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21-10-2019 | Zahlungsverkehr | Im Fokus | Article

Regulierung und neue Player verlangen Banken viel ab

Authors:
Stefanie Hüthig, Marija Kojic
3:30 min reading time

Die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 sorgt für ein Rekordniveau an Kundenbeschwerden. Dazu kommt, dass Institute hierzulande eine enorme Summe an neue Payment-Konkurrenten verlieren könnten, wenn sie nicht gegensteuern.

Bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin häufen sich laut der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" die Beschwerden. Zwischen dem 14. September und 10. Oktober 2019 verzeichnete sie 1.049 Beanstandungen über Banken. Einer der Gründe liegt nach Einschätzung der Behörde in der gesetzlich bestimmten Umstellung, die sich unter anderem auf das Onlinebanking auswirkt. Dabei soll die zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 den Zahlungsverkehr für Verbraucher nicht nur sicherer machen, sondern auch Innovationen in diesem Bereich fördern.

Die Springer-Autoren Johannes Klocke und Heike Winter sind der Meinung, dass der Schutz personenbezogener Daten hierbei besonders wichtig ist. "Gerade in Deutschland mit seiner hohen Sensibilität für dieses Thema gilt der Schutz von Daten als ein ganz wichtiger Faktor für die Akzeptanz von Innovationen", erklären sie in "Bargeldloses Zahlen – Digitalisierung als Triebfeder für Innovation" (S.44).

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Neue Technologien verändern das Bezahlen im stationären Handel und beim Shoppen im Web. Banken und Sparkassen könnten dadurch Kunden verlieren. Doch dank Instant Payments soll der direkte Kontakt erhalten bleiben.

"Bezahlsysteme stehen stärker denn je im Rampenlicht, allen voran in Asien", erläutert Bain-Partner Imeyen Ebong, Leiter der Praxisgruppe Organisation im deutschsprachigen Raum, in einer Mitteilung der Beratungsgesellschaft von Anfang Oktober. Laut einer Studie seines Hauses zur Zukunft des Geschäftsfelds belaufen sich die weltweiten Erträge im Zahlungsverkehr auf rund 830 Milliarden US-Dollar. Besonders lukrativ seien grenzüberschreitende Zahlungen, die Marge liegt hier bei 3,4 Prozent.

Konkurrenz durch Nichtbanken

Doch vom großen Payment-Kuchen wollen längst nicht nur traditionelle Anbieter ein Stück haben. Eine weitere Untersuchung, dieses Mal aus dem Hause Accenture, kommt zu dem Ergebnis, dass Banken weltweit bis zu 15 Prozent der Umsätze aus Zahlungen an Nichtbanken verlieren könnten. Für deutsche Institute fällt die Prognose besonders düster aus, denn hierzulande stehen 6,7 Milliarden Euro pro Jahr auf dem Spiel. Als Grund geben die Studienautoren den verstärkten Druck durch rückläufige Erträge aus Konto- und Kartengebühren an. Um künftig im Zahlungsverkehr erfolgreich sein zu können, müssen Banken neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln, "bei denen One-Click-Payments die neue Norm sind und eine sichere, bequeme und reibungslose Nutzererfahrung bieten", rät Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte bei Accenture.

Auch Springer-Autor Volker Brühl, Geschäftsführer am Center for Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, hält Innovationen im Bankensektor für notwendig. "Dabei muss die Bank der Zukunft über eine flexible Wertschöpfungstiefe verfügen und situativ mit geeigneten Partnern strategische Allianzen eingehen können. Diese hohen Anforderungen an ein adaptives Geschäftsmodell lassen sich nur erfüllen, wenn die Banken ihre technologische Plattform radikal umbauen", mahnt er in "Banking 4.0 – Strategische Herausforderungen im digitalen Zeitalter" (Seite 12).

Europäische Banken schreiten zur Tat 

Die Banken wissen durchaus, dass sie handeln müssen, und zwar am besten gemeinsam, wenn sie sich im Zahlungsverkehr nicht von der neuen Konkurrenz überholen lassen wollen. Entsprechend meldete EBA Clearing, an der unter anderem Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) beteiligt sind, Mitte September den Entwicklungsstart einer so genannten paneuropäischen "Request to Pay" (R2P) Infrastruktur-Lösung. 

Das Kick-off-Meeting fand in Frankfurt am Main statt. 26 Geldhäuser aus elf Ländern unterstützen und finanzieren die Lösung, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 live gehen soll. Die R2P-Infrastruktur soll Zahlungsverkehrsprovidern dabei helfen, die Reichweite, die sie über Instant Payments aufgebaut haben, weiter auszubauen, und Innovationen fördern. Das ebenfalls von EBA Clearing bereitgestellte Instant-Payments-System RT1 verbindet heute rund 2.400 Provider aus 19 Ländern und steht für etwa 75 Prozent der SEPA Credit Transfers (SCT), die über EBA Clearing laufen.

Paneuropäisch ist auch die Mobile-Payment-Lösung Bluecode unterwegs. Das Unternehmen teilte Anfang Oktober die Zusage von zwei Millionen Euro an europäischen Fördergeldern mit. Mit ihrer Hilfe will das Unternehmen die Expansion in Europa weiter vorantreiben. Den europaweiten Rollout von Bluecode unterstützen zum Beispiel Schwergewichte wie die Sparkassen-Finanzgruppe und die chinesische Payment-Plattform Alipay.

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