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2023 | OriginalPaper | Chapter

15. Wirtschaftsförderung als Instrument politischer Steuerung in Krisenzeiten: Potenziale und Grenzen eines strategischen Machtmittels

Authors : Christian Blum, Dominik Meier

Published in: Wirtschaftsförderung in der Krise

Publisher: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Wirtschaftsförderung ist parteiübergreifend ein beliebtes Instrument der politischen Steuerung und ein Machtmittel, um in der ökonomischen Sphäre Einfluss zu sichern. Dabei steht sie seit jeher in der Kritik: als Milliardengrab ohne volkswirtschaftlichen Pay-Off und neo-merkantili stische Stütze unprofitabler Branchen. In diesem Beitrag zeichnen wir aus der Perspektive der strategischen Politikberatung die Gesetzmäßigkeiten, Risiken und Zielkonflikte der Wirtschaftsförderung nach. In einem Fünf-Punkte-Programm legen wir dar, unter welchen Bedingungen Wirtschaftsförderung dennoch gelingen und die Interessen von politischen Repräsentanten und Unternehmenslenkern erfolgreich integrieren kann.

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Footnotes
1
In seinem lesenswerten Beitrag in McK Wissen „Wie geht eigentlich Wirtschaftsförderung? Oder anders gefragt: Geht Wirtschaftsförderung eigentlich?“ von 2003 zeigt sich Ralf Grauel zumindest skeptisch.
 
2
Die durch Machtressourcen gestützte Einflussnahme politischer Entscheidungsträger auf andere Gesellschaftsbereiche (Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Religion etc.) und, umgekehrt, deren Ansinnen, in der politischen Arena Interessen geltend zu machen, ist ein irreduzibler Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Machtprozesse und ein Wesenszug unserer sozialen Realität und Normalität (siehe Meier & Blum, 2018).
 
3
Dieser Umstand ist übrigens den allermeisten Unternehmenslenkern auch durchaus bewusst, und er dürfte erklären, warum z. B. die Lufthansa bereits im November 2021 die Coronahilfskredite und Einlagen des Bundes vorzeitig zurückgezahlt hat.
 
4
Diesen Archetypus haben wir in Meier und Blum (2018, S. 272 ff.) als homo consultans eingeführt. Das Aufgabenprofil des homo consultans, der faktisch seit der Antike – genauer, seit der Athenischen Stadtgesellschaft – ein fester Bestandteil soziopolitischer Ordnung ist, umfasst drei Kernpunkte: die Befähigung seiner Klienten zum Umgang mit Machtressourcen; die Gewinnung und Systematisierung relevanten Herrschaftswissens; und die Anleitung zur aktiven Gestaltung des politischen Feldes und anderer gesellschaftlicher Machtfelder.
 
5
In erweiterter Betrachtung müsste eigentlich von einem tridirektionalen Ansatz gesprochen werden, insofern die Einbeziehung des vorpolitischen Raumes mit seinen zivilgesellschaftlichen Akteuren ein weiteres, entscheidendes Erfolgskriterium ist. Wir werden diesen Punkt hier nicht weiter vertiefen, siehe jedoch Meier (2022).
 
6
Wir vertreten einen integrativen bzw. hybriden Gemeinwohlansatz: das Gemeinwohl steht nicht als objektive Größe unabhängig von Interessen und Verfahren der Präferenzaggregation fest, sondern entsteht post fest als Output kollektiver Willensbildungsprozesse – wobei dieser Output gleichwohl ein Set objektiver Rahmenbedingungen erfüllen muss, um als gemeinwohldienlich zu gelten; siehe hierzu Meier (2016), Blum (2015, 2020).
 
7
In der Tat ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen während der Coronakrise im Jahr 2020 sogar um 13 % gegenüber dem Vorjahr gesunken (siehe Röhl et al., 2021, S. 4).
 
8
Kurz gefasst besagt das berühmt gewordene wirtschaftswissenschaftliche Schweinezyklus-Theorem (engl. cobweb theorem), dass sich innerhalb eines dynamischen Marktgeschehens das Angebot mit zeitlicher Verzögerung an die Nachfrage anpasst (Ezekiel, 1938). Dies führt zu einem Überangebot, das den Preis drückt und eine Neuanpassung des Angebots zur Folge hat – auf welches wiederum der Markt reagiert; die Konsequenz ist ein periodisches Austarieren bzw. ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. In der Politik, die oft mit noch viel längeren Umsetzungszeiträumen bzw. Wirkungsverzögerungen umgehen muss, ist dieser Effekt exponentiell verstärkt.
 
Literature
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Metadata
Title
Wirtschaftsförderung als Instrument politischer Steuerung in Krisenzeiten: Potenziale und Grenzen eines strategischen Machtmittels
Authors
Christian Blum
Dominik Meier
Copyright Year
2023
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-41390-3_15