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30-11-2020 | Zahlungsverkehr | Nachricht | Article

Europäisches Zahlverfahren soll bis 2025 kommen

Author: Anja Kühner

3:30 min reading time
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Kommt der digitale Euro und was tut sich im Europäischen Zahlungsverkehr EPI? Darüber sprachen Repräsentanten von Bundesbank, EZB, EU-Kommission und Privatbanken sowie Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf der virtuellen Bundesbank-Konferenz "Future of Payments in Europe".

Noch ist nicht entschieden, ob ein es digitales Zentralbankgeld (CBDC) – den sogenannten digitalen Euro – geben wird oder nicht. Die Euro-Notenbanken und die Europäische Zentralbank (EZB) diskutieren derzeit intensiv. Sollte er eingeführt werden, so wird das wohl noch einige Zeit dauern. 

Digitaler Euro mit Potenzial für Sparer

"Wenn wir uns für CBDC entscheiden sollten, wäre die vorsichtige Einführung eine immense logistische und technische Aufgabe und würde Zeit benötigen", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. In keinem Fall wollten Zentralbanken damit das Bargeld abschaffen. Zudem seien noch viele technische Fragen zu klären. Attraktives digitales Geld hätte jedenfalls "das Potenzial, das Sparen zu ersetzen, wenn es attraktiver als Spareinlagen ist".

Seit Mitte Oktober testet die EZB das auf einer Bitcoin-ähnlichen Blockchain basierende digitale Zentralbankgeld. Mitte kommenden Jahres soll die Entscheidung fallen, ob es eingeführt werden soll. Erst vor Kurzem hatte eine Taskforce um EZB-Direktor Fabio Panetta einen Bericht dazu veröffentlicht. Panetta betonte während der Konferenz, dass keine derzeitige Geld-Variante alle Anforderungen erfüllen würde – weder Bargeld noch Zahlungsverkehr seien für alle Bereiche gleichermaßen optimal einsetzbar. Es sei zudem sicherzustellen, dass der digitale Euro als Zahlungsmittel und nicht als Investmentprodukt diene.

Zahlungsverkehr für Wettbewerb offen halten

Zugleich forderte er eine Regulierung der großen Technologiekonzerne, damit der Zahlungsverkehrsmarkt offen für Wettbewerb bleibe: "Die Regulierung der Bigtechs ist nötig, damit deren datengetriebenen Geschäftsmodelle nicht die Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher einschränken", so Panetta. Es gehe derzeit um "nichts Geringeres als die Zukunft des Geldes".

Auch die irische EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness unterstrich die Bedeutung der digitalen Transformation des Zahlungsverkehrs und dankte der deutschen EU-Präsidentschaft, dass diese das Thema ganz oben auf ihre Agenda gesetzt hat. "Der digitale Euro ist der richtige Weg – aber vorher sind noch viele Fragen zu beantworten", so McGuinness. "Die EU-Kommission bewertet dazu derzeit die Notwendigkeit von weiteren Aktionen im Bereich Instant Payments."

Europa soll im digitalen Zahlungsverkehr innovativ bleiben

In die gleiche Richtung argumentierte auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz: "Private digitale Währungen sind keine Option." Daher unterstütze er die Zentralbanken dabei, die Nachfrage nach einer staatlichen Digitalwährung zu befriedigen. Zudem betonte Scholz die Notwendigkeit von europäischen Playern: "Bei digitalem und grenzüberschreitendem Zahlungsverkehr sollten nicht nur US-Unternehmen aktiv sein. Wir müssen beweisen, dass Europa innovativ ist."

Innovation durch die Einführung eines einheitlichen europäischen Bezahlverfahrens hat sich auch die European Payment Initiative (EPI) auf die Fahnen geschrieben. "Bis 2025 soll dies voll ausgerollt sein", sagte Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des Deutsche Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Eine Kartenlösung solle in ganz Europa einsetzbar sein, für Verbraucher ebenso wie für Händler, und zudem eine digitale Geldbörse und Personen-zu-Personen-Zahlungen (P2P) bieten. 

Zunächst solle "bis Ende nächsten Jahres eine P2P-Lösung angeboten werden, die es Nutzern erlaubt, Geld digital in ganz Europa zu transferieren". Schmalzl ist erst vor Kurzem zum Aufsichtsratsvorsitzenden der EPI-Interimsgesellschaft ernannt worden. Mit den inzwischen 18 Teilnehmern habe die Initiative eine gute Ausgangsbasis. "Wir erwarten, dass wir diese Initiative ausweiten und neue Mitglieder willkommen heißen, die mit uns einen europäischen Zahlungsverkehrschampion schaffen wollen", sagte Schmalzl.

Instant-Payment legt zu

Parallel zu diesen Vorhaben nimmt der Trend zu Instant-Zahlungen an Fahrt auf. Um diese europaweit zu ermöglichen, brachte das Eurosystem die Plattform TIPS (Target Instant Payment System) auf den Weg. Laut Ignazio Visco, Präsident der italienischen Zentralbank Banca d’Italia, kann TIPS "eine Grundlage für den digitalen Euro sein, denn es ist von seinem Design her skalierbar und hat keine Kapazitätsgrenzen".

Die Wichtigkeit von Instant Payment betonte auch das für Zahlungsverkehr zuständige Bundesbank-Vorstandsmitglied Burkhard Balz in seinem Schluss-Statement. "SEPA-Sofortzahlungen sind im Begriff, zur 'neuen Normalität' im Zahlungsverkehr zu werden. In Kombination mit einheitlichen digitalen Identitäten könnten sie Teil eines lebensfähigen, im Entstehen begriffenen offenen europäischen Finanzökosystems sein, das auf einer vertrauenswürdigen Kontobeziehung zwischen Banken oder anderen Zahlungsdienstleistern und Nutzern beruht." Um es in der Instant-Welt zu schaffen, sei die gesamteuropäische Reichweite aber entscheidend.

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