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03-01-2020 | Versicherung | Im Fokus | Article

Banken liebäugeln mit der Rückkehr zur Bancassurance

Author:
Swantje Francke
3 min reading time

In Anbetracht schrumpfender Erträge sind Banken gezwungen, tragfähige Geschäftsfelder für die Zukunft zu erschließen. Einer Studie zufolge erleben Banken die Wiederbelebung der Bancassurance.

Auf der Suche nach profitablen Geschäftsbereichen besinnen sich Banken zurück auf Altbewährtes. Wie aus dem "Branchenkompass Banking 2019" der Beratungsgesellschaft Sopra Steria hervorgeht, wollen 31 Prozent der Banken in den kommenden drei Jahren zunehmend branchenfremde Dienstleistungen in ihr Portfolio aufnehmen. So beabsichtigen einige große und mittlere Banken laut Studie, die Verwaltung und Vermittlung von Versicherungen in Ihr Leistungsangebot zu reintegrieren.

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Zu mehr Ertrag per Provision

Das sogenannte Allfinanzgeschäft, zu dem auch der Versicherungsvertrieb gehört, verheißt Banken nach rund zehnjähriger Pause nun doch wieder attraktive Erträge sowie erhöhte Renditen durch die Digitalisierung. Die Ratio dahinter: Als Vertriebskanal für Versicherer besteht für Banken die Möglichkeit, rückläufige Erträge aus anderen Geschäftsfeldern durch Vermittlungsprovisionen abzufangen.

Zuletzt waren die Kosten besonders bei den Retail-Banken in Deutschland schneller als die Erträge gewachsen. Daher sprechen sich in der Studie 71 Prozent der befragten Entscheider für Veränderung beziehungsweise Anpassung der Geschäftsmodelle aus. Den bestehenden Trend hin zu Bancassurance unterstreichen aktuelle Kooperationen zwischen IMG und Axa oder das Betreiben einer eigenen Versicherungsmaklerplattform durch die Comdirect. Zusätzlich reichern Fintechs und Insurtechs diese Entwicklung durch technische Komponenten an. Versicherer wie auch Banken greifen auf deren digitale Lösungen in Gestalt von Whitelabel-Plattformen für ihre Online-Auftritte zurück.

Versicherung und Konto aus einer Hand

In dem Zusammenwachsen von Bank und Versicherer spiegelt sich der zunehmende Kundenwunsch, Finanzdienstleistungen aus einer Hand und angepasst auf die derzeitige Lebenssituation zu erhalten. In Folge dessen sind strategische Allianzen zwischen Finanzdienstleistern – mitunter auch Wettbewerbern – zu beobachten.

Als Haupttreiber der Rückbesinnung auf Bancassurance darf die anhaltende Digitalisierung des Finanzdienstleistungsgeschäfts gewertet werden. Mit Einführung der Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 erhalten die Dienstleister Zugriff auf Kontoinformation, die sich mit Daten anderer Marktteilnehmer verknüpfen und austauschen lassen. In Konsequenz identifiziert die Studie eine Zunahme kooperativer Angebote, darunter Banking-as-a-Service per API in Verbund mit den Versicherungsanalysten Franke und Bloomberg.

Welche Policen über das Bankennetz?

Welche Versicherungssparten sich im Bankenvertrieb besonders gut entwickeln, fasst Jens Hasselbächer, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei R+V, aus jüngsten Erfahrungen zusammen. Im Interview "Vor der Hoheit der Kunden habe ich höchsten Respekt", Bankmagazin Ausgabe 10/2019, Seite 18, beschreibt er:

Die Volks- und Raiffeisenbanken übernehmen für die R+V den weit überwiegenden Teil des Vertriebs der Lebens- und Krankenversicherungen. Rund 85 Prozent des Neugeschäfts in diesen beiden Sparten kommen über die genossenschaftlichen Institute. Für den Rest sind Makler und Generalagenten zu gleichen Teilen verantwortlich. Der Direktvertrieb spielt für die R+V derzeit mit zwei Prozent etwa bei der Krankenversicherung noch eine untergeordnete Rolle. Bei den Kompositversicherungen, also den Schaden- und Unfallversicherungen, entwickelt sich der Bankenvertrieb sehr positiv. Traditionell liegen hier aber noch sehr große Wachstumspotenziale. Das Direktgeschäft spielt für uns aktuell nur in der Kraftfahrzeugversicherung über unsere Tochter, die R+V 24, eine Rolle."

Da sich der Online- und Offline-Vertrieb von Banken wie auch Versicherungen kulturell unterscheiden, sind nun die Allfinanz-Anbieter auf dem Weg zu mehr Ertrag in der Pflicht, ihre Kunden vom Mehrwert der wieder aufgenommenen Allfinanzdienstleistungen zu überzeugen. Stefan Lamprecht, Senior Director Banking bei Sopra Steria, führt aus: "Mit getrennten Produkt- und Dateninseln wird die Idee Bancassurance nicht funktionieren. Allfinanzlösungen, die Konto und Versicherungen zusammenführen, können nur der Einstieg sein. Mit den gesammelten Erfahrungen sollten Banken in Folgeschritten ihr Ökosystem um weitere Partner und Angebot erweitern." So planen bereits 52 Prozent der in der Studie berücksichtigten Institute, im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie neue Finance-Angebote, unter anderem auch von Drittanbietern, aufzunehmen.


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