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10.03.2020 | Energie + Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Konventionelle Kälteanlage löst im Gewandhaus Nahkälte ab

Autor:
Frank Urbansky
3 Min. Lesedauer

Der Neubau des Gewandhauses zu Leipzig wurde bisher mit Nahkälte durch die benachbarte Universität versorgt. Doch die wächst und hat keine freien Spitzen. Nun soll es Kompressionskälte richten.

Die Kälteversorgung spielt in der Diskussion um die Energiewende nur eine untergeordnete Rolle. Dabei wächst ihr Bedarf stetig an – in Folge des Klimawandels wird sie das auch weiterhin tun. "In der Regel wird die Kälteversorgung über ein zentrales Kältenetz realisiert, in das typischerweise mehrere Kältemaschinen einspeisen", beschreiben die Springer-Autoren Christian Wulf, Martin Kaltschmitt und Frank Dzukowski in ihrem Zeitschriftenbeitrag Betriebsoptimierung großtechnischer Kälteversorgungsverbunde bei limitierter Datengrundlage auf Seite 337 eine technologische und sehr effiziente Möglichkeit.

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06.07.2018 | Ausgabe 4/2018

Betriebsoptimierung großtechnischer Kälteversorgungsverbunde bei limitierter Datengrundlage

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Diese Nahkältelösung wurde bisher auch vom Gewandhaus zu Leipzig benutzt. Seit Eröffnung des Neubaus am Augustusplatz Anfang der 80er Jahre wurde der Musiktempel mit Nahkälte aus der benachbarten Universität versorgt. Damals betrug die Zahl der Studierenden gut 12.000, heute sind es etwa 30.000. Aufgrund des starken Wachstums benötigt die Universität die Kälteproduktion inzwischen fast ausschließlich für eigene Zwecke. Für das Gewandhaus wird tendenziell nicht mehr viel übrigbleiben.

Konstante Temperaturen nötig

Dabei ist der benötigte Bedarf immens und liegt bei einer Leistung von 900 kW. Die sind nicht nur nötig, um in den beiden Konzertsälen, in denen insgesamt 600 Veranstaltungen im Jahr stattfinden, für angenehme Raumtemperaturen zu sorgen. Sie sorgen auch dafür, ständig 50 Prozent Luftfeuchtigkeit und einen Temperaturkorridor zwischen 20 und maximal 27 °C zu halten, damit die Musikinstrumente keinen Schaden nehmen, darunter auch die 6.500 Pfeifen der Schuke-Orgel im Großen Saal. Interessant ist auch die Verteilung der Kühlung im Großen Saal. Die erfolgt über die Sitze, in deren Rückenlehnen nach oben die Austritte für die gekühlte Luft angebracht sind. Das System wurde damals eigens für das Gewandhaus entwickelt, ist einzigartig und wird auch vom neuen Kühlsystem genutzt.

So planten die verantwortlichen Manager zusammen mit den Stadtwerken Leipzig eine neue Kälteversorgung und einen Ersatz für die nun fast 40 Jahre alte Nahkälte. Gelöst wurde dies mit zwei Kompressionsanlagen mit je 450 kW. Betrieben werden sie mit dem Kältemittel R513A, das mit 631,4 etwa die Hälfte des Treibhausgas-Effektes des Ersatz-Kältemittels R134a (1430, bezogen auf CO2) aufweist. Die Rückkühler wurden auf dem Dach untergebracht und aufgrund von Denkmalschutzaspekten so verkleidet, dass sie von unten nicht auffallen.

Eine Million investiert

Eine andere Technologie, etwa Adsorptionskälte, kam nicht in Frage, da im Gewandhaus selbst keine überschüssige Wärme produziert wird. Investiert wurden insgesamt eine Million Euro. Ausgelegt ist die Anlage für einen Betrieb von 20 Jahren. Auch die Leipziger Oper soll demnächst mit einer solchen Anlage gekühlt werden.

Lösungen solcher Art werden selbst im eher kühlen Deutschland immer mehr gebraucht. Der Bedarf an Kälte wächst kontinuierlich und beträgt rund 170 TWh jährlich. Etwa 14 Prozent des deutschen Stromverbrauchs müssen dafür aufgebracht werden. Ein Drittel davon wird für Klimaanlagen benötigt. Deswegen werden effiziente Kältelösungen unverzichtbar sein. "Anders ist die Situation, wenn der Anschluss an ein Wärme- oder Kältenetz möglich ist. Die Kosten für Fernwärme / -kälte sind in hohem Maße vom Standort abhängig", beschreiben die Springer-Autoren S. Herkel, B. Köhler und D. Kalz die wirtschaftliche Dimension einer möglichen, effizienten Lösung, wie sie bisher auch am Gewandhaus praktiziert wurde, in ihrem Buchkapitel Energie – Gebäudeperformance in Planung und Betrieb optimieren auf Seite 262.

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