Digitale Maschinen-Identitäten auch für PV, Speicher und Wallboxen
- 13.02.2026
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Millionen PV-Anlagen, Speicher und Wallboxen müssen sicher und automatisch zusammenarbeiten. Digitale Identitäten machen Geräte eindeutig erkennbar und ermöglichen neue Services. Das dena-Projekt DIVE zeigt, wie diese Technologie schon heute funktioniert.
Komponenten wie Speicher, PV-Anlagen und Wallboxen könnten mit digitalen Identitäten effizienter und sicherer arbeiten.
Frank Urbansky
Die Energiewende verändert das Stromsystem grundlegend: Statt einiger großer Kraftwerke speisen heute bereits über vier Millionen Photovoltaikanlagen, zehntausende Batteriespeicher und ein schnell wachsender Bestand an Wallboxen Strom ein oder beziehen ihn flexibel. Damit diese vielen dezentralen Anlagen miteinander und mit Netzbetreibern, Energieversorgern oder Apps kommunizieren können, braucht es Sicherheit, Tempo und Vertrauen. Genau das leisten digitale Identitäten.
Digitale Maschinen-Identitäten machen Anlagen eindeutig erkennbar. „Digitale Identitäten für Maschinen und Anlagen funktionieren wie Ausweise im digitalen Raum: Sie ermöglichen das eindeutige Verifizieren von Eigenschaften wie Standort, Verfügbarkeit oder Eigentum“, erklärt Philipp Richard von der dena, die genau das in ihrem DIVE-Projekt erforscht.
Diese Technologie schafft Vertrauen, stärkt die Cybersicherheit und ermöglicht erstmals automatisierte Abläufe, wie sie für ein modernes Energiesystem notwendig sind. Laut den dena-Berichten entsteht dadurch die Chance, ein lange bestehendes „Daten-Dunkelfeld“ über Millionen Kleinanlagen zu beseitigen und Netzbetreibern ein klares Bild der tatsächlichen Anlagenlandschaft zu verschaffen.
Im DIVE-Projekt wurde die Praxistauglichkeit in realen Umgebungen getestet – etwa in einem Einfamilienhaus mit PV-Anlage, Heimspeicher und Energiemanagementsystem, aber auch bei Prozessen wie Registeranmeldungen, Herkunftsnachweisen oder dem Lieferantenwechsel an der Ladesäule. Das Ergebnis: Die Technologie ist verfügbar, funktioniert zuverlässig und lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand einführen.
Fünf DIVE-Berichte zeigen nun, wie solche Systeme implementiert werden können und wie sie für mehr Sicherheit sorgen.
1. Digitale Identitäten im Energiesektor
Der Einstiegsbericht zeichnet ein Zukunftsbild für 2034: PV-Anlagen melden sich selbst im Register an, Wallboxen wechseln automatisch den Stromanbieter und E-Autos weisen an der Ladesäule Grünstromwünsche nach – vollständig digital.
Digitale Identitäten gelten als zentrale Säule eines modernen Energiesystems – wäre da nicht die „digitale Identitätslücke“: Anlagen sind oft nicht eindeutig registriert, Daten liegen verteilt und werden mehrfach erfasst, Prozesse sind fehleranfällig. Digitale Identitäten ermöglichen einen automatisierten Datenaustausch mit verifizierbaren Eigenschaften – Voraussetzung für Flexibilitätsmärkte, Herkunftsnachweise oder Energie-Communities.
2. DIVE 01: Überblick, Einordnung und Evaluation
Ein zentrales Element digitaler Maschinen-Identitäten ist das Vertrauensdreieck (Holder – Issuer – Verifier) – es stellt sicher, dass technische Eigenschaften wie Standort oder Stromerzeugung eindeutig und überprüfbar sind. Der Bericht beschreibt erstmals systematisch den Einsatz selbst-souveräner Identitäten (SSI) im Energiesektor.
Die Evaluation zeigt: Die DIVE-Infrastruktur schließt die Identitätslücke, ist interoperabel, datensparsam, einfach nutzbar und auf Millionen Anlagen skalierbar. Bestehende Komponenten wie das intelligente Messsystem oder Energiemanagementsysteme können integriert werden.
3. DIVE 02: Technische Details und Umsetzung der Basisinfrastruktur
Dieser Bericht erläutert den technischen Aufbau der Identitätsinfrastruktur und wie Geräte wie Wechselrichter, Speicher oder Wallboxen digitale Identitäten erhalten. Zentrale Bausteine sind:
- Energiemanagementsystem (EMS),
- Smart-Meter-Gateway (SMGW),
- Softwaremodule zur Identitätserzeugung,
- Digitale Nachweise (Verifiable Credentials),
- Ein verifizierbares Register auf Basis des KILT-Blockchain-Protokolls.
Automatisierte Anmelde- und Aktivierungsprozesse, etwa wenn beim Netzanschluss neuer PV-Anlagen werden, werden beschrieben. SSI ermöglicht datensparsame Verifikationen („nur wahr/falsch“) und ermöglicht, dass sensible Daten bei den Betreibern bleiben. Der Bericht zeigt zudem, wie Messwerte sicher übertragen und für Anwendungen wie Herkunftsnachweise genutzt werden.
4. DIVE 03 – Mehrwerte für energiewirtschaftliche Anwendungsfälle
Der Bericht beleuchtet konkrete Einsatzszenarien:
Herkunftsnachweise: Kleinste PV-Anlagen können granular zertifiziert werden. Das erhöht Transparenz, verhindert Doppelvermarktung und automatisiert die Nachweiserstellung.
Flexibilitätserbringung: Heimspeicher, Wärmepumpen oder Wallboxen können eindeutig identifiziert und gezielt für die netzdienliche Steuerung eingesetzt werden.
Stromlieferantenwahl an Ladesäulen: Projekte wie ReBeam zeigen, wie E-Autos sich an Ladesäulen authentifizieren und Tarife oder Anbieter unabhängig vom Betreiber der Ladesäule wählen können – ein Gamechanger für Nutzerfreundlichkeit und Wettbewerb.
5. DIVE 04 – Rechtliche Analyse
Die Analyse zeigt, dass die DIVE-Infrastruktur im bestehenden Rechtsrahmen betreibbar ist. Das vorgeschlagene Governance-Modell verteilt Verantwortlichkeiten klar und berücksichtigt Haftungs-, Datenschutz- und IT-Sicherheitsanforderungen. Gleichzeitig werden Bereiche identifiziert, in denen der Gesetzgeber künftig nachsteuern sollte, etwa bei der Anerkennung dezentraler Identitäten oder beim Zusammenspiel mit bestehenden Registern wie dem Marktstammdatenregister.
Weg in die Praxis
Aufbauend auf den DIVE-Ergebnissen startet nun das Folgeprojekt DIMOS. Ziel ist der Aufbau eines Identitätsökosystems, das einheitliche Regeln schafft, damit digitale Identitäten weit verbreitet eingesetzt werden können – in Netzprozessen, bei Stromlieferanten, an Ladesäulen oder in Smart-Home-Systemen. Für Endverbraucher bedeutet das in Zukunft weniger manuelle Anmeldungen, weniger Bürokratie und mehr automatisierte, sichere Abläufe.