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22-04-2020 | Verbindungstechnik | In eigener Sache | Article

In eigener Sache

Versiegelte Medikamente lassen sich kinderleicht manipulieren

2:30 min reading time

Autor: Axel Mörer

Versiegelte Verpackungen verschreibungspflichtiger Medikamente lassen sich mit einfachsten Mitteln unerkannt öffnen und manipulieren. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Studie des Instituts für Pharmazeutische Technologie und Verpackungswissenschaft an der Hochschule Fulda in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift adhäsion aus dem Fachverlag Springer.

Laut einer Studie der Hochschule Fulda lassen sich auch versiegelte Verpackungen verschreibungspflichtiger Medikamente mit einfachsten Mitteln unerkannt öffnen und manipulieren. Einer Studie des Instituts für Pharmazeutische Technologie und Verpackungswissenschaft an der Hochschule Fulda in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift adhäsion aus dem Springer Fachverlag zufolge lassen sich bei fast allen gängigen Verpackungen entweder die Verklebungen per Skalpell oder Rasierklinge öffnen und wieder verkleben oder aber die Siegel zerstörungsfrei lösen, berichtet die adhäsion in ihrer aktuellen Ausgabe. "Wir haben festgestellt, dass mit einem bisschen Geschick und einfachen Werkzeugen fast jede Verpackung geöffnet und wieder verschlossen werden kann, ohne dass man das mit bloßem Auge erkennt", so Prof. Felix Ecker, Leiter der Studie, gegenüber der Zeitschrift.

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48 der 50 Verpackungen ließen sich öffnen und neu verkleben

Seit Februar 2019 müssen laut EU-Verordnung alle verschreibungspflichtigen Medikamente wie Blutdrucksenker und Antibiotika nach dem Öffnen eine "sichtbare, irreversible Beschädigung der Unversehrtheit der Verpackung hervorrufen", heißt es in der deutschen DIN-Vorschrift. Doch genau das tun die meisten Verpackungen nicht. Die Forscher haben die Verpackungen 50 gängiger Medikamente in Deutschland untersucht. 

Das Ergebnis: 48 der 50 Verpackungen ließen sich an den Klebekanten ohne Probleme öffnen und anschließend neu verkleben, ohne dass man das mit bloßem Auge erkennen konnte. "Es nützt nichts, ein Siegel anzubringen, wenn man es gar nicht zerstören muss, sondern die Verpackung an anderer Stelle unerkannt öffnen kann", kritisiert Prof. Ecker. Aber auch die Siegel sind nicht sicher. 42 Siegel ließen sich ohne Beschädigung der Schachtel entfernen. Einige hatten so viel Klebekraft, dass man sie sogar erneut verkleben konnte. Andere konnten durch neue Siegel ersetzt werden.

Gefahr besteht vor allem bei Reimporten

In Deutschland hält Prof. Ecker zwar Manipulationen für wenig wahrscheinlich. Doch bei Reimporten und den zahlreichen Importen gängiger Medikamente aus asiatischen Ländern, in denen die Lieferketten nicht so streng kontrolliert sind, hält Prof. Ecker diese Defizite für nicht akzeptabel. Er fordert deutlich bessere Verklebungen der Verpackungen, deren Öffnung zu klaren Beschädigungen führen müssen. "Die Siegel müssten sich bei Öffnungsversuchen selbst zerstören, etwa durch Sollbruchstellen oder Schnitten wie bei der österreichischen Autobahnvignette, die sich nicht ohne Zerstörung von der Frontscheibe lösen lässt", so  Ecker.

Der Gesetzgeber müsste viel klarer vorschreiben, welche Belastungen die Verpackungen verschreibungspflichtiger Medikamente aushalten müssen und wie diese Anforderungen zu erfüllen sind. "Wir wollen keinen Medikamentenhersteller in Europa an den Pranger stellen. Aber es ist klar, dass der Stand der Technik nicht ausreicht und die Vorgaben nachgebessert werden müssen, um Medikamentenmanipulationen zu erschweren", sagt Ecker.

Zur aktuellen Ausgabe der Zeitschrift adhäsion

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