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25.01.2021 | Energie + Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Repowering könnte Windkraftdelle ausbessern

Autor:
Frank Urbansky
3 Min. Lesedauer

Der Windkraft droht ab diesem Jahr ein drastischer und kontinuierlicher Einbruch, weil viele Anlagen aus der EEG-Förderung fallen. Repowering könnte dem entgegenwirken.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht eine Regelförderung für Stromerzeugungsanlagen von 20 Jahren vor. Nachdem es im Jahr 2000 in Kraft trat und die ersten Anlagen gebaut wurden, fallen diese nun ab diesem Jahr aus der Förderung. Allein 2021 sind 6.000 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 4.500 MW betroffen, was in etwa zwei sehr großen Kohle- oder Atomkraftwerken entspricht.

Förder-Verlängerung keine Dauerlösung

Eine schnell durch die politischen Institutionen durchgewinkte Novelle des Gesetzes Ende des vergangenen Jahres ermöglicht zwar für kurze Zeit eine Weiterverwendung dieser Anlagen. Doch eine Dauerlösung ist dies nicht, weil es zum einen eine weitere Belastung der Bürger durch eine unplanmäßig wachsende EEG-Umlage bedeutet und weil die Vergütung für den Weiterbetrieb kaum ausreichen dürfte.

Eine andere Möglichkeit wäre das Repowering. Dabei werden an den Standorten der Altanlagen, die oftmals nur über wenige hundert kW leistende Windkrafträder verfügen, neue Anlagen im mehrfachen MW-Bereich installiert. "Unter Berücksichtigung der Entwicklungen zum sogenannten Repowering, also dem Austausch alter Anlagen durch neue, effizientere Anlagen, ist außerdem davon auszugehen, dass tatsächlich aus heutiger Sicht eine sehr viel höhere Leistung möglich ist", erklären die Springer-Autoren Janine Kleemann, Kirsten Neumann und Antje Zehm in ihrem Buchkapitel Herausforderungen einer klimafreundlichen Energieversorgung auf Seit 154.

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Doch derzeit ist dies mit erheblichen bürokratischen Hürden verbunden. Das bremse den Ausbau der Windenergie an Land unnötig aus, so der Branchenverband der Energiewirtschaft (BDEW). Er hat Vorschläge erarbeitet, wie Repowering vereinfacht werden kann. Ein entsprechendes Positionspaper enthält ein Maßnahmenpaket mit Anpassungsvorschlägen in den Bereichen des Naturschutz-, des Planungs- sowie des Immissionsschutzrechts.

"Während andernorts schlechte Windbedingungen oder Anwohnerproteste den Bau neuer Anlagen verhindern, haben wir Standorte, die nach wie vor gute Windverhältnisse haben und von den Anwohnern akzeptiert sind", so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Man verschenke große Potenziale, wenn man diese Standorte nicht weiterhin nutze.

Rechtslage hat sich geändert

Das größte Hemmnis für den Ersatz alter Anlagen sei, dass sich im Laufe der Zeit die Sach- und Rechtslage für Genehmigungen verändert habe. So erfüllten viele Standorte zwar zum Zeitpunkt der Erstgenehmigung die Bedingungen für den Bau einer Windenergieanlage, würde heute aber keine Genehmigung für einer Neuzulassung erhalten – selbst dann nicht, wenn die neue Anlage im Vergleich zur Bestandsanlage weniger Beeinträchtigungen für Anwohner, die Tierwelt oder das Landschaftsbild verursacht. Dies verhindere dann auch ein Repowering. Zudem sollten genehmigungsrechtlich relevante Auswirkungen berücksichtigt werden und dem Repowering-Vorhaben zugutekommen können, ohne bestehende Rechtsnormen unterlaufen.

Im Bereich des Natur- und Artenschutzes brauche es Anpassungen in der Zulässigkeitsprüfung. So sollte ein Repowering-Vorhaben ermöglicht werden, wenn aufgrund der Anlagen-Parameter der neuen Anlage ausgeschlossen werden kann, dass sich das Risiko für betroffene Individuen nicht erhöht. Um sicherzustellen, dass Planungsträger das drohende Ende vieler Bestandsanlagen in Deutschland im Blick haben, wenn sie Raumordnungs-, Flächennutzungs- und Bebauungspläne aufstellen, sollte Repowering in Form eines Abwägungsbelangs in den Vorgaben zur planerischen Steuerung von Windenergieanlagen ergänzt werden.

Im Bundesimmissionsschutzgesetz sollte die sogenannte "Verbesserungsgenehmigung" ergänzt werden. Dies würde ein Repowering ermöglichen, wenn zum Beispiel eine neue Anlage einen geringeren Immissionsbeitrag hat als eine alte Anlage.
"Auch das Repowering führt deutlich zur Entlastung, da häufig verstreut und nahe an bebauten Gebieten stehende Bestandsanlagen durch weniger, aber leistungsstärkere Windenergieanlagen ersetzt werden. Optisch verträglicher wirken ebenfalls die deutlich geringeren Umdrehungszahlen neuerer Anlagen", fasst Springer-Gabler-Autorin Nicole Knudsen in ihrem Buchkapitel Projektmanagement in der Windenergie auf Seite 18 die Vorteile einer solchen Lösung zusammen.

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