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17-12-2018 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Article

Zufallsprinzip regiert den sozialen Wohnungsbau

Author:
Alexander Ebert

Milliarden Euro pumpt der Staat in den sozialen Wohnungsbau. Ob das Geld bedarfsgerecht investiert wird, kontrolliert niemand. Bestenfalls kursieren Schätzwerte, zeigt eine aktuelle Studie.

Ob München, Stuttgart oder Berlin: Bezahlbarer Wohnraum ist für Haushalte mit kleinem bis mittleren Einkommen knapp. Insbesondere in größeren Städten wächst die Nachfrage stark. Der Bund will gegensteuern: Mehr als fünf Milliarden Euro überweist er in dieser Legislaturperiode an die Länder, die weitere Mittel für den sozialen Wohnungsbau zuschießen sollen. Doch diese Summe kann weder effizient noch bedarfsgerecht verteilt werden. Der Grund: Es fehlt an Daten und der fundierten Erhebungen des Bedarfs.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Geförderter Wohnungsbau – Auswertung der Kommunalbefragung" aus September 2018, die das Moses Mendelssohn Institut MMI mit Sitz in Hamburg von Mai bis Juli dieses Jahres durchführte. Telefonisch befragt wurden 696 Städte und Gemeinden zu Bestand, Bindungsauslauf, Neubau und Bedarfseinschätzung. Daten von 387 Kommunen konnten ausgewertet werden.

Aktuell keine effiziente Förderung möglich

Die Ergebnisse der Studie überraschen im negativen Sinne: Die Förderung erfolgt nach dem Zufallsprinzip, einheitliche Kriterien für die Förderung fehlen, noch nicht einmal eine einheitliche Zählweise existiert. Viele Kommunen haben sogar Probleme, ihren Bedarf plausibel darzustellen die benötigten Wohnraumgrößen zu benennen. Immerhin machten 335 Kommunen belastbare Angaben zum Bindungsauslauf: Sie verlieren bis 2020 insgesamt 120.358 Sozialwohnungen, das sind 15 Prozent des preisgebundenen Bestands. Insgesamt zeigten die Antworten, "dass in Deutschland die Gelder für gefördertes Wohnen eher nach dem Zufallsprinzip verteilt werden", so Dr. Stefan Brauckmann. Der MMI-Direktor hält den effizienten Einsatz der Milliarden-Förderung für gar nicht möglich. Das werde sich auch kurzfristig nicht ändern. 

Förderstruktur bundesweit vereinheitlichen

Was wäre zu tun? Bislang unterschiedliche Definitionen müssten vereinheitlicht und unklare Zuständigkeiten geklärt werden. Auch brauchen die Kommunen laut MMI klare Erfassungs- und Auswertungsvorgaben für eine einheitliche Datengrundlage, ebenso mehr Personal und Fortbildungen. Auch müssten die unterschiedlichen Akteure besser vernetzt werden.

Mehr kleine und sehr große Wohnungen schaffen

Mittelfristig fallen mehr Wohnungen aus der Sozialbindung als neue geschaffen werden. Deshalb sollte das Hauptaugenmerk für die nächsten Jahre auf der Gruppe mit dem dringendsten Bedarf liegen. Das betrifft vor allem Singles wie Azubis, Studenten oder alleinstehende Rentner. Für sie müssten mehr kleine beziehungsweise sehr große Wohnungen geschaffen werden. Auch sollten sogenannte Fehlbeleger konsequent angegangen werden.  

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