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About this book

Das Standardwerk zur Werkstoffkunde erfährt seit über 40 Jahren regen Zuspruch. Ausgehend von einer einheitlichen werkstoffwissenschaftlichen Darstellung der Mikrostrukturen von Werkstoffen, ihren Bildungsbedingungen und den sich daraus ergebenden Stoffeigenschaften, werden die keramischen, metallischen sowie die Polymer- und Verbundwerkstoffe systematisch und praxisnah behandelt. Dabei werden neue Entwicklungen berücksichtigt, wie z.B. Supraleiter, Formgedächtnislegierungen, Biopolymere, Piezoelektrika und Nanostrukturen. Ebenso behandelt werden zahlreiche Aspekte der Werkstofftechnik sowie Stoffkreisläufe und Nachhaltigkeit.

Für die 12. Auflage wurde das Zahlen- und Bildmaterial aktualisiert, um gegenwärtige Entwicklungen zu berücksichtigen. Zudem wurde das Buch in ein neues Layout überführt, um die Lesbarkeit der elektronischen Version auf verschiedenen Endgeräten zu verbessern.

Die Zielgruppen

Das Buch bietet für Studierende der Ingenieurwissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen eine kompakte und systematische Darstellung der Werkstoffkunde und Werkstoffwissenschaft auf neuestem Stand.

Table of Contents

Frontmatter

Kapitel 1. Überblick

Zusammenfassung
Dieses Kapitel vermittelt einen ersten Eindruck von Werkstoffen, die bestimmte technische Eigenschaften besitzen müssen, dabei einfach herstellbar sein sollen und die Forderung der Wirtschaftlichkeit erfüllen müssen. Wir diskutieren Werkstoffe in einfachen, allgemeinen und speziellen Zusammenhängen und lernen das Wissensgebiet Werkstoffkunde kennen, das die Werkstoffwissenschaft und die Werkstofftechnik umfasst. Wir verschaffen uns einen ersten Eindruck vom mikroskopischen Aufbau der vier Werkstoffgruppen Metalle, Gläser/Keramiken, Kunststoffe und Verbundwerkstoffe. Wir lernen einige wichtige Werkstoffeigenschaften kennen. Es geht dann um zuverlässige Daten über Eigenschaften von Werkstoffen und in diesem Zusammenhang wird die Prüfung, die Normung und die Bezeichnung von Werkstoffen betrachtet. Schließlich befassen wir uns kurz mit der zeitlichen Entwicklung von Werkstoffen und führen den Begriff der Nachhaltigkeit ein.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Aufbau der Werkstoffe

Frontmatter

Kapitel 2. Aufbau fester Phasen

Zusammenfassung
Im zweiten Kapitel befassen wir uns mit dem Aufbau fester Phasen. Dabei beginnen wir bei Atomen und den chemischen Bindungen zwischen Atomen, die eng mit ihrer Elektronenstruktur zusammenhängen. Wir lernen die Ionenbindung, die metallische Bindung und die kovalente Bindung kennen. Desweiteren besprechen wir den regelmäßigen Aufbau von Kristallen, der das Bauprinzip dichteste Packung widerspiegelt. Wir werfen einen ersten Blick auf wichtige Gitterfehler (Leerstellen, Versetzungen und innere Grenzflächen), die die kristalline Ordnung stören und die wichtige Werkstoffeigenschaften stark prägen. Wir stellen den Kristallen die Gläser gegenüber, die wohl eine Nahordnung jedoch keine Fernordnung aufweisen und deshalb auch, imGegensatz zu den Kristallen, keinen festen Schmelzpunkt aufweisen. Im Vergleich zu den Kristallen weisen Gläser eine geringere Ordnung oder eine höhere Entropie auf. Auch die verknäuelten Ketten makromolekularer, polymerer Werkstoffe zählen wir zu den glasartigen (oder amorphen) festen Phasen. Abschließend kommen wir noch auf die Quasikristalle zu sprechen, die eine besondere Struktur mit fünfzähliger Symmetrie aufweisen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 3. Aufbau mehrphasiger Stoffe

Zusammenfassung
Im vorigen Kapitel hatten wir uns mit dem Aufbau reiner fester Phasen beschäftigt. Werkstoffe bestehen jedoch in der Regel aus mehreren Elementen und ihre Mikrostrukturen sind in der Regel nicht einphasig sondern mehrphasig. Deshalb geht es in diesem Kapitel um Mischphasen und um Phasengemische. Wir besprechen einige thermodynamische Grundlagen heterogener Gleichgewichte und lernen Zwei- und Mehrstoffsysteme kennen. Dann behandeln wir erste Grundlagen von Strukturbildungsprozessen. Dazu gehört die Keimbildung zu Beginn einer Phasenumwandlung, die wir zunächst am Beispiel des Erstarrens einer Schmelze diskutieren. Daran schließt sich die Ausscheidung aus übersättigten Mischkristallen an, die oft zur Bildung metastabiler Phasen führt, die das Verhalten von Werkstoffen bestimmen (wie zum Beispiel das Karbid Fe\(_{3}\)C im Stahl). Wir werden auch sehen, wie sich viele Strukturbildungsprozesse auf der Grundlage von Zustandsdiagrammen diskutieren lassen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 4. Grundlagen der Wärmebehandlung

Zusammenfassung
Über die Wärmebehandlung von Werkstoffen werden viele wichtige Werkstoffeigenschaften eingestellt und wir müssen deshalb die Grundlagen der Wärmebehandlung verstehen. Deshalb befassen wir uns in diesem Kapitel zunächst mit der Diffusion, die die Beweglichkeit von Atomen in Festkörpern beschreibt. Wir lernen die beiden Fickschen Gesetze kennen und wir werden sehen, dass der erste Schritt zur Lösung eines Diffusionsproblems im Erarbeiten einer geeigneten Lösung des zweiten Fickschen Gesetzes besteht, die die Entwicklung von Konzentrationen im Verlauf von Diffusionsprozessen als Funktion von Zeit und Ort beschreibt. Wir behandeln dann die Erholung und die Rekristallisation, zwei Prozesse, die bei einer Wärmebehandlung im Anschluss an eine Kaltverformung (bei der die Versetzungsdichte ansteigt) auftreten. Es folgen Überlegungen zur Entstehung glasartiger Strukturen und zur Ausscheidung aus übersättigten Mischkristallen bzw. zur Kristallisation in polymeren Phasen. Dem schließen sich Betrachtungen zur thermischen Stabilität von Mikrostrukturen an, man muss verstehen, warum kleine Teilchen im Werkstoff vergröbern oder warum Körner wachsen, wenn man den Werkstoff bei hohen Temperaturen auslagert. Nach den diffusionskontrollierten Strukturbildungsprozessen wird die martensitische Umwandlung, eine diffusionslose Umwandlung, besprochen, die sowohl bei der Stahlhärtung als auch bei den faszinierenden Formgedächtniseffekten eine Rolle spielt. Abschließend diskutieren wir den allgemeinen Fall des Entstehens heterogener Gefüge und einige Besonderheiten von Nanostrukturen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Eigenschaften der Werkstoffe

Frontmatter

Kapitel 5. Mechanische Eigenschaften

Zusammenfassung
Die mechanischen Eigenschaften von Werktstoffen legen fest, für welche Anwendungen sie eingesetzt werden können. Ein Konstrukteur braucht Werkstoffkennwerte, auf deren Grundlage er Bauteile auslegen kann. Ein Werkstoffhersteller muss wissen, was zu tun ist, um die mechanischen Eigenschaften von Werkstoffen zu verbessern. Vor diesem Hintergrund verschaffen wir uns zunächst einen Überblick über die verschiedenen mechanischen Eigenschaften eines Werkstoffs. Wir behandeln dann die Elastizität von Werkstoffen und lernen den Elastizitätsmodul E und den Schubmodul G kennen. Wir behandeln dann die Kristallplastizität, die wir auf der Grundlage von Versetzungen diskutieren, die sich oberhalb einer kritischen Spannung, der Fließspannung \(R_\mathrm{p}\), ausbreiten und vermehren. Wir besprechen dann das Kriechen und die Spannungsrelaxation, Phänomene, die mit plastischer Verformung bei hoher Temperatur verbunden sind. Dann beschäftigen wir uns mit Rissen und führen die Spannungsintensität K ein. Dabei diskutieren wir Rissausbreitung sowohl unter statischen als auch unter dynamischen Belastungsbedingungen. Es folgen Betrachtungen zu inneren Spannungen in Werkstoffen, zur Gummielastizität und zur Viskosität von Flüssigkeiten und Gläsern. Dann besprechen wir mechanische und mikrostrukturelle Aspekte der Dämpfung und behandeln mehrachsige Belastungszustände und Werkstoffanisotropie. Abschließend betrachten wir mit der Härtemessung, dem Kerbschlagversuch und dem Näpfchenziehversuch technische Prüfverfahren, die für die vergleichende Beurteilung von Werkstoffen, für die Werkstoffauswahl und für die Beurteilung von Fertigungsverfahren wichtig sind.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 6. Physikalische Eigenschaften

Zusammenfassung
In diesem Kapitel behandeln wir eine Reihe von Eigenschaften, die nicht mechanischer und nicht chemischer Natur sind und die wir deshalb unter dem Oberbegriff physikalische Eigenschaften zusammenfassen. Die hier genannten Eigenschaften spielen für so genannte Funktionswerkstoffe eine Rolle, die Strom, Licht und Wärme leiten, als Speicher für Energie und Information dienen oder Sensor- und Aktoraufgaben erfüllen. Wir beginnen mit kernphysikalischen Eigenschaften und diskutieren Reaktionen in Kernreaktoren und Zustandsdiagramme von Kernbrennstoffen. Dabei lernen wir auch Strahlenschäden kennen, die für Werkstoffe in der Kerntechnik eine Rolle spielen. Dann besprechen wir elektrische Eigenschaften von Werkstoffen und diskutieren die Temperatur- und Gefügeabhängigkeit des spezifischen Widerstandes verschiedener Werkstoffe. Wir lernen den Aufbau einer Solarzelle, eines Bleiakkumulators und einer Brennstoffzelle kennen. Dann besprechen wir die Wärmeleitfähigkeit von Festkörpern. Es folgt eine Betrachtung des Magnetismus und die Einteilung ferromagnetischer Festkörper in weich- und hartmagnetische Werkstoffe. Daran anschließend behandeln wir die Supraleitung und die thermische Ausdehnung. Abschließend werden die Phänomene Formgedächtnis und Magnetostriktion besprochen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 7. Chemische und tribologische Eigenschaften

Zusammenfassung
Nach den mechanischen und physikalischen Eigenschaften besprechen wir in diesem Kapitel chemischen Eigenschaften von Werkstoffen, die in der Regel durch Oberflächenreaktionen bestimmt werden. Oberflächenreaktionen können den Bruch eines Werkstoffes beschleunigen. Sie sind auch ein Bestandteil des Beanspruchungskollektivs, dem ein Werkstoff bei Verschleißbelastung standhalten muss. Wir verschaffen uns zunächst eine Übersicht über verschiedene Oberflächenreaktionen. Dann werden die elektrochemischen Grundlagen besprochen wie die Eigenschaften von Elektrolyten und die Spannungsreihe der Metalle. Es folgt ein Überblick über die Korrosion in wässrigen Lösungen (nasse Korrosion). Dann wird das Verzundern, die Korrosion von Metallen in heißen Gasen besprochen. Wir besprechen dann die Spannungsrisskorrosion, und diskutieren die Rolle von Grenzflächenenergien bei Oberflächenreaktionen. Abschließend folgt eine genaue Betrachtung von Reibungs- und Verschleißphänomenen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Die vier Werkstoffgruppen

Frontmatter

Kapitel 8. Keramische Werkstoffe

Zusammenfassung
Zu den keramischen Werkstoffen zählen wir eine große Zahl nichtmetallischer und anorganischer Werkstoffe, bei denen der elektrische Widerstand (im Gegensatz zu den Metallen) mit steigender Temperatur abnimmt. Keramiken zeichnen sich in der Regel durch hohe Druckfestigkeit, hohe Temperaturbeständigkeit und eine hohe chemische Beständigkeit aus. Keramiken können kristallin und amorph (als Glas) vorliegen. Es gibt einatomare keramische Stoffe, wie Graphit oder Diamant. Zu den nichtoxidischen keramischen Stoffen gehören Hartstoffe wie SiC oder Si\(_3\)N\(_4\) (Karbide und Nitride). Oxidkeramiken, und insbesondere keramische Werkstoffe, die sich vom Dreistoffsystem SiO\(_2\)-CaO-Al\(_2\)O\(_3\) ableiten, spielen als feuerfeste Werkstoffe eine wichtige Rolle. Gläser entstehen durch schnelles Abkühlen von SiO\(_2\)-Schmelzen. Das Fensterglas besteht aus einem unregelmäßigen Netzwerk von [SiO\(_{4}\)]\(^{4-}\) -Tetraedern, in welches Na\(^{+}\)-Ionen eingelagert sind. Wir diskutieren in diesem Kapitel die besonderen mechanischen Eigenschaften von Gläsern, insbesondere ihre stark temperaturabhängige Viskosität. Abschließend besprechen wir diejenigen Keramiken, die als Baustoffe zum Einsatz kommen, insbesondere Zement und Beton.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 9. Metallische Werkstoffe

Zusammenfassung
Ein großer Teil der chemischen Elemente sind Metalle. Diese weisen wegen der Natur der metallischen Bindung eine gute elektrische Leitfähigkeit und eine gute Wärmeleitfähigkeit auf und lassen sich meist einfach plastisch verformen. Reine Metalle sind in der Regel nicht direkt als Werkstoffe verwendbar, sie sind zu weich. Durch Legieren und geeignete mechanische und thermische Behandlungen kann man die Festigkeit metallischer Werkstoffe steigern. Dies gelingt über Mischkristallhärtung, Ausscheidungshärtung, Härtung durch Kaltverfestigung und Umwandlungshärtung. Festigkeitssteigerung in metallischen Werkstoffen erreicht man, wenn man die Bildung von Versetzungen erschwert bzw. deren Beweglichkeit behindert. Die Ausscheidungshärtung spielt zum Beispiel in Aluminiumlegierungen und Nickellegierungen eine Rolle. Umwandlungshärtung kennen wir vom Stahl (martensitische und bainitische Härtung), dem heute immer noch wichtigsten metallischen Werkstoff. Am Beispiel von Stahl lernen wir kennen, dass verschiedene Wärmebehandlungen zu verschiedenen Mikrostrukturen und damit bei gleicher chemischer Zusammensetzung zu unterschiedlichen Eigenschaften führen. Beim Erstarren metallischer Schmelzen entstehen meist kristalline Festkörper. Schmelzmetallurgisch lassen sich Ein- und Vielkristalle herstellen. Unter bestimmten Bedingungen kann es aber auch zur Bildung metallischer Gläser kommen, deren Atome keine regelmäßige Anordnung aufweisen. Metallische Bauteile können schmelz- und pulvermetallurgisch, in großen (Turbinenrotoren) und kleinen Abmessungen (medizinische Stents) hergestellt werden. Man kann ihre Oberfläche zum Beispiel durch Behandlung mit einem Laserstrahl härten oder verglasen. In diesem Kapitel lernen wir, warum metallische Werkstoffe sich besonders gut als Strukturwerkstoffe eignen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 10. Polymerwerkstoffe

Zusammenfassung
Polymere Werkstoffe sind leicht und weisen eine niedrige elektrische Leitfähigkeit und sehr gute Korrosionsbeständigkeit auf. Sie lassen sich bei niedrigen Temperaturen verarbeiten. Außerdem sind sie flexibel (Gummi) und weisen relativ hohe Atomabstände auf, weshalb sie auch als Membranen Anwendung finden. Man braucht einige Grundkenntnisse aus der organischen Chemie, um polymere Werkstoffe verstehen zu können. Grundbausteine von Polymeren sind Makromoleküle, in denen sich viele Monomere zu einer Kette aus vielen hundert Monomeren verbinden. Eine wichtige Rolle beim Aufbau einer Kette spielt die sp\(^{3}\)-Hybridisierung der Kohlenstoffatome. Die Kohlenstoff-Ketten können unvernetzt (Thermoplaste), leicht vernetzt (Elastomere) und stark vernetzt sein (Duromere). Sie können ungeordnete Knäuel oder ausgerichtete kristallähnliche Strukturen bilden. An den Ketten können in unregelmäßigen oder regelmäßigen Abständen Reste hängen. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns zunächst mit den Grundlagen der polymeren Werkstoffe. Wir lernen dann den atomaren Aufbau einiger wichtiger Vertreter kennen. Wir diskutieren Morphologien von polymeren Werkstoffen und besprechen die wesentlichen Eigenschaften von Thermoplasten, Duromeren und Elastomeren. Abschließend gehen wir auf die Eigenschaften von besonderen Kunststoffen ein (Schäume, Hochtemperaturkunststoffe und natürlich abbaubare Polymere) und beschäftigen uns mit nahen Verwandten der polymeren Werkstoffen, den Schmierstoffen.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 11. Verbundwerkstoffe

Zusammenfassung
Verbundwerkstoffe stellt man her, indem man verschiedene Werkstoffe (wie Glasfasern und Kunststoff oder Aluminiumlegierungen mit Aluminiumoxidfasern) kombiniert. Man kann maßgeschneiderte Eigenschaften einstellen, die die Werkstoffe, aus denen der Verbundwerkstoff aufgebaut ist, alleine nicht aufweisen. Oft werden auch zwei- und mehrphasige Gefüge zu den Verbundwerkstoffen gerechnet (Ausscheidungsteilchen und Matrix). Will man die Eigenschaften von Verbundwerkstoffen verstehen, muss man zunächst die räumliche Anordnung der verschiedenen Bestandteile des Verbundwerkstoffs im Gefüge betrachten. Kugeln, Fasern, Stäbe und Platten einer Phase (bzw. eines Werkstoffs) können in verschiedenen Volumenbruchteilen in unterschiedlicher Homogenität und Ausrichtung im Gefüge des Verbundwerkstoffs verteilt sein. Die Eigenschaften des Verbundwerkstoffs können aus den Eigenschaften seiner Einzelbestandteile über geeignete Mischungsregeln abgeschätzt werden. Faserverstärkte Werkstoffe haben in der Werkstofftechnik besonderes Interesse gefunden, weil sie erlauben, Werkstoffe in bestimmten Richtungen gezielt zu verstärken. Der Stahlbeton stellt einen im Bauwesen wichtigen Spezialfall eines Verbundwerkstoffs dar. Hier sorgen Stahlstäbe unter Zugspannung dafür, dass auch Zugbelastungen ertragen werden können. Am Beispiel von Stahlbeton lernen wir verstehen, warum die Ausdehnungskoeffizienten der beiden Elementarwerkstoffe möglichst ähnlich sein sollen, dass eine gute Haftung zwischen Faser und Matrix vorliegen soll und dass der Beton die Stahlstäbe vor Korrosion schützen muss. Hartmetalle (wie zum Beispiel Wolframkarbid/Kobalt) oder Cermets, wie man sie häufig bezeichnet (ceramics, metals), stellen ein Gemisch aus einem höheren Anteil keramischer und einem meist kleineren Anteil metallischer Phase dar. Zu den Verbundwerkstoffen zählen wir auch Systeme, wo auf die Oberfläche eines Werkstoffs eine Schicht aus einem zweiten Werkstoff aufgebracht wird. Im Falle von Verbundwerkstoffen spielt das Wissen um deren Herstellung eine besondere Rolle. Das Verständnis der Eigenschaften der Verbundwerkstoffe verlangt ein gutes Verständnis ihres Aufbaus und der chemischen, physikalischen, mechanischen Wechselwirkung ihrer Komponenten.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Werkstofftechnik

Frontmatter

Kapitel 12. Werkstoff und Fertigung

Zusammenfassung
Werkstoffeigenschaften ermitteln wir an Proben, die wir Halbzeugen oder Bauteilen entnehmen. Ein Halbzeug wird in einem Fertigungsprozess zum Bauteil oder Produkt weiterverarbeitet, wie zum Beispiel ein Blech, das in einem Tiefziehprozess zu einer Fahrzeugtür geformt wird (Umformen). Es gibt auch Fälle, wo Bauteile endkonturnah gefertigt werden, wie zum Beispiel im Vakuumfeinguss hergestellte Turbinenschaufeln (Urformen). Die Form von Halbzeugen ist in der Regel genormt und ihre Herstellung ist an bestimmte Prozessparameter gebunden. Ein Werkstoff muss zwei Bedingungen erfüllen. Er muss zu konkurrenzfähigen Kosten in eine vom Konstrukteur gewünschte Form gebracht werden können und im Gebrauch die erforderlichen Eigenschaften aufweisen. In diesem Kapitel führen wir die Begriffe Halbzeug und Bauteil ein und überlegen uns, dass für die Herstellung eines Bauteils immer mehrere Fertigungsschritte erforderlich sind. Wir lernen verschiedene Urformprozesse kennen, zu denen das Sintern (Pulvertechnologie), das Gießen (Schmelztechnologie) und das Aufdampfen gehören. Wir besprechen mehrere Gießprozesse und lernen auch die Herstellung von Halbleiterbauelementen kennen. Dann beschäftigen wir uns mit technisch wichtigen Umformprozessen wie dem Freiformschmieden, dem Gesenkschmieden und dem Walzen. Am Beispiel des Walzprozesses machen wir uns klar, dass wir die Mikrostruktur des Werkstoffs beim Umformen verändern. Kunststoffe können in einer Spritzmaschine durch erzwungenes viskoses Fließen einfach in bestimmte Formen gebracht werden. Schließlich stellen Trennen, Fügen und verschiedene Arten von Nachbehandlungen wichtige Herstellungsschritte dar. Zur Werkstoffkunde gehört das Wissen über die Herstellung von Werkstoffen. In der Werkstofftechnik muss man Herstellungsverfahren kennen, ihre Möglichkeiten ausnutzen und ihre Grenzen berücksichtigen. Die Werkstoffwissenschaft hilft beim Verständnis der Strukturbildungsprozesse, die mit der Herstellung von Werkstoffen verbunden sind.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

Kapitel 13. Der Kreislauf der Werkstoffe

Zusammenfassung
In diesem Kapitel diskutieren wir die Bedeutung von technisch nützlichen Werkstoffen vor dem Hintergrund der Knappheit von Ressourcen, der zunehmenden Umweltbelastung und der zunehmenden Bedeutung des Recyclings. Solche Zusammenhänge werden auf der Grundlage von Stoffkreisläufen und Energiebilanzen diskutiert. Heute ist nicht mehr die Menge an produzierten Werkstoffen das alleinige Maß für die Leistungsfähigkeit einer technischen Gesellschaft. Entscheidend ist vielmehr, dass man leistungs- und konkurrenzfähige Werkstoffe bereitstellen kann, die mit möglichst wenig Masse eine hohe Funktionsdichte bereitstellen. Wir machen uns klar, was technischer Nutzen bedeutet und dass es eine enge Verbindung zwischen Werkstoffen und Energie gibt. Wir besprechen Gesichtspunkte, die bei der Auswahl von Werkstoffen wichtig sind und machen uns Gedanken zum Verbrauch an Lebensdauer während der Nutzung eines Werkstoffs und schließlich über die begrenzte Lebensdauer von Werkstoffen und Werkstoffversagen. Diese Aspekte müssen bei der Werkstoffauswahl gegeneinander abgewogen werden, wobei in der Werkstofftechnik immer auch finanzielle Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Wir besprechen, auf welche Arten man Werkstoffe verbessern kann und unter welchen Bedingungen neue Werkstoffe technisch erfolgreich sein können. Schließlich machen wir uns klar, dass man einfache thermodynamische Konzepte heranziehen kann, um Stoffkreisläufe zu bewerten. Wir streben Werkstoffe mit möglichst guten Gebrauchseigenschaften an, die hohe Produktlebensdauern ermöglichen und die bei der Herstellung und Entsorgung die Umwelt möglichst wenig belasten. Schließlich stellen wir einen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit, technischem Nutzen, Werkstofflebensdauer und der Entropieänderung her, die mit dem Durchlaufen eines Werkstoffkreislaufes verbunden ist.
Erhard Hornbogen, Gunther Eggeler, Ewald Werner

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