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08-11-2023 | Vermögensaufbau | Schwerpunkt | Article

Am klassischen Sparbuch führt kein Weg vorbei

Author: Angelika Breinich-Schilly

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Nicht alle Menschen in Deutschland sparen regelmäßig. Manchem fehlt der finanzielle Überblick, anderen die Mittel. Und wer monatlich Geld zurücklegt, setzt dabei vor allem auf Sicherheit, wie aktuelle Zahlen belegen. Das gilt besonders für weibliche Sparer.

Vermögensaufbau und Altersvorsorge verlangen von Verbrauchern nicht nur Kenntnisse im Umgang mit Geldanlagen, sondern zunächst einen guten Überblick über die eigene finanzielle Lage. Hierzu gehören das monatliche Einkommen und die Belastung durch wiederkehrende Kosten wie Miete, Strom, Wasser und Heizung, aber auch Versicherungsleistungen und andere regelmäßige Posten. Laut dem im Oktober veröffentlichten Liquiditätsbarometer der Team Bank weiß fast jeder zweite Bundesbürger, wie viel Geld nach Abzug aller fixen Ausgaben monatlich in der Kasse verbleibt. Für die Studie hat das Marktforschungsinstitut Yougov im Juni 2023 mehr als 3.100 Menschen im Alter von 18 bis 79 Jahren digital befragt.

Der Blick ins Details zeigt allerdings Unterschiede: So haben zum Beispiel Verbraucher in Bayern (54 Prozent) und Hamburg (52 Prozent) ihre finanzielle Lage besser im Blick als jene in Baden-Württemberg (42 Prozent) oder im Saarland (41 Prozent). Fast neun von zehn Befragten (88 Prozent) kennen aber zumindest in etwa das finanzielle Notpolster, das ihnen für unvorhergesehene Ereignisse zur Verfügung steht. 

Insgesamt ist bei vier von zehn Deutschen der Anteil der finanziellen Mittel, über die sie monatlich frei verfügen können, in den vergangenen zwölf Monaten aufgrund der Teuerung geschrumpft. Damit betragen die Rücklagen bei einem Viertel derzeit nicht mal 500 Euro. Jeder Fünfte freut sich hingegen über einen Notgroschen von mindestens 5.000 Euro. Jeder Achte kennt den eigenen Verfügungsrahmen nicht.

Sparbuch ist Anlage Nummer eins

Wenn Menschen Geld auf der hohen Kante haben, legen sie das laut den Statista Consumer Insights nach wie vor am liebsten aufs Sparkonto. Mit 42 Prozent ist das Sparbuch für die fast 6.000 im Sommer 2023 befragten Personen zwischen 18 und 64 Jahren der Spitzenreiter unter den Anlageformen. Das sind sogar zwei Prozent mehr als 2019. Mit Abstand folgt der Bausparvertrag als weiterer Anlage-Klassiker auf Rang zwei. Dessen Beliebtheit ist mit 22 Prozent allerdings gegenüber der Vor-Pandemie-Umfrage um sieben Prozent gesunken. 

Mit Aktien und Investmentfonds sparen 20 Prozent der Befragten (2019: 22 Prozent). Auf Immobilien setzen immerhin noch 19 Prozent (2019: 22 Prozent) und auf Versicherungen mit Anlagecharakter 14 Prozent der Teilnehmer (2019: 19 Prozent). 

Bei Kryptowährungen stellen die Studienautoren in den letzten vier Jahren in puncto Verbreitung einen großen Aufschwung fest. Gaben 2019 noch fünf Prozent an, in Bitcoin oder Ethereum investiert zu sein, waren es zuletzt zwölf Prozent. Auch Edelmetalle wie Gold sind mit zwölf Prozent um zwei Zähler gegenüber 2019 gestiegen. 

Frauen sparen anders als Männer

Bei der Vorliebe für sichere Kapitalanlagen hat sich unter den Bundesbürgern also wenig geändert. Auch die Unterschiede im Spar- und Anlageverhalten zwischen den Geschlechtern sind laut einer im Oktober 2023 veröffentlichten Umfrage unter 2.000 Frauen und Männern im Juni 2023 im Auftrag von J.P. Morgan Asset Management noch immer deutlich zu sehen: Vor allem infolge der Inflation sowie der massiven Zinserhöhungen der letzten Monate spart jede zweite Frau (49 Prozent) weniger oder gar nichts mehr. Unter den männlichen Teilnehmern liegt der Anteil nur bei 42 Prozent.  

36 Prozent der Frauen sparen allerdings wieder mehr in Form von Tagesgeld und nutzen das Sparbuch anstatt Investmentfonds, ETFs oder Aktien. Bei den Männern sind es hingegen 28 Prozent. Insgesamt setzt derzeit fast jede zweite Verbraucherin auf die klassische Sparanlage. Unter den Männern hat nur gut jeder Dritte (36 Prozent) ein Sparbuch. Dabei ist mit der Entwicklung ihrer Sparprodukte nur rund jede vierte Frau zufrieden (26 Prozent).

Sicherheit ist Trumpf bei der Geldanlage

Bei Sparerinnen rangiert derzeit das Thema Sicherheit bei den Anlagezielen auf Nummer eins: 52 Prozent der Frauen legen Geld auf die hohe Kante, um Rücklagen für Notfälle zu bilden. Bei den männlichen Befragten sind es 42 Prozent. Dennoch wollen viele Frauen auch weiterhin flexibel bleiben: 40 Prozent geben an, dass sie sparen, um sich spontan Wünsche erfüllen zu können. Bei Männern sind dies mit nur 24 Prozent deutlich weniger. Und immerhin jeder Dritte – unabhängig vom Geschlecht - spart, um im Alter finanziell abgesichert zu sein.

Dabei sorgen sich Frauen (49 Prozent) wie Männer (51 Prozent), dass ihr Sparguthaben durch die Inflation schleichend entwertet wird. Auch hegt ein Drittel der Befragten beider Geschlechter Angst vor einer Rezession. Der Handlungsdruck scheint für Frauen allerdings größer zu sein als bei Männern, da sie häufiger Geld von Aktien, Fonds und ETFs auf Tagesgeld und Sparbuch umschichten.

Frauen halten sich für finanziell unwissender

Auf die Frage, warum sie bisher keine Kapitalmarktinvestments wie Fonds, ETFs, Aktien oder Anleihen nutzen, fallen die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sehr deutlich aus. 31 Prozent der Teilnehmerinnen geben ihre vermeintliche Unwissenheit zum Kapitalmarkt als Begründung an. Von den Männern sagen das nur 19 Prozent. 

"Frauen haben häufig das Gefühl, sie müssten besonders gut Bescheid wissen über Kapitalmarktinvestments wie Aktien und Anleihen", erläutert Beatrix Vogel, Leiterin Marketing & PR bei J.P. Morgan Asset Management. Zwar sei Wissen ein wichtiger Aspekt, um in Aktien oder Anleihen zu investieren. "Doch erfahrungsgemäß unterschätzen viele Frauen ihr Wissen, zudem geht es um Basiswissen, nicht um Expertenwissen."

Entscheidungsprozesse der Kunden berücksichtigen

Ein besseres Verständnis des Entscheidungsprozesses sowie beeinflussender psychologischer Faktoren, die dem Investment- und Sparverhalten der Kunden zugrunde liegen, ist für Berater von Banken und Versicherungsunternehmen hilfreich. Sie erkennen, was ihre Kunden davon abhält, in entsprechende Finanzprodukte zu investieren, und wie sie diese Hürden überwinden helfen können", schreibt Mira Fauth-Bühler in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Bankmagazin". 

Laut der Professorin für Wirtschaftspsychologie und Neuroökonomie an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management am Standort Stuttgart hemmt die Menschen sehr häufig die Angst vor Verlusten, sich für bestimmte Kapitalanlagen zu entscheiden. "Daher ist es auf Beraterseite wichtig, über das Phänomen der Verlustaversion aufzuklären. Besonders effektiv ist in diesem Zusammenhang zu betonen, welcher Verlust entsteht, wenn das Geld auf dem Girokonto bleibt, statt den Nutzen der angebotenen Investmentprodukte zu fokussieren."

Mit wenigen Sparzielen die Beratung starten

Zunächst mit einem oder zwei Sparzielen des Kunden zu beginnen und diese im Beratungsgespräch mit diesem gemeinsam möglichst konkret zu formulieren, hält die Expertin für einen zentralen ersten Schritt. "Nachdem die Ziele erreicht sind, ist es an der Zeit, sich den nächsten, gegebenenfalls etwas langfristigeren Absichten wie Spar- und Anlageplänen für die Altersvorsorge zu widmen." Je weniger Anstrengung der Vermögensaufbau erfordert, desto eher lasse er sich erfolgreich umsetzen. Sparroutinen entlasten das Kontrollsystem und der Energieaufwand, der mit aktiven Entscheidungen verbunden ist, verringert sich, so Fauth-Bühler.
 

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