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20-08-2020 | Transformation | Gastbeitrag | Article

Interim-Manager sind Feuerwehr und Lotsen in der Corona-Krise

Author:
Norbert Eisenberg
3:30 min reading time

Die Autobranche steht vor der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg. Zur Zukunftssicherung muss das Geschäfts- und Funktionsmodell verändert werden. Dafür kommen immer öfter Interim-Manager zum Einsatz. 

Eine globale, rezessive Nachfrageentwicklung (30 bis 40 Prozent im zweiten Quartal 2020), sich abzeichnende Veränderungen in Mobilitätsverhalten und -konzepten, gravierende technologische Umwälzungen, Elektromobilität sowie eine zunehmende Bedeutung von Software- und Servicelösungen haben die Industrie auch schon vor Covid-19 vor große Herausforderungen gestellt. Die jetzige Krise beschleunigt und verstärkt diese Transformationstendenzen jedoch enorm. Gleichzeitig nimmt sie den Unternehmen notwendigen Cashflow, um in die Zukunft zu investieren. Sie kann allerdings auch ein Fenster öffnen, um Veränderungen in Produktionssystemen, bei Produkten, Dienstleistungen sowie Anpassungen des Geschäftsmodells schneller durchzuführen. 

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Interim Management – das moderne Managementformat: Markt, Chancen, Risiken und reale Projekte

Interim Management wurde schon von Managementlegende Peter Drucker als ein hervorragendes Mittel der Zukunft erkannt: „Das ist die Zukunft des Outsourcings. Intellektuelles Kapital nach Bedarf.“ Immer mehr Unternehmen erkennen, wie sich mit Hilfe eines Interim Managers kurzfristige Engpässe, der Launch neuer Projekte oder auch die sehr schnelle, flexible Akquisition von Spezialwissen in Wachstums‑ oder auch Krisensituationen lösen lassen.

Erfahrung mit Sondersituationen

Gerade die jüngeren Top-Manager in der Automobil- und Zulieferindustrie haben oft noch keine Krise dieses Ausmaßes in verantwortungsvoller Position erlebt. Es ist daher ratsam und effizient, wenn diese Manager erfahrene Lotsen an Bord holen, um so die Sicherheit, Geschwindigkeit und Wirksamkeit ihrer eigenen Handlungen zu steigern. Kernleistung von Interim Management ist es, Firmen Handlungssicherheit in anspruchsvollen Situationen zu gewährleisten und bei der Unternehmensanalyse und Entwicklung von Konzepten für die Zukunft, auch im engen Zusammenspiel mit Unternehmensberatern, zusammenzuarbeiten. So kann ein Ergebnis erzielt werden, das ohne das gerade jetzt dringend benötigte Know-how und Do-how nicht erreicht werden würde. 

Sparringspartner der Führungskräfte für die Post-Corona-Zeit

Die Rolle von Interim-Managern in der Automobil- und Zulieferindustrie ist dabei gerade jetzt besonders relevant. Sie reicht von der Funktion eines Sparringspartners des vorhandenen Managements bis zum CRO. Dabei nehmen Interim-Manager nicht nur kritische Linienmanagementfunktionen wahr, sondern haben auch Verantwortung für einzelne Projekte der Neuausrichtung oder gar für das gesamte Programm. Besonders häufig gilt das für die operativen Funktionen: Gerade in dieser Krise lassen sich in der Branche Veränderungen des operativen Footprints gut umsetzen, denn die Auslastung ist niedrig und das Verständnis für erforderliche Maßnahmen höher. 

Schaut man sich die Zukunftsanforderungen der Zuliefererbranche für die Post-Corona-Zeit an, wird klar, warum der Einsatz von Interim-Managern gerade jetzt besonders sinnvoll ist: Die Qualität der Führung und Agilität werden entscheidende Erfolgsfaktoren in der jetzigen Situation und darüber hinaus sein. Entscheidungsprozesse müssen so organisiert sein, dass viel schneller auf Probleme, Bedrohungen, neue Marktgegebenheiten und Chancen reagiert werden kann. Dabei sollte die Geschwindigkeit aus der Freude am Gestalten und nicht aus Druck resultieren – denn allzu große Vorsicht vermindert Kreativität und führt schnell zu Fehlentscheidungen. 

Keine Denkverbote

Interim-Manager können in Szenarien denken und planen und dabei Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen Veränderungssituationen einbringen. Dazu gehört auch ein realistischer Blick auf Worst-Case-Entwicklungen im Automobilmarkt, die finanziell abgedeckt werden müssen. Für Unternehmen, die bereits vor der Krise insolvenzgefährdet waren, wird dies schwierig und auch andere Eigentümerperspektiven werden plötzlich relevant. Schnell wirksame Kostensenkungen (Kurzarbeitergeld und längerfristige Arbeitszeitreduzierungen auf der Personalseite, Neuverhandlungen in Dauerschuldverhältnissen), Abbau von Working Capital, Veräußerung von Vermögensgegenständen, gegebenenfalls auch von Unternehmensteilen, können wesentliche Hilfe für die Liquidität schaffen und durch den Einsatz von Interim-Managern umgesetzt werden. Für die Zulieferer kann sich hier eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihren Kunden auszahlen – die Verkürzung des Zahlungsziels durch den OEM hat sich oft als gangbar und sehr wirksam erwiesen.

Offene Gespräche mit Kunden und Lieferanten über die weiteren Perspektiven und Planungen sind in einer Branche, die besonders stark auf die Verlässlichkeit der Lieferbeziehungen angewiesen ist, ganz wesentlich. Dabei gilt es nicht nur zu klären, wie die unmittelbaren Absatz- oder Beschaffungsmengen in den folgenden Perioden aussehen werden, sondern auch darum, welche Rolle man für den jeweiligen Partner in der Zukunft sieht. Gerade durch Bestrebungen von OEMs und großen Tier-1-Zulieferern zusätzliche Wertschöpfung in das eigene Unternehmen zurückzuholen und damit Beschäftigungsabbau zu vermeiden, reduzieren sich die Perspektiven für die jeweiligen Zulieferer. Umgekehrt bietet beispielsweise die Elektromobilität auch Chancen für qualifizierte Komponentenhersteller, ihren Content auszubauen und damit Kapazitätsengpässe an anderer Stelle zu reduzieren. 

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