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25.09.2018 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Energieeffizienz wird schon mit der Bauplanung bestimmt

Autor:
Frank Urbansky

Wie energieeffizient ein Gebäude einmal wird, wird in der Bauplanung maßgeblich bestimmt. Werden hier entscheidende Fehler gemacht, führt das zu deutlichen Mehrverbräuchen und höheren Kosten.


90 Prozent des Energieverbrauchs von Gebäuden im privaten Bereich werden für Heizung und Warmwasser benötigt – gut drei Viertel davon allein für die Raumwärme. In öffentlichen Gebäuden ist dieser Anteil sogar noch höher. "Damit stellen Energieeffizienzmaßnahmen zur Verringerung des Wärmebedarfs und der Einsatz ressourcenschonender Anlagensysteme zur Wärmebereitstellung einen zentralen Schlüssel zur Erreichung der energiepolitischen Ziele in Deutschland dar", zieht Springer Gabler-Autorin Caroline Schäfer auf Seite 8 ihres Buchkapitels Rahmenbedingungen des Outsourcings von Energieeffizienzmaßnahmen über Energie-Contracting eine klare Schlussfolgerung.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Rahmenbedingungen des Outsourcings von Energieeffizienzmaßnahmen über Energie-Contracting

Dem Gebäudesektor kommt aufgrund seines Anteils von 40 Prozent am deutschen Endenergieverbrauch und etwa einem Drittel der CO2-Emissionen eine zentrale Rolle zur Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele zu. 


Dabei ist es immer schwierig, ineffiziente Gebäude im Nachhinein so auszustatten, dass sie weniger Energie verbrauchen. 80 Prozent aller Fehler, die zu mangelnder Energieeffizienz führten, erfolgten bei der Planung, so der Architekt Mario Bodem. 

Zwar bietet der rechtliche Rahmen mit Energieeinsparverordnung (EnEV) und Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) eine klare Handlungsanleitung. Gegen Planungsfehler helfen sie jedoch auch nicht.

Drei Schritte für mehr Effizienz

Bodem empfiehlt daher eine Fokussierung der Planung auf folgende Schritte:

  • Konzeption
    Hierbei muss bereits Wert auf Kompaktheit gelegt werden. Eine Einteilung in Zonen unterstützt die Energieeffizienz. Glasflächen sollten hinsichtlich ihrer Orientierung so angebracht werden, dass sie dem Energieeintrag ins Gebäude dienen. Im Sommer darf dies jedoch nicht zur Überhitzung führen, da so wiederum Mehrkosten bei der Kühlung entstehen. Eben jene Kühlung sollte mittels freier Lüftung nachts unterstützt werden. Dafür bedarf es einer entsprechenden Fensterplanung inklusive deren automatisierter Steuerung für Öffnen und Schließen.
  • Konstruktion
    Auf bessere Materialien sollte in der Konstruktionsphase Wert gelegt werden. Das kostet in der Investition zwar einmalig mehr, aber spart über den langen Lebenszyklus einer Immobilie viel Geld. So wären dreifach gegenüber zweifach verglasten Fenstern vorzuziehen oder hochwertige Flächenheizungen gegenüber Heizkörpern. Erstere arbeiten effizienter mit Strahlungswärme, letztere mit Konvektionswärme.
  • Anlagentechnik
    Von Anfang an soll die Anlagentechnik so automatisiert geplant werden, dass ihr Betrieb zwar geringere energetische Mehrkosten durch die Steuerung verursacht, diesen jedoch ein großer Gewinn an Wärme gegenübersteht. Die entsteht entweder im Gebäude oder wird aber von außen eingetragen und gespeichert. Dazu verhelfen entsprechende Heiz-, Lüftungs- und Kühlsysteme, die sich gegenseitig ergänzen. Als Beispiel dienen können etwa Wärmepumpen im reversiblen Betrieb in Verbindung mit Deckenheizung und Kühlung oder Absorptions-Kälteanlagen, die aus Überschusswärme Kälte erzeugen. Dazu zählt aber auch das Verschatten und Kühlen der Glasfronten und Fenster. Diese Maßnahmen verursachen Mehrkosten sowohl in der Anfangsinvestition als auch in der Pflege und Wartung über den ganzen Lebenszeitraum der Systeme.

Amortisation kontra Investition

Leider werden diese planerischen Grundregeln für energieeffizientes Bauen nicht immer beachtet. Denn der Markt ist geprägt vom Amortisationsdenken, dem sich auch Energieeffizienzmaßnahmen unterwerfen müssen. "Oftmals werden auch für die langfristig ausgerichteten Investitionen für Energieeffizienzmaßnahmen Amortisationszeiten von maximal 2 Jahren vorgegeben, was einer Rendite-Forderung von min. 50 Prozent entspricht! Zu hohe Amortisationsanforderungen können ein großes Hemmnis bei der Umsetzung renditestarker Maßnahmen sein", beschreiben dies die Springer Vieweg-Autoren Markus Blesl und Alois Kessler auf Seite 30 ihres Buchkapitels Grundlagen der Energieeffizienz

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