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28-06-2022 | Unternehmensorganisation | Im Fokus | Article

Oh, wie schön war Homeoffice!

Author: Andrea Amerland

4:30 min reading time
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Mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht Ende März ging sie los, die große Rückkehr ins Büro. Nicht alle Mitarbeitende sind damit glücklich und fühlen sich gestresst. Arbeitgeber sollten dies ernst nehmen, denn sonst droht womöglich eine Kündigungswelle. 

Elon Musk holte die ganz große Keule heraus – was für ihn nicht ungewöhnlich ist. Der Tesla-Chef drohte allen seinen Beschäftigten mit Kündigung, wenn diese nicht ins Büro zurückkehren. Doch solche Drohgebärden aus dem Neandertal können für Unternehmen zum Boomerang werden. Denn für drei von zehn Deutschen wäre nach der langen Corona-Zeit eine zwangsweise Rückkehr ins Büro ein Kündigungsgrund, hat der "Everywhere Workplace Report 2022" von Ivanti, einem US-amerikanischen IT-Softwareunternehmen, im Frühjahr ergeben.

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Arbeiten in der neuen Normalität

Sieben Trilogien für die neue Arbeitswelt

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Entwicklungen haben eine neue Normalität in der Arbeitswelt entstehen lassen. Die drei Währungen der neuen Normalität sind Geld, Zeit und Purpose. Im organisatorischen Bereich besteht die Trilogie aus agilem Arbeiten, Mobile Work und flexiblen Arbeitsformen. 

Ohne Remote Work bin ich weg

Die Studie spiegelt wider, wie sehr sich die Erwartungen an die Arbeitswelt während der Pandemie verändert haben. Knapp ein Drittel aller Befragten hat in dieser Zeit den Job gewechselt (28 Prozent). Der wesentliche Grund für die Kündigung war für 16 Prozent der IT-Mitarbeiter und elf Prozent der Büroangestellten eine Stelle anzutreten, die Remote Work und auch mehr Flexibilität bietet.

Wie ein Blick auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigt, haben im vergangenen Jahr so viele Menschen wie noch nie von zu Hause gearbeitet. Rund ein Viertel aller Erwerbstätigen in Deutschland waren im Jahr 2021 zumindest gelegentlich im Homeoffice, zehn Prozent der Berufstätigen sogar täglich.

Homeoffice-Anteil in Deutschland

Wie hoch der Homeoffice-Anteil generell ist, hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Laut Destatis ist er im IT-Dienstleitungsbereich mit drei Viertel der abhängig Beschäftigten am größten und im Bau- und Gesundheitswesen mit rund fünf beziehungsweise acht Prozent am geringsten. Im Unternehmensmanagement sowie in Beratungen konnten rund 71 Prozent Working from Home beanspruchen, bei Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen waren es etwa zwei Drittel der Beschäftigten (66,2 Prozent).

Insgesamt hat die corona-bedingte Homeoffice-Pflicht dazu geführt, dass sich der Anteil von 2019 (13 Prozent) auf 2020 (21 Prozent) beinahe verdoppelt hat. Seit Ende März 2022 trudeln die Beschäftigten allerdings wieder peu à peu in den Büros ein und sind damit alles andere als glücklich. 

Rückkehr ins Büro sorgt für Stress und Angst

Berufstätige haben in einer Umfrage des "Future Forums" die höchsten Werte an arbeitsbedingtem Stress und Angst seit Beginn der Untersuchung im Juni 2020 angegeben. Die Studie mit dem Titel "Inflexible return-to-office policies are hammering employee experience scores" unter mehr als 10.000 Berufstätigen aus Deutschland, Frankreich, den USA, Japan, Australien und dem Vereinigten Königreich, die im Januar und Februar durchgeführt wurde, zeichnet ein düsteres Bild. 

Lediglich knapp sieben Prozent der befragten Mitarbeiter gaben an, sich in Hinblick auf Stress und Angst auf der Arbeit wohlzufühlen. Die niedrigen Zufriedenheitswerte stammen durchweg von Beschäftigten, die ausschließlich im Büro arbeiten und nicht im Homeoffice sind.

Mitarbeiterzufriedenheit auf Tiefpunkt

Für Unternehmen ist das harter Tobak, der in Zeiten des Fachkräftemangels schwer wiegt. Denn offenbar ist Flexibilität im Job für Mitarbeiter Trumpf. Nehmen Unternehmen hierauf keine Rücksicht, riskieren sie den Verlust von Top-Talenten. So haben laut Future-Forums-Umfrage Arbeitgeber ohne Standortflexibilität eine 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ihr Fachpersonal an die Konkurrenz zu verlieren.

Das Homeoffice ist also gekommen, um zu bleiben. Vor dem Hintergrund dieser Studienergebnisse sollten Unternehmen Sorge tragen, ihren Beschäftigten möglichst flexible Arbeitsmodelle zu bieten und sie bei der Reintegration in den Betrieb zu unterstützen. Das kann am besten mit einer hybriden Arbeitswelt gelingen, in der mobiles Arbeiten von zu Hause, im Büro oder sogar im Coworking Space möglich ist, auch wenn es bislang noch kein Recht auf Homeoffice gibt. 

Das hybride Office gestalten

Den Weg zum hybriden Office gelingt laut Springer-Autor Dominic Lindner idealtypisch in folgenden Schritten (Seite 29):

  • Eine funktionierende IT-Infrastruktur schaffen, 
  • Büroflächen modern gestalten,
  • mit Change-Management breite Akzeptanz und Zufriedenheit bei Mitarbeitenden schaffen,
  • eine Kultur des Gelingens und des Vertrauens kreieren,
  • bei Compliance und Governance eine hohe Sicherheit und Gesetzeskonformität erreichen. 

So wird Homeoffice zum Erfolgsmodell

Eines ist laut Jutta Rump und Silke Eilers auf jeden Fall klar: "Wenngleich nicht zu erwarten ist, dass die derzeit sehr hohen Anteile von Beschäftigten im Homeoffice auf Dauer Bestand haben, wird es ein "Zurück auf Los" sicherlich nicht geben, schreiben die Springer-Autorinnen im Buchkapitel "Mobile Work: Neue Perspektiven für das Homeoffice"

Dennoch gebe es noch immer Vorbehalte, denn das Homeoffice in der Pandemie sei ein groß angelegtes, aber nicht gut vorbereitetes, Experiment gewesen. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es gleichermaßen technischer, organisatorischer, personeller und kultureller Voraussetzungen bedarf, um Homeoffice zu einem Erfolgsmodell auch für die Zukunft zu machen", betonen die Expertinnen. Was im einzelnen dazu gehört, zeigt die untenstehende Grafik.

Unabhängig von noch zu entwickelnden Arbeitsmodellen, ist davon auszugehen, dass sich Beschäftigte, die lange Zeit nicht vor Ort waren, bei der Rückkehr zunächst mehr denn je wieder den innerbetrieblichen Strukturen angleichen müssen. Das sollten Führungskräfte berücksichtigen und mit Anpassungsschwierigkeiten und Konflikten rechnen.

"Auch nach der Pandemie sollte Homeoffice mit Augenmerk daher zur Normalität werden", heißt es in einem Artikel in der Zeitschrift "HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik". Denn die Möglichkeit, entscheiden zu können, von wo man arbeitet, stelle eine Ressource dar. Die Möglichkeit, den Arbeitsort flexibel zu wählen, erhöhe nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern ziehe auch Bewerber an. Ohnehin können ortsunabhängig eingesetzte Mitarbeitende den Fachkräftemangel abfedern. Eine Rückkehr zur reinen Präsenzkultur ist also für Unternehmen nicht ratsam.

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