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18-05-2020 | Vermögensverwaltung | Im Fokus | Article

Der Robo Advisor rückt aus der Nische

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4 min reading time

Bislang waren die Robo-Advisor-Angebote innovativer Fintechs und Banken eher etwas für Eingeweihte. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sich immer mehr Deutsche mit der automatisierten Vermögensberatung befassen.

Rund 30 Prozent der Bundesbürger können mit dem Begriff Robo Advisor etwas anfangen. Damit sind es doppelt so viele wie noch vor zwölf Monaten. Das ist das Kernergebnis der Studie "Robo Advice in Deutschland – Status quo und Entwicklungsperspektiven 2020" der Digital-Bank Ebase. Hierfür hat das Marktforschungsinstitut Toluna rund 1.000 Menschen ab 18 Jahren repräsentativ befragt. Die automatisierte Vermögensberatung durch Algorithmen könnte, ähnlich wie andere digitale Services, im Zuge der Corona-Pandemie an Schwung gewonnen und "sich in der Breite beschleunigt" haben, glaubt Ebase-Geschäftsführer Kai Friedrich.

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Von den Befragten, die sich mit Robo-Advisor-Serivces auskennen, kann sich allerdings nur jeder Fünfte laut Studie vorstellen, diese auch für die eigene Geldanlage zu nutzen. Vor allem Menschen höherer Einkommensklassen und Schuldbildung zeigen sich offen für entsprechende Angebote. "Eine positive Überraschung ist, dass jeder vierte Befragte, der den Begriff des Robo Advisor vor der Befragung nicht kannte, sich grundsätzlich auf Basis einer Erklärung des Angebotes vorstellen kann, in einen solchen zu investieren", so Friedrich.

Banken beraten mit Robos preiswerter und zielgerichteter

Auch wenn sich bislang nur ein kleiner Teil der Bevölkerung für rein digitale Anlagen interessiert, ist es ein Angebot, dass Banken im Portfolio haben sollten, meint Holger Biernat im Buchkapitel "Umfeld moderner Banksteuerung" (Seite 60). Er schreibt:

Die Beratung des Kunden durch die Bank ist vielfach überarbeitet worden. Die Dokumentationsanforderungen wurden immer wieder erhöht, ebenso die Transparenz in Bezug auf die Kosten, die Qualität jedoch immer wieder beklagt. Nun bieten technische Vorkehrungen wie der Robo Advisor die Möglichkeit, eine verbesserte Dokumentation vorzunehmen, den Kunden preiswerter und zielgerichteter zu beraten und gemeinsam mit ihm eine Auswahl zu treffen."

Die genannten Vorteile decken sich mit den wichtigsten Anforderungen, die auch die Studienteilnehmer an einen Robo Advisor stellen. Sie erwarten vor allem

  • geringe Gebühren (69,9 Prozent),
  • Transparenz (69,8 Prozent),
  • eine nachvollziehbare Anlagestrategie (67,2 Prozent),
  • gute Bewertungen durch neutrale Instanzen, wie etwa die Stiftung Warentest oder Analysehäuser (63,1 Prozent),
  • eine langfristige Performance (62,4 Prozent)
  • sowie eine mehrjährige Erfahrung des Anbieters am Markt (60,9 Prozent).

Bauchgefühl gegen Robo Advisor

"Der Erfolg lässt sich gut messen, wenn das robogesteuerte Portfolio besser abschneidet als das von Menschen gesteuerte", bringt es Springer-Autor Biernat auf den Punkt. "Die zentralen Fragen lauten dabei: Was kann ein Computer besser als ein Mensch? Und kann er es wirklich schon besser oder befinden sich derartige Systeme erst in den Kinderschuhen?" Der Erfolg hänge auch davon ab, was der Kunde will. "Dabei spielt eine Rolle, ob er bereit ist, seine Anlageentscheidungen durch ein System vornehmen zu lassen oder doch noch das Bauchgefühl eine Rolle spielen sollte", so Biernat. Er rät klassischen Kreditinstituten:

Die Abwägung für eine Bank sollte von daher nicht lauten, ob und ab wann man diese technische Entwicklung mitmachen wird. Sondern es sollte zählen, inwieweit sie sich für die Bank zu diesem frühen Zeitpunkt der Entwicklung bereits lohnt und durch die eigene Kundschaft nachgefragt wird beziehungsweise positive Impulse für die eigenen Geschäfte haben könnte."

Und wann es sich lohnt, zeigt der Blick auf potenziellen Kunden: Bei Ebase selbst seien knapp 80 Prozent dieser speziellen Kundengruppe männlich im Alter von über 45 Jahren. Die durchschnittliche Anlagesumme belaufe sich auf 14.500 Euro. "Gleichwohl können wir bei unseren Kunden beobachten, dass die Robo-Advisor-Anlage in der Regel nur ein Teil des Gesamtvermögens darstellt und als Beimischung genutzt wird", betont Friedrich.

Zahl der Robo-Anbieter steigt

Dass die Zahl interessierter Kunden und damit der Markt weiterhin wachsen wird, davon ist der Ebase-Chef überzeugt. Laut Bankmagazin-Autorin Barbara Bocks gibt es auch immer mehr Anbieter in Deutschland – obwohl nicht allen gelingt, sich auf Dauer zu etablieren. Sie berichtet im Special "Markt soll wachsen, Anbieter konsolidieren sich" (Ausgabe 9 | 2019): "Nicht nur Privatbanken, auch Institute aus anderen Säulen sind im Bereich Robo Advisory aktiv." Sowohl die genossenschaftlichen Geldhäuser als auch die Sparkassen setzen dabei auf eigene Lösungen.

Ob die Kunden mit den Robos tatsächlich besser fahren als mit klassischen Vermögensverwaltungen, lässt sich Bocks zufolge aus Expertensicht nicht pauschal beantworten. "Zahlreiche Performance-Vergleiche kommen zu dem Schluss, dass die erzielte Rendite maßgeblich von der Wahl der Investmentstrategie und des Dienstleisters abhängt", zitiert sie Dominik Moulliet, Director Financial Services bei Deloitte. Vielen jungen Anbietern fehle es noch an Erfahrungswerten und automatisierte Anlagemodelle müssen sich auch bei starken Markteinbrüchen behaupten. Ob dies der Fall ist, könnten die kommenden Wochen und Monate zeigen.

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