit ist es meiner Meinung nach offen, wie die Erbschaftsteuer zukünftig genau gesetzlich geregelt sein wird.  Eine Prognose wie die Verschonungsregeln letztlich aussehen werden, kann ich guten Gewissens daher heute nicht abgeben. Ich empfehle aber jegliche Art der Panikmache zu vermeiden: Mir persönlich ist kein Fall bekannt, bei dem ein Unternehmen nach der Übergabe aufgrund der Erbschaftsteuerzahlung in Konkurs gegangen ist.

Der Schwebezustand bei der Erbschaftsteuerreform ist gerade für Unternehmen, die in naher Zukunft einen Nachfolger bestimmen müssen, nicht ganz unproblematisch. Wie können Unternehmen mit dieser Situation umgehen? Was empfehlen Sie?

Für die Unternehmer gibt es zurzeit eine gewisse Unsicherheit bei der Gestaltung, das ist sicher richtig. Wenn klar ist, wie die optimale Nachfolgelösung für das Unternehmen aussieht, empfehle ich daher bei der konkreten Gestaltung des Nachfolgeprozesses einen erfahrenen Steuerberater einzubinden. Bitte lassen Sie uns aber bei allen Diskussionen eines nicht vergessen: Die steuerlich optimale Abwicklung ist eine Nebenbedingung und nicht das Ziel der Gestaltung der Unternehmensnachfolge. 

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