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"Umnutzung bestehender Gebäude stärker fördern als Neubau"

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Grünes oder nachhaltiges Bauen wird zur Notwendigkeit – aus Ressourcengründen, durch rechtliche Vorgaben oder ganz einfach zur Vermeidung von stranded assets. Im Interview erklärt Anika Möcker, Professorin für Nachhaltiges Bauen und Betreiben, wie das gelingen kann.

Anika Möcker ist seit 2018 Professorin für Nachhaltiges Bauen und Betreiben an der Hochschule Mittweida.


springerprofessional.de: Wie können wir heute grün bauen?

Anika Möcker: Der nachhaltigste Ansatz ist, auf Neubauten zu verzichten und stattdessen bestehende Gebäude zu nutzen, um Ressourcen und Energie zu sparen. Wenn ein Neubau unvermeidbar ist, sollten natürliche und nachwachsende Materialien wie Holz, Lehm oder Hanf verwendet werden. Zudem ist es wichtig, dass Bauteile wiederverwendbar sind und die Gebäude so ausgerichtet werden, dass sie optimal Sonnenenergie nutzen, um Heiz- und Kühlkosten zu minimieren.

Auch der Betrieb einer Immobilie sollte ja nachhaltig, also grün sein…

Ja, auch das muss schon beim Bau oder besser der Sanierung beachtet werden. Anstatt auf komplexe Technik zu setzen, können wir Materialien wie Lehm oder Stein nutzen, die eine hohe thermische Speicherfähigkeit haben und ein angenehmes Raumklima ohne zusätzliche Kühlung schaffen. Begrünte Fassaden und Dächer tragen zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Förderung der Biodiversität bei.

Im Betrieb ist es wichtig, auf Regenwassernutzung und effizientes Energiemanagement zu achten. Dabei hilft die Digitalisierung. Mit Systemen wie CAFM sowie qualifiziertem Personal, das die so erhobenen Daten analysieren kann, können Verbräuche transparent gemacht und die Ressourcennutzung optimiert werden. BIM kann dabei helfen, alle Bauteile digital zu erfassen und mit Ökobilanzdaten zu verknüpfen.

Zur Nachhaltigkeit gehört auch eine effiziente Flächennutzung. Wie kann die erreicht werden?

Effiziente Flächennutzung ist ebenfalls entscheidend. Unterschiedliche Nutzergruppen sollten über den Tagesverlauf hinweg berücksichtigt werden, zum Beispiel durch die multifunktionale Nutzung von Büroflächen für Sportveranstaltungen. Attraktive Geschäftsmodelle können die Mehrfachnutzung von Flächen fördern. Beispiele aus Amsterdam, wo Büroflächen auch als Yogaräume genutzt werden, zeigen, dass solche Konzepte wirtschaftlich erfolgreich sein können.

Solche Konzepte sind zukunftsweisend, aber noch die Ausnahme. Was wäre hier aus der Politik nötig?

Bei Bauprojekten sollten nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die Lebenszykluskosten berücksichtigt werden. Obwohl Deutschland hohe Energieeffizienzstandards hat, steigt der Flächenverbrauch pro Kopf weiter an. Deshalb sollten ordnungsrechtliche Maßnahmen die Umnutzung bestehender Gebäude stärker fördern, anstatt den Neubau zu bevorzugen.

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    Bildnachweise
    Interview Möcker Bild/© Hochschule Mittweida