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21-09-2015 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Article

Wie Daimler, BMW und VW E-Autos fördern

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Die deutsche Autoindustrie fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung für Elektrofahrzeuge. Die Hersteller selbst bieten bislang wenig Finanzierungsanreize.

Eigentlich wollte die Bundesregierung im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zählen. Fünf Jahre vor dem magischen Datum sind aber nicht einmal 20.000 E-Mobile hierzulande zugelassen. Das liegt nach Auffassung der Autohersteller an der mangelnden staatlichen Förderung. Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), forderte deshalb auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA), dass Elektroautos als Firmenfahrzeuge steuerlich absetzbar sein sollten. Gemeinsam mit Detlef Wetzel, Erster Vorsitzender der IG Metall, betonte er auf dem IAA-Symposium in Frankfurt, dass "Deutschland der führende Anbieter und ein wichtiger Markt für Elektroautos" sein könne. Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos in Deutschland unterwegs sein – so wolle es die Politik. Dazu müsse sie rasch und entschlossen die Voraussetzungen schaffen, sonst werde das Vorhaben scheitern, sagten beide. Wetzel plädierte für eine verbesserte Ladeinfrastruktur für Elektroautos und forderte ein Sofortprogramm für 10.000 Ladesäulen: "Der Staat und die private Wirtschaft sollen dafür jeweils 50 Millionen Euro investieren." Die Bundesregierung will bis zum Jahresende entscheiden, wie sie E-Autos fördert. Bis dahin müssen die Autohersteller den Absatz von Elektrofahrzeugen auf eigene Rechnung in Schwung bringen. Das tun sie aber kaum durch monetäre Anreize.

Die Mercedes-Benz Bank bietet zur Finanzierung der neuen B-Klasse Electric Drive, die zu 100 Prozent elektrisch fährt, Leasingverträge an. Zusätzlich gibt es das „B flexible Package“. Darin sind Gutschriften für die kostenlose Nutzung von Mercedes-Benz Rent-Fahrzeugen sowie Angebote des Mobilitätsdienstleisters Moovel eingeschlossen. Wer also statt mit der B-Klasse mit einem größeren Fahrzeug in Urlaub fahren will oder mit dem Smart in die Stadt kutschieren will, kann so rasch und ohne Zusatzkosten auf ein anderes Fahrzeug umsteigen.

Mobilität der Zukunft ermöglichen

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Mercedes-Benz will damit die „Mobilität der Zukunft“ ermöglichen. Das eigene E-Auto wird mit einem Carsharing-Angebot und in einzelnen Städten mit dem öffentlichen Personennahverkehr kombiniert. Allerdings ist das Angebot kein Schnäppchen. Während eine B-Klasse mit 30.000 Kilometer Jahresfahrleistung und mit 36 Monaten Vertragslaufzeit als Benziner einen effektiven Jahreszins von 4,30 Prozent kostet, wird für die Electric Drive-Version bei gleichen Bedingungen 4,94 Prozent verlangt. Förderung sieht anders aus.

BMW bietet zur Zeit lediglich eine Aktion zur Finanzierung eines BMW i3 an. Der effektive Jahreszins beläuft sich bei einer Zielfinanzierung bis zu 60 Monaten auf 3,99 Prozent. Außerdem gibt es für das geleaste oder finanzierte E-Modell zusätzliche eine Versicherungsflatrate. Weitere Sonderprogramme für emissionsfreie Fahrzeuge sind bei den Münchnern nicht im Programm.

Dienstleistungen stehen im Vordergrund

Bei Volkswagen Financial Services (VWFS) gibt es derzeit überhaupt keine Finanzierungsanreize für E-Mobile. Anthony Bandmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Bank und für das Deutschland-Geschäft der Finanztochter verantwortlich, baut stattdessen an einem „Mobilitätsgeschäft aus einer Hand“. Im Vordergrund stehen dabei digitale Mobilitätsdienstleistungen, wie mobiles Bezahlen rund ums Auto. So hat VWFS gerade durch eine Mehrheitsbeteiligung von 92 Prozent an dem auf Parkraumbewirtschaftung spezialisierten Dienstleister Sunhill Technologies aus Erlangen ihr Produktportfolio um dessen mobile Bezahlplattform erweitert. Über eine App des Anbieters können Kunden unterschiedliche Dienstleistungen wie Mobile Payment und Mobile Ticketing für das Bezahlen von Parkgebühren über das Smartphone abwickeln.

Anfang Dezember 2014 hatte VWFS zudem die Tank- und Servicekarte „Charge & Fuel Card“ eingeführt. Die Bezahlkarte ermöglicht privaten und gewerblichen Nutzern von E- und Plug-in-Hybrid-Modellen von VW und Audi seit Januar 2015, bundesweit sowohl Strom als auch herkömmlichen Kraftstoff zu einheitlichen Konditionen der Partner zu tanken und per integrierter Abrechnung über die Karte zu bezahlen. Davon profitierten vor allem Flottenkunden, die „Fuhrparks mit verschiedenen Antriebsarten managen“, meint Gerhard Künne, Sprecher der Geschäftsführung bei Volkswagen Leasing. Bisher rechneten die einzelnen Stromanbieter jeden Ladevorgang dezentral und zu unterschiedlichen Konditionen ab. Dabei mussten Fahrer viele unterschiedliche Karten, Codes und Authentifizierungen bereithalten. Für die integrierte Tankkarte von VWFS wird keine Gebühr fällig. Zusätzlich kann bargeldlos an rund 10.800 Tankstellen im Netz des Unternehmens UTA Kraftstoff getankt und weitere Dienstleistungen wie Autowäschen können mit der Karte bezahlt werden.

Apps für vernetzte Informationen und Car Sharing

Über eine begleitende, kostenlose „Charge & Fuel App“ können sich Fahrer von E-Fahrzeugen mit dem Ladesäulen-Finder mehr als 1.200 öffentliche Strom-Ladestationen der Unternehmen RWE, EnBW und Ladenetz anzeigen lassen. Die App ist in Kombination mit der Karte auf Android- und iOS-Geräte ausgelegt und liefert Informationen zur Verfügbarkeit der Ladesäulen, Ladevorgang, Ladedauer sowie Ladekosten. Eine internationale Tank- und Servicekarte für die Flotten aller VW-Konzernmarken soll 2016 an den Markt gehen und bis 2017 in 24 Ländern zum Einsatz kommen. Seit zwei Jahren bietet Volkswagen darüber hinaus selbst Strom zum Betrieb von E-Autos, beispielsweise für den Betrieb des Großserien-Modells „e-up!“, an. Kooperations- und Vertriebspartner sind dabei die Unternehmen Lichtblick und die Volkswagen Bank, bei der das Angebot online bestellt werden kann.

Opel will laut Erhard Paulat, Vorsitzender der Geschäftsführung der Opel Bank, seine Modelloffensive beschleunigen und bis zum Jahr 2020 auch ein Elektrofahrzeug auf den Markt bringen. Die Herstellerbank werde den Autobauer "bei diesem Vorhaben unterstützen", so Paulat. Autobanken seien gemeinsam mit den Herstellern gefragt, neue Mobilitätsdienstleistungen anzubieten. Vor kurzem hat Opel die markenübergreifende private Carsharing Community "Car Unity Carsharing" gestartet. Registrierte Nutzer können mit einer App des Autoherstellers ihr eigenes Auto anderen Menschen zur Verfügung stellen. Die Opel Bank unterstützt den Dienst mit einem Versicherungspaket in Kooperation mit der R+V Versicherung.

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