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12-03-2020 | Zahlungsverkehr | Im Fokus | Article

Strategien, die Banken im Zahlungsverkehr weiter bringen

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 min reading time

Die etablierten Institute müssen im Zahlungsverkehr kreativ werden, um vor allem junge Zielgruppen nicht zu verlieren. Die Strategien reichen dabei von eigenen Entwicklungen über Kooperationen bis hin zu gemeinsamen Vorstößen in Europa. Welche verspricht den meisten Erfolg? 

"Ob deutsche Geldhäuser auch in Zukunft etwas vom rund 830 Milliarden US-Dollar großen Paymentmarkt abbekommen, ist ungewiss. Wegen der Digitalisierung im Zahlungsverkehr könnten klassische Finanzinstitute nach einer Prognose des Beratungshauses Accenture bis 2025 weltweit rund 280 Milliarden US-Dollar verlieren. Als Grund dafür werden rückläufige Erträge aus Konto- und Kartengebühren genannt", schreibt Anja Kühner im Beitrag "Gemeinsam schneller vorankommen" in der März-Ausgabe von Bankmagazin. 

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Die Zukunft der Banken – Wie neue Geschäftsmodelle Banken grundlegend verändern

Dieser Beitrag setzt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung und veränderten Wettbewerbsbedingungen und Geschäftsmodellen für den Bankensektor auseinander. Der Fokus liegt auf der Erläuterung aktueller Entwicklungen und deren Auswirkungen auf das Betriebsmodell der Banken, insbesondere in den Bereichen Organisation, Prozesse, Personal und IT.

"Nicht zuletzt im Zahlungsverkehr können Anbieter von mobilen oder internetbasierten Bezahlverfahren, zum Beispiel Paypal oder Apple Pay, bei jüngeren, internetaffinen Kundengruppen, den sogenannten Digital Natives, Marktanteile gewinnen", meinen auch Bastian Joas, Tobias Popović und Thomas Bäumer im Buchkapitel "Digitalisierung im Zahlungsverkehr – Eine kritische Analyse der Chancen und Herausforderungen für Banken" (Seite 103).

Banken brauchen neue Geschäftsmodelle

Die Finanz- und vor allem Bezahlangebote der Fintechs, Digitalbanken und Tech-Konzerne erfreuen sich besonders bei der jüngeren Zielgruppe wachsender Beliebtheit. Um von den neuen, digitalen Zahlungsmethoden zu profitieren, rät Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte bei Accenture, unter anderem zügig neue Technologien einzusetzen und mit Hochdruck an innovativen Geschäftsmodellen zu arbeiten. 

"Der Digitalboom im Zahlungsverkehr bedeutet für Banken, dass sie dringend die Zusammensetzung ihrer Erträge überdenken und neue Ertragsquellen erschließen müssen", sagte der Experte bei Veröffentlichung des "Payments Survey 2019" im Oktober 2019. Um in Zukunft erfolgreich zu sein, benötigen Institute neue digitale Geschäftsmodelle, die One-Click-Zahlungen zur neuen Norm machen, so Hommel weiter.  

Drei mögliche Strategien für Retail-Banken

Was bedeutet dies nun für die etablierten Institute in Deutschland? "Grundsätzlich stehen Retail-Banken drei unterschiedliche Optionen zur Auswahl, um zukunftsfähige Strategien für ihre Zahlungsverkehrsaktivitäten im Kontext der Digitalisierung zu entwickeln", erläutern Joas, Popović und Bäumer auf Seite 108.

Drei Strategien für Banken im Zahlungsverkehr

Investitionsstrategie

Kooperationsstrategie

Wettbewerbsstrategie

Hier bauen die Institute ein eigenes digitales Zahlungsverkehrsangebot auf, das in das bestehende Produktportfolio integriert wird. Ziel: Die vorhandenen Kunden an sich zu binden und somit den Wechsel der Kunden zu einem Fintech zu verhindern. Neben der Eigenentwicklung kommt auch eine Beteiligung an einem Akzelerator oder eines Incubator in Betracht.


In diesem Fall wird eine enge Zusammenarbeit mit einem bereits etablierten Fintech angestrebt. Der Vorteil besteht in geringeren Investitionen im Vergleich zur reinen Eigenentwicklung sowie einer kürzen Time-to-Market.
 

Ähnlich wie bei der Investitionsstrategie konzentriert sich die Bank auf eine Eigenentwicklung. Diese wird als wettbewerbsfähiges Konkurrenzangebot zu bereits bestehenden Fintechs angeboten. Elementar ist hier aber eine enge Kooperation mit einem Wissenschaftspartner, der bereits in ein etabliertes Innovationsökosystem integriert ist.

Quelle: "Digitalisierung im Zahlungsverkehr – Eine kritische Analyse der Chancen und Herausforderungen für Banken", Bastian Joas, Tobias Popović und Thomas Bäumer, Seite 108

Eigeninitiative an Erfolgsfaktoren knüpfen

Egal für welche der Optionen sich eine Bank entscheidet, sie muss sich bei der Implementierung an fünf wichtige Erfolgsfaktoren orientieren, schreiben die Springer-Autoren. Das sind

  1. eine konsequente Kundenorientierung, von denen sich auch Fintechs bei der Produktentwicklung leiten lassen,
  2. aus der Kundenorientierung resultierende Produktinnovationen, bei denen Time-to-Market ein wesentlicher Faktor ist,
  3. ein flexibler Omni-Channel-Ansatz, der ein individuell auf die spezifischen Bedürfnisse der Kunden zugeschnittenes Produktportfolio permanent zur Verfügung stellt,
  4. vollständige Transparenz gegenüber den Kunden in Bezug auf alle wesentlichen Produkteigenschaften wie Preise und Kosten sowie
  5. Vertrauen und Sicherheit, etwa im Hinblick auf Datenschutz oder den Schutz der Privatsphäre.

Vor allem beim letzten Punkt sind Joas, Popović und Bäumer zufolge traditionelle Banken gegenüber Fintechs und anderen Konkurrenten im Vorteil. "Daher erscheint die Kooperationsstrategie als sinnvollste strategische Option, bei der die jeweilige Retail-Bank mit einem Fintech eng im digitalen Zahlungsverkehr zusammenarbeitet", sagt das Autoren-Trio sie auf Seite 111.

Europäische Initiative ist wichtige Grundlage 

Die deutschen Institute setzen zudem auf gemeinsame Projekte, was den Zahlungsverkehr betrifft. Trotz Apple Pay und Paypal sei die Girocard deutschlandweit führend bei bargeldlosen Zahlungen im Handel, erklärte Uwe Fröhlich, Co-Vorstandschef der DZ Bank Gruppe jüngst bei der Vorlage der Jahreszahlen seines Hauses. "Darüber hinaus brauchen wir europaweite Lösungen", forderte er. Deshalb beteilige sich die Gruppe gemeinsam mit dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken an der europäischen Payment Initiative. Er hofft nun, dass die Banken die "Aufbruchstimmung in der deutschen Kreditwirtschaft" für eine gemeinsame Strategie in Europa nutzen.

Der Spitzenverband Deutsche Kreditwirtschaft wolle die verschiedenen Bezahlverfahren hierzulande in eine einheitliche Systematik bringen, schreibt auch Christian Kemper im Beitrag "Der Zeit voraus sein" in der März-Ausgabe von Bankmagazin. "Das Projekt heißt X-Pay und soll auch mit der Pan European Payment Solution Initiative, kurz PEPS-I, kompatibel sein", so Kemper. Die europäische Lösung sei nötig, weil in einer digitalen und vernetzten Welt der Zahlungsverkehr nicht mehr nur in nationalen Grenzen gedacht werden könne, betonte Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, auf einer Sparkassen-Tagung im Dezember 2019. "Mit solchen digitalen Bezahlverfahren wird eine wichtige Grundlage für weitere Finanzdienstleistungen in Echtzeit gelegt."

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