Skip to main content
main-content
Top

27-03-2017 | Zahlungsverkehr | Nachricht | Article

Ohne Mehrwert keine Akzeptanz

Author:
Elke Pohl
2:30 min reading time

Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme der Deutschen Kreditwirtschaft lud zum 12. Parlamentarischen Abend in die Räume der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin. Zentrales Thema waren kontaktlose Bezahlverfahren.

Kassel und Umgebung ist derzeit aufgrund der Girocard City der Nabel der bundesdeutschen Finanzwelt, was die Nutzung von Girocards mit Kontaktlos-Funktion betrifft. Seit 2015 wird dort der Live-Betrieb der Girocard in einem Pilotprojekt getestet, unter anderem an 1.500 Zahlungsterminals der Märkte von Edeka Handelsgesellschaft Hessenring. Deren Vertreter Dirk Schwarze, Geschäftsbereichsleiter Finanzen und IT bei Edeka, zog während des Parlamentarischen Abends in Berlin eine gemischte Bilanz der Einführungsphase. "Wir haben nach wie vor rund 60 Prozent Barzahler an unseren Kassen", berichtet er. "Deren Zahl nimmt zwar zugunsten von Kartenzahlern ab. Aber da die kontaktlose Girocard City eine Unterart der Kartenzahlung ist, wird sie auch nur von Kartenzahlern genutzt", erklärt Schwarze. Allerdings, fügte der Blogger und Wirtschaftsjournalist Rudolf Linsenbarth an, habe er den Eindruck, dass die Hemmschwelle, kleine Beträge mit der Karte und dann vielleicht auch kontaktlos zu bezahlen, durch die neuen Möglichkeiten sinkt. "Wie alle Techniksprünge muss auch dieser gelernt werden. In drei bis vier Jahren ist das Thema aus meiner Sicht durch und Alltag."

Gute Ergänzung zum Bargeld

Um das kontaktlose Bezahlen alltagstauglich zu machen, müssen aus Sicht von Nicole Maisch, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Kassel und Sprecherin für Verbraucherfragen, eine Reihe von drängenden Fragen beantwortet werden. Dazu zählen vor allem

  • Datensicherheit und Schutz vor Cyber-Angriffen, 
  • Haftungs- und Gewährleistungsfragen, 
  • Kosten und Transparenz sowie 
  • Wahlfreiheit und Nutzerfreundlichkeit. 

"Ich halte kontaktloses Bezahlen für eine gute Ergänzung zu bisherigen Bezahlmethoden – nicht mehr, aber auch nicht weniger", fasste sie zusammen. Matthias Hönisch, beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) für den Bereich Karten verantwortlich, betonte die große Sicherheit von Girocards. "Seit Jahren hat das Girocard-System bei rund drei Milliarden Transaktionen jährlich keinen einzigen Schadenfall zu verzeichnen." Allerdings appellierte er auch ausdrücklich an die Politik: "Will unser Land im Bereich modernen Bezahlens anschlussfähig bleiben, dürfen Regularien die Bewegungsfreiheit etablierter nationaler Akteure mit höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards nicht noch weiter eingrenzen", fügte er mit Blick auf die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 an, deren Umsetzung auf nationaler Ebene gerade im Bundestag diskutiert wird.

Mehrwerte und Informationen sind nötig

Vonseiten der Verbraucher gibt es jede Menge Unverständnis und Unsicherheit, was die Vielzahl von Zahlungssystemen betrifft, vor allem mit Blick auf Zahlungen per Smartphone, wie unterschiedliche Studien belegen. Aufgrund der erheblichen Entwicklungskosten werde diese Bezahlmethode nach Einschätzung von Matthias Hönisch auf alle Fälle Kosten für die Nutzer mit sich bringen. Dann seien Mehrwerte für die Kunden unabdingbar, davon zeigte sich Markus Schmidt vom Marktforschungsinstitut GfK überzeugt. Nur wenn diese eindeutig kommuniziert würden, könne sich die neue Technik in der Praxis durchsetzen.

Related topics

Background information for this content

01-06-2016 | Bankwirtschaft | Issue 6/2016

Plastikgeld ersetzt Münzen und Scheine

01-09-2015 | Titel | Issue 10/2015

Was Bargeld ersetzen kann

Related content

Premium Partner

    Image Credits