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08-10-2020 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Article

Deutsche KI-Start-ups ringen um bessere Finanzierung

Author:
Angelika Breinich-Schilly
5 min reading time

Auf Künstliche Intelligenz (KI) fokussierte Gründer arbeiten an einer wichtigen Zukunftstechnologie, doch ihnen fehlen in Deutschland häufig die finanziellen Mittel. Nur ein starkes Ökosystem bietet den Start-ups das nötige Wachstumskapital, sagen Experten.

"Wenn jemand heute eine gute Geschäftsidee hat und in der Lage ist, zur Realisierung leading-edge-KI einzusetzen, dazu noch ein gutes Team besitzt, dann ist Seed-Financing kein Problem", zitiert die aktuelle Studie "Künstliche Intelligenz – Wo stehen deutsche Start-ups 2020" Philipp Gerbert, Director Applied Ai. Schwierig sei die Finanzierungssituation der Jungunternehmen, die "nur sehr gut in KI sind". Sie verfielen laut Gerbert oft in ein sogenanntes Bootstrapping mit Projektgeschäft, "ohne je eine verteidigbare und skalierbare Geschäftsidee mit wiederkehrendem Umsatz zu entwickeln". Komme hierzu noch ein unerfahrenes Team, warteten viele "ewig auf die nötige Finanzierung".  

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Mit KI eine Schlüsseltechnologie stärker fördern

Dabei benötigt die KI-Branche neben anderem auch mehr finanzielle Förderungen, meint Axel Menneking, Leiter von Hubraum, dem Tech-Inkubator der Deutschen Telekom und Förderer der Studie, die vom Bundesverband Deutscher Start-ups initiiert wurde. 

Künstliche Intelligenz ist eine der Schlüsseltechnologien für die digitale Zukunft. Sie fördert Innovationen im gesamten Ökosystem und kann einen enormen Wettbewerbsvorteil bei der Digitalisierung bieten. Es ist positiv, dass KI laut vorliegender Studie für bereits 40 Prozent der deutschen Start-ups einen deutlichen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat", macht Menneking im Vorwort deutlich. 

Für eine KI-Erfolgsgeschichte in Deutschland brauche es aber mehr, sagt der Experte. Menneking fordert daher eine intensive Kooperation zwischen Start-ups, Unternehmen und Forschung. Zugleich brauche es aber auch eine stärkere Förderung des Ökosystems mit ausreichend Wachstumskapital. "Mit rund 74 Prozent suchen überdurchschnittlich viele KI-Start-ups gezielt die Zusammenarbeit mit etablieren Unternehmen. Doch Unternehmen sind immer noch zu zurückhaltend, wenn es um kommerzielle Partnerschaften mit jungen, innovativen Start-ups geht." 

"Die zentrale Bedeutung wissenschaftlicher Expertise in Verbindung mit skalierbaren digitalen Geschäftsmodellen macht Künstliche Intelligenz zu einem absoluten Wachstumsmarkt", lautet ein zentrales Ergebnis der Verbandsanalyse. Um dieses Potenzial in der wirtschaftlichen Praxis zu realisieren, brauche es "ein lebendiges Start-up-Ökosystem aus erfahrenen Gründern sowie signifikante Investitionen". Denn die Finanzierungslücke ist bei den Jungunternehmen mit KI-Fokus mit 36, 3 Prozent deutlich höher als bei anderen Start-ups mit 25,1 Prozent.  

Business Angels und Wagniskapitalgeber als wichtige Stütze

"Zu den Investoren im Start-up-Umfeld zählen insbesondere ehemalige Gründer und erfahrene Unternehmer, die die Gründer mit ihrer Expertise und ihrem Netzwerk unterstützen (Business Angels), sowie Venture-Capital-Gesellschaften. Von maßgeblicher Relevanz ist dabei, welchen Anteil am Eigenkapital des Start-ups Gründer und Risiko-Investoren im Gegenzug für die Kapitalbeteiligung für angemessen halten", erläutern die Corporate-Finance- und Controlling-Experten Matthias Sure und Felix Rimmele im Beitrag "Bewertungsoptionen für Start-ups in der Frühphase" der Zeitschrift "Controlling & Management Review" (Ausgabe 5 | 2020).

Auch laut Studie spielen im KI-Sektor sogenannte Business Angels eine große Rolle. Diese seien in diesem Bereich mit 29,4 Prozent häufiger mit ihrem Kapital engagiert als bei anderen Start-ups, bei denen der Anteil bei 23,1 Prozent betrage. Ein ähnliches Bild zeigt sich laut Untersuchung auch beim Wagniskapital: 21 Prozent der KI-Start-ups haben Venture Capital (VC) einsammeln können. Dieser Wert liegt gut fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt und zeige das Interesse der Investoren an Künstlicher Intelligenz als vielversprechender Technologie. 

Viele Start-ups setzen auf einen Finanzierungsmix

Häufig ist es jedoch nicht nur eine Finanzierungsquelle, auf die sich die Gründer stützen, erklärt Springer-Autor Christian Demant. Im Buchkapitel "Kapitalbeschaffung" schreibt er auf Seite 91: "Lediglich 23 Prozent der Start-ups nutzen nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pwc für das Vorhaben genau eine Finanzierungsoption, die Mehrzahl setzt bei der Gründung mit steigender Tendenz auf eine sogenannte Mischfinanzierung aus Eigen- und Fremdkapital."

57,5 Prozent der in Deutschland untersuchten KI-Start-ups planen laut Verbandsuntersuchung, sich über solches Wagniskapital zu finanzieren. "Die Grundidee bei diesem Finanzierungsmodell ist es, im Vorfeld […] bereits Anteile am Unternehmen gegen Kapital abzugeben", erklärt Demant das Finanzierungskonzept. Gründer bringen in das Unternehmen ihr Know-how, spezifische Erfahrungen, Geschäftsidee und Arbeitskraft ein, der Investor im Gegenzug dafür Kapital. 

Investoren liefern gelegentlich auch Know-how

"Aus jeder Beteiligung resultieren ganz automatisch gewisse 'übliche', gesetzlich verankerte Rechte für den Anteilseigner", so der Springer-Autor. Falls der neue Gesellschafter darüber hinaus weitere Kontroll- und Mitspracherechte fordert, müssen die Parteien darüber verhandeln. 

Aus Gründersicht gilt es zu bedenken, dass der Investor oftmals auch über wertvolles Management-Wissen verfügt, wie ein junges Unternehmen zum Erfolg geführt werden kann. Dieser Zusatznutzen kann unter Umständen wertvoller sein als das eigentliche Kapital, muss es aber nicht", gibt Demant zu bedenken. 

Auch wenn viele Vorteile nicht von der Hand zu weisen sind, steckt die externe Finanzierung deutscher KI-Start-ups noch in den Kinderschuhen, zeigt die aktuelle Analyse. Um dies zu belegen, haben die Studienautoren unter anderem Zahlen zur Finanzierung in Deutschland mit denen aus den USA und Israel verglichen. Danach belief sich die Investition pro Einwohner in KI-Start-ups 2019 in Israel auf 118 US-Dollar, in den Vereinigten Staaten auf 57 US-Dollar und hierzulande auf gerade einmal vier US-Dollar. 

Deutschen Investoren fehlt der Mut

"Im Ausland erhalten KI-Start-ups schon früh deutlich mehr Kapital, welches sie verstärkt in Sales und Marketing investieren können. So erreichen sie ein schnelleres Wachstum und häufig auch schneller weitere Investoren – ein Kreislauf entsteht", beschreibt Anna Lukasson-Herzig in der Studie die aktuelle Lage. Sie hat vor einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder mit Nyris ein Start-up für eine KI-basierte Bild- und Objektsuche gegründet. 

"In Deutschland haben wir viele tolle Start-ups im KI-Bereich. Oft werden sie jedoch erst sichtbar, wenn sie mit der Produktentwicklung sehr weit sind und bereits tolle KI-Lösungen entwickelt haben. So weit kommt leider nur ein sehr geringer Teil. Wir brauchen einen besseren, mutigeren Zugang zu Kapital, um im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu bestehen." 

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