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17-04-2019 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Article

Anleger wollen mehr Transparenz bei nachhaltigen Anlagen

Author:
Barbara Bocks
3 min reading time

Nachhaltig zu investieren ist zwar noch keine breite Strategie, wird aber bei Privatanlegern immer beliebter. Nur bei der Transparenz hapert es noch. Warum sich der Aufwand für Kreditinstitute lohnt.

Für die Mehrheit der institutionellen Investoren spielen Umwelt- und Sozial-Aspekte neben finanziellen Kriterien sowie Corporate Governance eine immer wichtigere Rolle, wenn sie Unternehmen bewerten und Anlage-Entscheidungen treffen. Und das gilt nicht nur für Investoren mit dem Spezialfokus auf nachhaltige Anlagen nach ESG (Environment, Social, Governance)-Standard. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Aktieninstituts und Rothschild & Co., die Anfang April veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden 18 institutionelle Investoren mit einem verwalteten Gesamtvermögen in Höhe von 14,4 Billionen Euro interviewt.

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Nachhaltigkeit in der Finanzbranche

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ für die Finanzbranche? Wie ist der Status Quo der Durchdringung des Themas bei Finanzdienstleistern? Welche Bedeutung hat bzw. sollte eine nachhaltige Ausrichtung für die Branche haben?

Auch Privatkunden beschäftigen sich immer häufiger mit nachhaltigen Anlagen. Einer aktuellen Studie zufolge wünschen sich 87 Prozent der Befragten ein staatliches Gütesiegel für nachhaltige Geldanlagen, um zu erkennen, welche Wertpapiere sich nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien richten. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Unternehmensberatung Cofinpro unter knapp 1.000 Teilnehmern hervor, die im März veröffentlicht wurde.

Vergleichbare Produktpalette fehlt noch

Bisher sei Nachhaltigkeit bei Geldinstituten maximal ein untergeordnetes Entscheidungskriterium bei der Produktauswahl und im Beratungsprozess, erklärt Melanie Konrad, Wertpapierexpertin bei Cofinpro, gegenüber Springer Professional. "In der Praxis fehlt es bisher an einer breiten und vergleichbaren Produktpalette zu nachhaltigen Geldanlagen", so Konrad weiter. Und in den Geldinstituten selbst sei oftmals kein für die Berater transparentes Auswahlkriterium für nachhaltige Geldanlagen etabliert. "Es gibt bisher keinen breiten Marktstandard, den Berater sowie Kunden kennen und auf den sie sich verlassen können."

"Beratungsgespräche laufen nach standardisierten Prozessen ab, die insbesondere aufgrund regulatorischer Vorgaben ausgestaltet sind und die Abfrage nach den Kundenbedürfnissen zur Geldanlage vorsehen", erklärt die Expertin. Der Aspekt "Nachhaltige Geldanlage" spiele beispielsweise auch bei den durch den Vertrieb abzufragenden Kundenbedürfnissen im Rahmen der Zielmarktkriterien noch eine eher untergeordnete Rolle. Er stellt sich laut Konrad erst allmählich als wichtiges Auswahlkriterium heraus.

Aktionsplan integriert Nachhaltigkeit in Beratung

Auch die Aufsicht hat das Problem der fehlenden Transparenz erkant. So setzt der Aktionsplan der EU-Kommission vom März 2018 unter anderem im Beratungsgespräch an. In dem Bankmagazin-Artikel "Nicht nur nachhaltig, sondern auch transparent" bemängelt Angela McClellan, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) für die DACH-Region, dass die EU eine Chance verpasse, weil viele Legislativpakete des Aktionsplans aus ihrer Sicht sehr auf die Nische fokussiert sind. Allerdings begrüßt sie, dass das Thema Nachhaltigkeit in die Kundenberatung verpflichtend integriert wird. 

"Es gibt sehr viele Studien, die belegen, dass dadurch mehr Bewusstsein geschaffen wird und sich viele Kunden für nachhaltige Geldanlagen entscheiden, wenn man sie aktiv fragt, in was sie investieren möchten", so McClellan. Wenn man ihnen diese Frage nicht stelle, würden viele gar nicht darüber nachdenken.

Junge Anleger interessiert Nachhaltigkeit

Dass es sich für Kreditinstitute lohnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, davon ist auch Melanie Konrad überzeugt. "Vor allem bei jungen Anlegern ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema in der Geldanlage", argumentiert Konrad. Es entspreche mehr und mehr dem Lifestyle, dass sich Nachhaltigkeit neben den Auswirkungen im Konsum auch in der Geldanlage zu einem langfristigen Trend entwickele. Nicht mehr nur Grüne Smoothies oder Ökostrom sind gefragt, sondern auch Grüne Investments. Geldhäuser können sich Konrad zufolge mit den passenden Angeboten neue Zielgruppen erschließen und sichern.

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