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05-10-2020 | Unternehmenskredit | Im Fokus | Article

Alternativen zum Bankkredit helfen in der Krise

Author:
Angelika Breinich-Schilly
7:30 min reading time

Die Krise führt zu einer restriktiveren Kreditvergabe der Banken bei kleineren Mittelständlern. Und diese nutzen verstärkt alternative Finanzierungsformen. Auch hier zählen eine gute Vorbereitung und die passende Bonität.

Laut der Förderbank KfW bestehen große Unterschiede beim Kreditzugang zwischen kleinen und großen Unternehmen. Das stellte das Institut in seiner im Juli 2020 veröffentlichten Unternehmerbefragung 2020 zum Schwerpunkt Finanzierungsklima fest. Von den Unternehmen mit bis zu einer Million Euro bewertete knapp ein Viertel den Kreditzugang als "schwierig". Dieser Anteil liegt bei den Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz bei lediglich 7,8 Prozent. Bei den Betrieben, die zwischen zehn und 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften, sagen das sogar nur 6,2 Prozent, so das Frankfurter Geldhaus. 

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Finanzplanung und Finanzkontrolle

Der Finanzplanung vorangestellt ist der Kapitalbedarf eines Unternehmens, dessen Höhe sich aus der Geschäftstätigkeit ergibt. Dabei tragen interne und externe Faktoren zur Bestimmung des jeweiligen Kapitalbedarfs bei. Der dynamische Prozess der Finanzplanung wird begleitet durch eine ständige Finanzkontrolle.

Dass steigende Ausfallrisiken infolge der finanziellen Unsicherheiten vieler Unternehmen das Kreditangebot der Banken übermäßig einschränken, sieht die KfW indes nicht. In ihrem Kreditmarktausblick für September 2020 schreiben die Volkswirte: "Zwar haben die Schwierigkeiten beim Kreditzugang etwas zugenommen, die Verschärfungen sind bislang aber nur moderat." Die Unternehmen seien dazu übergegangen, neben dem Bankkredit weitere Wege zur Beschaffung von Finanzmitteln zu nutzen. Hierzu gehörten unter anderem staatliche Zuschussprogramme sowie "eine markante Ausweitung der Anleiheemissionen".

Im Buchkapitel "Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungspartner" beschreibt Christopher Käser-Ströbel eine ganze Reihe von externen Alternativen, die Mittelständlern und Start-ups zur Verfügung stehen. Eine Übersicht gibt nachstehende Tabelle: 

Bewährte Möglichkeiten der Fremdfinanzierung und Alternativen zum Bankkredit

Kontokorrent-Linien
(sog. KK-Linien)

Es handelt sich um eine Kreditlinie zum temporären Ausgleich kurzfristigen Finanzierungsbedarfs. Es sollte hierbei darauf geachtet werden, dass die Inanspruchnahme der Kreditlinie auch tatsächlich "atmet". Das Konto sollte regelmäßig im Guthaben sein. Wenn eine dauerhafte Inanspruchnahme der Kreditlinie vorliegt, sollte die generelle Unternehmensfinanzierung überprüft werden.

Bürgschaftsrahmen

Damit die Unternehmen mit der generierten und/oder erwirtschafteten Liquidität arbeiten können, werden Sicherheitsbedürfnisse der Vertragspartner grundsätzlich mittels Bürgschaften (Aval, Garantie) befriedigt. Diese Bürgschaften werden den Unternehmen häufig innerhalb der KK-Linie zur Verfügung gestellt. Diese gibt es in Form von

• Anzahlungsbürgschaften

• Gewährleistungsbürgschaften

• Vertragserfüllungsbürgschaften

• Bietungsbürgschaften

• Mängelansprüchebürgschaften

• Zollbürgschaften

Projektfinanzierungen/
Auftragsfinanzierungen

Wenn ein einzelner Auftrag in seinem Finanzierungsbedarf, den Material- und Liquiditätsflüssen klar abgrenzbar ist und eine nachvollziehbare Kalkulation mit laufender Kontrolle vorliegt, kann die Liquidität über eine auftragsbezogene Finanzierung dargestellt werden. Hierbei gibt es je nach Branche spezialisierte Finanzierungspartner.

Leasing/
Mietkauf

Aus dem Finanzierungsmix nicht mehr weg zu denken sind zwischenzeitlich Leasing und Mietkauf. Die Vorteile können in der Bankenunabhängigkeit, den Konditionen, der "Off-Balance-Struktur" und/oder der Auswirkung auf die G&V-Struktur liegen. Teilweise herrscht die Meinung vor, dass Mietkauf nur von bonitätsmäßig schwächeren Unternehmen umgesetzt wird. Wenn man hierbei aber unter anderem beachtet, dass es (nicht zurückzuzahlende) Finanzierungszuschüsse häufig zwar bei Mietkäufen, aber nicht bei Leasingfinanzierungen gibt, zeichnet sich bereits ein anderes Bild.

Factoring

Der revolvierende/wiederkehrende Verkauf der Forderungen führt bei den Unternehmen neben der Bilanzverkürzung zu einem Liquiditätszufluss bereits wenige Tage nach Stellung der Rechnung an die Kunden. Die Abwicklung und Kommunikation mit dem Factor läuft nach erfolgter Anbindung und Einrichtung in hohem Maße automatisiert und standardisiert. Auch beim Factoring gibt es die beim Leasing/Mietkauf genannten Vor- und Nachteile einer Zusammenarbeit mit einem Anbieter, der aus dem Umfeld der Hausbanken kommt.

Einkaufsfinanzierung/
Handelsfinanzierung

Hierbei handelt es sich um eine Art KK-Linie, bei einem separaten (bankenunabhängigen) Finanzierungspartner. Dieser bezahlt auf Basis einer Kreditversicherung die Einkaufsrechnungen von Unternehmen sehr kurzfristig (mit Skonto) und gewährt den einkaufenden Unternehmen ein deutlich längeres Zahlungsziel. Die Unternehmen können idealerweise die eingekauften Produkte/Waren bereits direkt oder nach erfolgter Be- oder Verarbeitung veräußern. Sie erhalten von ihren Kunden oder über ein Factoring den Liquiditätszufluss vor Fälligkeit der Einkaufsfinanzierung.

Lagerfinanzierungen

Eine Sonderform der KK-Linie stellt die Lagerfinanzierung dar. Diese kann sinnvoll zum Einsatz kommen, wenn sogenannte Commodities finanziert werden. Dabei handelt es sich um Standardprodukte, für die es im Einkauf und Verkauf einen großen Markt und hohe Preistransparenz gibt. Die häufig hierauf spezialisierten Finanzierungspartner gewichten in ihrer Kreditentscheidung neben der Unternehmensbonität insbesondere die Werthaltigkeit und Verfügbarkeit der zu finanzierenden Waren höher als dies ansonsten bei Bankfinanzierungen üblich ist.

Lieferantenfinanzierungen

Die wohl einfachste Form der Fremdfinanzierung ist die Finanzierung durch Lieferanten. Waren werden mit Zahlungsziel geliefert. Unternehmen können die Waren in ihrer Wertschöpfungskette verarbeiten oder auch bereits weiterverkaufen. Die Zahlung der Einkaufsrechnung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. Die Liquiditätsvorteile der Lieferantenfinanzierung sind sehr deutlich beim Lebensmitteleinzelhandel zu sehen. Häufig werden Waren mit Zahlungszielen von 30, 60 oder 90 Tagen eingekauft, befinden sich aber selbst nur wenige Tage im Lager/Geschäft des Einzelhändlers. Die Kunden zahlen die Ware sofort, der Lebensmittelhändler erst viel später – er kann in der Zwischenzeit mit der Liquidität arbeiten.

Stille Beteiligungen/
Mezzaninekapital

Für einen langfristigen Kapitalbedarf bei Wachstumsszenarien und zur Stärkung des wirtschaftlichen Eigenkapitals eignet sich häufig die Aufnahme von nachrangigem Fremdkapital. In der Insolvenz werden diese Gläubiger nach den übrigen Fremdkapitalgebern, aber noch vor den Eigenkapitalgebern befriedigt. Der offensichtliche Vorteil dieser Finanzierung liegt in der (bankenunabhängigen) Stärkung des wirtschaftlichen Eigenkapitals und damit des Ratings.

Absatzfinanzierungen/
Exportfinanzierung

Die Absatzfinanzierung kann für die Unternehmen Finanzierungsinstrument und Vertriebsförderung gleichermaßen sein. Insbesondere langlebige Anlagegüter, wie zum Beispiel Produktionsmaschinen, werden von den Kunden häufig finanziert. Als Lieferant kann ein Unternehmen seinen Kunden über (fixe oder lose) Kooperationen direkt oder nachgelagert die Finanzierung ihrer Produkte über mehrere Jahre auf Raten anbieten. Der Lieferant erhält seine Bezahlung entweder direkt vom Finanzierungspartner, da dieser in den Kaufvertrag eintritt, oder über einen (regresslosen) Verkauf der (hermesgedeckten) einredefreien Lieferantenforderung.

Plattformlösungen

Im Bereich der privaten Finanzierung haben sich Plattformen zur Vermittlung von Krediten bereits seit einigen Jahren sowohl für Konsumentenkredite als auch Immobilienfinanzierungen etabliert. Auch für das breite Feld der Unternehmensfinanzierung haben sich zwischenzeitlich zahlreiche Plattformen/Fintechs etabliert. Das Angebotsspektrum ist hier sehr breit gefächert und geht von der reinen Ausschreibung des Kapitalbedarfs über die Strukturierung und individuelle Umsetzung. Kapitalgeber für über die Plattformen vermittelte oder verkaufte Kredite sind Banken, Privatinvestoren oder auch institutionelle Investoren, wie Versicherungen oder Hedge Fonds.
Je nach Geschäftsmodell, Kapitalbedarf und bestehender Unterlagen zum Unternehmen, der Strategie, den Produkten und Finanzen kann die Nutzung von Crowd-Financing eine interessante Alternative darstellen.

Quelle: Christopher Käser-Ströbel in "Quick Guide Unternehmensfinanzierung für KMU und Start-ups", 2021, Seiten 40 ff.

Gute Vorbereitungen geben bei Vertragsverhandlungen den Ausschlag

Ganz gleich, auf welche Finanzierungsart und -partner die Wahl des Unternehmers fällt, gelten bestimmte Grundsätze bei der Verhandlung über Details und Modalitäten. "Ziel der Unternehmer ist es, eine passende Finanzierung zu guten Konditionen bei einem stabilen Finanzierungspartner zu erhalten. Ziel der Finanzierungspartner ist es, das ausgeliehene Geld im Rahmen der getroffenen Vereinbarungen zurück zu erhalten und hierbei so wenig als möglich Arbeit mit dem Kreditnehmer zu haben", erläutert Käser-Ströbel auf Seite 55. 

"In den vorbereiteten Unterlagen sollten alle relevanten Sachverhalte korrekt und fundiert dargestellt und nachvollziehbar hergeleitet sein. Etwaige Fragen sollten bereits antizipierend proaktiv beantwortet werden. Die Inhalte sollten für einen Fachfremden einfach zu verstehen und dennoch auf das Wesentliche beschränkt sein", rät der Springer-Autor. In der Praxis als hilfreich erwiesen habe sich oftmals ein umfassendes Backup, das der Bank oder einem anderen Finanzierungspartner zur Verfügung gestellt wird. 

Alle zugesagten Vereinbarungen sollten immer eingehalten werden. Auch im Umgang mit Kapitalgebern führt das Einhalten der Philosophie 'underpromise – overdeliver' in der Regel zu einem höheren Erfolg und mehr Zufriedenheit auf beiden Seiten", so Käser-Ströbel.

Gute Bonität ist wichtiger Faktor bei der Finanzierung

Doch auch bei alternativen Finanzierungsformen bleibt ein wichtiger Faktor für Geldgeber die Bonität eines Unternehmens. Laut Edith Leitner bestimmt diese die zur Verfügung stehenden Finanzierungsmöglichkeiten und die zu erwartenden Konditionen. Im Buchkapitel "Bonitätsorientierte Finanzierungsstrategie" schreibt die Springer-Autorin (Seite 173): "Als Ausdruck von Profitabilität, Stabilität und Risikotragfähigkeit zeigt die Bonität die Grenzen organischer und anorganischer Wachstumsmöglichkeiten auf." 

Dabei beeinflusst laut Leitner das Rating als formalisiertes Bonitätsurteil die Meinungen der Finanzierungspartner. "Ein Rating ist eine externe Meinungsäußerung über die Kreditwürdigkeit eines Schuldners (Emittentenrating), also der Fähigkeit sämtliche finanzielle Verpflichtungen zeitgerecht und vollständig zu bedienen, oder über die Ausfallwahrscheinlichkeit und -höhe eines spezifischen Finanzinstruments von einem Schuldner (Emissionsrating)", so die Autorin (Seite 175). Leitners Tipp lautet: 

Obwohl es kein 'Pauschalrezept' für die Festlegung einer Mindestbonitätsanforderung gibt, sprechen in der Regel zwei Faktoren dafür, zumindest eine Investment-Grade-Bonität zu halten oder zu erreichen. Wie auch regulatorische Anforderungen verdeutlichen, sind die für Anlagen im Investment-Grade-Bereich 'reservierten' Mittel um ein Vielfaches höher als für Anlagen im Non-Investment-Grade-Bereich, was in Kostenvorteilen resultieren sollte. Investoren zeigen bei 'schlechter Stimmung' auch ein größeres Interesse an guten Bonitäten."

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