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Zirkuläre Geschäftsmodelle: Systemische Ansätze, Konzepte und Herausforderungen

  • Open Access
  • 01-12-2025
  • Originalbeitrag

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Zusammenfassung

Der Europäische Green Deal positioniert den Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft als zentrale Strategie zur Steigerung von Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit. Zirkuläre Geschäftsmodelle bilden dafür eine operative Grundlage, indem sie unterschiedliche Werterhaltungsoptionen (R-Strategien) integrieren und dabei Ressourcenströme verengen, verlangsamen und schließen. In frühen Entwicklungsphasen kann die Anwendung des Safe-and-Sustainable-by-Design-Rahmenwerks dazu beitragen, Sicherheits- und Nachhaltigkeitsaspekte von Beginn an in zirkulären Geschäftsmodellen zu verankern. Trotz zunehmender politischer Unterstützung werden zirkuläre Geschäftsmodelle jedoch bislang nur begrenzt umgesetzt. Der vorliegende Artikel untersucht daher die Herausforderungen und Barrieren einer breiten Implementierung. Das Forschungsdesign, angewendet von Brimatech in mehreren Forschungs- und Innovationsprojekten, kombiniert Literaturanalysen, qualitative Interviews, moderierte Workshops und Inhaltsanalysen. Die Ergebnisse zeigen, dass begrenzte Kompetenzen, unzureichende politische Rahmenbedingungen, mangelhafte Zusammenarbeit in Wertschöpfungsnetzwerken, Kosten, Datenprobleme und geringe Marktakzeptanz die Umsetzung hemmen. Die Überwindung dieser Barrieren durch kohärente Rahmenwerke, den Einsatz digitaler Technologien und gezielten Kompetenzaufbau ist entscheidend, um einen systemischen Übergang zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
BECE
Backcasting and Eco-design for the Circular Economy
BMIMI
Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur
BMK
Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
BM-LCA
Business Model Life Cycle Assessment
CA
Circularity Assessment
CBM
Circular Business Model
CIM
Consumer Intervention Mapping
C‑LCSA
Circularity Life Cycle Sustainability Assessment
CSRD
Corporate Sustainability Reporting Directive
DfX
Design for X
EoL
End-of-Life
ERP
Enterprise Resource Planing
ESRS
European Sustainability Reporting Standards
IP
Intellectual Property
JRC
Joint Research Center
KMU
Kleine und Mittlere Unternehmen
LCA
Life Cycle Assessment
LCC
Life Cycle Costing
LCSA
Life Cycle Sustainability Assessment
OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development
PSS
Produkt-Service-System
sLCA
Social Life Cycle Assessment
SPIN
Situation, Problem, Implication, Need
SSbD
Safe-and-Sustainable-by-Design
TRL
Technology Readiness Level

1 Einleitung

Ein zentraler Bestandteil des Europäischen Grünen Deals ist der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (Europäische Kommission 2019). Ziel dieses Aktionsplans ist es, den Übergang der Europäischen Union zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Dies soll durch die Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster, die Reduktion von Abfallströmen sowie die möglichst lange Nutzung von Ressourcen erreicht werden (Europäische Kommission 2019). Ergänzend können spezifische Standards der Kreislaufwirtschaft Organisationen dabei unterstützen, von linearen zu zirkulären Geschäftspraktiken überzugehen. Beispiele hierfür sind internationale Normen wie die ISO 59004, welche grundlegende Konzepte, Prinzipien und Terminologien der Kreislaufwirtschaft definiert, sowie die ISO 59020, die Leitlinien zur Messung und Bewertung der Kreislaufwirtschaftsleistung in Wirtschaftssystemen bereitstellt.
Da Geschäftsmodelle das Zentrum jeglicher wirtschaftlichen Tätigkeit bilden, kann eine umfassende Kreislaufwirtschaft nur auf der Basis zirkulärer Geschäftsmodelle (engl. Circular Business Models, CBM) entstehen und funktionieren. Diese erfordern interdisziplinäre Ansätze, die verschiedene End-of-Life (EoL)-Strategien integrieren (Prenner 2025). Solche sogenannten R‑Strategien beinhalten unterschiedliche Maßnahmen, mit dem Ziel, den Wert von Ressourcen möglichst lange zu erhalten (Potting et al. 2017; Reike et al. 2018). In der Literatur wird hierbei meist von zehn R‑Strategien gesprochen, die in Abb. 1 dargestellt sind und im Einklang mit den hierarchischen Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie (2008/98/EG 2008) stehen.
Abb. 1
Zehn R‑Strategien der Kreislaufwirtschaft. In Anlehnung an Potting et al. (2017), Reike et al. (2018), BMK (2024) und Prenner (2025)
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Mit zunehmender Zirkularität steigen jedoch die Anforderungen an Geschäftsmodellinnovationen, wie in Abb. 1 ersichtlich ist. Geschäftsmodelle lassen sich an der Schnittstelle zwischen R‑Strategien und deren praktischer Umsetzung verorten. Allgemein können sie als analytische Instrumente verstanden werden, die die Geschäftslogik von Organisationen beschreiben, indem sie aufzeigen, wie Werte geschaffen, geliefert und erhalten werden. Gleichzeitig dienen sie als Rahmen für die Entwicklung, Innovation und Bewertung operativer und strategischer Ansätze einer Organisation (Osterwalder et al. 2005). Zirkuläre Geschäftsmodelle unterscheiden sich von linearen Ansätzen dadurch, dass ihre Wertschöpfungslogik auf Ressourceneffizienz ausgerichtet ist. Sie zielen darauf ab, Produkte und Komponenten durch langlebiges Design, Reparatur oder Wiederaufarbeitungsmöglichkeiten lange im Nutzungskreislauf zu halten und Materialien nach ihrem Einsatz wieder in den Kreislauf zurückzuführen (Nußholz 2017). Damit knüpfen zirkuläre Geschäftsmodelle unmittelbar an die zehn R‑Strategien an.
Die zehn R‑Strategien reichen vom bewussten Verzicht auf Produkte oder Materialien (engl. Refuse) bis hin zur thermischen Verwertung mit Energierückgewinnung (engl. Recover). Dazwischen liegen Ansätze zur intelligenteren Produktnutzung und -herstellung (engl. Rethink, Reduce), verschiedene Strategien zur Verlängerung der Produktlebensdauer (engl. Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose) sowie die Materialrückgewinnung (engl. Recycle). Je niedriger eine R‑Strategie in der Hierarchie angesiedelt ist (d. h., je näher an R0; vgl. Abb. 1), desto größer ist ihr Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, insbesondere hinsichtlich der Reduzierung des Ressourceneinsatzes und der Verringerung von Umweltbelastungen. Mit zunehmender Zirkularität steigen jedoch auch die Anforderungen an frühe Phasen des Produktdesigns (Potting et al. 2017). Diese Anforderungen an Produktdesigns können mittels unterschiedlicher Design-Strategien adressiert werden, etwa die unter dem Sammelbegriff „Design for X“ (DfX) zusammengefassten Ansätze wie „Design for Repair“, „Design for Reuse“ oder „Design for Recycling“, die jeweils spezifische R‑Strategien adressieren (Huang 1996; den Hollander et al. 2017). Werden mehrere dieser Ansätze integriert, spricht man häufig von „Design for Circularity“ bzw. „Circular Design“. Letzterer Ansatz ist systemischer angelegt als jene Ansätze, die sich nur auf eine ausgewählte R‑Strategie fokussieren und stellt sowohl die Verlängerung von Produktlebenszyklen als auch die Schließung von Materialkreisläufen in den Mittelpunkt (Bocken et al. 2016). Darüber hinaus gewinnt das Konzept „Safe-and-Sustainable-by-Design“ (SSbD) zunehmend an Bedeutung. Dass SSbD-Rahmenwerk zielt darauf ab, durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeits- und Sicherheitsaspekte in frühen Phasen der Produkt- und Materialentwicklung, Produkte und Materialien nicht nur umweltfreundlicher und sicherer zu gestalten, sondern auch gezielt für eine längere Nutzungsdauer, Wiederverwendung und Kreislaufführung auszulegen (Caldeira et al. 2022).
Die Einnahme einer systemischen Perspektive, die Wechselwirkungen, Rückkopplungen und Abhängigkeiten im Gesamtsystem berücksichtigt, macht es erforderlich, Wertschöpfung nicht länger als lineare Wertschöpfungskette, sondern als Wertschöpfungskreislauf zu verstehen. Ein Wertschöpfungskreislauf bezeichnet die zirkuläre Organisation von Material‑, Produkt‑, Daten- und Finanzflüssen über den gesamten Lebenszyklus (Qudrat-Ullah und Kane 2010). Er stützt sich auf wiederkehrende Rückkopplungen (Qudrat-Ullah und Kane 2010) und Mehrfachnutzungen, erhält den wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Wert von Ressourcen so lange wie möglich und führt Produkte sowie Materialien nach der Nutzung gezielt in geeignete Nutzungsphasen zurück. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt von der einmaligen Wertrealisierung hin zu einer schrittweisen Werterhaltung und gegebenenfalls Werterhöhung je Durchlauf. Übergeordnet hierzu stehen Wertschöpfungsnetzwerke. Darunter ist das komplexe und miteinander verbundene System von Beziehungen und Interaktionen vielfältiger Stakeholder zu verstehen, die durch Kooperation und Werteaustausch die Erstellung, Produktion und Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen ermöglichen (Evans et al. 2017). Dabei bildet ein Wertschöpfungsnetzwerk mehrere, teilweise miteinander verknüpfte, Wertschöpfungskreisläufe sowie ein erweitertes Stakeholder-Umfeld ab (Allee 2000).
Für die Umsetzung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft sind zirkuläre Geschäftsmodelle ein essenzieller Baustein. Ihre praktische Anwendung ist bislang jedoch noch nicht weit verbreitet. Um die im Europäischen Grünen Deal sowie dem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft verankerten Ziele zu erreichen, ist eine breite Einführung dieser Modelle unerlässlich. Im vorliegenden Beitrag werden daher zunächst verfügbare Ansätze zur Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle diskutiert, bevor auf Basis von Literaturanalysen und Expert:innen-Dialogen zentrale Herausforderungen für die praktische Anwendung aufgezeigt werden. Aufgrund der aktuellen Bedeutung wird dabei ein Fokus auf das SSbD-Rahmenwerk gelegt, das exemplarisch als richtungsweisende Design-Strategie betrachtet wird.

2 Methodik

Die in diesem Beitrag dargestellten Ergebnisse basieren auf einem Forschungsdesign, das in mehreren ausgewählten nationalen und europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten von Brimatech angewandt wurde bzw. derzeit zur Anwendung kommt. Diese Projekte sind in Tab. 1 dargestellt, welche auch die wichtigsten Informationen zu Laufzeit, Förderprogramm, Fördernummer, Zielsetzung und dem spezifischen Bezug zu zirkulären Geschäftsmodellen zeigt.
Tab. 1
Übersicht relevanter Forschungs- und Innovationsprojekte von Brimatech mit Bezug zu zirkulären Geschäftsmodellen
Laufzeit & Förderprogramm
Projekttitel
Zielsetzung
Bezug zu zirkulären Geschäftsmodellen
2025–2028
Horizon Europe, Grant Agreement No. 101178011
DESIDERATA1–Integrated Pathways: Advancing Safe and Sustainable by Design Material Innovation through Collaborative Wisdom
Validierung des SSbD-Rahmenwerks durch industrielle Fallbeispiele in der Kunststoff‑, Bau- und Schmiermittelbranche zur Substitution bedenklicher Stoffe und Förderung nachhaltiger Materialien
Entwicklung und Bewertung zirkulärer Geschäftsmodelle für Fallbeispiele in der Kunststoff‑, Bau- und Schmiermittelbranche
2024–2027
Mobilität 2023: Kreislaufwirtschaft, Not. FO999913974
FALCON2–Zirkuläre Produktion von biologisch abbaubaren Hanffaser-Verbundbauteilen
Analyse biologisch abbaubarer Hanffaser-Verbundwerkstoffe hinsichtlich Materialflüssen, Recyclingoptionen und Geschäftsmodellen für regionale Anwendungen in Mobilität und Luftfahrt
Untersuchung und Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle für Hanffaser-Verbundbauteile sowie Bewertung möglicher Produkt-Service-Systeme (PSS) und Zirkularitätsstrategien
2023–2027
Horizon Europe, Grant Agreement No. 101123150
SNUG3–Innovative methodology based in circular economy and artificial intelligence to foster the transition to Sustainable and very high eNergy performance bUildinGs at a cost optimal level
Entwicklung und Demonstration einer Methodik zur Dämmstoffauswahl für Gebäude, um Energieeffizienz zu maximieren und Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus zu reduzieren
Entwicklung und Planung von Geschäftsmodellen für nachhaltige Dämmstofflösungen unter Berücksichtigung verschiedener R‑Strategien
2023–2024
Direktbeauftragung BMKa (jetzt: BMIMIb)
Transition Pathway–Stärkung der Kreislaufwirtschaft durch den Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle und digitaler Technologien
Analyse von Synergien zwischen zirkulären Geschäftsmodellen, digitalen Technologien und Kreislaufwirtschaft sowie Entwicklung von Umsetzungspfaden für die Twin Transition in der Chemieindustrie
Analyse und Förderung zirkulärer Geschäftsmodelle in der österreichischen Chemieindustrie durch die Verknüpfung mit digitalen Technologien
2020–2024
Nano EHS/SAF€RA, No. 880683
SafLiBatt4–Safety and risk assessment of 1st and 2nd life lithium-ion batteries
Schaffung einer wissenschaftlichen Grundlage für die sichere und nachhaltige Nutzung von Second-Life-Lithium-Ionen-Batterien durch Risikobewertungen, Labortests, Lebenszyklus- und sozioökonomische Analysen
Analyse ausgewählter Elemente zirkulärer Geschäftsmodelle für Second-Life-Batterien, insbesondere von Wertschöpfungsnetzwerken, Treiber und Barrieren sowie Leistungsindikatoren
2020–2021
Direktbeauftragung BMKa (jetzt: BMIMIb)
CaaS–Positionierung „Chemicals as a Service“ im Technologieumfeld
Untersuchung der Verbindungen zwischen Chemikalienleasing und „as-a-Service“-Geschäftsmodellen sowie des Einflusses digitaler Technologien
Analyse des Potenzials digitaler Technologien als Enabler für die Implementierung zirkulärer Geschäftsmodelle
a)Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)
b)Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI)
1Website des DESIDERATA Projektes: https://www.desiderata-project.eu/ (Zugriff am 01.10.2025)
2Projektdatenblatt des FALCON Projektes: https://projekte.ffg.at/projekt/5125085 (Zugriff am 01.10.2025)
3Website des SNUG Projektes: https://snugproject.eu/ (Zugriff am 01.10.2025)
4Projektdatenblatt des SafeLiBatt Projektes: https://projekte.ffg.at/projekt/3845777 (Zugriff am 01.10.2025)
Das Vorgehen ist generisch konzipiert, wurde jedoch in den einzelnen Projekten jeweils an spezifische Fragestellungen angepasst. Für den vorliegenden Beitrag werden insbesondere jene Ergebnisse und Erfahrungen herangezogen, die Barrieren und Herausforderungen bei der Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle adressieren.
Das Forschungsdesign kombiniert vier zentrale methodische Bausteine: Literaturanalysen, qualitative Interviews, Workshops und die systematische Datenauswertung. Diese Elemente sind in Abb. 2 dargestellt. Durch wechselseitige Feedbackschleifen zwischen den einzelnen Schritten können iterative Erkenntnisprozesse sowie eine enge Einbindung relevanter Stakeholder sichergestellt werden (vgl. Abb. 2).
Abb. 2
Schematische Darstellung des Forschungsdesigns
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2.1 Literaturrecherche

Die Literaturrecherche bildet die Grundlage für die theoretische Fundierung sowie die Identifikation bestehender Ansätze und Rahmenbedingungen. Neben einer systematischen Suche kommt die Schneeballmethode zum Einsatz, um zusätzliche relevante Quellen über Referenzlisten zu erschließen. Die Literaturanalyse läuft während der gesamten Projektdauer fort, sodass sowohl neu erscheinende Arbeiten als auch Fragestellungen aus den empirischen Erhebungen kontinuierlich einbezogen werden.

2.2 Qualitative Interviews

Zur Generierung von Primärdaten kommt die Methodik qualitativer Interviews zum Einsatz, die eine Kombination aus problemzentrierten Interviews (Witzel 2000) und Expert:innen-Interviews (Meuser und Nagel 1991; Pfadenhauer 2009) darstellt. Problemzentrierte Interviews eignen sich insbesondere für theoretisch fundierte Fragestellungen in noch wenig klar umrissenen Themenfeldern (Witzel 2000), während Expert:innen-Interviews spezifisches Fachwissen im Kontext praktischer Verantwortung erfassen (Pfadenhauer 2009). Um den Interviewprozess strukturiert und zugleich situationsspezifisch zu gestalten, wird jeweils ein themenspezifischer Leitfaden erstellt (Witzel 1982; Meuser und Nagel 1991). Dieser orientiert sich an den zentralen Forschungsfragen und wird im Verlauf der Erhebung iterativ angepasst. Zur Strukturierung werden je nach Fragestellung zwei unterschiedliche Methoden kombiniert: das SPIN-Schema (engl. Situation, Problem, Implication, Need) zur Analyse der Situation sowie zur Identifikation von Problemen, Bedarfen und Auswirkungen (Rackham 1988), sowie die Critical Incident Technique zur Bewältigung kritischer Gesprächssituationen (Flanagan 1954). Die Auswahl der Interview-Partner:innen erfolgt nach einer theoriegeleiteten Auswahl („theoretisches Sampling“), um möglichst heterogene Perspektiven eines Wertschöpfungsnetzwerks einzubeziehen. Die Zahl der Interviews orientiert sich am Prinzip der theoretischen Sättigung. Das bedeutet, dass die Erhebung endet, sobald keine neuen, relevanten Erkenntnisse mehr gewonnen werden können (Glaser und Strauss 1967).

2.3 Workshops

Workshops dienen sowohl der Datenerhebung als auch der Validierung von Zwischenergebnissen. Sie fördern den Austausch zwischen Stakeholdern, ermöglichen die gemeinsame Reflexion zentraler Fragestellungen und tragen dazu bei, unterschiedliche Perspektiven systematisch einzubeziehen. Je nach Projekt finden sie online oder in Präsenz statt. Die Diskussionen und Ergebnisse werden in Form von Protokollen, Whiteboard-Dokumentationen und Audioaufzeichnungen (bei Onlineformaten) erfasst und anschließend für die Analyse aufbereitet.

2.4 Datenauswertung

Die Auswertung der qualitativen Daten erfolgt mittels Inhaltsanalyse nach Mayring (2000). Hierbei werden sowohl induktive Kategorien aus dem empirischen Material entwickelt als auch deduktive Kategorien auf Basis theoretischer Konzepte angewandt. Durch dieses regelgeleitete Vorgehen werden relevante Informationen systematisch aus den Texten extrahiert, geordnet und verdichtet, sodass zentrale Muster, Barrieren und Handlungsbedarfe sichtbar werden. Auf diese Weise entsteht eine methodisch kontrollierte, zugleich flexible Analyse, die theoriegeleitete und praxisnahe Erkenntnisse miteinander verbindet (Mayring 2000).

3 Theoretischer Hintergrund zu zirkulären Geschäftsmodellen und Umsetzungsmöglichkeiten

Die folgenden Unterkapitel behandeln die grundlegende Literatur zu zirkulären Geschäftsmodellen und deren Umsetzung. Im Fokus steht die Verknüpfung zwischen konventionellen, nachhaltigkeitsorientierten und zirkulären Geschäftsmodellen. Anschließend werden zentrale Konzepte, Rahmenwerke und Tools vorgestellt, die den Innovationsprozess zirkulärer Geschäftsmodellinnovationen unterstützen. In diesem Zusammenhang liegt ein spezifischer Schwerpunkt hinsichtlich Design-Strategie auf dem SSbD-Rahmenwerk, das die Möglichkeit bietet, Zirkularität in die Material‑, Produkt- und Prozessentwicklung zu integrieren.

3.1 Zirkuläre Geschäftsmodelle

Zirkuläre Geschäftsmodelle sind spezifische nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsmodellarten (Geissdoerfer et al. 2018b). Abb. 3 zeigt die Verknüpfung von konventionellen, nachhaltigkeitsorientierten und zirkulären Geschäftsmodellen. In diesem Zusammenhang betonen Geissdoerfer et al. (2018b), dass es sich bei nachhaltigkeitsorientierten Geschäftsmodellen um Abwandlungen von konventionellen Geschäftsmodellen handelt, welche zusätzlich nachhaltigkeitsrelevante Eigenschaften berücksichtigen. Zum einen können diese Geschäftsmodelle verschiedene nachhaltigkeitsorientierte Konzepte, Prinzipien oder Ziele integrieren (Geissdoerfer et al. 2018b). Eine weitere Möglichkeit ist, Nachhaltigkeit in dem Wertversprechen, der Wertschöpfungsgenerierung und -bereitstellung sowie in der Wertabschöpfung zu verankern (Geissdoerfer et al. 2018b; Bocken und Geradts 2020). Wesentliche Aspekte neben der Schaffung von nachhaltigem Nutzen und Mehrwert sind die Einbindung von unterschiedlichen Stakeholdern aus dem Wertschöpfungsnetzwerk sowie eine langfristige Ausrichtung auf nachhaltige Wertschöpfung (Bocken et al. 2016; Geissdoerfer et al. 2018a; Bocken und Geradts 2020). Zirkuläre Geschäftsmodelle nach Bocken et al. (2016) und Geissdoerfer et al. (2018a) legen zudem den Fokus auf Strategien wie Schließen, Verlangsamen, Intensivieren, Entmaterialisieren oder Verengen von Ressourcenkreisläufen. Zusammenfassend gilt: „Zirkuläre Geschäftsmodelle sind Geschäftsmodelle, welche zirkuläre Ressourcenkreisläufe schaffen, nachhaltigen Nutzen stiften, Stakeholder einbinden und eine langfristige Ausrichtung beabsichtigen“ (Geissdoerfer et al. 2018b).
Abb. 3
Verknüpfung zwischen konventionellen, nachhaltigkeitsorientierten und zirkulären Geschäftsmodellen. In Anlehnung an Geissdoerfer et al. (2018b)
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Die Literatur (Lewandowski 2016; Lüdeke-Freund et al. 2019) zeigt zahlreiche Arten zirkulärer Geschäftsmodelle, die auf den oben angeführten Strategien zum Schließen, Verlangsamen, Intensivieren, Entmaterialisieren oder Verengen von Ressourcenkreisläufen basieren. Darunter finden sich beispielsweise Modelle der Energiegewinnung, Erhaltung und Reparatur, Chemical Leasing oder Produkt-Service-Systeme (PSS) wie beispielsweise materielle X‑as-a-Service Modelle (Lewandowski 2016). Die Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodellinnovationen ist jedoch mit verschiedenen Herausforderungen verbunden (Brown et al. 2019; Bocken und Geradts 2020). Daher gewinnen Instrumente in Form von Konzepten, Rahmenwerken und Tools, die Organisationen bei der systematischen Entwicklung und strukturierten Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle unterstützen, an Bedeutung.

3.2 Theoretische Konzepte, Rahmenwerke und Tools

Nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsmodellinnovationen wecken zunehmend das Interesse von Unternehmen, da die Bewältigung von nachhaltigkeitsspezifischen Herausforderungen gewinnversprechend sein kann (Bocken und Geradts 2020). Nach Bocken und Geradts (2020) können die Vorteile dieser Geschäftsmodelle vielseitig sein und reichen von der Berücksichtigung der Stakeholder-Anliegen, neuer Einnahmequellen, Kostenentlastung bis hin zur Bewältigung anhaltender Nachhaltigkeitsherausforderungen. Unternehmen setzen dabei zunehmend auf zirkuläre Geschäftsmodelle, was auch Herausforderungen für Verantwortliche mit sich bringt, insbesondere da es zahlreiche Möglichkeiten gibt, zirkuläre Geschäftsmodellinnovationen zu entwickeln (Bocken und Ritala 2021). Auf Unternehmensebene bedarf es an Struktur und Orientierungshilfe durch verschiedene Instrumente, um die Kreislaufwirtschaft zu operationalisieren und zirkuläre Geschäftsmodellinnovationen zu entwickeln (Bocken et al. 2019; Santa-Maria et al. 2022). Grundsätzlich umfasst der Begriff „Instrumente“ theoretische Konzepte, Rahmenwerke sowie Tools als praktische Hilfsmittel zur Umsetzung. Dazu gehören auch Leitfäden (z. B. ISO 59010), Checklisten und analytische Verfahren (Bocken et al. 2019). Zu Letzteren zählen die ökologische Lebenszyklusanalyse (engl. Life Cycle Assessment, LCA) (Bocken et al. 2019) und die Geschäftsmodell-Lebenszyklusanalyse (engl. Business Model Life Cycle Assessment, BM-LCA) (Böckin et al. 2022). Während die LCA die ökologischen Auswirkungen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts, eines Prozesses oder einer Dienstleistung bewertet (Bocken et al. 2019), analysiert die BM-LCA die Umweltauswirkungen holistischer Geschäftsmodelle (Böckin et al. 2022).
In Anlehnung an Bocken et al. (2019) veranschaulicht Tab. 2 relevante (visuelle) Konzepte, Rahmenwerke und Tools, die entlang des zirkulären Geschäftsmodellinnovationsprozesses genutzt werden können. Sie wurde um sechs aktuelle Instrumente ergänzt, die für zirkuläre Geschäftsmodellinnovationen relevant sind. Dazu zählen neben dem Rahmenwerk zu Ressourcen- und Innovationsstrategien (Bocken und Ritala 2021) das zirkuläre Kollaborations-Canvas nach Brown et al. (2021), das SSbD-Rahmenwerk (Caldeira et al. 2022), die R‑Strategien-Rahmenwerke nach Potting et al. (2017) und Reike et al. (2018) sowie das zirkuläre Sprint-Rahmenwerk nach Santa-Maria et al. (2022). In Tab. 2 sind neben den Autor:innen und dem Publikationsjahr auch eine kurze Beschreibung, der Fokus sowie Charakteristika der Instrumente ersichtlich. Die verschiedenen Instrumente umfassen (konzeptionelle) Rahmenwerke, ein Online-Tool, ein Screening Tool, ein konzeptionelles Tool, zwei Canvas-Tools sowie eine Tabelle mit Fragen. Alle Instrumente wurden zwischen 2014 und 2022 veröffentlicht und unterstützen die verschiedenen Phasen des Prozesses zirkulärer Geschäftsmodellinnovation – von der (1) Ideengenerierung und Entwicklung, über die (2) Implementierung und Testung bis hin zur (3) Evaluierung und Verbesserung (Bocken et al. 2019). Je nach Fokus lassen sich einzelne Instrumente entlang eines Innovationsprozesses kombinieren oder variabel in unterschiedlichen Phasen einsetzen, während andere Instrumente aus der Literatur (z. B. Heyes et al. 2018; Leising et al. 2018; Mendoza et al. 2017) den gesamten Prozess abdecken. Grundsätzlich besteht auch die Option, Tools in Rahmenwerke einzubinden. Beispielsweise werden im zirkulären Sprint-Rahmenwerk von Santa-Maria et al. (2022) zwölf verschiedene Tools, darunter das zirkuläre Geschäftsmodell-Canvas genutzt. Ein anderes Beispiel ist das SSbD-Rahmenwerk, in welchem unter anderem auch Tools zur Lebenszyklusnachhaltigkeitsbewertung (engl. Life Cycle Sustainability Assessment, LCSA) eingesetzt werden (Caldeira et al. 2022). LCSA-Bewertungen decken mit einer LCA, einem Life Cycle Costing (LCC) sowie einem Social Life Cycle Assessment (sLCA) alle drei Säulen der Nachhaltigkeit ab (Alejandrino et al. 2021).
Tab. 2
Konzepte, Rahmenwerke und Tools für den zirkulären Geschäftsmodellinnovationsprozess. In Anlehnung an Bocken et al. (2019), Brown et al. (2021), Caldeira et al. (2022), Potting et al. (2017), Reike et al. (2018), Bocken und Ritala (2021) und Santa-Maria et al. (2022)
Nr.
Autor:innen (Jahr)
Beschreibung und Fokus
Instrumentart
Charakteristik
1
Antikainen et al. (2017)
Prozess-Tool zur Steuerung des gesamten Geschäftsmodellinnovationsprozesses
Rahmenwerk
Allgemein: basiert auf verschiedenen Fällen
2
Bocken et al. (2016)
Kreislaufwirtschaftsbewertung zur Beurteilung potenzieller Umweltauswirkungen neuer Geschäftsmodellideen
Strukturierte Tabelle mit Fragen
Spezifisch: für den Kleidungssektor
3
Bocken und Ritala (2021)
Rahmenwerk zu Ressourcen- und Innovationsstrategien für die Geschäftsmodell-Transformation
Rahmenwerk
Allgemein
4
Brown et al. (2021)
Ideengenerierungstool zur kollaborativen Gestaltung zirkulärer Angebote
Canvas-Tool
Allgemein
5
Caldeira et al. (2022)
SSbD-Rahmenwerk zur Definition von Kriterien und Evaluierungsverfahren von Chemikalien und Materialien
Rahmenwerk
Allgemein: für Chemikalien und Materialien
6
Evans und Bocken (2014)
Orientierungshilfe in Form einer Datenbank mit konsolidierten Möglichkeiten/Tools für eine zirkuläre Wertschöpfung
Online-Tool
Allgemein
7
Haines-Gadd et al. (2018)
Unterstützungshilfe bei der Umsetzung eines Designs im Entwicklungsprozess neuer zirkulärer Produkte
Rahmenwerk mit Konzeptkarten
Allgemein: Fokus auf Produktlebensdauer
8
Heyes et al. (2018)
BECE-Rahmenwerk zur Integration von Backcasting und Ökodesign für die Kreislaufwirtschaft
Rahmenwerk
Spezifisch: Fokus auf den Informations‑, Kommunikations- und Technologiesektor
9
Leising et al. (2018)
Kollaborationstool
Konzeptionelles Rahmenwerk mit einem Prozess
Spezifisch: für die Baubranche
10
Manninen et al. (2018)
Umweltbewertungstool zur Präzisierung von Umweltwertversprechen
Konzeptionelles Tool
Allgemein: getestet mit verschiedenen Industrien
11
Mendoza et al. (2017)
Umfassendes Kreislaufwirtschafts-Tool mit Designelementen
Rahmenwerk
Allgemein
12
Nußholz (2018)
Kollaboratives Mapping-Tool
Canvas-Tool
Allgemein
13
Pigosso et al. (2018)
Screening-Tool zur Unterstützung bei der Erforschung des Potenzials für Öko-Innovationen
Screening-Tool
Spezifisch: für KMUs
14
Potting et al. (2017)
10-stufiges Rahmenwerk – Produkt- und designbezogene Perspektive auf Werterhaltungsoptionen (R-Strategien)
Rahmenwerk
Allgemein
15
Reike et al. (2018)
10-stufiges Rahmenwerk – Systemisch-theoretische Perspektive auf Werterhaltungsoptionen (R-Strategien)
Rahmenwerk
Allgemein
16
Santa-Maria et al. (2022)
Sprint-Rahmenwerk für eine iterative Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle in frühen Innovationsphasen
Rahmenwerk
Allgemein: inkl. 12 verschiedener Tools
17
Sinclair et al. (2018)
Consumer Intervention Mapping (CIM) für die Erstellung zirkulärer Produktstrategien
Tool
Allgemein
Bocken et al. (2019) heben hervor, dass die Vielzahl an Instrumenten, welche größtenteils auf traditioneller Managementliteratur basieren, trotz ihrer Relevanz in der Praxis unzureichend genutzt werden. Die Gründe variieren, etwa können allgemeinere Instrumente die Bedürfnisse und Erwartungen der Unternehmen nicht erfüllen (Bocken et al. 2019; Santa-Maria et al. 2022) oder positive ökologische und soziale Auswirkungen können nicht angemessen adressiert werden, während spezifische Instrumente für zirkuläre Geschäftsmodellinnovationen beispielsweise nicht empirisch getestet wurden oder zu komplex sind (Bocken et al. 2019). Herausforderungen und Barrieren bei der Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle, die auf Erfahrungen aus ausgewählten nationalen und europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten von Brimatech basieren und durch aktuelle Literatur gestützt werden, sind in Kap. 4 beschrieben.

3.3 Berücksichtigung von Safe-and-Sustainable-by-Design

Das SSbD-Rahmenwerk des Joint Research Center (JRC) ist ein marktvorbereitendes Instrument zur Entwicklung von Materialien und Chemikalien, das darauf abzielt, umwelt- und gesundheitsgefährdende chemische oder materialspezifische Eigenschaften frühzeitig zu identifizieren und in weiterer Folge zu vermeiden (Caldeira et al. 2022). Dabei sollen durch die Nutzung des Rahmenwerks alternative Innovationen zu besorgniserregenden Stoffen entstehen (Caldeira et al. 2022). Das heißt, die Einbindung des SSbD-Rahmenwerks, welches als disruptives Instrument angesehen wird, fördert im Zuge des Innovationsprozesses neue Geschäftsmodellinnovationen (Stoycheva et al. 2025). Mehrere Quellen verorten das SSbD-Rahmenwerk in den frühen bzw. marktvorbereitenden Phasen des Innovationsprozesses, darunter die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD 2022) und Apel et al. (2024).
Das SSbD-Rahmenwerk ist als fünfstufiger Prozess konzipiert, der parallel und iterativ durchlaufen wird und sicherheits-, umwelt- und sozioökonomische Dimensionen umfasst. In der Sicherheitsdimension erfolgen in Schritt 1 die Gefahrenbewertung der intrinsischen Eigenschaften von Chemikalien und Materialien, in Schritt 2 die Bewertung der menschlichen Gesundheits- und Sicherheitsaspekte in der Produktion und in Schritt 3 die Bewertung der menschlichen Gesundheits- und Umweltauswirkungen in der Anwendungsphase. Die Umweltdimension adressiert in Schritt 4 die Bewertung der Umweltauswirkungen von Chemikalien und Materialien in Bezug auf die definierten Auswirkungskategorien. Hierfür wird die LCA als zentrales Bewertungsinstrument vorgeschlagen. Die sozio-ökonomische Dimension umfasst in Schritt 5 die Berücksichtigung sozialer Aspekte, die künftig relevant sein könnten. Ein weiterer Fokus liegt auf den finanziellen Aspekten. In diesem Zusammenhang werden vom JRC die Bewertungsinstrumente LCC und sLCA vorgeschlagen. Detaillierte Informationen dazu finden sich in der Publikation zum SSbD-Rahmenwerk (Caldeira et al. 2022).

4 Ergebnisse und Diskussion spezifischer Herausforderungen

Trotz ihrer hohen strategischen Relevanz und klarer politischer Vorgaben durch den Europäischen Grünen Deal und den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft bleibt die Verbreitung zirkulärer Geschäftsmodelle bislang begrenzt. Die Ursachen hierfür liegen in einem Zusammenspiel marktseitiger, organisatorischer, regulatorischer und technologischer Faktoren sowie in fehlenden Referenzen und Routinen für eine Umsetzung. In den folgenden Unterkapiteln werden die identifizierten Barrieren und Herausforderungen für den Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle thematisch gebündelt dargestellt und genauer erläutert. Sie erfassen sowohl strukturelle als auch operative Hürden innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken. Wichtig ist es, anzumerken, dass viele dieser Faktoren nicht isoliert, sondern in Wechselwirkung zueinander auftreten und sich gegenseitig verstärken können (siehe Abb. 4).
Abb. 4
Identifizierte Herausforderungen für einen Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle
Full size image
Zusätzlich zu den Erfahrungen aus den Projektarbeiten von Brimatech (siehe Tab. 1), wurden Publikationen aus der wissenschaftlichen Literatur herangezogen, die sich ebenfalls mit den Herausforderungen zirkulärer Geschäftsmodelle befassen. Ihre Ergebnisse decken sich in den zentralen Punkten mit denen von Brimatech. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in den folgenden Unterkapiteln zusammen mit den Erfahrungen von Brimatech dargestellt und diskutiert.

4.1 Operative Umsetzung

Die Umsetzung konzeptioneller Modelle in betriebliche Routinen ist für Unternehmen mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Eine Schwierigkeit ergibt sich aus der systemimmanenten Komplexität ganzheitlicher, zirkulärer Betrachtungen. Ebenso anspruchsvoll ist die vollständige, an den eigenen Prozessen und Produkten ausgerichtete Ausarbeitung von R‑Strategien. Dabei muss Zirkularität von Beginn an mitgedacht werden (vgl. Design for Circularity). Dies erfordert nachweislich eine geringere Produktkomplexität, eine ausgeprägte Modularität, eine gute Demontierbarkeit sowie den Verzicht auf gesundheits- und umweltgefährdende Materialien und Chemikalien. Weiters müssen Produkte am Ende ihrer Nutzung zu einem Ort zurückgeführt werden, an dem eine adäquate R‑Strategie zum Einsatz kommen kann. Dabei erweisen sich Rücknahmesysteme oft als logistische Hürden in der operativen Umsetzung, insbesondere bei niedrigen Stückzahlen und global verteilten Nutzungsorten. In der Durchführung sind zudem eine detaillierte Dokumentation und ein tiefes Prozessverständnis erforderlich, um wiederholbare und stabile Abläufe im Wertschöpfungskreislauf sicherzustellen. Beides fehlt in der Praxis jedoch häufig, was wiederum hemmend wirkt. Bocken und Geradts (2020) weisen auf fehlendes Training, Kapazitätsaufbau sowie entsprechende Planung und Zuteilung von Ressourcen im Hinblick auf nachhaltige Unternehmensinnovationen hin. In der Folge führt dies zu einer mangelnden Fachkompetenz der Mitarbeitenden. Wie in Abb. 4 ersichtlich, spielen Barrieren hinsichtlich der operativen Umsetzung von zirkulären Geschäftsmodellen eine zentrale Rolle. Alle weiteren identifizierten Barrieren haben einen direkten Einfluss auf die operative Umsetzung und werden in den folgenden Kapiteln genauer dargestellt.

4.2 Wirtschaftlichkeit und Kosten

Aus ökonomischer Sicht hemmen die hohen Anfangsinvestitionen sowie die begrenzten betrieblichen finanziellen und personellen Ressourcen die Einführung zirkulärer Geschäftsmodelle. Verschiedene Studien (z. B. Rizos et al. 2016; Oghazi und Mostaghel 2018; Takacs et al. 2022) zeigen, dass zirkuläre Geschäftsmodelle insbesondere in der frühen Umsetzungsphase mit höheren Investitionskosten verbunden sind als lineare Geschäftsmodelle. Zudem betonen Rizos et al. (2016) und Takacs et al. (2022) auch die Knappheit der personellen Ressourcen insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs). Zusätzlich treiben in frühen Phasen angewandte Designstrategien wie beispielsweise SSbD die Kosten in die Höhe, deren Einsatz häufig mit hohen und teils schwer kalkulierbaren Aufwänden verbunden ist. Diese entstehen durch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, spezialisierte Testverfahren, Validierungsprozesse sowie Zertifizierungs- und Genehmigungsverfahren. Weiter erschwerend kommt hinzu, dass zirkuläre Geschäftsmodelle strukturell komplexer als lineare aufgebaut sind und deshalb entsprechend anspruchsvollere Kostenbewertungen erfordern (Oghazi und Mostaghel 2018). Zudem erfordert die Anpassung bestehender Geschäftsmodelle oder die Entwicklung neuer zirkulärer Geschäftsmodelle Investitionen in Technologien, Prozesse, Infrastruktur sowie in die Qualifizierung von Mitarbeitenden. Diese vielfältigen Faktoren erschweren eine belastbare Abschätzung des wirtschaftlichen Aufwands in frühen Entwicklungsphasen. Notwendige Prozessmodifikationen oder Neuerungen können zudem bestehende Routinen im Unternehmensalltag beeinträchtigen und damit zusätzliche Unsicherheiten in Bezug auf Aufwand, Kosten und Umsetzbarkeit verursachen. Darüber hinaus wirken schwankende Rohstoffpreise und steigende Energiekosten belastend auf die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere wenn Skaleneffekte ausbleiben oder Kostensenkungspotenziale nicht realisiert werden können. Hinzu können hohe Vorfinanzierungen bzw. Vorleistungen kommen, etwa wenn dienstleistungsorientierte Geschäftsmodelle wie X‑as-a-Service-Ansätze verfolgt werden. Auch Takacs et al. (2022) weisen darauf hin, dass die für die Implementierung einer Kreislaufwirtschaft erforderlichen Vorleistungen die kurzfristige finanzielle Leistungsfähigkeit einschränken können, zugleich aber von langfristig orientierten Unternehmen als strategisch notwendige Investition in Innovation bewertet werden.
Eine weitere Barriere ergibt sich aus der derzeitigen Systemlogik, die die wirtschaftliche Umsetzung von R -Strategien oftmals erschwert. Kirchherr et al. (2018) verdeutlichen, dass kulturelle Barrieren, wesentlich bedingt durch Marktbarrieren, die Umsetzung bremsen und kurzfristig orientierte Geschäftsentscheidungen begünstigen. Häufig fehlen ausreichende Anreize für eine Verlängerung der Produktlebensdauer, da sich deren Rentabilität gegenüber günstigen Neuprodukten als nachteilig erweist. In diesem Zusammenhang heben Laitala et al. (2021) hervor, dass das ungünstige Preisverhältnis von Reparatur gegenüber Ersatzkauf maßgeblich die Entscheidungen von Verbraucher:innen beeinflusst. Neuprodukte profitieren von derzeit niedrigen Primärrohstoffpreisen sowie von etablierten und automatisierten Produktionsprozessen. Im Gegensatz dazu sind zirkuläre Prozessketten häufig investitionsintensiv und arbeitsaufwendig. Llorente-González und Vence (2020) betonen, dass strukturbedingte Unterschiede hinsichtlich Arbeitsintensität (z. B. bei R4 – Reparatur, R3 – Wiederverwendung, vgl. Abb. 1) die Wettbewerbsfähigkeit zirkulärer Geschäftsmodelle beeinflussen. Ergänzend unterstreichen Rizos et al. (2016) die hemmende Rolle niedriger Rohstoffpreise. Zudem kann ein direktes Recycling (R8, vgl. Abb. 1) je nach Sekundärrohstoffpreis bisweilen rentabler sein als vorgelagerte lebensdauerverlängernde Maßnahmen, etwa bei Sekundärrohstoffen aus Lithium-Ionen-Batterien (Prenner et al. 2024). Abgesehen von den tatsächlichen Rentabilitätsproblemen wird der ökonomische Mehrwert zirkulärer Geschäftsmodelle häufig nicht ausgeschöpft. In diesem Zusammenhang werden Ressourcen oft nicht als zu erhaltender Wert begriffen, den Unternehmen zurückgewinnen möchten.

4.3 Kompetenz- und Wissenslücken

In vielen Unternehmen fehlt fundiertes Wissen über zirkuläre Geschäftsmodelle und die entsprechenden R‑Strategien. Auch Bocken und Geradts (2020) verweisen auf diese Problematik und unterstreichen dabei die Wichtigkeit hinsichtlich des Aufbaus bzw. der Integration von internem und externem Wissen. Betreffend R‑Strategien liegt der Fokus häufig auf dem Recycling (R8, vgl. Abb. 1), während Strategien wie die Wiederverwendung, Reparatur oder Erneuerung ausrangierter Produkte (R3, R4, R5, vgl. Abb. 1) kaum präsent sind. Auch Reike et al. (2018) unterstreichen, dass Recycling (R8, vgl. Abb. 1) und thermische Verwertung von Materialien (R9, vgl. Abb. 1) in der Praxis nach wie vor dominieren. Generell sind Informationen in Bezug auf verschiedene R‑Strategien oftmals nur beschränkt verfügbar (Reike et al. 2018; Schöggl et al. 2020; European Environment Agency 2025). Gleichzeitig sind die notwendige Interdisziplinarität und das systemische Denken oft nicht ausreichend verankert. Um fundiert entscheiden zu können, welche R‑Strategien, Designoptionen und Prozessmaßnahmen für die Entwicklung eines zirkulären Geschäftsmodells geeignet sind, sind belastbare Bewertungsmethoden notwendig, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen entlang des Wertschöpfungskreislaufs sichtbar machen. In diesem Zusammenhang weisen Luthin et al. (2024) auf die zirkuläre Lebenszyklusnachhaltigkeitsanalyse (engl. Circular Life Cycle Sustainability Assessment, C‑LCSA) hin, die während der Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle hilfreich ist. Eine C‑LCSA ist eine Erweiterung der LCSA um eine zirkuläre Bewertungsmethode (engl. Circularity Assessment, CA), die auf R‑Strategien basiert (Luthin et al. 2024). In der Praxis werden Methoden wie die LCSA oder C‑LCSA jedoch selten ganzheitlich und nachvollziehbar angewandt und sind noch nicht durchgängig etabliert (Bachmann et al. 2024).

4.4 Zielkonflikte zwischen Performance und Nachhaltigkeit

In der Praxis dominieren bei Unternehmen oft technische Leistungsindikatoren wie Haltbarkeit, Effizienz oder spezifische Materialeigenschaften die Entscheidungslogik, während Nachhaltigkeitskennzahlen wie CO2-Fußabdruck, Toxizität, Umweltverträglichkeit und Kreislauffähigkeit häufig nicht priorisiert oder nicht vollständig verstanden werden. Dies wirkt als Barriere für den Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle, weil Nachhaltigkeitsaspekte nicht mit dem gleichen Gewicht wie technische Aspekte in die Entscheidungsfindung eingehen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass zirkuläre und nachhaltige Alternativen die Funktionsfähigkeit der derzeit am Markt verfügbaren Produkte oft (noch) nicht erreichen, was die Priorisierung zugunsten zirkulärer Lösungen zusätzlich erschwert. Auch Takacs et al. (2022) weisen darauf hin, dass viele zirkuläre Produkte und Technologien weiterhin eine unzureichende Reife aufweisen und daher (noch) nicht praxistauglich oder nicht in marktfähiger Form verfügbar sind.

4.5 Organisation, Governance und Zusammenarbeit im Wertschöpfungsnetzwerk

Ein fehlendes Commitment des Top-Managements zum Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle ist eine zentrale unternehmensinterne Herausforderung. In der Folge bleibt eine strategische Verankerung zirkulärer Ansätze häufig aus. Ebenso ist ein kultureller Wandel auf der Ebene von Mitarbeitenden im Unternehmen hinsichtlich zirkulärer Arbeitsweisen und einer engeren innerbetrieblichen Zusammenarbeit (z. B. zwischen den Abteilungen Design und Produktion) erforderlich. Dies kann auf Vorbehalte gegenüber neuen Rollen, Prozessen und Zuständigkeiten stoßen. In der Literatur wird diese Herausforderung ebenfalls hervorgehoben. Takacs et al. (2022) betonen einen Mangel an Offenheit gegenüber neuen Lösungen auf Managementebene und bei den Mitarbeitenden als wesentliche Herausforderung. Rizos et al. (2016) verweisen auf Defizite in Bezug auf Haltungen, Routinen und Werte, die die Einführung zirkulärer Geschäftsmodelle erschweren. Bocken und Geradts (2020) heben zudem die Bedeutung einer Managementphilosophie als strategisch und operativ richtungsweisend für die Implementierung zirkulärer Geschäftsmodelle hervor. Darüber hinaus ist häufig das Vertrauen in neue Technologien, die eine Implementierung zirkulärer Geschäftsmodelle unterstützen könnten, begrenzt. Hinzu kommt die Sorge vor einer Verschiebung der Firmengrenzen bzw. Aufgabe der Firmenhoheit, da zirkuläre Geschäftsmodelle auf Kooperationen innerhalb eines Wertschöpfungsnetzwerks beruhen. Kooperationen werden zusätzlich dadurch erschwert, dass die relevanten Stakeholder innerhalb des Wertschöpfungsnetzwerks häufig zunächst nicht vollständig bekannt sind und es an Vertrauen fehlt, Informationen zu teilen und gemeinsam tragfähige, nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Laut Rizos et al. (2016) sind mangelndes Vertrauen, Bedenken bezüglich der Vertraulichkeit, Konkurrenzdenken und rechtliche Unsicherheiten zentrale Barrieren für den Wissensaustausch. Die Barriere einer mangelnden Kooperationsbereitschaft wird durch Sicherheitsbedenken beim unternehmensübergreifenden Datenaustausch noch weiter verstärkt, sodass dieser häufig lückenhaft bleibt oder gar nicht erst zustande kommt. Erschwerend wirken auch globale Wertschöpfungsnetzwerke, deren hohe Komplexität der Netzwerkstrukturen und Abhängigkeiten eine Kooperation zusätzlich verkompliziert. Auch Rizos et al. (2016) weisen in diesem Kontext auf eine erhöhte Komplexität, etwa in logistischer, finanzieller und rechtlicher Hinsicht hin, welche das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk beeinflusst. Zudem sind Zuständigkeiten und Rollenverständnisse im Wertschöpfungsnetzwerk häufig unklar. Beispielsweise ist oft nicht definiert, wer die Verantwortung für zurückgenommene und wiederaufbereitete Produkte trägt. Schließlich fehlen oft spezifische Kennzahlen zur Zirkularitätsleistung und belastbare Branchenbenchmarks, da der Fokus auf finanziellen Leistungskennzahlen liegt (Bocken und Geradts 2020). Dadurch werden Steuerung, Vergleich und Anreizsetzung in vernetzten Strukturen erheblich erschwert.

4.6 Datenbasis, Datensicherheit und Bewertungsmethoden

Derzeit wird der Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle vor allem durch Defizite bei der Datenqualität, der Datensicherheit und der Transparenz entlang von Wertschöpfungsketten und -kreisläufen gebremst. Aus Sorge um Vertraulichkeit, Geschäftsgeheimnisse und Schutzrechte (geistiges Eigentum; engl. Intellectual Property, IP) werden Informationen oftmals nur zögerlich geteilt. Das Thema Sicherheits- und Datenschutzbedenken beim Teilen von Daten wird in vielen Publikationen genannt (z. B. Bindel et al. 2012; Ozkan-Ozen et al. 2020; Jäger-Roschko und Petersen 2022). Das schränkt die Zusammenarbeit sowie den unternehmens- und lieferkettenübergreifenden Datenaustausch ein. In der Folge sind verfügbare Datensätze vielfach lückenhaft. Gleichzeitig sind verfügbare Datensätze häufig heterogen, was insgesamt zu suboptimalen Entscheidungen in Wertschöpfungsnetzwerken führt. Fehlendes und unzureichendes Wissen sowie die daraus resultierende mangelnde Datenverfügbarkeit werden auch von Takacs et al. (2022) als zentrale Herausforderung angeführt. Besonders bei Produkten mit sehr niedrigem technologischem Reifegrad (engl. Technology Readiness Level, TRL) fehlen oft belastbare Daten, etwa zur Materialzusammensetzung. Auch bei Produkten mit höherem TRL fehlen oft Daten, in diesem Fall beispielsweise hinsichtlich realen Nutzungs- und Zustandsprofilen am Ende einer Nutzungsphase. Diese Informationen sind jedoch notwendig, um Abnutzungserscheinungen für entsprechende R‑Strategien zu berücksichtigen und Sicherheitsrisiken fundiert zu bewerten, wie etwa beim Einsatz ausrangierter Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrofahrzeugen in stationären Energiespeichern (Prenner et al. 2024). Die mangelnde Transparenz in diesem Bereich erhöht operative Risiken und erschwert fundierte Entscheidungen über geeignete R‑Strategien.
Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Priorisierung geeigneter R‑Strategien zu schaffen, Lastenverschiebungen zu vermeiden und den Nutzen sowie die regulatorische Konformität nachweisen zu können, werden Lebenszyklusbewertungen (z. B. LCSA) eingesetzt. Auch hierbei ist das Vorhandensein von Daten von zentraler Bedeutung, die jedoch oft nicht im erforderlichen Umfang und in der erforderlichen Qualität verfügbar sind. Deshalb basieren Lebenszyklusbewertungen häufig auf Schätzwerten und Daten aus Laborversuchen in kleinem Maßstab. Barahmand und Eikeland (2022) heben ebenfalls die oft fehlenden, ungenauen oder unzureichenden Daten für Lebenszyklusbewertungen als Herausforderung hervor. Zudem mindern teils unklare Systemgrenzen und nicht eindeutig definierte funktionale Einheiten die Aussagekraft und Robustheit von Lebenszyklusbewertungen. Weiters fällt es Unternehmen oft schwer, präzise Input‑/Output-Daten (z. B. spezifischer Energie- und Materialverbrauch, Abfallmengen, Emissionen) bereitzustellen. Gründe hierfür sind unter anderem fehlende standardisierte Mess- und Austauschprotokolle sowie fortbestehende Vertraulichkeitsbedenken beim Umgang mit sensiblen Daten und geistigem Eigentum.

4.7 Regulatorische und politische Rahmenbedingungen

Uneinheitliche europäische Vorgaben und teils restriktive nationale Regelungen im Abfallmanagement stellen eine Herausforderung für den Einsatz von R‑Strategien in zirkulären Geschäftsmodellen dar. Wird ein Produkt am Ende seiner Nutzungsphase als Abfall eingestuft, darf es nur noch von zugelassenen Unternehmen oder Anlagen behandelt werden (2008/98/EG 2008). Dies ist je nach Abfallart aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen sinnvoll und notwendig. Problematisch wird es jedoch, wenn Materialien durch eine lebensdauerverlängernde R‑Strategie sicher im Kreislauf gehalten werden könnten, die gesetzliche Abfalleinstufung deren Einsatz jedoch verzögert, verteuert oder sogar verhindert. In solchen Fällen ist eine erneute Nutzung erst nach Feststellung des gesetzlichen Abfallendes gemäß Art. 6 der Richtlinie 2008/98/EG 2008 möglich. Ausnahmen bestehen teils für Forschung und Entwicklung sowie für rechtlich anerkannte Nebenprodukte (2008/98/EG 2008). Auch Rizos et al. (2016) und Takacs et al. (2022) verweisen auf die gesetzlichen Hindernisse und adressieren die einschränkenden Regelungen. Rizos et al. (2016) betonen, dass die Unterscheidung zwischen Abfall und Nebenprodukten für eine nachgelagerte Verwendung in der EU-Regelung nicht ausreichend kohärent definiert und klassifiziert ist. Dies erschwert beispielsweise auch grenzüberschreitende Transporte.
Weitere Herausforderungen ergeben sich aus unausgereiften und regional uneinheitlichen Regulierungs- und Standardisierungssystemen für Produkte, deren Lebensdauer verlängert werden soll (R3 bis R7, vgl. Abb. 1). Ebenso fehlen einheitliche Kennzeichnungen und Klassifizierungen für zirkuläre Produkte und Prozesse, was insbesondere bei Zerlegungen im Zuge lebensdauerverlängernder Maßnahmen zu zusätzlichen Konformitäts- und Bürokratieaufwänden führt. Neben fehlenden verbindlichen Vorgaben existiert jedoch eine Vielzahl freiwilliger Leitlinien und paralleler Brancheninitiativen. Dies erschwert insbesondere Neueinsteiger:innen die Orientierung in der Kreislaufwirtschaft. Auf politischer Ebene mindert eine teils unklare Ausrichtung die Planungssicherheit und verkompliziert die Bewertung und Erstellung von zirkulären Geschäftsmodellen. Diese unzureichende Planungssicherheit für Unternehmen, die durch schnell wandelnde Vorschriften und zusätzliche bürokratische Hürden entsteht, wird auch von Takacs et al. (2022) hervorgehoben.

4.8 Marktakzeptanz und Nachfrage

In vielen Branchen ist die Nachfrage nach zirkulären Produkten auf Kundenseite (noch) gering. Oft besteht, teils kulturell bedingt, eine Präferenz für Neuprodukte. Gleichzeitig reagieren Kund:innen oft zurückhaltend auf veränderte Angebote, insbesondere wenn etablierte Alternativen verfügbar sind, anfänglich höhere Kosten anfallen oder zusätzliche Risiken befürchtet werden, etwa erwartete Minderleistung, kürzere Haltbarkeit und geringere Zuverlässigkeit, Hygienebedenken oder unklare Garantie- und Servicebedingungen. Auch Rizos et al. (2016) verweisen auf Schwierigkeiten bei der präzisen Quantifizierung sowie beim Nachweis der Vorteile der daraus hervorgehenden Produkte und Dienstleistungen. Zudem heben sie die Gefahr von Fehlwahrnehmungen hervor, wonach diese im Vergleich zu konventionellen Waren von minderwertiger Qualität eingestuft werden. Für viele Endkonsument:innen ist Nachhaltigkeit bislang kein vorrangiges Entscheidungskriterium und wird daher nicht als zentrales Bedürfnis wahrgenommen (Bocken und Geradts 2020). Verschärft wird diese Problematik beispielsweise durch mangelndes Problembewusstsein, geringe Zahlungsbereitschaft und vorherrschende gesellschaftliche Werte (z. B. Wegwerfmentalität, schnell wechselnde Trends) (Takacs et al. 2022). Vor diesem Hintergrund ist eine klare, adressatengerechte Kommunikation des konkreten Mehrwerts zirkulärer Produkte essenziell, bleibt jedoch vielerorts unzureichend. Solange der erwartete Nutzen die wahrgenommenen Risiken und Mehrkosten nicht überzeugend übersteigt, bleiben Akzeptanz und Nachfrage begrenzt.

5 Ausblick und Schlussfolgerungen

Die Zusammenfassung der identifizierten Herausforderungen und Barrieren zeigt, dass die bislang zögerliche Verbreitung zirkulärer Geschäftsmodelle auf mehrere, sich teils gegenseitig verstärkende Einflussfaktoren in einem komplexen Zusammenspiel zurückgeht. Daraus lassen sich klare Entwicklungspfade ableiten, entlang derer Forschung, Politik und Unternehmen die Implementierung beschleunigen können. Zudem liegt aus der Forschung bereits ein breites Portfolio belastbarer Erkenntnisse, Instrumente und Fallbeispiele vor, dass die Umsetzung in unterschiedlichen Branchen unterstützt. Künftig ist der systematische Transfer in die betriebliche Praxis noch stärker zu priorisieren und stellt ein zentrales Forschungsfeld für nachfolgende und laufende Projekte dar. Schlussfolgernd werden im Folgenden Treiber für den verstärkten Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle dargestellt, die im Rahmen der Forschungs- und Innovationsprojekte von Brimatech (siehe Tab. 1) identifiziert werden konnten.
Auf politischer und regulatorischer Ebene kann der derzeit in Ausarbeitung befindliche „Circular Economy Act“ als strategische Neuorientierung genutzt werden. Durch neue Leitlinien soll er die regulatorische Kohärenz erhöhen und eine Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft vorantreiben. Bereits bestehende Reportingpflichten im Rahmen unterschiedlicher Vorschriften, etwa der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), dem Lieferkettengesetz oder den European Sustainability Reporting Standards (ESRS), können Unternehmen dazu bringen, ihre Nachhaltigkeitsleistungen systematisch zu erfassen, zu bewerten und offenzulegen. Diese Vorschriften bilden eine Grundlage für die Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle. Ergänzend dazu sind jedoch weitere Anreize erforderlich, wie steuerliche Erleichterungen für zirkuläre Produktinnovationen oder Investitionsförderungen. Wichtig ist auch die Förderung ganzheitlicher Bewertungsansätze (z. B. LCSA), um Entscheidungen zu R‑Strategien ökologisch, ökonomisch und sozial abzusichern. Herausforderungen in den Bereichen Datenverfügbarkeit, -transparenz und -qualität können durch den derzeit in Entwicklung befindlichen Produktpass je nach Ausgestaltung punktuell adressiert und Prozesse zu einem gewissen Grad erleichtert werden. In Zukunft werden jedoch zunehmende Anforderungen hinsichtlich Datenmenge und Datenaustausch erwartet. Für Produktpässe sowie für Bewertungsansätze spielen digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz, Data Analytics, vorausschauende Systeme (engl. Predictive Systems) Digitale Zwillinge und Industrial Internet of Things eine wichtige Rolle und können als Enabler dienen. Auch die Umstellung auf funktions- und servicebasierte Geschäftsmodelle als eine Form zirkulärer Geschäftsmodelle stützt sich in hohem Maß auf digitale Lösungen. Beim Einsatz digitaler Technologien ist jedoch eine vertikale Datenintegration entlang des Wertschöpfungskreislaufs sowie die Einbindung in bestehende ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) für eine nahtlose Datennutzung zu beachten. Notwendig sind zudem Interoperabilität zwischen Systemen und Formaten sowie branchenspezifische Datenräume zur Speicherung und zum Austausch von Kreislaufwirtschaftsdaten.
Ein weiterer wichtiger Treiber für die vermehrte Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle ist eine stärkere Bewusstseinsbildung bei den Konsument:innen zu den verschiedenen R‑Strategien. Eine zielgruppengerechte Kommunikationsstrategie, die den Mehrwert zirkulärer Produkte erläutert und mögliche anfängliche Preissteigerungen transparent einordnet, trägt zur Erhöhung der Akzeptanz bei. Sich dadurch verändernde Nachfragemuster wirken sich wiederum unmittelbar auf die Angebotsgestaltung von Unternehmen aus. Flankierend dazu sollten Netzwerktreffen, Kooperationsplattformen, Bildungs- und Schulungsprogramme sowie Best-Practice-Sammlungen den Erfahrungs- und Wissensaustausch sektor- und länderübergreifend fördern. Innovative Start-ups können dabei als Diffusionsmotoren dienen. Aus Unternehmensperspektive ist der Übergang zu zirkulären Geschäftsmodellen als strukturierter Change-Management-Prozess zu gestalten. Erforderlich sind dafür klare Zielbilder und Verantwortlichkeiten, schrittweise Roadmaps mit messbaren Meilensteinen, belastbare Daten- und Bewertungsroutinen, partnerschaftliche Governance-Modelle mit fairer Risiko- und Wertverteilung sowie ein konsistenter Policy-Mix aus Regulierung, Förderung und Beschaffung. Ein systematisches Teilen von Daten stärkt zudem den Wissensaufbau, verbessert die verfügbaren Angebote und erhöht die Robustheit von Geschäftsmodellen. Ergänzend schafft eine notwendige Harmonisierung verfügbarer Instrumente und Standards mit einheitlichen, belastbaren Kriterien eine fundierte methodische Basis für neue Geschäftsmodelle. So entsteht aus der strategischen Vision der Kreislaufwirtschaft ein konkret umsetzbarer, messbarer und wirtschaftlich tragfähiger Handlungsrahmen, in dem Unternehmen durch den Einsatz zirkulärer Geschäftsmodelle neue Wettbewerbsfelder erschließen und sich als Vorreiter positionieren können.

Danksagung

Die in diesem Beitrag dargestellten Ergebnisse basieren auf Arbeiten, die im Rahmen mehrerer Forschungs- und Innovationsprojekte durchgeführt wurden. In diesem Zusammenhang danken wir der Europäischen Kommission für die Förderung im Programm Horizon Europe (DESIDERATA, GA Nr. 101178011; SNUG, GA Nr. 101123150) sowie dem ehemaligen österreichischen Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) für die Unterstützung im Programm Mobilitätssystem, Mobilität 2023: Kreislaufwirtschaft (FALCON, Nr. FO999913974), durch Direktbeauftragungen (Transition Pathway; CaaS) sowie im Programm NANO-EHS, FTEI-Projekte 2019 (SafeLiBatt, Nr. 880683). Für Letzteres danken die Autor:innen zudem der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) sowie dem Institut National de l’Environnement Industriel et des Risques (Ineris) für die nationalen Förderungen im Rahmen des transnationalen SAF€RA-Programms. Ein besonderer Dank gilt Johanna Berndorfer für die kritische Durchsicht, inhaltliches Feedback und wertvolle Ergänzungen sowie Leonie Pircher für die grafische Ausarbeitung der Abbildungen. Abschließend gilt unser Dank allen Projektpartnern und beteiligten Expert:innen, die mit ihren wertvollen Beiträgen und Rückmeldungen die Arbeiten maßgeblich unterstützt haben.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Title
Zirkuläre Geschäftsmodelle: Systemische Ansätze, Konzepte und Herausforderungen
Authors
Dr. Stefanie Prenner
Thomas W. Bruchmann, MSc.
Dr. Sabine Jung-Waclik
Publication date
01-12-2025
Publisher
Springer Vienna
Published in
Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft
Print ISSN: 0945-358X
Electronic ISSN: 1613-7566
DOI
https://doi.org/10.1007/s00506-025-01190-4
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