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About this book

Dieses Herausgeberwerk präsentiert erfolgreiche Zertifizierungssysteme und deren Praxisanwendung. Es vermittelt Grundlagen für die Zertifizierungen von Produkten, Dienstleis­tungen und Managementsystemen in den Handlungsfeldern Nachhaltigkeit, Ökologie, Klimaschutz und Lebensmittelsicherheit. Es wird darge­legt, wie Zertifizierungen für die Umsetzung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ziele, die Erhaltung der Umwelt und die Erhöhung des Verbrauchervertrauens genutzt werden können und welche Voraussetzungen dabei zu beachten sind.

Die Wirtschaft setzt zunehmend auf Zertifikate und auch bei den Verbrauchern dienen Normen und Nachweise zur Orientierung und zur Absicherung von Kaufentscheidungen. Doch die weltweit mittlerweise über 1,1 Millionen Zertifkate repräsentieren unterschiedliche Transparenz und genießen differenziertes Vertrauen. In diesem Buch werden Erfahrungen sowie neue Ideen vorgestellt, wie Zertifizierungssysteme ihre Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft erhalten und weiterentwickeln können.

Table of Contents

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter

Die Welt der Zertifizierung

Die Zertifizierung von Produkten, Dienstleistungen und Managementsystemen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Zertifikate erleichtern Produkten und Unternehmen den Marktzugang. In der Unternehmenspraxis sind es die zertifizierten Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme, welche die häufigste Verbreitung finden. Die Wirtschaft stützt sich auf Zertifizierungen und auch bei Verbrauchern dienen Zertifikate zur Orientierung und zur Kaufentscheidung.

Rainer Friedel, Edmund A. Spindler

Kapitel I Die Bedeutung der Zertifizierung in Gesellschaft und Wirtschaft

Frontmatter

Warum unterstützt der WWF die Entwicklung und Umsetzung von Standards?

Zertifizierung ist für den WWF ein Instrument unter vielen, um den Massenmarkt schrittweise zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen und damit den Naturschutz voranzutreiben. Der WWF hat sich in den letzten 35 Jahren intensiv bei der Entwicklung und Implementierung von Zertifizierungsstandards engagiert, und im Rückblick kann Folgendes festgehalten werden; dass a) ein Standard, welcher in seiner Entwicklung und Ausführung nicht alle Betroffenen mit einbezieht, in seiner Glaubwürdigkeit eingeschränkt ist, b) Standards mit anspruchsvollen Kriterien im Bereich Ökologie und Soziales insbesondere für Kleinbauern schwierig umzusetzen sind c) und anspruchsvolle Standards massive Verbesserungen in den Produktionsmethoden anstoßen können und damit effektiv zur Verbesserung von ökologischen und sozialen Mißständen beitragen. Kurz zusammengefasst: Standards werden nicht alleine die Welt retten, das müssen wir alle zusammen schon selber tun und wir können Standards als ein Instrument dazu nutzen.

Jenny Walther-Thoß

Zertifizierung in deutschen Unternehmen – zwischen Wettbewerbsvorteil und Kostenfaktor

Mit steigender Nachfrage nach Zertifizierung in deutschen Unternehmen wachsen auch die Zertifizierungsscopes, dies besonders im Fair Trade, beim Thema Nachhaltigkeit und in der Lebensmittelsicherheit. Ein kurzer Einblick in den Stand derzeitiger wirtschaftswissenschaftlicher Theorien zeigt, dass die Vorteile der Zertifizierung überwiegen. Begründet werden die Vorteile anhand des Modells der „adversen Selektion“ von Georg Akerhof. Eine vom DNP (Deutsches Normungspanel) durchgeführte empirische Untersuchung zur Normungstätigkeit in deutschen Unternehmen in 2013 belegt die Anerkennung der Zertifizierung zusätzlich. Nach kurzer Erläuterung methodologischer Details der Studie wird belegt, dass in Deutschland nicht-monetäre Aspekte der Zertifizierung einen hohen Stellenwert einnehmen. Angewandte Standards im Qualitätsmanagement nach ISO 9001, Umweltmanagement nach ISO 14001 und Arbeitsschutz OHSAS 18001 werden am häufigsten genannt. Von gleich großer Bedeutung ist die Produktzertifizierung, welche Kundengewinnung und -bindung sowie internationale Wettbewerbsvorteile garantieren soll. Nachholbedarf haben kleinere Unternehmen, für sie dürften Kosten und Zeitaufwand derzeit eine Hürde darstellen.

Knut Blind, Axel Mangelsdorf

Zertifizierung in der Textilbranche – Einblicke in die Arena nachhaltiger Strategien

Ein Blick auf die vielschichtigen Probleme in der Textil- und Bekleidungsindustrie soll verdeutlichen, wie lohnend die Nutzung von Zertifizierungssystemen auch in der Textilbranche sein kann. Eine Bandbreite von Initiativen, Bündnissen, Kampagnen, Standards und Bio-Siegeln – insbesondere der GOTS-Global Organic Textile Standard – werden hier exemplarisch vorgestellt. So manche Aktivitäten und Pseudo-Engagements enden im „Greenwashing“. Was das bedeutet und wo dies hinführt, ist in diesem Beitrag beschrieben. Schlussendlich werden die verschiedenen Konzepte reflektiert sowie Lösungen und Handlungsempfehlungen aufgezeigt.

Katharina Schaus

Konzept und Funktionen von freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Konzept freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards als Schritt des internationalen Handels hin zu einer „grünen Wirtschaft“. Bereits etablierte Labels beeinflussen schon heute die Kaufentscheidung von Konsumenten bei diversen Gütern, und das System der Nachhaltigkeitsstandards findet teilweise mit Regierungsbeteiligung rasch Einzug in neue Produktsektoren. Abschnitt zwei des Beitrags stellt zunächst die Struktur und das Konzept freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards vor. Abschnitt drei gibt einen Rückblick über die Geschichte und Entwicklung der freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards, während im Abschnitt vier ihre Verlässlichkeit analysiert wird. Abschnitt fünf gibt einen Einblick in die Rolle freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards in der Entwicklungspolitik und Abschnitt sechs blickt auf die Einbindung freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards in staatliche Regulierungsprozesse. Herausforderungen und Einschränkungen bei der Anwendung der Standards werden in Abschnitt sieben vorgestellt. Der Beitrag schließt mit einem Fazit im Abschnitt acht.

Berthold Hansmann, Michael Schmidt, Dmitry Palekhov, Tanja Walter

Strategien und Erfolgskriterien für Zertifizierungssysteme am Beispiel der Agrar-und Ernährungswirtschaft

Mit zunehmendem Wohlstand und der Ausdifferenzierung der Märkte gewinnen Vertrauenseigenschaften, die der Nachfrager am Endprodukt nicht mehr selber überprüfen kann, an Bedeutung. Gerade auf dem Lebensmittelmarkt sind Prozesseigenschaften wie Umwelt- und Tierschutz von wachsender Relevanz für kaufkräftige Zielgruppen. Die beachtlichen Mehrpreise für nachhaltige Lebensmittel werden Verbraucher aber nur bezahlen, wenn sie von der Glaubwürdigkeit der Angebote verlässlich ausgehen können. Dafür bedarf es einer unabhängigen Kontrolle entlang des Produktionsprozesses durch Zertifizierungssysteme, die in aller Regel in einem Label mündet. Der Beitrag untersucht die zentralen Grundlagen und Ausgestaltungsfaktoren der Zertifizierung und stellt wichtige Herausforderungen zur Sicherstellung der Glaubwürdigkeit der Audits vor. Im zweiten Schritt geht es um Strategien zur besseren Vermarktung der Labelprodukte, die angesichts der Unübersichtlichkeit der Label und von Problemen des Gemeinschaftsmarketings derzeit häufig Nischenprodukte darstellen. Es werden innovative Ansätze zum Mainstreaming von Labelprodukten entwickelt und diskutiert. Der Beitrag leistet damit Impulse zur Fortentwicklung der Zertifizierungssysteme aus Marketingsicht.

Marie von Meyer-Höfer, Achim Spiller

Welchen Beitrag kann ein Zertifizierungsprogramm zur nachhaltigen Wettbewerbsstrategie von Unternehmen leisten?

Wie entstehen Wettbewerbsvorteile durch Nachhaltigkeit? Aus der Unternehmensperspektive wird hier betrachtet, inwieweit Standards – insbesondere der Global Organic Textile Standard (GOTS) –, Lösungen anbieten, um ökologische und soziale Missstände zu beseitigen und gleichzeitig die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu wird aufgezeigt, welche Standardwirkungen in fünf verschiedenen, aufeinander aufbauenden Strategietypen zu Wettbewerbsvorteilen beitragen können. So kann der GOTS zunächst als Risikomanagementinstrument dienen und daraufhin als Reputationsverstärker. Er trägt zur Steigerung der Effizienz bei, ermöglicht Differenzierung und als Königsdisziplin der „First Mover“ sogar nachhaltige Marktentwicklung. Dabei wird erläutert, welche Voraussetzungen dazu auf Standard- und auf Unternehmensseite gegeben sein müssen und welche Faktoren Einfluss auf den Einsatz haben.

Claudia Kersten

Zertifizierung im Bauwesen

Gesellschaftliche Ziele – Initiatoren – Systeme – Perspektiven

Politisches Leitprinzip für Normung und Zertifizierung beim Bauen ist die Nachhaltigkeit. Das bedeutet für Gebäude, dass ihr gesamter Lebenszyklus im Hinblick auf ökologische, ökonomische sowie soziale und kulturelle Dimensionen der Nachhaltigkeit analysiert und optimiert werden muss. Die Politik schafft den gesetzlichen Rahmen und beruft sich dabei auf durch die Branche definierte Normen. Zertifizierungssysteme bieten klare Maßstäbe.Zahlreiche Gesetze und Verordnungen regeln das Bauwesen, Normen und Standards definieren die Details. Zertifizierungssysteme bieten den Akteuren des Bauwesens klare Maßstäbe und sind so ein unerlässliches Instrument für Wirtschaft und Gesellschaft geworden. Sollen Zertifizierungssysteme jedoch mehr bewirken, als lediglich global gültige Technologiestandards und universelle Produktkomptabilität zu garantieren, indem sie etwa einer nachhaltigen Entwicklung weltweit Vorschub leisten, darf man auch die Bedeutung des Konzepts der Corporate Social Responsibility (CSR) nicht unterschätzen.

Volkmar Uwe Vogel

Zertifizierung und Standardorganisationen

Die Zertifizierung soll durch Standardsetzung und unabhängige Prüforganisationen helfen, unerwünschte Auswirkungen wirtschaftlichen Handelns weitgehend zu vermeiden. Sowohl der Handel als auch Nicht-Regierungsorganisationen (NGO: Non-Governmental Organisation (Nicht-Regierungsorganisation)) leisten einen Beitrag, die soziale und ökologische Situation in der Wirtschaft grenzüberschreitend zu verbessern. Sie können und sollen staatliche normative Regelungen nicht ersetzen; sie können jedoch mithilfe der Zertifizierung darauf hinwirken, eine auf soziale, ökologische und kulturelle Nachhaltigkeit orientierte Wirtschaft zu befördern.

Uwe Meier

Kapitel II Produktzertifizierungsprogramme

Frontmatter

GlobalG.A.P.: Ein Weltstandard für gute Agrarpraxis und Weltmarktführer für Zertifizierung von Obst und Gemüse

GlobalG.A.P. bietet weltweit Landwirten zur einzelbetrieblichen Umsetzung einen geeigneten Werkzeugkasten für die Anwendung der guten landwirtschaftlichen Praxis an. Das sind 16 Standards für die folgenden Produktrichtungen: Pflanzen, landwirtschaftliche Nutztiere und Aquakulturen. Damit will GlobalG.A.P. sichere und nachhaltige Produktionsverfahren bewirken, die Effizienz der Ressourcenausnutzung verbessern und die Geschäftsergebnisse in der ganzen Wertschöpfungskette steigern. Mit der „Erklärung von Abu Dhabi“ geht GlobalG.A.P. einen Schritt weiter und stellt sein Know-how als Open-Source-Quelle der Welt zur Verfügung. GlobalG.A.P. hat sein Zertifizierungsprogramm als Weltstandard erarbeitet und kooperiert für dessen optimale Anwendung mit vielen Partnern. GlobalG.A.P richtet den Branchen-Kompass für weltweit neue Ansätze zu einfachen, kostengünstigen, attraktiven und nachhaltigen Agrar-Produktionspraktiken aus.

Kristian Möller

Das MSC-Zertifikat für eine nachhaltige Befischung unserer Meere

Die Vielfalt und Produktivität unserer Meere sind wichtig, um das Gleichgewicht unseres Planeten aufrechtzuerhalten. Doch etwa ein Viertel der kommerziell genutzten Fischbestände sind überfischt und weitere 50 % werden maximal genutzt. Darüber hinaus ist der Fischereisektor eine wichtige Einkommens- und Nahrungsquelle für Millionen von Menschen. Eine nachhaltige Befischung unserer Meere ist also nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht und für die globale Nahrungssicherung dringend notwendig. Das MSC-Siegel für nachhaltigen Fischfang ist ein Instrument, das dies sicherstellen kann. Es kennzeichnet mittlerweile neun Prozent der weltweiten Fangmenge und über 25.000 Produkte, die Fisch aus nachhaltigen Fischereien enthalten. Die Nachfrage von Handel, Industrie und Verbrauchern nach nachhaltig gefangenem Fisch ist ein wichtiger Anreiz für Fischereien, sich nachhaltig zu verhalten und eine MSC-Zertifizierung anzustreben. Der MSC nutzt gezielt die Nachfragemacht des Marktes, um ein positives Umdenken bei Fischereien herbeizuführen und ökologische Verbesserungen für unsere Meere zu erwirken.

Marnie Bammert

Global Organic Textile Standard

Ökologie und soziale Verantwortung

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist heute als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen und fordert gleichzeitig die Einhaltung von sozialen Mindestkriterien entlang der gesamten textilen Produktionskette. Vorort-Kontrollen und die Zertifizierung von Vorstufenbetrieben, Herstellern und Händlern durch unabhängige, speziell akkreditierte Prüfinstitute bilden die Basis des GOTS-Zertifizierungssystems. Der Standard ermöglicht es der verarbeitenden Industrie, ihre Textilien aus Biofasern auf Basis einer Zertifizierung anzubieten, die in allen wichtigen Handelsmärkten anerkannt ist. GOTS-zertifizierte Textilien sind längst nicht mehr nur in den Regalen der Naturtextilläden, sondern auch bei großen Händlern und Marken zu finden. GOTS-zertifizierte Textilien werden im Einzelhandel mit dem GOTS-Logo, Hinweis auf den Zertifizierer sowie Lizenznummer gekennzeichnet. Ziel ist es, dem Verbraucher eine umfassende und transparente Qualitätssicherheit für ökologisch und sozial verantwortlich produzierte Textilien zu bieten.

Marcus Brügel

Waldzertifizierung nach den Regeln des Forest Stewardship Council – FSC

Der FSC ist eine Reaktion auf weltweite Konflikte um die Bewirtschaftung von Wäldern. Der Beitrag beschreibt, warum es zur Gründung des FSC kam, wie der FSC funktioniert, wer daran beteiligt ist und was die wichtigsten inhaltlichen Elemente des FSC sind.Als Standardsetzungsorganisation geboren, versteht sich der FSC auch nach 20-jährigem Bestehen als zentrale Plattform für die Definition von Umwelt- und Sozialstandards für Forstwirtschaft weltweit. Allerdings hat sich der FSC inzwischen zu einer weltweit wahrgenommenen Labeling- und Zertifizierungsorganisation weiterentwickelt, die weltweit mit über 30.000 Unternehmen zusammenarbeitet. Weltweit werden derzeit knapp 185 Mio. Hektar Wald entsprechend den FSC-Standards bewirtschaftet und jährlich überprüft. Der Beitrag gibt Einblicke in die Ansätze und Herausforderungen des FSC beim Labeling und bei der Zertifizierung in der Verarbeitungskette. Herausforderungen im Rahmen der Akkreditierung werden genauso beleuchtet wie Fragen zur Transparenz und Glaubwürdigkeit. Am Ende wird ein Ausblick zur erwarteten weiteren Entwicklung des FSC und anderer Zertifizierungsansätze gegeben.

Uwe Sayer

ISCC – Vorreiter bei der Zertifizierung von Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen

Ziele – Funktionen – kontinuierliche Verbesserung

ISCC (International Sustainability & Carbon Certification) ist eines der führenden Zertifizierungssysteme für Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen, welches von den deutschen Behörden und der Europäischen Kommission anerkannt ist und den Anforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU entspricht. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED 2009/28/EU) legt die Anforderungen an die Erzeugung und Distribution nachhaltiger Biokraftstoffe in den europäischen Mitgliedsstaaten fest. Mit ISCC PLUS werden darüber hinaus Lösungen für Nahrungs- und Futtermittel, technisch/chemische Anwendungen (z. B. Bio-Kunststoffe) und feste Biomasse bereitgestellt. Mit ISCC können Systemnutzer die Einhaltung der gesetzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen für Biokraftstoffe nachweisen bzw. ihren Kunden in den nicht-regulierten Märkten für Nahrungs- und Futtermittel sowie chemisch/technische Produkte belegen, dass die Rohmaterialien nachhaltig erzeugt wurden und die Rückverfolgbarkeit an jeder Stelle der Lieferkette gewährleistet ist. Besondere Merkmale von ISCC sind neben hohen sozialen und ökologischen Anforderungen auch die hohe Qualität bei der Verifikation dieser Anforderungen. So werden ISCC-Zertifizierungen nicht nur von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt, welche durch Behörden und Akkreditierungsstellen jährlich kontrolliert werden, sondern die Qualität der Zertifizierung wird zusätzlich von ISCC- eigenen Auditoren überprüft. Neben umfangreichen Maßnahmen zu kontinuierlichen Verbesserungen kann ISCC eindrucksvoll aufzeigen, dass Zertifizierung zu einer spürbaren Verbesserung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Umfeldbedingungen führt.

Andreas Feige

Die Rolle der „IFOAM-Family of Standards“ zur weltweiten Harmonisierung

Wie wird Bio zu Bio?

IFOAM ORGANICS INTERNATIONAL, als Verband der globalen Bio-Bewegung, entwickelt „Basic Standards“ eines weltweit anerkannten Bio-Garantie-Systems. Das Anliegen ist die Optimierung internationaler Prozesse der Bio-Zertifizierung in Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel, sowie die Kohärenz der nationalen Regelwerke, so dass Bioprodukte auch international also solche gehandelt werden können. Die Biolandwirtschaft versteht sich als Alternative zur so genannten Grünen Revolution. Sie steht für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und in der Verarbeitung und Vermarktung ihrer Produkte. Die Richtlinen sind von Verbänden oder Staaten erlassen. Sie basieren auf globalen Prinzipien und sind lokal angepasst. Die Zertifizierung sichert die Einhaltung der detaillierten Richtlinien und fördert das Vertrauen der Konsumenten in die Bioprodukte. Eine der heutigen Herausforderungen besteht in der internationalen Koordination zur Erhöhung der Kohärenz der Vorschriften. Die IFOAM Family of Standards ist eine Auflistung von äquivalenten Bio Richtlinien weltweit im Vergleich mit einer internationalen Referenz. Sie zieht damit die Linie zwischen Bio und Nicht-Bio. IFOAM Organics International bietet mit einem Referenzstandard, mit der IFOAM Akkreditierung, mit einer Referenzliste vertrauenwürdiger Systeme, mit einem Toolkit für Gesetzgeber oder mit Best Practise Guidelines weitere Dienstleistungen für die Biobewegung an.

Markus Arbenz

Zertifizierung von ökologischen Standards

Die Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln steigt stark an und der Handel ist mittlerweile global ausgerichtet. Mit den ökologischen Lebensmitteln hat die Prozesskontrolle in der Landwirtschaft Einzug gehalten, weil die Unterschiede zu konventionellen Lebensmitteln hauptsächlich auf der Herstellungsweise beruhen. Die Kontrolle und Zertifizierung nehmen eine zentrale Rolle ein, weil diese für die Sicherung des Mehrwertes der Produkte und für das Vertrauen der Verbraucher unerlässlich sind. Um die Verbraucher vor Täuschung zu schützen und die Landwirte für diese umweltfreundliche Anbauweise zu motivieren, sind zahlreiche staatliche und private Verordnungen und Richtlinien geschaffen worden. Deren Vollzug ist durch eine enge Zusammenarbeit von Behörden und privaten Organisationen gewährleistet. Das steigende Interesse nicht nur an Ökoprodukten, sondern auch generell an der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und Ernährung macht die Zertifizierung in Zukunft immer wichtiger.

Urs Niggli

Das QS-Prüfsystem für Lebensmittel

Das QS-Prüfsystem für Lebensmittel (QS. Ihr Prüfsystem für Lebensmittel.) ist ein Qualitätssicherungssystem für Fleisch und Fleischwaren sowie frisches Obst, Gemüse und Kartoffeln. Das blaue QS-Prüfzeichen kennzeichnet Lebensmittel, die nachweisbar unter Einhaltung verbindlicher Qualitätsanforderungen hergestellt und vermarktet werden. Träger des Prüfzeichens ist die QS Qualität und Sicherheit GmbH. Gemeinsam mit mehr als 130.000 Systempartnern im In- und Ausland organisiert diese eine zuverlässige Qualitätssicherung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Futtermittel über den Landwirt bis zur Ladentheke. Futtermittelhersteller und Tierhalter nehmen ebenso teil wie Schlachtbetriebe und Fleischverarbeiter, Erzeuger von Obst, Gemüse und Kartoffeln und ihre Großhandelsbetriebe und, last but not least, der Lebensmitteleinzelhandel mit seinen Geschäften. 95 % des Schweine- und Geflügelfleischs deutscher Produktion stammen heute aus QS-zertifizierten Betrieben, beim Rindfleisch sind es 70 %. Verbraucher finden Produkte mit dem QS-Prüfzeichen in mehr als 23.000 Filialen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels.

Sabrina Melis

Kontroll- und Zertifizierungskonzepte für Weinbaubetriebe in Deutschland

Die Anforderungen an Weinbaubetriebe in den Bereichen Qualität, Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz haben in den letzten Jahrzehnten ein sehr breit entwickeltes Ausmaß angenommen. Nicht nur von gesetzlicher Seite werden konkrete Ansprüche an das Produkt Wein, an den Herstellungsprozess, an die Betriebsführung und die Organisationsstruktur eines Betriebes formuliert. Diese dienen als Basis für die im Weinbau relevanten Kontroll- bzw. Zertifizierungssysteme.Nach einer Zusammenfassung der Anforderungen aus den genannten Bereichen erfolgt eine Übersicht der praxisrelevanten Kontroll- und Zertifizierungskonzepte, der verwendeten Instrumente, Methoden und Techniken sowie eine Vorstellung ergänzender Forschungsansätze.

Maximilian Freund

Das Zertifizierungssystem FAIR’N GREEN

Der vorliegende Beitrag beschreibt die Entwicklung und den Aufbau des Zertifizierungssystems für nachhaltigen Weinbau und legt Anforderungen, Grenzen und Besonderheiten des Systems FAIR’N GREEN dar. Durch ein Scoring-Modell zum Vergleich der Nachhaltigkeitsleistung erhalten die Betriebe relevante Benchmarks und konkrete Handlungsvorschläge, um sich stetig in Richtung einer nachhaltigen Unternehmensführung zu verbessern.

Keith Ulrich, Florian Reinert

„Ethischer Konsum“ – Anforderungen an Umwelt- und Sozialzertifizierungen bei Lebensmitteln

Im Lebensmittelmarkt ist eine Vielzahl an Umwelt- und Sozialzertifizierungen anzutreffen. Ihre Zahl steigt, weil viele Marktakteure sich verbesserte Marktchancen durch die Einführung oder Teilnahme an diesen Zertifizierungssystemen versprechen. Gleichzeitig nimmt bei vielen Verbrauchern das Unbehagen angesichts der Vielfalt an verschiedenen Zertifizierungen und Kennzeichnungen in Form von Siegeln zu.Vor diesem Hintergrund geht dieser Beitrag der Frage nach den Anforderungen von Verbrauchern an effektive Umwelt- und Sozialstandards, ihre Zertifizierungssysteme und Kommunikation nach. Er schließt mit einigen Überlegungen zu Konsequenzen und Forschungslücken im Bereich der Verbraucherforschung.

Katrin Zander

Kapitel III Managementzertifizierungsprogramme und ähnliche Systeme

Frontmatter

Theorie und Funktion der Zertifizierung am Beispiel ISO 14001 „Umweltmanagementsysteme“

Die erste ISO 14001 „Umweltmanagementsysteme“ wurde 1996 als „Zertifizierungsnorm“ verabschiedet. Seitdem hat sie eine gewisse Bedeutung und Verbreitung vor allem im Rahmen globalisierter Wirtschaftsbeziehungen erfahren. In diesem Beitrag werden Nutzen und Wirkung der Zertifizierung am Beispiel der ISO 14001 beleuchtet. Neben dem Nutzen der Einführung eines Umweltmanagementsystems an sich liegt die wesentliche Wirkung der Zertifizierung darin, durch glaubwürdige Zertifikate aufwändige Informationsaktivitäten zur Ermittlung des Umweltverhaltens von Organisation reduzieren zu können. Es wird der Frage nachgegangen, wie ISO 14001-Zertifizierungen organisiert sind, um das notwendige Vertrauen in die Zertifikate mit Blick auf die Erfüllung der versprochenen Leistung, die Integrität und Kompetenz der handelnden Personen und die Funktion, Kontroll- und Überwachungsmechanismen des Zertifizierungssystems zu erlangen.

Ludwig Glatzner

Das Europäische EMAS-System und seine Umweltgutachter

Die Europäische EMAS-Verordnung (Eco-Management and Audit Scheme) setzte 1993 einen Meilenstein für den freiwilligen betrieblichen Umweltschutz. Erstmals konnten Unternehmen auf Basis eines einheitlichen europäischen Standards ein vergleichbares System für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung aufbauen. Internes System und Umweltbericht werden von unabhängigen Umweltgutachtern überprüft und tragen zur internationalen Glaubwürdigkeit bei. EMAS geht klassische Umweltthemen wie Energie- und Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Abfallvermeidung und Biodiversität an, aber auch schwieriger zu quantifizierende indirekte Aspekte wie Planungsentscheidungen und Lebenszyklusbetrachtungen des Produktportfolios. Rechtssicherheit, Motivation der Beschäftigten sowie die öffentliche Berichterstattung runden den umfassenden Ansatz ab. Damit ist EMAS so etwas wie ein Schweizer Taschenmesser, das in einem Instrument alles anbietet, wofür sonst eine Vielzahl von Einzelgeräten gebraucht würde.Beschrieben werden die wesentlichen Inhalte, die Weiterentwicklung seit den ersten Registrierungen vor zwanzig Jahren und der derzeitige Stand von EMAS in Deutschland. Die Tätigkeiten der EMAS-Umweltgutachter und die Unterschiede zu den privatwirtschaftlichen Zertifizierungssystemen der ISO-Welt werden ebenso vorgestellt wie ein kurzer Ausblick auf die Zukunftsperspektiven durch die anstehende Überarbeitung der Verordnung auf europäischer Ebene.

Veit Moosmayer

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex – Strukturgeber für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und das Nachhaltigkeitsmanagement

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex ist ein Standard für eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die 20 Kriterien umfassen die zentralen Elemente eines Nachhaltigkeitsmanagements. Der Kodex wurde in einem Stakeholderverfahren entwickelt und wird vom Rat für Nachhaltige Entwicklung herausgegeben.Der Beitrag erörtert Inhalt, Anliegen und Ziele des Kodex. Auch wird auf die Möglichkeiten und Grenzen, die in der Anwendung dieses Instrumentes liegen, eingegangen. So werden etwa die Interessen an einer Zertifizierung nicht befriedigt. Vielmehr beschreiben Unternehmen in Entsprechenserklärungen, auf welchen Stufen sie hin zu einem integrierten, systematischen Management ihrer Nachhaltigkeitsaspekte stehen.Derzeit wird an der Umsetzung der EU Richtlinie 2014/95 zur Angabe nichtfinanzieller Informationen in nationales Recht gearbeitet. Es wird erwartet, dass in Deutschland eine Entsprechenserklärung zum Nachhaltigkeitskodex als Alternative zu der ansonsten geforderten nichtfinanziellen Erklärung im Lagebericht anerkannt wird.

Yvonne Zwick, Thomas Loew

Zertifizierung der Risikosteuerung als Vorsorge-Baustein

Die Kunst Risiken, frühzeitig zu erkennen und mit sicheren Abläufen rechtzeitig gegenzusteuern sowie sich als Organisation dabei auch kontinuierlich zu verbessern und die eigenen Risiken systematisch zu mindern, ist ein komplexer Vorgang. Insbesondere die kreative und kommunikative Arbeit zum Erschließen der wissens- und erfahrungsbasierten Risikokenntnisse innerhalb und außerhalb des Unternehmens bzw. der Organisation bedarf eines konsequenten, transparenten und nachvollziehbaren Vorgehens. All diese Ansätze und Vorgehensweisen können in einem Risikomanagementsystem abgebildet werden. Damit sind die verbundenen Organisationsstrukturen, Abläufe und Nachweise auch einer Zertifizierung zugänglich. Diese externe Prüfung kann den entscheidenden Schritt für das glaubwürdige Vorsorgebemühen einer Organisation bedeuten.Die Grundlagendarstellung beschreibt die zentralen Anforderungen an ein Risikomanagementsystem sowie dessen praktische Umsetzung. Für drei ausgewählte Anwendungsbereiche werden dabei die Vorteile der Zertifizierung dargestellt.

Christoph Eipper

Qualitätssicherung in der Ökobilanz

Die Qualitätssicherung der Ökobilanz gemäß [ISO 14040: 2006] und [ISO 14044: 2006] erfolgt über eine „Kritische Prüfung“ durch unabhängige Experten. Die Anforderungen sind in den beiden Normen definiert und in [ISO 14044. ISO/TS 14071:2014] spezifiziert. Weder Zertifizierung noch Verifizierung sind vorgesehen. Das liegt in der Tatsache begründet, dass die Ökobilanz eine komplexe systemanalytische Methodik darstellt und die Qualitätssicherung den Charakter des wissenschaftlichen Peer Review hat.

Birgit Grahl

Zertifizierung für mehr Nachhaltigkeit

In allen Zertifizierungsdebatten gibt es einen grundlegenden Interessenkonflikt. Einerseits gibt es Zertifikate mit dem folgenden Ansatz: Der Status quo muss erst noch nachhaltiger werden, daher zertifizieren wir Produkte, die mehr erfüllen als nur die unzureichenden gesetzlichen Vorgaben. Auf der anderen Seite gibt es Zertifikate, die den Status quo bereits für nachhaltig erklären, und deswegen können sie heute schon ein Nachhaltigkeitszertifikat beanspruchen. Das mag im Einzelfall durchaus stimmen, wenn das aber die Marktführer einer insgesamt nicht nachhaltigen Branche für sich in Anspruch nehmen, klingt das nicht sehr überzeugend. Aus Sicht der Nichtregierungsorganisationen macht eine Zertifizierung für Nachhaltigkeit in ihren verschiedenen Facetten und Teilaspekten – Umweltschutz, Tierschutz, Fairer Handel usw. – nur Sinn, wenn sie den Status quo einer nicht-nachhaltigen Wirtschaftsweise tatsächlich verbessert. Es ist aber ein schwieriger Balanceakt, den richtigen Kompromiss zwischen starker Nachhaltigkeit und Marktfähigkeit zu finden. Diese richtige Balance bildet das Fundament der Glaubwürdigkeit aller derartiger Zertifizierungsinitiativen.

Jürgen Maier

Zertifizierungen im Fairen Handel

Fairer Handel ist in aller Munde. Immer mehr Siegel finden sich in den Märkten, die vorgeben, dass sie für faire Preise und gute Arbeitsbedingungen stehen. Doch was bedeutet die Bezeichnung „fair“ tatsächlich und auf welchen Grundlagen beruht sie? Die vermehrt in den Medien erscheinende Kritik gegenüber dem Fairen Handel lässt Verbraucher und Verfechter des alternativen Handelsmodells aufhorchen. Eine stetige Weiterentwicklung und offene Diskussionen können zu einer Bereicherung in der Entwicklung von Zertifizierungen und Marketingmaßnahmen führen. Das steigende Wachstum im Fairen Handel führt aber auch zu einem verstärkten Interesse des bisher konventionell agierenden Marktes. Gilt es hier, Einhalt zu gebieten und den Fairen Handel nur für die 100 %-Fair-Händler zu bewahren? Eine einfache Lösung wird es wohl nicht geben. Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen und Motivationen im Handel. In jedem Fall zeigt die gut 40 Jahre alte Bewegung dem Welthandel, dass ein alternatives Wirtschaften möglich ist. Es hat sich in ihrer Geschichte aber auch gezeigt, dass es kein leichter Weg ist und das Ziel auch noch nicht erreicht ist.

Petra Kohts

Kapitel IV Die Anwendung von Zertifizierungsprogrammen in der Unternehmenspraxis

Frontmatter

Die praktische Bedeutung von Zertifizierungen im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie DMK 2020

Das aus der Fusion von Humana und Nordmilch entstandene genossenschaftlich organisierte Unternehmen DMK verarbeitete im Geschäftsjahr 2013/2014 6,7 Mrd. Kg Milch, die von rund 9400 deutschen Milcherzeugern angeliefert wurden, zu hochwertigen Qualitätsprodukten.Dabei agiert DMK in einem globalisierten und dynamischen Markt. Die Milchwirtschaft steht vor großen ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen. DMK hat den Anspruch, den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens mit den Bedürfnissen seiner Genossenschaftsmitglieder und Mitarbeiter sowie mit den Anforderungen von Gesellschaft, Natur und Umwelt dauerhaft zu vereinen. Im Jahr 2013 wurde daher eine Nachhaltigkeitsstrategie lanciert, die den Titel „DMK 2020: Unsere Milch. Unsere Welt.“ (kurz: DMK 2020) trägt. Um geschäftlichen Erfolg und unternehmerische Verantwortung zu verbinden, ist es erforderlich, die Prozesseffizienz bei gleichbleibend hoher Produktqualität zu steigern sowie die Verbraucher auf neuen Wegen mit hochwertigen Milchprodukten zu versorgen. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen übernimmt DMK nicht nur Verantwortung für die Milchprodukte, sondern auch für die Herstellungsprozesse. So kommen bei DMK eine Vielzahl von Standards und Zertifizierungen zur Anwendung.

Philipp Inderhees

FSC – ein Wirtschafts- und Führungsinstrument im Privatwald

Die Hatzfeldt-Wildenburg’sche Verwaltung bewirtschaftet den Grundbesitz von Hermann Graf Hatzfeldt auf einer Fläche von 15.200 ha. Als Unternehmen der Forstwirtschaft und Holzwirtschaft ist es seit 1999 FSC-zertifiziert. Die FSC (Forest Stewardship Council) ist eine internationale Organisation, die sich für umweltgerechte, sozialverträgliche sowie ökonomisch erfolgreiche Bewirtschaftung von Wäldern einsetzt. Ihre Prinzipien und Handlungsweisen bauen auf die im Jahre 1950 ins Leben gerufene ANW (Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft) auf. Derzeit sind weltweit ca. 200 Mio. ha Wald nach FSC-Standard zertifiziert. In Deutschland sind eine Mio. Hektar FSC-zertifiziert, wobei der Anteil der Staatsforste mit 67 % zwar derzeit den überwiegenden Teil einnimmt, aber stets abhängig von politischen Überzeugungen und Konstellationen ist. Bei der Vermarktung der FSC-Produkte ist bislang kaum zusätzlicher Gewinn zu erzielen; deshalb und auf Grund der bürokratischen Hürden ist der Anteil der Privatwaldfläche rückläufig. So in 2014 nur sechs Prozent. Das Festhalten an FSC hängt hier vor allem an der nachweislichen Optimierung von Produktionswegen und nicht zuletzt vom Idealismus der privaten Grundbesitzer ab.

Franz Straubinger

Das integrierte Managementsystem der VERBIO AG – das Management von mehreren Standards und Normen in der Praxis

Die VERBIO Vereinigte BioEnergie AG produziert Biokraftstoffe wie Biodiesel, Bioethanol, Biomethan sowie Glycerin und Düngemittel. Um eine nachhaltige Wertschöpfungskette zu gewährleisten, ist die VERBIO AG derzeit zertifiziert nach den Standards DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagementnorm), GMP + B3 (Handel, Lagerung), GMP + B4 (Transport), QS (Lebensmittel), HACCP (Lebensmittelhygiene, benötigt wegen Glycerin-Verarbeitung bei Produktion von Biodiesel), REDcert (Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung), Halal (Glycerinverarbeitung) und Kosher (Glycerinverarbeitung). Zum Nachweis der Einsparung von Treibhausgasemissionen (Dekarbonisierungsstrategie) führte die VERBIO AG zusätzlich ein internes Prüfsystem nach DIN EN ISO 50001 (Energiemanagement) ein. Um eine effektive Planung und Reduzierung des Zeitaufwands bei internen und externen Audits zu gewährleisten, werden diverse Standards in einer Matrix-Zertifizierung gebündelt.

Yvonne Schurig

Das Netz des Unternehmenswissens maßgeschneidert weben – wie wir bei Sodexo das Netzwerk aus internationalen und nationalen Normen und Standards sowie Konzern- und Betriebsdokumenten erfolgreich managen

Kundenwünsche, Konzernvorgaben, Gesetze, Normen, Richtlinien und technische Regelwerke – all diese Ansprüche und Grundsätze müssen in der Unternehmenssteuerung berücksichtigt und mit den Anforderungen an die Dienstleistung (Produkt) bzw. den Dienstleistungsprozess (Produktionsprozess) in Einklang gebracht werden.Die Zertifikate der angewendeten Managementverfahren ermöglichen einen neutralen, schnellen Blick auf die Arbeitsweise des zertifizierten Unternehmens. Nicht selten stehen, insbesondere für Kunden oder zum Beispiel Vertriebsabteilungen, Merkmale im Vordergrund, welche nur einen kleinen Baustein eines Managementverfahrens herausstellen. Eine Zertifizierung unter reinen Marketinggesichtspunkten durchzuführen, ist in den seltensten Fällen anzuraten.Die Verantwortlichen des Bereiches QHSE (Qualität, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt) stehen in der Verantwortung, das Unternehmensmanagement – und damit auch das verbriefte Unternehmenswissen – derart zu schneidern, dass eine kundenorientierte, normkonforme, rechtssichere und effiziente Dienstleistungserbringung (Produktion) möglich ist.

Tobias Henninger

Ein Blick in die Praxis – Software zur Dokumentenlenkung und zum Workflowmanagement im Zertifizierungsalltag

Eine erfolgreiche Zertifizierung hängt zu einem nicht geringen Teil vom Zustand der Dokumentation ab. Wird diese kontinuierlich das ganze Jahr über sauber gepflegt und aktuell gehalten, reduziert sich der Aufwand für die Audit-Vorbereitungen auf ein Mindestmaß. Anders sieht es aus, wenn man im Unternehmensalltag mit einer dezentralen Ablage, vielleicht sogar mit unterschiedlichen Versionsständen in Papierform zu kämpfen hat. Eine saubere Dokumentenlenkung spielt demnach eine zentrale Rolle bei den Vorbereitungen und der Durchführung einer Zertifizierung. In dem Beitrag werden daher praxisnah die Faktoren beschrieben, die für den erfolgreichen Einsatz einer Dokumentenlenkungssoftware im Hinblick auf Zertifizierungen ausschlaggebend sind. Von den Softwarefunktionen über die Planungsphase und die Einführung bis hin zur langfristigen Integration eines Dokumentenlenkungssystems werden die wichtigsten Punkte dargestellt und zueinander in Beziehung gesetzt.

Marc Schukey

Kapitel V Grundlagen, Grundsatzfragen und weiterführende Anwendungsbeispiele

Frontmatter

Zertifizierung, Auditierung, Akkreditierung – Einführung in die Funktionsweise von Konformitätsbewertungssystemen und die verwendeten Begriffe

Wenn es um Zertifizierung, Testierung, Auditierung und viele weitere Bezeichnungen rund um die Prüfung und Bestätigung von Sachverhalten geht, dann werden die Begriffe schnell durcheinandergeworfen. Es gibt zwar für einzelne Bereiche (z. B. Produktzertifizierung, z. B. Testierung von Jahresabschlüssen) in sich schlüssige Begriffssystematiken, aber diese passen nicht übergreifend zueinander. Hinzu kommt, dass selbst Fachleute nicht alle übergreifenden Prinzipien kennen, auf denen Konformitätsbewertungssysteme beruhen sollten, damit sie zuverlässig funktionieren und glaubwürdig sind.Im internationalen Handel, im Verhältnis zwischen Unternehmen und Behörden und last, but not least beim Endverbraucher geht es im Kern darum, bestimmte Eigenschaften eines Produkts oder Informationen zu den Herstellungsbedingungen glaubwürdig zuzusichern. Die Überprüfungen erfolgen unter anderem durch Prüf- und Kalibrierlaboratorien, Inspektionsstellen, Zertifizierungs-, Validierungs- und Verifizierungsstellen. Aufgrund der ökonomischen Bedeutung derartiger Konformitätsbewertungen wurde in den vergangenen Jahren an einer Harmonisierung der Vorgehensweisen, Begriffe und Prinzipen gearbeitet, das Ergebnis ist in den ISO 17000er-Normen verankert. Auch wurde das Akkreditierungswesen europaweit neu aufgesetzt (EU-Verordnung 765 zu Akkreditierung), was in Deutschland 2010 zur Einrichtung der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS führte.Der vorliegende Beitrag beschreibt die grundlegenden Elemente und Mechanismen von Konformitätsbewertungssystemen gemäß ISO 17000, ISO 17011 und weiteren ISO-Normen. Zur Illustration wird gezeigt, wie die Zertifizierungssysteme zu ISO 14001, EMAS und FSC dieser Systematik entsprechen. Schließlich werden zentrale Definitionen u. a. aus ISO-Normen wiedergegeben und erläutert.

Thomas Loew

Zertifizierung – vertrauenswürdig?!

Nachhaltig, regional, dem Tierschutz verpflichtet: Agrarprodukte und Lebensmittel mit spezifischen Qualitätsattributen erobern den breiten Lebensmittelmarkt. Die Konsumenten müssen sich beim Kauf auf die Angaben der Anbieter verlassen, da sie selbst solche Vertrauenseigenschaften nicht überprüfen können. Zertifizierungsprogramme sollen das Verbrauchervertrauen absichern – doch was macht eine wirksame Inspektion und Zertifizierung aus?

Jochen Neuendorff

Qualität durch Zertifizierungen – am Beispiel der Wirtschafts-Mediation

Der Beitrag geht der Frage nach, ob Qualität durch Zertifizierungen nachgewiesen werden kann und ob die Wirtschaft sich an Zertifizierungen orientiert.Dabei wird zunächst untersucht, ob hohe Einstiegshürden ein Garant für Qualität sind. Danach wird eine grundlegende Definition von Qualität postuliert: Qualität ist die Übereinstimmung mit den Erwartungen. Es gibt dabei eine objektive Übereinstimmung von nachprüfbaren Kriterien und eine subjektive Erwartungshaltung aus Kundensicht. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob es sich um eine Dienstleistung oder ein gegenständliches Produkt handelt.Sodann widmet sich der Beitrag dem Inhalt und der Aussagekraft von Zertifizierungen ganz allgemein und bringt Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen wie z. B. die Öko-Labels. Es wird sondiert welche Teilbereiche zertifiziert werden können und wie sie in den Gesamtzusammenhang hineinspielen.Dann wird der Fokus auf die Bedeutung einer Zertifizierung in neuen Branchen gelegt und mit alt eingesessenen Branchen verglichen. Damit ist der Weg bereitet für die nähere Betrachtung der Zertifizierung des BMWA. Anhand dieses Beispiels wird verdeutlicht worauf der Kunde bei einem Qualitätssiegel achten sollte. Unter anderem, ob es einmalig verliehen oder immer wieder überprüft wird.

Cristina Lenz

Zertifizierung und Unternehmensverantwortung in der Land- und Lebensmittelwirtschaft

Es wird untersucht, in welchem Umfang Zertifizierungsstandards als Werkzeuge zur Wahrung der Unternehmensverantwortung in der Land- und Lebensmittelwirtschaft nutzbar sind. Hierzu werden die Bereiche der Unternehmensverantwortung umrissen. Es wird begründet, dass diese Verantwortung mit der Beachtung nachhaltiger Prinzipien verbunden ist. Es werden Hemmnisse und Abhängigkeiten bei der Wahrnehmung von Unternehmensverantwortung aufgezeigt. Deshalb muss zuverlässiges Handeln gesellschaftlicher Akteure in der Unternehmenszertifizierung berücksichtigt werden. Gleichzeitig gewinnt eine umfassende Berichterstattung zur Unternehmensverantwortung zunehmend an Bedeutung. Aus einer vergleichenden Gegenüberstellung der Unternehmensverantwortung mit Zertifizierungsstandards wird gefolgert, dass Standards eine wertvolle Hilfestellung bieten. Eine Orientierung an Standards schafft Voraussetzungen für den Marktzugang an sich. Unternehmerische Handlungsspielräume bleiben erhalten und können ausgeweitet werden. Es ergeben sich Potenziale zur Erschließung neuer Kooperationsmöglichkeiten. Anforderungen an die zukünftige Entwicklung von Zertifizierungssystemen hinsichtlich ihrer Ausrichtung, der Einbeziehung der Bewertung von Stakeholdern und der Vereinfachung des Berichtswesens werden benannt.

Eckart Kramer

Die Ökokontrolle nach dem EU-Bio-Recht auf dem Weg von der Kontrolle der Akteure zur Kontrolle der Lieferkette

Die Ökokontrolle zielt nach dem heutigen EU-Bio-Recht (Verordnungen (EG) Nr. 834/2007 und 889/2008) auf ein Betriebszertifikat für jedes einzelne der Ökokontrolle unterstellte Unternehmen. Damit wird Biobetrug nicht wirksam verhindert. Die Kontrolle betrachtet die Akteure als Inseln und nicht in ausreichendem Maße die Stoffflüsse zwischen ihnen. Das Mittel der Wahl sind Systeme der Prüfung der Lieferkette in Echtzeit (Real Time Supply Chain Traceability). In einer Online-Datenbank werden Lieferketten hinterlegt, aber der Zugriff für die Ökozertifizierung der nachfolgenden Akteure wird so begrenzt, dass die Identität von Lieferanten nicht aufgedeckt, sondern nur ihr Vorhandensein und die Umstände ihrer Ökozertifizierung dokumentiert werden. Die laufende und sofortige Plausibilitätsprüfung der Stoffflüsse dagegen würde Betrug erschweren.

Hanspeter Schmidt

Nachhaltigkeitszertifizierung im Bauwesen – Sachstand und Defizite

Wie ein roter Faden durchzieht das Streben nach höherer Bauqualität die Entwicklung des Bauens. Steigende Nutzeranforderungen und eine sorgfältige Planung leisten zu besseren Gebäuden ebenso ihre Beiträge wie ein dichtes Geflecht von Normen, Gesetzen und Verordnungen. Die technischen und funktionalen Anforderungen an das Bauen werden damit immer detaillierter geregelt. Die ökologischen Wirkungen des Bauens sind damit jedoch ebenso wenig erfasst wie viele andere Qualitätsmerkmale. Die in den vergangenen Jahren in vielen Ländern entwickelte Nachhaltigkeitszertifizierung bemüht sich hier um eine umfassendere Sicht auf die Bauqualität. Da sie jedoch ausschließlich auf quantifizierbare Kriterien setzt, blendet sie Wechselwirkungen zwischen Kriterien ebenso aus wie emotionale und künstlerische Qualitäten, die für die Akzeptanz gebauter Umwelt eine entscheidende Rolle spielen.

Manfred Hegger

Die Rolle von DIN – wie entstehen DIN-Normen?

Die Aufgabe von DIN ist es, zum Nutzen der Allgemeinheit unter Wahrung des öffentlichen Interesses in geordneten und transparenten Verfahren die Normung und Standardisierung anzuregen, zu organisieren, zu steuern und zu moderieren. Die Arbeitsergebnisse dienen der Innovation, Sicherheit und Verständigung in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit sowie der Qualitätssicherung und Rationalisierung und dem Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutz. DIN veröffentlicht seine Arbeitsergebnisse und fördert die Implementierung der Ergebnisse. Rund 28.000 Expertinnen und Experten bringen ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen in den Normungsprozess, der von den 400 DIN-Mitarbeitern koordiniert wird, ein. Auf Grund eines Vertrages mit der Bundesrepublik Deutschland ist DIN als die einzige nationale Normungsorganisation in den europäischen und internationalen Normungsorganisationen anerkannt. Heute ist die Normungsarbeit von DIN zu fast 90 % europäisch und international ausgerichtet. Der Geschäftssitz des gemeinnützigen Vereins ist seit 1917 in Berlin.

Andrea Fluthwedel

Die Zertifizierung in der Informationssicherheit

Der Beitrag zeigt die Entwicklung der Zertifizierung speziell im Bereich der Informationssicherheit auf. Beginnend mit der Forderung nach Industriestandards entstanden schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts die ersten Vorrichtungen für eine Serienfertigung. Die eigentliche Normung wurde dann 1901 in England gestartet – Deutschland folgte mit dem „Institut für Normung“ in Berlin.Die Entwicklung der Normen war in den Folgejahren rasant und wurde international betrieben. Parallel entwickelten sich diverse Managementsysteme die ihrerseits als Basis der eigentlichen Zertifizierungen gelten können. In den letzten Jahren wurde das Thema Informationssicherheit immer wichtiger, was auch durch die bekanntgewordenen Fälle von Datenabschöpfung in Industrie, Dienstleistung und Politik dokumentiert ist.Die ISO 27001 (ISMS) und der IT-Grundschutz des BSI in Bonn bilden heute die Management-Grundlagen für eine Absicherung der Unternehmen. Aus England kam zusätzlich noch ITIL. Es stellt den de-facto Standard für abteilungsübergreifende Geschäftsprozesse dar. Die Erfahrungen mit der NSA und anderen „Spähern“ haben die Gefährdungen und mögliche Schutzmaßnahmen gegen Cyber-Kriminalität in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.Die Zertifizierungen der Managementsysteme selber werden durch viele kleine und einige große Zertizierungsgesellschaften und ihre Auditoren betrieben. Dabei ist die Integration der Systeme (wie ISO 9001, ISO 20000 und ISO 27001) ein durchaus sinnvoller Weg. Die Zertifizierungen selbst bilden die Basis für gute, gleichbleibende Qualität, Vertrauen der Kunden in die Unternehmen und die Informationssicherheit in Betrieben und Verwaltungen.

Knut Krabbes

Fazit

Frontmatter

Zertifizierung – ja. Aber effizienter und transparenter

Die Initiative, das Buch „Zertifizierung als Erfolgsfaktor“ zu starten, hat sich gelohnt. 50 Autoren haben innerhalb weniger Monate aus ihren Erfahrungen zum Thema des Buchs berichtet. Sie haben dabei mehrheitlich positive Erfahrungen vorgestellt. Kaum einer hat hierbei darauf verzichtet, Defizite anzusprechen und Vorschläge für Verbesserungen vorzulegen. Entstanden ist erstmalig im deutschen Sprachraum ein Buch, welches den Status der Zertifizierung von Produkten, Dienstleistungen und Managementsystemen anhand von differenzierten Beiträgen vieler Stakeholdergruppen, wie Initiatoren und Manager von Zertifizierungssystemen, Vertreter von NGOs, zertifizierte Anwenderunternehmen, Politiker, und Wissenschaftler darlegt. Es sind beispielhalte Ausschnitte und Ansätze, die in ihrer Gesamtheit Wissen akkumulierten, welches für die Zukunft der Zertifizierung nützlich sein wird.

Rainer Friedel, Edmund A. Spindler
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