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27-08-2014 | Umwelt | Schwerpunkt | Article

Biologischer Pflanzenschutz verlässt Nischendasein

Author: Matthias Schwincke

2:30 min reading time

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Biologischer Pflanzenschutz wird oft mit dem Ökolandbau verbunden. Ein aktueller Statusbericht zeigt: Auch im konventionellen Anbau vieler Kulturpflanzen haben sich biologische Verfahren inzwischen fest etabliert.

Zur Bekämpfung von Schädlingen greifen biologische Pflanzenschutzverfahren ausschließlich auf deren natürliche Gegenspieler sowie auf Naturstoffe zurück. Viele Verfahren arbeiten dabei sehr selektiv und führen so nur zu geringen Gefährdungen für Mensch und Natur. Vor diesem Hintergrund ist die Stärkung des biologischen Pflanzenschutzes auch ein erklärtes Ziel der Bundesregierung und der Länder. Bereits seit vielen Jahren wird die Anwendung biologischer Verfahren daher durch verschiedene Maßnahmen in der Forschung, Entwicklung und Umsetzung politisch und finanziell gefördert.

Umfangreiche Bestandsaufnahme

Einen aktuellen Überblick über den Erfolg dieser Aktivitäten liefert ein rund 100 Seiten starker Bericht des Julius-Kühn-Instituts (JKI) unter dem Titel "Statusbericht Biologischer Pflanzenschutz 2013". Die mittlerweile vierte, in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der Länder erstellte Studie enthält Schätzdaten über die praktische Anwendung biologischer Pflanzenschutzverfahren in den Jahren 2009 und 2010. Betrachtet und ausgewertet wurde dabei die gesamte Palette: Pflanzenschutzmittel (Insektenviren, Bakterien, Pilze, Naturstoffe und Pheromone), Nützlinge (Insekten, Milben, Nematoden) und Pflanzenstärkungsmittel.

Hauptergebnisse des Berichts

  • Biologische Verfahren werden vor allem zur selektiven Bekämpfung von Schadinsekten in Gewächshauskulturen eingesetzt. Ohne sie wäre heute der Anbau von Tomaten, Gurken oder Paprika hier nicht mehr möglich.

  • Bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten spielen biologische Verfahren bisher nur eine geringe und bei der Bekämpfung von Unkräutern überhaupt keine Rolle.

  • Im Freiland kommen insgesamt weniger biologische Verfahren zum Einsatz, dann allerdings auf wesentlich größeren Flächen. So wurde die Schlupfwespe Trichogramma 2010 auf ca. 22.500 ha Mais zur Maiszünslerbekämpfung eingesetzt. Auf rund 60 Prozent der Weinanbauflächen Deutschlands hat sich die sogenannte Verwirrtechnik mit Pheromonen als Mittel gegen den Einbindigen und den Bekreuzten Traubenwickler fest etabliert.

Noch viel Potenzial

Im Vergleich zum Statusbericht aus dem Jahr 2003 hat der Anteil von biologischen Verfahren je nach Kultur mehr oder weniger stark zugenommen. Nach Einschätzung des JKI könnten Schlupfwespen, Pheromone und andere biologische Helfer allerdings noch deutlich mehr an Verbreitung gewinnen. Denn in der Praxis bestehe durchaus Bedarf: So wünschen Praktiker sich z.B. noch bessere Verfahren zur Bekämpfung von Blattlaus und Thrispe in verschiedenen Gewächshaus- und Freilandkulturen. Auch bei der biologischen Bekämpfung von neu eingeschleppten, invasiven Schädlingen besteht eine große Nachfrage.

Die Schwachstelle: Gerade wegen ihrer hohen selektiven Wirkung benötigen die meisten biologischen Produkte im Vergleich zu chemischen Mitteln eine längere Entwicklungszeit. Daher scheitert die Einführung in die Praxis oft an zu hohen Zulassungskosten, zumal die Produkte oft nur für einen kleinen Markt ausgelegt sind und zumeist von kleinen Nischenanbietern produziert werden.

Wachstumsfeld mit Hindernissen

Einen aktuellen Einblick in die vielfältigen Schwierigkeiten und Fallstricke bei der Entwicklung neuer biologischer Pflanzenschutzmittel bieten die Autoren Dr. Wilhelm Dercks et al. im Zeitschriftenartikel "Pflanzenschutz mit Pflanzenextrakten (Botanicals): Hintergründe, zwei Fallstudien, Schlussfolgerungen und Standortbestimmung." Am Beispiel der zwei Pflanzenextrakte Süßholz und Azadirachtin wird dabei zum einen der komplexe toxikologische, rechtliche, wirtschaftliche und politisch-gesellschaftliche Entwicklungshintergrund genauer beleuchtet. Zum anderen wird das große Potenzial der zwei Wirkstoffe anhand eigener Versuchsergebnisse herausgearbeitet.

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