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05-03-2019 | Zahlungsverkehr | Interview | Article

"Bei der digitalen Währung gibt es einen Wettlauf"

3:30 min reading time
Interviewee:
Rolf Wintergerst

ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Giesecke + Devrient (G+D). Neben seinen CEO-Aufgaben ist er unter anderem verantwortlich für Unternehmensstrategie und -entwicklung, Informationssysteme sowie Mergers & Acquisitions. 

Autor: Armin Hingst

Viele Experten sehen das Ende von Münzen und Scheinen nahen. Was Bargeld dennoch digitaler Währung voraus hat und wie Innovationen in der Branche entstehen, erklärt Experte Rolf Wintergerst im Gespräch.

Springer Professional: Herr Wintergerst, was ist wahr an den derzeit verstärkt geführten Diskussionen über die Zukunft des Bargeldes?

Rolf Wintergerst: Die Grundversorgungsfunktion ist ein Treiber für die Zukunft von Bargeld. Der andere ist die steigende Geldmenge. Ich war kürzlich auf einer Konferenz in Indonesien. Dort hat die Zentralbank berichtet, die Geldmenge erhöhe sich im folgenden Jahr um rund 20 Prozent. Im weltweiten Durchschnitt sind es vier bis fünf Prozent. Selbst im Kreditkartenland USA steigt die Menge, wenn auch nur um rund ein Prozent.

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Was fehlt dem digitalen Geld für den alltäglichen Bezahlverkehr?

Die Kriterien, die heute Bargeld bietet. Unter anderem etwa Anonymisierung oder Spaltbarkeit. Sie können einen 100-Euro-Schein in zehn Zehn-Euro-Scheine oder auch 50 Zwei-Euro-Münzen aufteilen. So etwas müsste ein digitales Verfahren ebenfalls bieten. Zudem sind Speicherung, Krypto-Schlüssel und Durchlaufverfahren heute technologisch noch nicht so verfügbar, wie man es für große Transaktionen bräuchte. Daher wird das voraussichtlich erst einmal nur in kleineren Schemata stattfinden. Wie beim Instant Payment, bei dem Sie mir oder ich Ihnen etwas überweise, was dann wiederum über einen geregelten Kontoverkehr läuft. Erst wenn diese Transaktionen einmal direkt Peer-to-Peer möglich sind, wie bei der Übergabe einer Münze, und zudem zentralbankgestützt, dann hätten wir eine digitale Währung. Das sind aber aktuell noch sehr viele Konjunktive.

Wann werden diese Konjunktive zur Realität?

Das ist schwer vorherzusehen. Ich könnte mir vorstellen, dass Länder wie China, die dazu verstärkt forschen und investieren, schneller vorankommen. Selbstverständlich machen auch wir uns Gedanken, wie das digitale Bezahlen und die digitale Währung technologisch aussehen können. Die optimale Lösung dafür haben wir noch nicht gefunden. Aber die hat noch keiner. Hier gibt es einen gewissen Wettlauf. 

Dabei unterstützen Sie auch gute Ideen außerhalb Ihres Unternehmens. Haben Sie ein Beispiel? 

Etwa das Inside-out-Venture, das wir gegründet haben. Es war ein Novum in unserem Haus. Mitarbeiter hatten eine Produktidee und einen Businessplan, den sie umsetzen wollten. Wir als Unternehmen fanden die Idee gut und haben uns entschlossen, die Gründung mitzufinanzieren. Voraussetzung war, dass die Beteiligten selbst Geld investieren und sich wie ein gewöhnliches Start-up um externe Investoren bemühen. So lassen wir die Idee alleine laufen, aber nicht unbeobachtet. Es gibt ein Corporate Landing Pack mit rechtlicher Beratung, aber wir übernehmen nicht die Gehaltsabrechnung oder die Buchhaltung. Im Moment halten wir an dem Unternehmen die Mehrheit, aber die Mitarbeiter sind beteiligt. Parallel suchen wir weitere Investoren, im zweiten Halbjahr hätten wir gern den ersten im Boot.

Worum geht es inhaltlich?

Das Start-up stellt ein Software-Development-Kit für die Absicherung von mobilen Apps fürs Internet zur Verfügung. Ein wichtiges Produkt, denn die Entwicklerteams von großen Applikationshäusern arbeiten oft immer noch nicht nach der Devise Security by Design, sondern kümmern sich erst nach der App-Entwicklung um das Thema Sicherheit. Daher sind viele mobile Applikationen recht unsicher. Es ist ein wachsender Markt, Sicherheitslösungen für die großen App-Entwickler anzubieten. Darum unterstützen wir das Start-up.

Und welche Innovationen bringen Ihnen Thinktanks und Hackathons?

Zum Beispiel zu einer Idee, wie sich die Produktivität von Cash Centern mit Bargeldlogistik besser messen lässt. Damit können Manager und ihre Vorgesetzten die Prozesse visualisieren und schneller bewerten. Es ist eine typische Aufgabenstellung für ein Start-up. Wir haben die Idee mit 50.000 Euro prämiert und sechs, sieben Entwickler beauftragt, daraus einen Prototyp zu machen. Damit konnten sie sich intern präsentierten, um einen Investor innerhalb des Unternehmens zu gewinnen. Mit einem digitalen Tochterunternehmen, das die Umsetzung interner wie externer Digital-Projekte unterstützt, entstand innerhalb weniger Monate ein sogenanntes Minimum Viable Product (MVP). Das erfüllt die Minimalanforderungen und zeigt, dass die Idee funktioniert. Nun steht das Produkt kurz davor, offiziell in unser Portfolio aufgenommen zu werden. Es wird als Software as a Service in die Vermarktung gehen.

Mehr Antworten zum Thema von Rolf Wintergerst lesen Sie in der Ausgabe 1/2019 von return – Magazin für Transformation und Turnaround.

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