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Table of Contents

Frontmatter

Grundlagen und Definitionen

A. Einleitung

Zusammenfassung
Sowohl das externe als auch das interne Umfeld der Kreditinstitute ist einem permanenten Umbruch mit fortschreitender Dynamik ausgesetzt.1 Als Ausgangspunkt dieser Entwicklung gilt allgemein die Verschärfung des bankwirtschaftlichen Wettbewerbs mit der Aufhebung der staatlichen Zinsreglementierung und des Wettbewerbsabkommens im Jahre 1967.2 Induziert durch strukturelle Veränderungen sowohl der Angebots-als auch der Nachfrageseite, wandelte sich der Markt für Bankprodukte in der Folgezeit vom Verkäufer- zum Käufermarkt, ein Prozeß, der zunächst zu einer verstärkten Ausrichtung der Aktivitäten des Bankmanagements auf die Entwicklung und Durchsetzung von Marketingstrategien führte.
Christian Dachtler

B. Präzisierung des Treasury-Begriffs

Zusammenfassung
Unter dem Begriff Treasury versteht man sowohl eine organisatorische Einheit als auch die Gesamtheit der dieser Einheit zugeordneten Funktionen innerhalb des Finanzmanagements von Unternehmen. Der Begriff wurde ursprünglich in US-amerikanischen Unternehmen zur Beschreibung des Finanz-und Rechnungswesens verwendet, das idealtypisch von einem Treasurer und einem hierarchisch untergeordneten Schriftführer (Company Secretary) geleitet wurde. Ausgelöst durch zunehmende Komplexität dieses Bereichs, erfolgte eine Trennung des Finanz- und Rechnungswesens in die Teilbereiche Treasury und Controlling, oft verbunden mit einer hierarchischen Gleichstellung des jetzt als Controller bezeichneten Company Secretary.16 Die organisatorische Grundstruktur des Finanzmanagements bestand somit aus einem Finanzvorstand auf der ersten und je einem Treasurer und Controller auf der zweiten hierarchischen Ebene.17 Eine erste explizite Funktionsbeschreibung des Treasury erfolgte 1962 durch das Financial Executives Institute18 und wurde 1969 von Agthe in der deutschsprachigen Literatur vorgestellt. Sie umfaßt folgende Funktionen des Treasury:
„(1)
Kapitalbeschaffung: Aufstellung und Ausführung von Programmen für die Kapitalbeschaffung einschließlich der Verhandlungen zur Kapitalbeschaffung und der Erhaltung der notwendigen finanziellen Verbindungen.
 
(2)
Verbindung zu Investoren: Schaffung und Pflege eines Marktes für die Wertpapiere des Unternehmens und in Verbindung damit Unterhaltung von entsprechenden Kontakten zu Investitionsbanken, Finanzexperten und Aktionären.
 
(3)
Kurzfristige Finanzierung: Beschaffung und Erhaltung von Quellen für den laufenden kurzfristigen Kreditbedarf des Unternehmens wie Wirtschaftsbanken und andere Kreditinstitute.
 
(4)
Bankverbindungen und Aufsicht: Die Bankvereinbarungen aufrechterhalten, die Aufsicht über die Firmengelder und Wertpapiere ausüben und diese auch günstig anlegen sowie die Verantwortung für die finanziellen Aspekte im Immobiliengeschäft übernehmen.
 
(5)
Kredite und Forderungseinzug: Überwachung der Gewährung von Kundenkrediten und des Einzugs der fälligen Forderungen einschließlich der Kontrolle von Sondervereinbarungen für Verkaufsfinanzierungen wie Ratenzahlungen und Mietpläne.
 
(6)
Kapitalanlage: Zweckmäßige Anlage von Kapitalfonds des Unternehmens sowie Ausarbeitung und Koordinierung von Richtlinien für die Anlage von Kapital in Pensionsrückstellungen oder ähnlichen Verwendungsarten.
 
(7)
Versicherungen: Sorge für einen notwendigen und ausreichenden Versicherungsschutz.“19
 
Christian Dachtler

Die Marktzinsmethode, aufbauende und integrierbare Kalkulations- und Dispositionskonzepte

A. Das Grundkonzept der Marktzinsmethode

Zusammenfassung
Bei der Marktzinsmethode85 in ihrer Grundkonzeption handelt es sich um ein Verfahren der Teilzinsspannenrechnung. Teilzinsspannenrechnungen zielen allgemein darauf ab, den Zinsüberschuß resp. die Bruttozinsspanne eines Kreditinstituts als Summe der Erfolgsbeiträge aller zinstragenden Positionen in Form von Kunden- und Eigengeschäften zu erklären.86 Hierzu wird die Bruttozinsspanne in einzelne Teilzinsspannen zerlegt, die sich dann den gebildeten Kalkulationsobjekten bis auf die Ebene des einzelnen Geschäftsabschlusses zuordnen lassen. Der wesentliche Unterschied zwischen der Marktzinsmethode und den sogenannten traditionellen Verfahren der Teilzinsspannenrechnung in Form der Schichtenbilanz- und der Pool-Methode liegt darin, daß sich die Marktzinsmethode bei der Bestimmung der einzelnen Teilzinsspannen auf eine marktbezogene Bewertung der zinstragenden Geschäfte stützt.
Christian Dachtler

B. Das erweiterte Marktzinsmodell

Zusammenfassung
Ansatzpunkt der Weiterentwicklung der Marktzinsmethode von ihrer Grundform zum erweiterten Marktzinsmodell war die Erkenntnis, daß sich das Grundkonzept als erste Umsetzung der Idee einer marktbezogenen Bewertung von Bankgeschäften zwar bewährt hatte, für detaillierte Anforderungen der bankbetrieblichen Praxis jedoch als unzureichend bezeichnet werden mußte.119 Die Fixierung auf periodisierte Erfolgsgrößen in Form von Konditions- und Transformationserfolgen im Grundkonzept der Marktzinsmethode verursacht grundsätzliche Probleme bei einer Bestimmung der relativen Vorteilhaftigkeit mehrerer kontrahierbarer Geschäfte unterschiedlicher Laufzeiten und Tilgungsstrukturen. Diese Überlegungen führten zu einer Erweiterung120 des Betrachtungshorizonts weg von einer auf periodisierte Erfolgsgrößen abstellenden Bewertung hin zu einer Berücksichtigung von Barwertkalkülen und bilden die wesentliche Entwicklungsrichtung der Marktzinsmethode.121
Christian Dachtler

C. Das Barwertkonzept

Zusammenfassung
Die Entwicklung des Barwertkonzepts162 erfolgte zunächst als Resultat einer fundamentalen Kritik an dem auf dem Grundmodell der Marktzinsmethode basierenden Konzept zur Steuerung der Kundenbereiche auf Grundlage von Mindest- oder Nettomargen.163 Der Kern dieser Kritik bestand in der Auffassung, daß nicht die aus Informationen der Vergangenheit abgeleiteten Mindest- resp. Nettomargen, sondern allein der durch den einzelnen Geschäftsabschluß erzielbare Nettoerfolg als Steuerungsvorgabe relevant sein könne. Verbunden mit dieser Kritik war eine Ablehnung des auf Mindestmargen beruhenden Konzepts der Profit-Center-Steuerung in Kreditinstituten.164
Christian Dachtler

D. Das Elastizitätskonzept

Zusammenfassung
Das Elastizitätskonzept basiert auf einer Analyse von Zinssensitivitäten. Es wurde in der deutschsprachigen Literatur von Rolfes vorgestellt.190 Das Konzept setzt die Anwendung der Marktzinsmethode nicht voraus, läßt sich aber in diese integrieren und soll in dieser Arbeit deswegen Berücksichtigung finden, weil die Diskussion um die Eigenschaften des Elastizitätskonzepts regelmäßig im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung mit der Marktzinsmethode geführt wird.191
Christian Dachtler

E. Zwischenergebnis

Zusammenfassung
Die Marktzinsmethode ist als Basiskonzept zur Analyse des Zinsergebnisses von Kreditinstituten aus theoretischer Sicht unbestritten und in ihrer Anwendbarkeit in der Praxis weitgehend akzeptiert. Ihr Vorteil gegenüber den Alternativansätzen in Form von Schichtenbilanz-und Pool-Methode liegt in der Unterstützung einer objektivierbaren Bewertungslogik für Bankgeschäfte. Diese besteht in der Anwendung des Opportunitätskalküls im Rahmen des Grundkonzepts und des Prinzips der finanzmarktbezogenen Duplikation im Rahmen des erweiterten Marktzinsmodells.
Christian Dachtler

Konzeption eines Planungs- und Steuerungsmodells

A. Präzisierung des Bezugsrahmens

Zusammenfassung
Bankbetriebliche Marktrisiken in Form des Zinsänderungs- und des Währungsrisikos beinhalten die Gefahr von Erfolgseinbußen, die sich aus Veränderungen der Marktkonstellationen ergeben. Diese schlagen sich — je nach Bewertungsansatz — in negativen periodisierten Ertrags- und Aufwandsveränderungen oder in Veränderungen der Marktwerte der betrachteten Positionen nieder. Entsprechend erfolgt die Steuerung der Marktrisiken sowohl unter dem Aspekt der Orientierung an periodisierten Erfolgsgrößen als auch unter dem Aspekt der Marktwertorientierung.244 Die Ausführungen zu den auf der Marktzinsmethode basierenden Steuerungskonzepten haben jedoch gezeigt, daß in der Regel nur einer dieser beiden Aspekte Berücksichtigung findet. Während eine Gruppe von Autoren die Betrachtung ausschließlich auf die durch Marktveränderungen ausgelösten Reaktionen der analysierten Vermögensposition beschränkt245, stellt eine andere explizit den Zinsüberschuß als zentrale zu beeinflussende Größe in den Mittelpunkt des Interesses246 — eine aufgrund der unmittelbar erkennbaren Wechselwirkungen zwischen den beiden Bewertungsansätzen problematische Vorgehensweise.
Christian Dachtler

B. Beschreibung des Modells

Zusammenfassung
Die folgende Beschreibung des Planungs- und Steuerungsmodells ist mit zwei Zielsetzungen verbunden. Zum einen sollen Anhaltspunkte gegeben werden, wie sich der zuvor formulierte Bezugsrahmen des strategisch-taktischen Treasury durch Konzeption einzelner Planungs- und Steuerungsinstrumente in der Praxis umsetzen läßt. Zum anderen soll anhand konkreter Beispielrechnungen der Planungs- und Steuerungsprozeß im Zeitverlauf nachgebildet werden. Das Planungs- und Steuerungsmodell setzt sich aus einer Planungsebene und je einer strategischen und taktischen Steuerungsebene zusammen. Der Planungsebene werden die Funktionen der Festlegung und Strukturierung des zur Verfügung stehenden Risikodeckungspotentials und dessen Allokation durch Limitdefinition zugeordnet. Da der eigentliche Steuerungsprozeß hiervon nur im Sinne einer Restriktion berührt wird,349 erfolgt die Beschreibung der vorgelagerten Planungsebene unter b) dieses Abschnitts.
Christian Dachtler

C. Schlußbemerkung

Zusammenfassung
Mit der vorliegenden Arbeit wurden drei Zielsetzungen verfolgt: Zunächst sollte eine begriffliche Fixierung der Treasury-Funktion für Kreditinstitute abgeleitet werden. Die Untersuchung hat hier gezeigt, daß weder in der bankbetrieblichen Theorie noch in der Praxis ein einheitliches Verständnis vorliegt. Die Interpretationen reichen von einer Gleichsetzung der Treasury-Funktion mit den Handelsaktivitäten von Kreditinstituten über eine Zusammenfassung sowohl struktureller als auch dispositiver Steuerungserfordernisse unter dem Begriff des Treasury bis hin zu einer teilweise synonymen Verwendung der Begriffe Treasury und Risiko-Management.
Christian Dachtler

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