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Wie Technologie die Lieferketten verändert

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Neue Technologien und Prozesse führen zu grundsätzlichen Veränderungen auch in den Lieferketten. Neue Geschäftsmodelle werden durch Start-ups, etablierte Logistikfirmen und Verlader übernommen. Welche Treiber, Geschäftsmodelle und Akteure Unternehmen im Auge behalten müssen, um vom digitalen Wandel zu profitieren.

Lieferketten verändern sich in der Industrie 4.0 und bieten dank neuer Technologien auch in der Vertriebslogistik Optimierungschancen.  


Logistik 4.0 beschreibt die Konsequenzen der digitalen Revolution auf den Bereich des Transport- und Versorgungswesens. In ihr verschwimmen die Verschmelzung von Technologien, die Grenzen zwischen der physikalischen und der digitalen Sphäre. Das hat Auswirkungen auf Lieferprozesse, die Zusammenarbeit von verschiedenen beteiligten Partnern innerhalb der Logistikkette und insbesondere der Vertriebslogistik. 

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01-09-2019 | Titel

Wie Technologie die Lieferketten verändert

Neue Technologien und Prozesse führen zu grundsätzlichen Veränderungen auch in den Lieferketten. Neue Geschäftsmodelle werden durch Start-ups, etablierte Logistikfirmen und Verlader übernommen.

Dabei rücken auch Themen wie die Kostentransparenz mehr in den Mittelpunkt: Die Springer-Autorin Mariya Antoniou verweist etwa in einem Buchkapitel zur Kostentransparenz entlang der Lieferkette darauf, dass mit dem steigenden Interesse an einer betriebsübergreifenden Zusammenarbeit in Lieferketten auch mehr Kostentransparenz vor allem bei Supply-Chain-Kooperationen entlang industrieller Lieferketten gefordert wird. Da sich nur noch wenig Optimierungspotenziale bieten, suchten Unternehmen auch verstärkt jenseits der Unternehmensgrenzen nach Möglichkeiten, ihre Kosten zu senken. 

Prof. Dr. Moritz A. Peter und Prof. Dr. Philipp Rathgeber betonen in einem Beitrag zu Supply Chain Management Research zudem, dass neue Lieferketten, angepasste Planungsparameter und bessere technische Möglichkeiten auch im globalen Handel regionale Wertschöpfungsnetzwerke schaffen können, die den Kunden noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Als Vorteile aus neuen Technologien und Prozessen listen sie drei wichtige Wettbewerbsvorteile für den Logistiksektor auf, die auch für den Vertrieb als Beteiligter in Logistikprozessen entscheidend sind:

  • kürzere Lead‐Times 
  • höhere Variantenvielfalt 
  • akzeptables Kosten‐ und Qualitätsniveau. 

Neue Wettbewerber der Spediteure

Blickt man in den aktuellen Logistikmarkt, wird schnell deutlich, dass gerade neue Player aus dem Gafa-Bereich, etwa Amazon, Alibaba, die mit neuen Geschäftsmodellen aufwarten, oder auch Integratoren wie klassische Logistikdienstleister Fedex oder UPS Vorteile gegenüber anderen Marktteilnehmern haben. Sie können etwa Schnittstellenprobleme zum Teil umgehen, wie Dr. Christian Wurst, Regional Chief Executive Officer Europa bei dem internationalen Logistikdienstleister Panalpina, im Titelbeitrag "Wie Technologie die Lieferketten verändert" der Sales Excellence-Ausgabe 10-2019 feststellt. Ein großes Hindernis für die Logistik anderer Marktbeteiligter liegt schon auf der IT- und Prozessseite: So sind beispielsweise die Vielzahl von beteiligten (Alt-) Betriebssystemen sowie häufig wechselnde Partnerschaften von Firmen in den verschiedenen Stufen der Lieferkette ein Hindernis, wie Wurst feststellt.

Automatisierte Technik bringt Wettbewerbsvorteile

Ein Pluspunkt der neuen Player sind automatisierte Auslieferung und Lieferketten, die über eine automatische und berührungslose Identifikation und Lokalisieren von Sendungen durch aktive (GPS) oder passive (RFID) Technologien verfügen. Dabei übermitteln Sensoren automatisch Umfeld-Daten über Temperatur oder Stöße. An die Stelle des „Tracking und Tracing“ rücken die Echtzeit-Information über den Transportverlauf und wenn nötig die Möglichkeit zum Eingriff. Zudem verschiebt sich durch die Gafa und das wachsende E-Commerce-Geschäft das Kräfteverhältnis zwischen traditionellen Anbietern und Online-Handelsunternehmen, was einen direkten Einfluss auf die Lieferketten hat. Denn die E-Commerce-Riesen kontrollieren immer stärker auch die logistische Abwicklung des Warenumschlags, insbesondere auf der so genannten "letzen Meile" zum Kunden – mit eigenem Personal, eigenen Fahrdienstleistungen und Versandsystemen sowie eigenen Standards. Wurst zeigt im Beitrag den zentralen Wettbewerbshebel auf: Viele dieser Unternehmen aus der virtuellen Web-Welt bieten ihre Dienste – vergleichbar mit den Cloud-Dienstleistungen – auch gegenüber Dritten an. "Damit werden sie direkte Wettbewerber der etablierten Logistikfirmen", so Wurst.

Die großen Internet-Händler sind selbst bereits Logistik-Giganten, die wesentliche Teile ihrer Lieferkette selber abdecken."


Dr. Dieter Wurst

Als Differenzierungsfaktoren, denen sich Logistiker stellen müssen, sieht Experte Wurst:

  • zunehmende Regulierung der Arbeitsmärkte und Stadtlogistik, 
  • massiven Preiswettbewerb 
  • veränderte Kundenerwartungen wie kostenlose Rücknahme, Same-Day-Anlieferungen, Lebensmittelauslieferung per Kurier und andere Faktoren.

Hinzu kommen neue Wettbewerber, etwa neue innovative Plattformen, die Integratoren ersetzen und mehrere kleine Dienstleister im Logistiksektor bündeln sowie Preisvergleichsmarktplätze, etwa für Container-Seefracht-Raten, auf denen eigene Einkaufsraten mit dem Wettbewerb verglichen werden können. Darüber hinaus bilden digitale Frachtbörsen und weitere spezialisierte Ausschreibungsplattformen sowie digitale Spediteure den divergenten Logistik-Sektormarkt ab. Die Digitalisierung trägt hier dazu bei, dass Anbieter, Händler und Einkäufer direkt miteinander in Kontakt treten. Digitale Spediteure übernehmen in der Logistik 4.0 zwar die gleiche Intermediär-Dienstleistung an wie traditionelle Speditionsunternehmen, wickeln ihre Prozesse aber vollständig digital ab. 

Aus Sicht von Wurst eröffnen sich durch die neuen digitalen Technologien und Marktspieler auch neue Chancen. Für Unternehmen gilt es auszuloten, wie die technologischen Möglichkeiten für die eigene Lieferkette genutzt werden.

Kompakt

  • Die Lieferketten verändern sich dramatisch durch neue Technologien und Organisationsformen.
  • Nicht nur Start-ups gestalten diese Zukunft; gerade auch etablierte Firmen digitalisieren ihre Lieferketten und richten sie neu aus.
  • Für die Wettbewerbsfähigkeit ist entscheidend, diese Veränderungen für die eigene Lieferkette rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen.

Quelle: Aus: Wie Technologie die Lieferketten verändert, Sales-Excellence-Ausgabe 9 | 2019, Seite 10.


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    Image Credits
    Logistik/© Yozayo / Getty Images / iStock